Titel: Doppelsteppstich-Kurbelstickmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 309 (S. 52–54)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/ar309014

Faserstoffe.
Doppelsteppstich-Kurbelstickmaschine.

Mit Abbildungen.

Unter der Bezeichnung: Universal-Stickmaschine „Stella“ bringt die durch den Bau von Posamentier-, Weberei-, Wirkereimaschinen u.s.w. allbekannte Firma G. Stein in Berlin, Blumenstrasse, seit einigen Jahren eine Doppelsteppstich-Kurbelstickmaschine mit grossem Erfolg zum Verkauf, welche die Herstellung der verschiedensten Sticharten, als: Hexenstich, Pilgerstich, Flach- oder Füllstich und Knotenstich, auf einfachste Weise ermöglicht und mit diesen das Benähen bezieh. Aufnähen von Zierfäden, Litzen u.s.w. auf Tüll, Leinen, Kleiderstoff, Tuch, starkem Double, ja selbst Leder gestattet. Die Maschine ist eine Erfindung von Adolphe Victor Deshayes in Paris und Gegenstand des deutschen Patents Nr. 61839, welches ebenso wie alle Auslandspatente auf die obengenannte Firma übergegangen ist. Mit Rücksicht auf das grosse Interesse, welches die genannte Maschine in Fachkreisen, ausserdem aber auch auf der letzten Berliner Gewerbeausstellung gefunden hat, dürfte sich ein näheres Eingehen auf die Construction derselben wohl rechtfertigen.

Das Wesentliche der bezeichneten Kurbelstickmaschine besteht darin, dass der Nadelstange mittels einer verschiebbaren konischen Hubscheibe eine grössere oder |53| kleinere Schwingbewegung ertheilt wird, die Nadel also einen Zickzackstich ausführt, der durch Anwendung eines der Bonnaz-Stickmaschine ähnlichen Kurbelmechanismus mit Leichtigkeit jeder Vorzeichnung entsprechend geführt werden kann.

Die Haupttriebwelle 1 der in den Fig. 1 bis 3 dargestellten Maschine ist dem Arm 2 derselben wagerecht gelagert und trägt zwei Hubscheiben, welche die beiden Hebel 4 bethätigen, von denen der eine den nach allen Seiten drehbaren Stoffdrücker 5 in auf und ab gehende, der zweite dagegen die Vorrichtung 35 in Bewegung versetzt, durch die in der bei Bonnaz-Maschinen bekannten Weise die Seiten Verschiebung des Stoffdrückers herbeigeführt wird. Eine weitere, auf der Triebwelle 1 vorgesehene unrunde Scheibe 6 versetzt mittels Laufrolle die Herzscheibe 7 in auf und ab gehende Bewegung. Diese Herzscheibe ist an der in dem Kopf der Maschine geführten Stange 8 befestigt, welche mit oberem Querstück 9 den kugelförmigen Kopf 23 (Fig. 4) der hohlen Nadelstange 10 in der Weise umfasst, dass derselben eine Drehung um ihre Achse und eine schwingende Bewegung gestattet ist. Die Nadelstange ist in dem Rohre 11 angeordnet, auf welchem auch der die schwingende Bewegung der Nadel hervorbringende Mechanismus angebracht ist. Dieser Mechanismus besteht im Wesentlichen aus zwei Hebeln 12, welche drehbar in einer am Rohr 11 befestigten Muffe 12× gelagert sind und sich mit ihren oberen Enden gegen die nach derselben Richtung abgeschrägten Gleitflächen eines auf dem Rohr 11 senkrecht verschiebbaren Gleitstückes 16 legen, während sie an ihren unteren Enden mit einander verbunden und mit entsprechenden Führungsrollen versehen sind, die sich gegen die an dieser Stelle vierkantige Nadelstange 10 legen, so dass die Nadelstange nicht nur an den Schwingungen der Hebel 12, sondern auch an den Drehungen des Hebelsystems, der Muffe 12× und des Rohres 11 theilnehmen muss.

