Titel: Schiffstreiber.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 309 (S. 161–165)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/ar309042

Seewesen.
Schiffstreiber.

(Fortsetzung des Berichtes S. 141 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

IV. Schrauben.

Der wichtigste Schiffstreiber ist die Schraube geworden und geblieben. Die Arbeit derselben im nachgiebigen Medium, in dem Wasser, bringt verschiedene Nachtheile mit sich, welche den Wirkungsgrad der Schraube erheblich herabdrücken, die man aber durch geeignete Construction des Treibers zu beheben sucht. Dass auf vielerlei Punkte Rücksicht genommen werden muss, rechtfertigt auch die Mannigfaltigkeit der Verbesserungsversuche. Die Unsicherheit, welche in Bezug auf die Wirkungsweise der Schraube im Wasser selbst herrscht, macht es erklärlich, dass oft viele, zuweilen einander entgegenlaufende Wege eingeschlagen werden, um ein gemeinsames Ziel zu erreichen. Das stossfreie Gleiten der Flügel durch das Wasser, die Vermeidung von Wirbelbildungen, Verringerung der Reibungsarbeit, aber auch die Beachtung der Slipwirkung, die richtige Zu- und Abführung des Wassers zu und von der Schraube sind Momente, welche für Erfinder unerschöpflichen Stoff darbieten. Was Wunder, dass unsere an Erfindungen aller Werthstufen so reiche Zeit in Schiffsschrauben ebenfalls mehr oder minder zu schätzende Neubildungen zu verzeichnen hat.

Textabbildung Bd. 309, S. 161

Um ein ruhiges, nicht schlagartiges Arbeiten der Schraube zu bewirken, gibt Küchen in Bielefeld den Flügeln die durch Fig. 55 in Seitenansicht, durch Fig. 56 in der Vorderansicht dargestellte Gestalt. Die Flügel greifen mit ihrem von der Achse a aus gerechnet kürzeren Theil r in das Wasser und wälzen bei ihrer Weiterdrehung letzteres auf den längeren Theil r1. Flach gelegt, hätten die gewundenen Flügel eine der Form des Vogelflügels ähnliche Gestalt. Sie sind so angeordnet, dass sie sich bei etwa ¼ Windung decken, steigen am Umfang sanft an und haben nach dem Theil r1 zu eine abnehmende Flügelfläche.

Soweit die unklaren amerikanischen Ausführungen ergeben, scheint auch der Amerikaner Case das nämliche Ziel, wenngleich mit anderen Mitteln, anzustreben.1) Case setzt die Flügel auf die Nabe nicht gerade auf, sondern verdreht die äusseren Flügelenden so weit, dass die Flügelachsen nicht durch die Wellenachse treten, und zwar geschieht die Verdrehung mit dem Erfolge, dass die Flügelspitzen bei Vorwärtsfahrt dem übrigen Körper vorauseilen, wie dies in Fig. 57 angedeutet ist.

Textabbildung Bd. 309, S. 161

G. M. und E. A. Hoyland in London wollen auf das Reibungskielwasser wirken und dessen Triebkraft ausnutzen (Fig. 58 und 59). Die Flügel sind an der rückwärtigen oder treibenden Seite a concav. Diese Fläche kann ein Theil eines Kegels eines Ellipsoides oder einer Kugel sein, oder kann eine kuppelförmige Gestalt besitzen. Das Wesen der vorliegenden Erfindung besteht aber darin, dass auf der Rückseite der bei der Bewegung vorangehenden Kante b des Schraubenflügels eine keilförmige Rippe c angebracht wird, welche sich der Krümmung des Flügels anschliesst. Diese Rippe reicht auf der Rückseite des Flügels eine kurze Strecke von der Kante nach einwärts und fällt dann mehr oder weniger steil ab (d), worauf sie mit geeigneter Uebergangskrümmung in die Rückseite des Flügels übergeht.

