Titel: Neuerungen an mechanischen Buckskinstühlen.
Autor: Braulik, A.
Fundstelle: 1898, Band 309 (S. 88–93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/ar309026

Faserstoffe.
Neuerungen an mechanischen Buckskinstühlen.

Eine Studie von Ingenieur A. Braulik.

(Fortsetzung des Berichtes S. 71 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Eine der einfachsten Schützenwechselvorrichtungen für vierzellige Schützenkästen ist die Construction von Hacking des sogen. Hacking-Wechsels, wobei die beiden Huborgane (zwei Excenter) r so angeordnet sind, dass das kleinere Excenter (für eine Zellenhöhe) in das grössere Excenter (für zwei Zellenhöhen) eingelegt ist. Diese Construction erscheint unter D. R. P. Nr. 76178 beschrieben und wurde in der oben angeführten Studie vom Jahre 1895 bereits genügend besprochen.

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G. A. Falke in Oberlangenbielau in Schl. hat unter D. R. P. Nr. 80592 sich einen Hacking-Wechsel für sechszellige Schützenkästen patentiren lassen; die Wirkungsweise dieser Vorrichtung ist aus Fig. 12 ersichtlich. e1 ist das kleine Excenter, welches in das Excenter e2 eingelegt ist, wobei der Excenterring r mit dem einarmigen Hebel toa im Punkte o verbunden ist. Denken wir uns sonst nichts mehr gezeichnet, und im Punkte a irgendwie die Schützenkastenstange angebracht, so haben wir den einfachen Hacking-Wechsel, indem durch die Verdrehung des Excenters e1 oder e2, oder endlich beider zugleich um je 180° der Punkt a in die Stellungen 2, 3 und 4 gelangen wird, welche den Zellenhöhen im Schützenkasten entsprechen.

Textabbildung Bd. 309, S. 89

Denkt man sich nun noch ein drittes Excenter e3 angeordnet und dessen Excenterring r1 mit dem Hebel ps verbunden, welcher Hebel um den Punkt a drehbar gemacht ist, so erhalten wir die neue Einrichtung für sechs Kästen.

Die Verdrehung des Excenters e1 um 180° hebt oder senkt den Punkt s um eine Zellenhöhe. Die Verdrehung des Excenters e2 oder des Excenters e3 hebt oder senkt den Punkt s um ein Stück, das zwei Zellenhöhen entspricht.

Werden nun diese drei Bewegungen combinirt, so gelangt der Punkt s in sechs Höhenlagen, die den Zellenhöhen des Schützenkastens entsprechen.

Es ist für Kasten I: e1 oben, e2 oben, e3 unten.
II: e1 unten, e2 oben, e3 unten.
III: e1 oben, e2 unten, e3 unten oder
e1 und e2 oben, e3 oben.
IV: e1 und e2 unten, e3 unten oder
e1 unten, e2 oben, e3 oben.
V: e1 oben, e2 unten, e3 oben.
VI: e1 unten, e2 unten, e3 oben.

Die Wirkungsweise bleibt dieselbe, wenn man die Verbindung der Excenterringe umändert in der Art, dass der Excenterring r mit dem Punkte p des Hebels ps und der Excenterring r1 mit dem Punkte o des Hebels ta verbunden wird.

Diese Anordnung ist aus Fig. 13 ersichtlich; sie eignet sich für die praktische Verwendung weniger. Aus Fig. 12 und 13 ist ferner zu entnehmen, dass für die Einstellung der mittleren Kästen III oder IV zwei Arten von Bewegungen je in eine Höhenlage zusammenfallen.

Darin ist die Ursache begründet, dass man diese Vorrichtung durch entsprechende Aenderung des Hubes von e3 (vgl. Fig. 12) sehr leicht für eine achtkästige Lade umändern kann.

Wird in Fig. 14 das Excenter e3 durch einen Kurbelzapfen e3 ersetzt und der Kurbelradius so gross gemacht, dass eine Umdrehung um 180° den Punkt s des Hebels sap um vier Zellenhöhen hebt oder senkt, so erhalten wir die Vorrichtung für achtzellige Kästen. Combinirt man die Bewegung von e3 mit e1, kommt Kasten VI, e3 mit e2 bringt den Kasten VII an die Ladenbahn, und endlich die Bewegungen von e1, e2 und e3 zusammen bringen Kasten VIII zur Bahn.