Textabbildung Bd. 309, S. 53

Das Gleitstück 16 ist an einer Hülse 15 befestigt, welche auf dem Rohr 11 gleiten, aber sich nicht drehen kann und an ihrem oberen Ende von der Gabel eines Winkelhebels 14 umfasst wird, dessen kürzerer Arm von einer konischen Hubscheibe 13 bethätigt wird. Diese Hubscheibe 13 ist auf der mit einem Keil versehenen Welle 19 verschiebbar gelagert und kann mittels des Hebels 20 auf derselben hin und her geschoben werden. Auf diese Weise kann man dem Winkelhebel 14, der durch eine Feder beständig gegen die konische Hubscheibe 13 gepresst wird, nach Wunsch die eine oder die andere Stelle der Hubscheibe darbieten, so dass der Hub der Hülse 15 und damit der Ausschlag der schwingenden Nadelstange beliebig verändert werden kann. Auch kann man die Hubscheibe ganz ausser Bereich des Winkelhebels bringen, so dass die Hebel 12 keine Bewegung erhalten und die Nadelstange in Folge dessen sich nur senkrecht auf und ab bewegt. Der Antrieb der Welle 19, auf welcher die konische Hubscheibe sitzt, erfolgt durch ein auf der Hauptantriebswelle 1 befestigtes Zahnrad, welches in das Zahnrad 17 der Welle 19 eingreift.

Auf das untere Ende des Rohres 11 ist der Fadenführer 24 für den Stickfaden geschoben, der von einer Feder gegen den Stoff gepresst wird. Diese Pressung erfolgt, während der durch das Oehr der Nadel gehende Nähfaden die Schlinge bildet, durch welche das Schiffchen hindurchschlüpft. Da der Fadenführer 24 nicht fortwährend auf dem Stoff aufliegen darf, vielmehr abgehoben werden muss, wenn der Stoff verschoben werden soll, ist die Nadelstange 10 an ihrem unteren Ende mit einem Vorsprung versehen, welcher sich beim Hochgehen der Nadelstange gegen einen an dem Fadenführer 24 angebrachten Anschlag legt und dadurch den Fadenführer von dem Stoff abhebt.

Seine Drehung erhält das Rohr 11 durch ein Zahnrad 28 von einem auf der senkrechten Welle 36 befestigten Zahnrad 29. Die Welle 36 wird mittels der Kegelräder 30 von der wagerechten Welle 31 angetrieben. Das Rohr 11 überträgt seine Drehung durch ein Zwischenrad 32 auf das Zahnrad 33, welches auf der senkrechten Welle 34 befestigt ist, auf welcher sich die von der Bonnaz-Maschine bekannte Excentervorrichtung 35 des Stoffdrückers 5 befindet.

An dem oberen Ende der in dem Bock 37 gelagerten senkrechten Welle 36 ist das Zahnrad 38 angebracht, welches das mit dem Spulengestell verbundene Zahnrad 39 antreibt. Dieses Spulengestell ruht auf der mit dem Zahnrad 39 verbundenen Scheibe 40.

Mit dem die Nadelstange 10 bethätigenden, auf und ab gehenden Querstück 9 ist ein Rohr 41 verbunden, welches sich nach oben über die Scheibe 40 hinaus erstreckt, und dazu dient, den Fadenspanner 52 zu bethätigen. Dieser Fadenspanner ist auf der Scheibe 40 drehbar gelagert, und in seinen gebogenen Schlitz fasst ein Stift des vom Rohr 41 ausgehenden Armes. Auf der Scheibe 40 ist ferner die Spulenbremsvorrichtung angebracht. Diese Bremsvorrichtung besteht aus einem Rohr, auf welchem zwei Kegel angebracht sind, der eine fest, der andere verschiebbar. Diese Kegel dienen dazu, die Spule 46 auf dem Rohr zu bremsen. An dem einen Ende ist das Rohr mit einem Zapfen versehen, in dessen mittlere Vertiefung die Spitze einer Schraube eingreift. Auf der anderen Seite ist das Rohr mit einem beweglichen |54| Kolben versehen, der sich gegen eine der Schraube entsprechende Spitze stützt. Im Innern des Rohres ist eine Spiralfeder angebracht, gegen welche sich der Kolben stützt. Durch Anziehen der Schraube kann man auf die Spule einen mehr oder minder starken Druck ausüben.