Textabbildung Bd. 309, S. 161

Durch die vorangehenden Rippen soll die Reibung des Wassers an den nachfolgenden Theilen der Rückseite der Flügel verringert und hierdurch ein vergrösserter Nutzeffect der Schraube erzielt werden. Die Flügel können auch flach gewählt, auch mehrere Rippen hinter einander angeordnet werden. Ein praktischer Griff scheint hier |162| nicht gemacht worden zu sein. Wenn man selbst zugibt, dass hinter der Rippe sich schaumhaltiger Wirbel bildet, welcher die Reibung geringer werden lässt, so muss andererseits eine durch die Rippe gerade vermehrte Widerstandsarbeit überwunden werden; wo dann der Vortheil steckt, ist nicht einzusehen.

Einleuchtender ist die Construction von Th. Armstrong in London, welcher gleichfalls die Reduction der Flügelreibung im Wasser anstrebt und in correcter Weise die vordere Druckfläche berücksichtigt, welche ja vornehmlich in Frage kommt. Armstrong gibt die folgende Schilderung für seine Schraubenflügel (Fig. 60 bis 63).

Textabbildung Bd. 309, S. 162

Der neue Flügel bildet eine Kugelschale oder einen Abschnitt einer Hohlkugel, der unter entsprechendem Winkel zur Schraubenwelle auf die Nabe aufgesetzt ist. An der hinteren oder Wasseraustrittskante ist als Fortsetzung der Kugelschalenform ein Ausläufer oder Lappen von beliebiger Wölbung angesetzt, der dazu dient, bei Rückwärtsdrehung der Schraube das Wasser besser zu durchschneiden, auch beim Vorwärtsgange das Wasser glatt ablaufen zu lassen. Fig. 60 ist die Ansicht eines Flügels von vorn, Fig. 61 von der Seite und Fig. 62 im Schnitt nach 1-1 (Fig. 60 von oben gesehen); die Pfeile I und II in Fig. 62 geben die Richtungen an, von welchen aus die Ansichten in Fig. 60 und 61 aufgenommen sind. Fig. 63 zeigt die Querschnitte des Flügels nach den Linien 1-1, 2-2, 3-3, 4-4 und 5-5 in Fig. 60. In Fig. 60 und 61 ist mit Strichlinien die Kugel angedeutet, von welcher die Kugelschalenform des Flügels abgeschnitten ist. Der Punkt m1 in Fig. 61 ist der Mittelpunkt der Hohlkugel, von welcher der Flügel ein Abschnitt im Abstande m vom Mittelpunkte m1 ist. Der Mittelpunkt der Abschnittskreisfläche f ist in Fig. 60 mit m2 bezeichnet. Von dieser reinen Kreisfläche ist an der rechten Seite, also an der Eintrittskante, behufs leichteren Durchschneidens wie üblich auf der unteren Hälfte ein Stück e weggeschnitten; an der linken oder Austrittskante ist dagegen der Lappen a zugesetzt, der, wie schon erwähnt, beim Rückwärtslauf der Schraube von Vortheil ist. In den Fig. 62 und 63 ist dieser Lappen mit seiner entgegengesetzten Krümmung ebenfalls mit a bezeichnet. Die Grösse oder Breite dieses Lappens unterliegt nicht bestimmten Gesetzen; man formt ihn je nach Bedürfniss. Die Zahl der Flügel, ihre Schrägstellung zur Nabe unterliegt keinen bestimmten Beschränkungen. Die Drehrichtung der Schraube beim Vorwärtsgange ist in Fig. 62 durch den Pfeil r angedeutet. Die durch Versuche festgestellte erhöhte Wirkung dieser Flügelform erklärt sich wesentlich dadurch, dass innerhalb des Hohlkugelabschnittes oder der Kugelschale b1 (Fig. 62) eine mehr oder weniger grosse Menge Wasser je nach der Schnelligkeit der Drehung sich sammelt und dort in Ruhe verbleibt; es ist anzunehmen, dass die Wasserfäden s (Fig. 62) an der Eintrittskante abgelenkt werden und zwischen sich und der inneren Schalenfläche von b1 eine ruhende Wasserschicht b lassen, welche mit dem Flügel sich dreht. Diese Wasserschicht b verhindert also eine unmittelbare Berührung der geschnittenen Wasserfäden s mit der metallischen Innenfläche der Schale b1; es findet also keine unmittelbare Reibung zwischen dem Wasser und dem Metall statt, sondern nur zwischen den Wasserschichten b und s. Die Schicht b wirkt demnach als ein elastisches Kissen für die Wasserfäden s; sie mildert die Reibung sehr erheblich, da bekanntermaassen die Reibung zwischen den Wassertheilchen unter sich bedeutend geringer ist, als zwischen Wasser und Metallfläche. Die Kugelschalenform eignet sich für den vorliegenden Zweck ganz besonders, weil sie leicht herstellbar ist; ihre Abmessungen richten sich nach den jeweiligen Bedürfnissen.