Textabbildung Bd. 309, S. 89

Aus Fig. 8 und 14 (vgl. 1895 295 100) ist ersichtlich, dass eine Schützenwechselvorrichtung für vierzellige Schützenkästen durch Combination mit einem dritten Huborgan in der Art, dass dieses den Schützenkasten in vier Zellen heben oder senken kann, leicht zu einem Mechanismus für achtzellige Kästen ergänzt werden kann. Durch eine entsprechende Aenderung der Hubgrösse an den einzelnen Huborganen können dann mehrere Combinationen von Bewegungen je eine Höhenlage des Schützenkastens bedingen, und man erhält auf diese Weise die Vorrichtung für eine kleinere Zellenzahl.

Textabbildung Bd. 309, S. 89

Nehmen wir einen ganz beliebigen vierkästigen Schützenwechsel, so z.B. das D. R. P. Nr. 68647 (vgl. Fig. 15 1895 295 101) mit zwei gleichgrossen Excentern l |90| und II in Fig. 15, die auf einer festen Welle sitzen, und deren Excenterringe mit den Punkten a und b des zweiarmigen Hebels abc verbunden sind. Wird der Punkte mit dem Schützenkasten verbunden, so entsprechen seine vier Höhenlagen c, 2, 3 und 4 den vier Höhenlagen des Schützenkastens.

Wird nun auf den Punkt e ein Winkelhebel dce als Zwischenglied gelagert, sein Ende c mittels Zugstange an das dritte Huborgan, den Kurbelzapfen III, gebracht, so wird eine Umdrehung des letzteren um 180°, d.h. nach III1, den Punkt d nach (5) bringen, also um vier Zellenhöhen heben oder senken, wenn der Schützenkasten mit dem Punkte d in Verbindung steht.

Textabbildung Bd. 309, S. 90
Kommt a nach a1, gelangt c nach 2, e nach 2 und d nach (2). Kasten II an der Ladenbahn.
b b1, c 3, e 3 d (3). III
a a1, b nach b1, c 4, e 4 d (4). IV
III nach III1, e 5 d (5). V
a nach a1, III nach III1, c 2, e 6 d (6). VI
bb1, IIIIII1, c 3, e 7 d (7). VII
aa1, b nach b1, III nach III1, c 4, e 8 d (8). VIII

Die Verbindung der bestehenden Schützenwechselvorrichtungen für vierkästige Lade mit dem dritten Huborgan, um die Vorrichtung für achtkästige Laden zu erhalten, lässt sich in der verschiedensten Art anbringen, und bietet dem Constructeur eine interessante Auswahl.

So wurde das Princip des vierkästigen Wechsels (vgl. Fig. 8 1895 295 99) von der Webstuhl- und Maschinenfabrik vorm. May und Kühling in Chemnitz mit einem dritten Huborgane in einer besonderen Art combinirt, und eine Wechselvorrichtung unter D. R. P. Nr. 69663 gewonnen, die für Rollen- und Pappkarte construirt wurde. In Fig. 16 ist diese Construction skizzirt.

Textabbildung Bd. 309, S. 90

Eigenthümlich ist ein concentrisch geschlitzter, um den Punkt a schwingender Kastentraghebel r, der mit dem Schützenkasten in x verbunden wird. Die Bethätigung des Kastenhebels erfolgt unter Vermittelung von Kurbeln und von einem im Kastentraghebel sich selbst führenden bezw. hängenden Differentialgetriebe k. Ist nun, wie bekannt, , so hat man die Stellungen für die ersten vier Kästen durch die Bewegung der Kurbeln h und h1 einzeln oder zusammen um 180°. Mit b, welcher Punkt in die Lagen 2, 3 und 4 gelangt, ist eine Zahnstange s verbunden, die in k eingreift, und kann daher der Punkt x in die Stellungen (2), (3) und (4) gelangen. Kommt nun aus der gezeichneten Lage h2 bezw. g nach g1 oder e nach e1, so kommt, da das Getriebe k durch Stange m an Hebel efg hängt, der Punkt x nach (5). Kommen hierzu noch die früheren Bewegungen von h und h1, so erhält man die Stellungen (6), (7) und (8) des Punktes x. Zu bemerken ist noch, dass das Rad k in den verzahnten Kastenhebel r eingreift, und die Achse dieses Rades k, welche durch das dritte Huborgan h2 beeinflusst wird, in einem concentrischen Schlitz des Kastenhebels r geführt ist.