Der von der Spule 46 kommende Nähfaden läuft zuerst durch ein festes Einführungsauge, darauf zum drehbaren Fadenspanner 52, von diesem durch das Rohr 41 zu der hohlen Nadelstange 10 und in dieser schliesslich zur Nadel. Das auf der Spule 42 aufgewickelte Stickmaterial läuft denselben Weg wie der Nähfaden, bis zur Führung 24, welche es der Nadel darbietet.

Die wagerechte Welle 31, welche dem Rohr 11 und der Nadel nebst Zubehör die Drehbewegung ertheilt, erhält ihre Bewegung mittels der Kegelräder 54 von der senkrechten Welle 56 aus. Diese Welle wird mittels der Kegelräder 57, 58 von der wagerechten Welle 59 (Fig. 1, Fig. 3) angetrieben, welche ihrerseits mittels der Kegelräder 63 und der Welle 62 von der Handkurbel 60 in Umdrehung versetzt wird. Die wagerechte Welle 59 trägt an ihrem vorderen Ende ein grosses Kegelrad 65, welches das wagerechte Kegelrad 66 antreibt, durch welches das Schiffchengehäuse der Nadelstellung entsprechend gedreht wird.

Textabbildung Bd. 309, S. 54

Das Kegelrad 66 ist in dem Hängearm 67 gelagert, durch welchen eine senkrecht verschiebbare Stange 68 hindurchtritt. Die Stange 68 wird von dem Hebel 69 bethätigt, der sie mit einer entsprechenden Gabel umfasst und auf diese Weise auf und ab bewegt. An ihrem oberen Ende ist die verschiebbare Stange 68 mit einem wagerechten Stift 71 versehen, welcher in den schraubenförmigen Schlitz eines senkrechten Zapfens 70 eingreift und denselben dadurch bei seiner auf und ab gehenden Bewegung in eine schwingende Drehbewegung versetzt. Der mit dem schraubenförmigen Schlitz versehene Zapfen 70 theilt seine schwingende Drehbewegung dem Schiffchen durch den Schiffchentreiber mit, der auf dem Zapfen 70 befestigt ist. Dieses Schiffchen und der Schiffchentreiber arbeiten in dem Schiffchengehäuse, welches auf einem Rahmen 75 angebracht ist, der mit dem Kegelrad 66 fest verbunden ist. Ueber dem Schiffchen und dem Schiffchengehäuse liegt die Deckplatte 76, in deren Mitte die Stichplatte angebracht ist, welche mit einer länglichen Oeffnung für die springende Nadel versehen ist. Diese Stichplatte ist mit dem Rahmen 75 fest verbunden und nimmt mit an dessen Drehung Theil.

Um der Nadelspitze den Durchgang durch das (Schiffchengehäuse) zu gestatten, ist in demselben eine längliche Oeffnung vorgesehen, welche der Oeffnung der Stichplatte 76 genau entspricht.

Der die Stange 68 bethätigende Hebel 69 ist auf der Welle 80 befestigt, die an ihrem anderen Ende mit einem geschlitzten Hebel 82 versehen ist. An diesen geschlitzten Hebel greift eine Pleuelstange 83 an, die vor einer Hilfswelle sitzt, die von der Kurbelscheibe bethätigt wird, welche auf der Hauptantriebswelle in Umdrehung versetzt wird. Die Vorrichtung 88 zum Ausrücken der Maschine ist von der allgemein üblichen Construction und bedarf keiner weiteren Beschreibung. Die schwingende Bewegung der Nadelstange kann auch noch auf andere Weise hervorgerufen werden, als durch die in Fig. 1, 3 dargestellte Anordnung. Fig. 4 und 5 zeigen beispielsweise solche Abänderungen. In Fig. 5 ist die senkrechte Welle 34 mit den Zahnrädern 32 und 33 ganz fortgefallen. Die Antriebsvorrichtung 35 für den Stoffdrücker 5 ist in diesem Falle direct auf dem Rohr 11 angeordnet.

Textabbildung Bd. 309, S. 54
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