Es lässt sich hier die Schraube des Amerikaners Jay 2) anführen (Fig. 64 und 65). Der Flügel a ist sowohl in seiner Vorder-, wie auch an der Rückkante eigens gestaltet. Sein führender Vordertheil b ist nach innen abgebogen, während die hintere Kante nach dem Schaft zu und nach hinten umgelegt ist. Gleichzeitig nimmt die Flügellänge von b nach c zu. Neben der stossfreien Arbeit, welche die Lappen b und die nach hinten zunehmende Länge der Flügel anscheinend zum Zwecke haben, soll wohl durch die Abbiegungen c das Wasser thunlichst nach hinten abgeleitet werden. Eine praktische Bedeutung hat die Jay'sche Construction nicht gewonnen, wie auch ihre Begründung einer Klarheit ermangelt.

Textabbildung Bd. 309, S. 162

J. M. Adam in Glasgow verwendet Flügel, deren arbeitende Fläche einen Theil vom Mantel eines Kegels bildet, dessen Achse diejenige der Flügelwelle schneidet, eine Ausführung, die gleichfalls den Stoss vermeiden soll. Aus den Darlegungen des Erfinders ist Folgendes anzuführen:

Bringt man einen Hohlkegel auf eine Welle und befestigt denselben an einer Seite in der Längsrichtung auf derselben Welle oder an einem Vorsprunge derselben und versetzt hierauf die Welle in drehende Bewegung, so dass sie den Hohlkegel mitnimmt, so bietet die eine Seite des Kegels eine Fläche, auf welcher der Umriss eines nach vorliegender Erfindung construirten Flügels |163| aufgerissen werden kann. Die Achse eines solchergestalt befestigten Kegels wird gegen die Achse der Kreisbewegung, welche in Nachstehendem Wellenachse genannt werden wird, geneigt.

Diese Neigung des Kegels erzeugt das Reactionsvermögen des Flügels; je stärker die Neigung ist, d.h. je mehr der unterste Punkt der Kegelkante sich der Wellenachse nähert, um so schärfer wird die Reactionsfläche hervortreten. Die Neigungslinien eines rotirenden Halbkegels bilden Kreislinien, welche die Oberfläche des Kegels concentrisch zur Wellenachse durchschneiden. Sie sind der Form nach identisch und unterscheiden sich nur der Grösse nach, und da alle durch die gleiche Bewegung hervorgebrachten Linien in ihrer Richtung übereinstimmen, so werden auf ähnliche Weise erzeugte Ströme gleichförmig sein. Der Erzeugungswinkel des benutzten Kegels kann je nach dem zu erreichenden Zwecke verschieden sein.

Textabbildung Bd. 309, S. 163

Es bestehen Schrauben, bei denen die Arbeitsflächen nahe der Welle, weil sie nur wenig nutzbringende Arbeit leisten, in Wegfall gekommen, und die Flügel demgemäss auf dem Umfange eines Scheibenkranzes angeordnet sind. H. Zoelly in Zürich bildet diese Art Schrauben in der durch Fig. 66 dargestellten Weise aus, indem er eine im Felgenraume volle Tragscheibe für die Flügel anordnet, welche dem Wasser den hemmenden Durchgang zwischen Scheibenkranz und Nabe verwehrt, und des weiteren diese Scheibe nach vorn durch einen cylindrischen Körper abdeckt, der eine Stauung des Wassers vor der Scheibe verhindert. Der von der Schraubenwelle b angetriebene Propeller besteht aus der centralen Scheibe a1, deren Felgenraum zur Verhinderung jeden Wasserdurchganges geschlossen ist, und den auf ihrem Kranze befestigten Schraubenflügeln a2, welche auch seitlich über den Scheibenkranz hinausragen können. Vor diesem Propeller ist ein cylindrischer, mit dem Propeller conaxialer Körper c angeordnet, welcher die ganze wirkungslose Fläche der Scheibe nach vorn deckt, indem er sich mit seiner mit dem Scheibenumfange bündigen Stirnfläche unter Belassung eines möglichst kleinen Zwischenraumes an die Scheibe anschliesst. Der Cylinder verläuft zweckmässig nach vorn in den Schiffsrumpf; zu seiner Ausbildung kann das die Schraubenwelle umschliessende Verschalungsblech herangezogen werden. Indem der Cylinder das andrängende Wasser von der Scheibe a1 abhält, leitet er es zugleich auch in die Schaufeln, welches Leitvermögen durch Aufsetzen von rippenartigen Leitschaufeln c1 auf seinen Umfang noch verbessert werden kann. Hinter dem Propeller befindet sich ein zweiter, zweckmässig kegelförmiger Hohlkörper d, der die Aufgabe hat, das aus der Schraube tretende Wasser unter Verhütung schädlicher Wirbelbewegung abzuleiten.

Anklänge an diese Construction zeigt die Schraube von Hurlbut in Genf (Fig. 67), bei welcher allerdings die Zu- und Abführung des Wassers durch die Nabe selbst bewirkt wird; diese ist deshalb elliptisch gestaltet.

Textabbildung Bd. 309, S. 163

Demgegenüber stehen jedoch diejenigen Bestrebungen, nach denen zwar auch eine Wirbelbildung hinter der Schraube vermieden werden soll, jedoch dadurch, dass die Nabe überhaupt fortgelassen und dem Wasser ein freier Durchtritt in der Wellenrichtung gestattet wird. Unter den neueren Repräsentanten dieser Richtung ist der Pagan'sche (Philadelphia) Propeller zu nennen (Fig. 68). Die Flügel a werden zwischen zwei in der Mitte ausgeschnittenen Scheiben b verbolzt. Die Befestigung dieser Flügelträger an der Welle, derart, dass die Wirkung durch die letztere nicht beeinträchtigt werde, gibt allerdings zu Bedenken Anlass; in der That dürfte, abgesehen von praktischen Fehlern, selbst das angestrebte Ziel nicht erreicht werden. – Auch Herzer in Mainz lässt die der Schraubenachse zunächst liegenden Theile der Schraube a weg (Fig. 69), so dass ein freier Durchtritt gebildet wird, dessen Durchmesser y in jeweiligem, passendem Verhältnisse zum Schraubendurchmesser x steht. Die treibende Welle z ist in directer Verbindung mit der Schraube gezeichnet. Als Querschnitt für den Gang a werden vom Erfinder mehrere Formen vorgeschlagen; in keinem Falle wird man aber mit grossen Kräften rechnen dürfen.

Textabbildung Bd. 309, S. 163
Textabbildung Bd. 309, S. 163

Weil die Wassertheilchen dem Drucke auszuweichen trachten, gibt A. zur Kamme in Kiel der Schraube eine zunehmende Steigung, so dass die Druckfläche dem zurückweichenden Wasser nachfolgt. Durch die bislang bekannt gewesene Construction, bei welcher eine Abänderung der abgewickelten Richtlinie im Steigungsdreieck stattfindet, wird eine continuirliche Steigung nicht erreicht. A. zur Kamme wickelt deshalb das unveränderliche Steigungsdreieck auf einen Cylinder mit spiralförmiger |164| Basis und wählt als günstigste der Spiralen die Kreisevolvente, von welcher nicht wesentlich verschieden ihre Aequidistante und die archimedische Spirale sind. Als Schraubenlinie könnte man dann die doppelt gekrümmte Curve bezeichnen, in welche die Richtlinie umgebogen wird, wenn man das Steigungsdreieck auf den geraden Cylinder mit der Kreisevolvente als Basis aufwickelt. Als Schraubenflächen verwende man, so führt der Erfinder weiter aus, nun die beiden folgenden, geradlinigen Flächen, entweder eine allein oder beide gleichzeitig als Vorder- und Hinterfläche einer Schiffsschraube bezw. Schraubenturbine: die geradlinigen Erzeugenden dieser Flächen gehen durch die Schraubenlinie des Kreisevolventencylinders; sie sind parallel der Basis oder Grundebene, und sind tangential an die eine oder an die andere Seite des geraden Kreiscylinders über dem Evolutkreise mit dem Halbmesser . Es bedarf nur der Erwähnung, dass die verallgemeinerten Schraubenflächen leicht in derselben Weise abgeändert werden können, wie solches bei der gewöhnlichen Schraubenfläche geschehen. Fig. 70 gibt den Grundriss und Fig. 71 den Aufriss eines von diesen Flächen begrenzten, mehrgängigen Schraubenkörpers. Nur in dem Quadranten sind im Grundrisse die Erzeugenden der beiden Flächen angedeutet. Mit Hilfe eines Theiles dieses Schraubenkörpers hat man im Modell eine zweiflügelige, rechtsgängige Schiffsschraube construirt; es ist dabei für jeden Flügel derjenige Quadrant gewählt, wo der Radiusvector der Kreisevolvente bereits zwei volle Umläufe gemacht hat, d. i. das Stück der Kreisevolvente. Fig. 72 und Fig. 70 gibt den Grundriss und Fig. 71 den Aufriss eines von diesen Flächen begrenzten, mehrgängigen Schraubenkörpers. Nur in dem Quadranten sind im Grundrisse die Erzeugenden der beiden Flächen angedeutet. Mit Hilfe eines Theiles dieses Schraubenkörpers hat man im Modell eine zweiflügelige, rechtsgängige Schiffsschraube construirt; es ist dabei für jeden Flügel derjenige Quadrant gewählt, wo der Radiusvector der Kreisevolvente bereits zwei volle Umläufe gemacht hat, d. i. das Stück der Kreisevolvente. Fig. 72 und 73 zeigen diese Schiffsschraube im Grund- und Aufriss.

Textabbildung Bd. 309, S. 164

In diesem speciellen Falle ist die Welle zugleich die Nabe, was bei grösseren Schiffsschrauben schwerlich angängig sein wird und was auch nicht als charakteristisch hingestellt werden soll. Als auszeichnende Merkmale einer so construirten Schiffsschraube glaubt man besonders ansehen zu dürfen: die continuirlich veränderliche Steigung, wodurch dem Umstande Rechnung getragen wird, dass das Wasser an der Druckfläche der Schraube nach hinten ausweicht, das Anwachsen des Schraubendurchmessers, wodurch dem Umstande Rechnung getragen wird, dass das Wasser in der Schraube eine Centrifugalbewegung erlangt, und weil auf diese Weise der am meisten wirksame Flächentheil erheblich vergrössert wird, nämlich das am Austritte und am Rande befindliche Stück der Druckfläche, die tangentiale Stellung der Erzeugenden, wodurch Störungen und Strudelbildungen an der Nabe vermindert werden, und schliesslich die einfache, mechanische und correcte Ausführbarkeit der Schraube.

Ueber die Ausführbarkeit der Schraube werden Zweifel kaum entstehen können; auch die theoretischen Darlegungen haben manches für sich. Ob aber Erfolge thatsächlich zu erzielen sind, müssten praktische Versuche ergeben, welche bisher nicht bekannt geworden sind. Wir haben hier das Bestreben, die einzelnen Elemente des Flügels im Wasser von gleichem Widerstande arbeiten zu lassen und durch die Flügelform die Veränderung des Wasserzustandes zu paralysiren.