Es kann nicht geleugnet werden, dass die Construction nach Fig. 16 etwas complicirt, und bei grossen Zellenhöhen (wie dies bei Buckskinstühlen ja üblich) der Kastenhebel r massig wird und dadurch störend wirkt, wenn auch die ganze Vorrichtung das Gute hat, dass der ganze Mechanismus in einer Ebene aufgebaut erscheint, und der Angriffspunkt auf die Kastenreihen vollständig im Mittel der Kastenstange erfolgt.

Denselben Zweck würde man auf die einfache Art auch erfüllt haben, wie sie in einer Abänderung Fig. 17 gezeichnet erscheint. Neu ist hier die Stange bcd, welche durch Stange s mit dem vierkästigen Mechanismus verbunden ist und die Stellungen des Punktes c für Kasten 1 bis 4 bedingt; ferner die Stange m, welche die Stange bcd mit dem dritten Huborgan verbindet.

Textabbildung Bd. 309, S. 90

Dieses allein stellt den Punkt in die Lage für Kasten 5, und in Combination mit Bewegung der Stange s werden die anderen drei Stellungen für Kasten 6, 7 und 8 in der ersichtlichen Weise erzielt. Diese Verbindung |91| wäre einfacher, da nur Hebel und Stangen in Verwendung gelangen, und ein genaues Einstellen durch Klemmschrauben in Schlitzlöcher erfolgt.

Denselben Zweck würde auch die Variante (Fig. 18) wohl erfüllen, wobei die Verbindung des dritten Huborgans mit dem Mechanismus für eine vierkästige Lade nach der Art wie in Fig. 15 stattfinden kann. Diese Abänderung wäre noch einfacher als die in Fig. 17; sie ist nahe verwandt der Lösung nach Fig. 8 und D. R. P. Nr. 85277.

Textabbildung Bd. 309, S. 91

Adolphe Winckler in Verviers (Belgien) hat sich unter D. R. P. Nr. 45884 eine Schützenwechselvorrichtung patentiren lassen, welche auch, wenn ich nicht irre, schon in der Pariser Ausstellung 1889 an den Stühlen der Gesellschaft vormals Houget et Teston in Verviers Anwendung gefunden. Diese Construction führe ich nur aus dem Grunde an, um ihre grosse Aehnlichkeit mit der vorangehenden zu vergleichen, und die Betrachtung zu ergänzen.

In Fig. 19 wird die erforderliche Zahl der Stellungen des Schützenkastens dadurch herbeigeführt, dass ein mit seinem Drehpunkt schwingend aufgehängter doppelarmiger Hebel s (kann gleicharmig sein), dessen eines Ende e in verschiedenartiger Weise mit dem Schützenkasten verbunden werden kann, durch Hebel r ( oder auch nicht), Stangen o, p und q, sowie Kurbelzapfen k1, k2 und k3 verschieden grosse Schwingungen erfährt.

Nach der früheren Beschreibung ist die Einstellung der einzelnen Schützenzellen aus der Zeichnung leicht zu entnehmen; es ist auch richtig, dass, nach der gezeichneten Anordnung (laut Patentblatt), höchstens siebenzellige Schützenkästen mit diesen drei Huborganen beherrscht werden können. Die Ursache liegt in der Annahme, dass Kurbel k3, um 180° verdreht, nicht um vier, sondern um drei Zellen den Schützenkasten heben oder senken kann; es entsprechen daher für Kasten IV zwei Bewegungscombinationen. In der Patentzeichnung ist das Hebelende e durch eine über Rollen laufende Kette mit der Schützenkastenstange verbunden.

Textabbildung Bd. 309, S. 91

Soll der Schützenwechselmechanismus nicht nur die Hebung der Kästen bewirken, sondern positiv arbeiten, so müsste die Anordnung der Hebel etwas geändert werden, um gleiche Hubhöhen zu erhalten.

