Titel: Elektrische Bahnanlagen von Siemens und Halske.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 308/Miszelle 2 (S. 240)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/mi308mi11_2

Elektrische Bahnanlagen von Siemens und Halske.

Die Firma Siemens und Halske A.-G. hat soeben eine neue Zusammenstellung der von ihr ausgeführten elektrischen Bahnanlagen nach dem Stande vom Januar 1898 herausgegeben. Dem interessanten Bericht, der ein anschauliches Bild der Thätigkeit der Firma auf dem Gebiete des elektrischen Bahnbetriebes gibt, entnehmen wir Folgendes:

Die erste elektrische Bahn der Firma, die zugleich die erste öffentliche Personenbeförderungsbahn der Welt ist, wurde im Mai 1881 in Lichterfelde bei Berlin eröffnet. Dieser folgten in den Jahren 1883 und 1884 die Bahn in Mödling bei Wien und die von Frankfurt a. M. nach Offenbach; beide mit oberirdischer Stromzuführung mittels geschlitzter Röhren versehen, sind noch heute in unveränderter Form im Betriebe.

Trotzdem durch diese Bahnanlagen die Durchführbarkeit des elektrischen Bahnbetriebes sowohl in technischer wie in wirthschaftlicher Beziehung erwiesen war, konnte man sich in den nächsten Jahren in Deutschland, dem Geburtslande der neuen Zugkraft, nicht sogleich zu weiteren Bahnanlagen nach diesem System entschliessen, erst mit dem Jahre 1889, als Siemens und Halske die Budapester Stadtbahnen in Angriff nahm, begann eine regere Thätigkeit auf dem bisher in Europa noch fast unbekannten Gebiete.

Die Budapester Bahnen, deren Netz mit einer Gesammtlänge von 180 km in Europa jetzt nur durch die Hamburger Anlagen um wenige Kilometer übertroffen wird, bieten insofern ein erhöhtes Interesse, als bei ihnen 1889 zum ersten Mal die unterirdische Stromzuführung nach dem System Siemens und Halske mit gleich gutem technischen und finanziellen Erfolge in Anwendung gekommen ist. Zur Zeit sind in Budapest 59,5 km Gleis mit Unterleitung versehen.

Ausser diesen besitzt Budapest noch eine bis jetzt in Europa einzig dastehende Unterpflasterbahn, nämlich die im J. 1896 eröffnete Kaiser Franz Joseph elektrische Untergrundbahn.

Im Anfang der 90er Jahre wurde in rascher Aufeinanderfolge durch Siemens und Halske der elektrische Betrieb in Hannover, Dresden, Lemberg, Mülhausen i. E., in dem industriereichen Bezirk Bochum-Gelsenkirchen, in Bukarest, Gross-Lichterfelde und in Berlin eingeführt. Von den neueren Anlagen sind die Bahnen in Sarajewo, Basel, Kopenhagen, Bahia, Berlin-Charlottenburg, Oberhausen (Rheinland), Darmstadt und die nahezu vollendeten Bahnen in Olmütz, Wien und der Umbau und Ausbau des gesammten Trambahnnetzes in Graz zu erwähnen.

Auf diesen Bahnen sind über 1000 elektrische Motorwagen, zum Theil mit je 1, zum Theil mit je 2 Motoren ausgerüstet und eine grosse Anzahl Anhängewagen im Betrieb. Die zur Erzeugung des elektrischen Stromes für den Bahnbetrieb von Siemens und Halske in Benutzung genommenen Pferdestärken betragen 30000.

Zur Zeit sind im Bau bezieh. in Vorbereitung begriffen Strassenbahnanlagen in Berlin, im Kreise Bochum-Gelsenkirchen, in Waldenburg, Bonn, Hagen, Cassel, Frankfurt a. M., Düsseldorf-Crefeld, Wien, Budapest, Teplitz-Dux-Ossegg, Gloggnitz, Schottwien, Bozen-Gries, Meran-Obermais, Weimar und Peking-Ma-chia-pu.

Besondere Erwähnung verdient noch die von der Firma Siemens und Halske zur Zeit in Berlin in Angriff genommene elektrische Stadtbahn mit ihren Erweiterungslinien, die theils als Hochbahnen ausgeführt werden, theils als Unterpflasterbahnen nach dem Budapester Vorbilde.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: