Titel: Schienenstösse.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 308/Miszelle 4 (S. 269)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj308/mi308mi13_4

Schienenstösse.

Ueber das vielfach angezweifelte Falk'sche Verfahren, nach welchem die an einander stossenden Schienenenden in den Strassenbahngleisen durch Umgiessen mit Gusseisen verschweisst werden, so dass thatsächlich ein ununterbrochenes Gestänge ohne Stosslücken entsteht, äusserte sich nach Glaser's Annalen der Regierungsbaumeister Fraenkel in folgender Weise: Dieses Verfahren wird seit einigen Monaten in der Gneisenaustrasse, der Potsdamerstrasse (Berlin) versuchsweise angewendet und ist hier bereits auf 3 km ausgedehnt. Nach den vorgezeigten Proben tritt eine so innige Verbindung zwischen den Schienen und dem umgossenen Gusseisen ein, namentlich in den unteren zwei Dritteln des Profils, dass das Schienengestänge einer einzigen, in der ganzen Länge durchlaufenden Schiene vergleichbar ist. Dieselbe kann demnach etwaige Längenänderungen in Folge der Temperatureinwirkung nicht mehr durch Verengerung oder Erweiterung der Spielräume am Stoss ausgleichen. Nach mehrjährigen Erfahrungen bedarf es übrigens eines solchen Ausgleichs, also auch der Spielräume am Stoss, bei den Strassenbahngleisen nicht, weil die Temperaturänderung in Folge der Einbettung der Schiene in die Pflasterung in massigen Grenzen bleibt. Vor dem Umgiessen der Stösse werden die Schienenenden in eine genau zu einander passende Lage gebracht; bei alten Gestängen wird der Spalt zwischen denselben durch eine passende Blecheinlage geschlossen, bei neuen werden die Schienenenden scharf an einander gestossen. Die äussere Begrenzung für den „Gusseisenklumpen“ bildet eine zweitheilige eiserne Form. Das flüssige Gusseisen wird einem auf einen Strassenwagen gestellten Cupolofen entnommen, in welchem das Gusseisen ganz in der Weise niedergeschmolzen wird, wie in einer Eisengiesserei. Der Wagen trägt auch einen Dampfkessel und das nöthige Gebläse; letzteres wird von einer de Laval'schen Dampfturbine angetrieben.

Man erspart bei dieser Stossverbindung die störenden Unterhaltungsarbeiten und erhofft eine längere Dauer der Gleise; den Fahrgästen bietet sie die Annehmlichkeit einer stosslosen Fahrt und eine Verminderung des Geräusches.

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