In Fig. 20 ist derselbe Wechsel in der Art gezeichnet, dass die drei Huborgane k1, k2 und k3 vollkommen ausgenutzt werden und achtkästige Laden in Verwendung zu bringen gestatten. Die Anordnung ist ferner so getroffen, dass der Punkt e in starrer Weise mit der Schützenkastenstange verbunden werden kann, und die Vorrichtung bei gleichen Hubhöhen positiv arbeitet.

Die getroffene Aenderung entspricht der Art und Weise wie in Fig. 14 bereits gezeigt wurde, so dass eine nähere Beschreibung der Variante in Fig. 20 überflüssig wird.

Es ist eine natürliche Erscheinung, dass mit der Steigerung der Leistungsfähigkeit der Webstühle in erster Linie die Schützenwechselvorrichtungen eine Aenderung in ihrer Construction erlitten haben. Es ist ja unbedingt nöthig, dass der Mechanismus ganz genau arbeitet; daher wird die ganze Vorrichtung zwangläufig angeordnet.

Textabbildung Bd. 309, S. 91

Das früher schon beschriebene (1895 295 97) Knowles-Getriebe besitzt Vorzüge, die dafür maassgebend waren, dass man dieses Detail an den Schützenwechselvorrichtungen gegenwärtig bei modernen Webstuhlconstructionen sehr oft, bei Schaftmaschinen oft angewandt hat.

Die Antriebsart, die leichte Verbindung des Getriebes mit den verschiedensten Formen der Huborgane, die sich ergebende Möglichkeit, verschiedene zweckentsprechende Verbesserungen anzubringen, und die Leistungsfähigkeit eines Wechselstuhles beinahe auf die Höhe der glatten Stühle zu bringen, dies alles waren Vortheile, welche die amerikanische Erfindung bei uns vollkommen einbürgern liessen.

Textabbildung Bd. 309, S. 91

Paul Schönherr in Chemnitz hat sich unter D. R. P. Nr. 68433 einen vierkästigen Schützenwechsel mit Knowlesschem Schaltgetriebe patentiren lassen; das Princip dieser Construction ist aus Fig. 21 ersichtlich. Da die Einwirkung der Rollenkarte auf diese Schaltgetriebe als etwas Bekanntes vorausgesetzt werden kann, so ist eine nähere Beschreibung unnöthig. Die Kurbelzapfen sind durch Arme g1 g2 mit je einem Zahnsector verbunden, und zwar der eine Kurbelzapfen durch g2 mit s1 (einem aussen gezahnten), der andere durch g2 mit s2 (einem innen gezahnten) von doppelt grossem Radius. Neben den beiden Zahnsectoren ist auf derselben Achse ein Winkelhebel p angebracht, |92| der einerseits das Stirnrädchen o trägt, welches mit beiden Sectoren in Eingriff steht, und andererseits durch die Stange t mit dem Kastenheber verbunden wird.

Die Wirkungsweise ist nun sehr einfach: Wird der Punkt b des Sectors s1 aus der gezeichneten Lage nach b1 gebracht, so gelangt der Punkt a des Winkelhebels p nach (2).

Kommt der Punkt b2 des Sectors s2 aus der gezeichneten Lage nach b2, so gelangt der Punkt a nach (3). Erfolgen nun diese beiden Bewegungen gleichzeitig, so kommt a nach (4). Diese Stellungen a, (2), (3) und (4) entsprechen vier gleichen Zellenhöhen des Schützenkastens.

Um ein sicheres Eingreifen der Zähne des Kurbelrades k mit den theilweise gezahnten Walzen zu bewirken, und die Lage des Kurbelzapfens in den Ruhestellungen zu sichern, ist bei den Knowles-Stühlen auf die Zugstangen oder Arme g ein um eine Achse schwingendes cylindrisches Gewicht angebracht.

Die Grossenhainer Webstuhl- und Maschinenfabrik vorm. Ant. Zschille hat sich unter D. R. P. Nr. 79881 eine Einrichtung zur Sicherung des Zahneingriffes der Kurbelräder von Knowles-Getrieben patentiren lassen, welche aus Fig. 22 ersichtlich ist.

Sie besteht darin, dass Federn f am Radhebel r0 befestigt sind, die mit ihren Rollen auf die Kurbelstangen z drücken, welche mit dem Kurbelzapfen in Verbindung stehen.

Der Druck lässt aber sofort nach, wenn die Kurbelzapfen die Ruhestellung verlassen. Um diese Druckaufhebung herbeizuführen, ist die Kurbelstange z entsprechend abgekröpft. Beim höchsten Stand des Zapfens a läuft die Rolle auf der tiefsten Stelle der Auskröpfung.

Bekanntlich müssen die Radhebel r0 (vgl. Fig. 21) während der Zeit, in welcher die Räder k mit den Zahnwalzen in Eingriff stehen, in ihren entsprechenden Stellungen festgehalten werden. Diese Sperrung besteht gewöhnlich aus einer Schiene, welche im geeigneten Moment sämmtliche vorhandenen Radhebel absperrt oder freilässt. Die Form der Radhebel an dieser Schliessungsstelle, sowie die Form der Schiene ist so beschaffen, dass eine selbstthätige Oeffnung des Messers in Folge seitlichen Druckes, wie solcher bei der Arbeit während der Drehung der Kurbelräder vorhanden ist, vollständig ausgeschlossen bleibt.

Die Folge davon ist, dass in Fällen, wo sich der Bewegung der Kurbelräder irgend ein Hinderniss entgegenstellt, Theile des Getriebes zerbrechen.

Textabbildung Bd. 309, S. 92

Zur Verhinderung dieses Uebelstandes hat die Sächsische Webstuhlfabrik in Chemnitz eine Schutzvorrichtung gegen Bruch für Knowles-Wechselgetriebe construirt und unter D. R. P. Nr. 77371 patentiren lassen, welche Neuerung in Fig. 23 gezeichnet erscheint.

Die ältere Sperrvorrichtung bildet einen Rahmen, dessen Rollenhebel mittels einer einzigen Feder 18 mit dem Excenter 19 stets in Berührung gehalten wird. Nur mittels der Excenter wird der Rahmen 17 in oscillirende Bewegung versetzt, wodurch die Hebel 12 gesperrt und geöffnet werden. Diese Oeffnung geschieht für die ganze Reihe von Hebeln gemeinschaftlich. Bei der neuen Anordnung erfolgt das Oeffnen der Sperrvorrichtung mittels des Excenters 19 ebenfalls gemeinschaftlich, allein die Sperrung bildet keinen geschlossenen Rahmen, sondern es sind so viel einzelne Sperrhebel vorhanden, als Radhebel im ganzen Mechanismus in Anwendung kommen.

Textabbildung Bd. 309, S. 92

17 a ist ein auf einem festen Bolzen schwingender Rahmen, und an Stelle des Sperrmessers tritt eine Anzahl Hebel 17 b. Der Rahmen 17 a dient zur Führung dieser Hebel und enthält keine Rückzugfeder, sondern jeder einzelne Hebel 17 b ist mit einer Feder 18 versehen. Die Hebel 17 b sind in den Rahmen 17 a so eingesetzt, dass deren Bewegung durch diesen nur oben begrenzt wird, und die Zugfedern diese Hebel an den Rahmen anpressen, zugleich auch den Rahmen gegen 19 drücken. Tritt nun bei der Arbeit einem der Kurbelräder 13 ein Hinderniss in der Bewegung entgegen, so entfällt auf die Sperrung ein aussergewöhnlicher Druck; da die Sperrflächen des Hebels 12 und Hebels 17 b keilförmig angeordnet sind, drängt der Hebel 12 den Hebel 17 b selbsthätig zurück, und das betreffende Rad tritt ausser Eingriff der Zahnwalze. Die übrigen Räder, denen sich kein Hinderniss entgegensetzt, bleiben normal.

Fig. 24 zeigt eine zweite Ausführungsform der Sicherheitsvorrichtung in der Art, dass 17 a einen Rahmen bildet, in welchem eine Reihe von Nasenstelleisen 17 b auf einem gemeinschaftlichen Bolzen gelagert ist, welche mittels der Stempel 18 a und der Pressfedern 18 in Winkelstellung zum Rahmen gehalten werden.

17 b setzen sich bei der Sperrung der Hebel 12 unter oder über diese.

Die Pressung der Feder 18 an den Stempel 18 a und durch diesen an 17 b ist stark genug, um dem Druck der Kurbelräder bei normalen Verhältnissen zu widerstehen, gestattet aber dem Stelleisen 17 b, sich bei aussergewöhnlichem |93| Druck auf seinem Lagerbolzen um einen gewissen Winkel zu verdrehen; das Kurbelrad kann sich demnach ebenfalls selbsthätig ausser Eingriff setzen.

Man kann mit den Sperrvorrichtungen, ob nun diese geschlossene (wie bisher) oder lösbare Rahmen (wie in Fig. 23 und 24) bilden, die Radhebel erst dann heben oder senken, wenn die Sperrvorrichtung mit den Radhebeln nicht mehr in Verbindung ist. Es muss zunächst das Excenter (z.B. 19 in Fig. 23) etwa ¼ Drehung machen, dann wird durch die Einwirkung der Rollenkarte der Radhebel gehoben oder gesenkt, und dann wieder die Sperrung veranlagst. Es geht dadurch Zeit verloren, und man kann demzufolge nicht mit vollster Sicherheit so schnell arbeiten, wie es in Wirklichkeit der Fall sein soll.

Um die Verschiebung und Sperrung des Radhebels in einem Tempo zu veranlassen, hat Franz Wächter in Dülken b. M.-Gladbach unter Nr. 94119 sich eine Vorrichtung patentiren lassen, bei welcher die Radhebelsperrung durch Einschalten eines selbstsperrenden Maschinenelementes in die Verbindung zwischen Karte und Radhebel bewirkt wird, und zu gleicher Zeit durch eine mit diesem Element in Verbindung stehende Federkuppelung eine Sicherung gegen Bruch erzielt wird. Dieses Maschinenelement kann eine verschiedenartige Gestalt haben, und die Vorrichtung z.B. nach Fig. 25 angeordnet sein.

Textabbildung Bd. 309, S. 93

Der Zahnsector 5 ist um den Bolzen 4 drehbar und bei x mit einem Drahte 3 verbunden. Ist in der Rollenkarte eine Rolle, so wird x gehoben, Feder 43 gespannt; bei einer Hülse in der Rollenkarte kommt der Sector in die gezeichnete Lage zurück. Mit dem Zahnsector ist ein Rädchen 7 in Eingriff, welches um 180° verdreht wird und einen Kurbelzapfen trägt, der mit dem Radhebel 9 durch Zugstange verbunden ist. Durch diese Verbindung wird das Kurbelrad 12 mit der oberen oder mit der unteren gezahnten Walze in Eingriff gebracht und um 180° verdreht.

Zur Sicherung gegen Bruch der Wechseltheile bei einem unrichtigen Eingriff des Kurbelrades 12 mit einer der Walzen oder beim Festsitzen des Wechselkastens u.s.w. wird das auf einem Bolzen des Hebels 15 sitzende Rädchen 7 angeordnet.

Dieser Hebel befindet sich hinter 5 auch auf dem Bolzen 4 und wird durch die Feder 20, Winkelhebel 18 und Rolle 17 in einem Einschnitt gegen Verdrehung gesichert. Ein Bolzen 42 des Sectors 5 ist in einem Schlitz des Hebels 15 geführt; dadurch ist die Grösse des Hubes von Punkt x so begrenzt, dass Rädchen 7 eine Umdrehung um nicht mehr oder weniger als 180° vollführen kann.

Tritt nun z.B. der Fall ein, dass am Hebel 9 eine aussergewöhnlich grosse Kraft in der Richtung des Pfeiles 22 wirkt, so wird die Rolle 17 aus dem im Hebel 15 befindlichen Ausschnitt gedrückt, der Sector in der Pfeilrichtung 23 gedreht und der Hebel 9 so hoch gehoben, dass das Kurbelrad 12 mit der Walze ausser Eingriff kommt. Nach Fig. 26 wird die Verschiebung des Radhebels 9 durch ein mit Hebelarm und Gewicht 35 (oder Feder 42 in Fig. 27) ausgerüstetes Excenter 39 besorgt, dessen Excenterring mit Stange 36 verbunden ist; das Ende derselben ist durch ein sogen. Sicherheitszugband, bestehend aus der Klammer 37, Bolzen 38, Feder 47, Bolzen 45, mit dem Radhebel 9 durch Bolzen 41 lösbar vereinigt.

Bei einem Hinderniss wird die Feder 47 zusammengedrückt, und Bolzen 41 kann aus 37 herausgelangen.

(Schluss folgt.)

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