Textabbildung Bd. 309, S. 164

Gerade das nachgiebige Mittel, in welchem der Propeller arbeitet, hat den Constructeuren viel Kopfzerbrechen gemacht, ist auch der wesentliche Grund, aus dem die Vorgänge bei der Propellerarbeit unklar geblieben sind. Dass bei den üblichen Schrauben der eine Flügel dem anderen das Arbeitsfeld verdirbt, insbesondere, wenn die Flügel rasch auf einander folgen, ist einleuchtend. Ein Weg, hier bessere Verhältnisse zu schaffen, würde vielleicht derjenige sein, dass man die einzelnen Flügel nach verschiedenen Richtungen drücken lässt, so dass ein Flügel nicht dem vom vorhergehenden bewegten Wasser zu folgen braucht.

In wenig glücklicher Weise sucht A. W. Case in Highland Park, Nordamerika, die Aufgabe zu lösen, indem er die wirksamen Druckflächen der Flügel nicht gleichlaufend zu einander setzt, sondern vorwärts und rückwärts geneigte Flügel mit senkrecht zur Welle stehenden abwechseln lässt. In Fig. 74 ist eine solche Schraube dargestellt und sind zugleich die Richtungen dargestellt, in denen die Flügel mit den Oberflächen c auf das Wasser wirken.

Gewissermaassen wie zur Entschuldigung für seine Erfindung führt Case aus: Bei Schiffsschrauben älterer Construction sind die Flügel derart gebildet, dass die wirkende Fläche gegen das Wasser hinter der Schraube sowohl von innen als auch von rückwärts schlägt, welche Anordnung der Annahme entsprang, dass das Wasser veranlasst werden müsse, nach den gedrückten Richtungen aus einander zu gehen. Es sind Mittel angewendet worden, um die Bewegung des Wassers nach auswärts zu vermeiden, da diese für nachtheilig gehalten wird. Die Flügel bei der vorliegenden Erfindung sind derart gestaltet und gestellt, dass sie dem Strömen oder Schlagen des Wassers nach aussen kein Hinderniss entgegensetzen, und sind dieselben daher unter einem Winkel gegen die Achse der Welle geneigt, um bei der Wirkung der Schraube in dem Wasser sowohl einen Schlag nach auswärts als auch nach rückwärts zu erhalten. Man pflegte die wirkenden Flächen der Flügel bei Schiffsschrauben derart zu machen, dass sie möglichst jener Fläche entsprechen, welche durch Abwickelung der Umdrehung nach vorwärts um die Achse des Schiffes entstehen, |165| wobei dieselben unter einem die Achse kreuzenden Winkel angeordnet sind. Diese Hauptanordnung der spiralförmigen Bewegung der Flügel und die Hauptstellung der Flügel in einer solchen Bewegungsebene wird ersetzt durch einen der vorliegenden Idee entsprechenden Steigungswinkel der Schraube, obgleich eine vollständig genaue Form dadurch nicht erzielt wird. Das Ergebniss dieser eigenthümlichen Construction und der Anordnung der Flügel ist, dass der Flügel, welcher senkrecht auf der Nabe steht, gegen Wasser schlägt, welches durch die Wassermassen direct hinter demselben zurückgedrängt wird, während der andere Flügel in divergirender Richtung nach auswärts schlägt gegen Wassermassen, welche ausserhalb des Bereichs der durch die Rotation der Schraube entstandenen Wirbelungen gelegen sind; der dritte Flügel schlägt wieder gegen Wasser, welches gegen die Mitte geworfen wird. Durch Vereinigung dieser Anordnungen der Flügel an einer Schiffsschraube wird erreicht, dass der Schlag eines jeden Flügels gegen das Wasser, welches in grösseren Massen zurückgebracht wird, gerichtet ist oder aber gegen Wasser erfolgt, welches durch die vorhergehenden Flügel nicht in derselben Richtung in Bewegung gesetzt wurde, wodurch ein grösserer Nutzeffect der Schraube bei gegebener Antriebskraft erreicht werden soll. Eine Rücksichtnahme auf das sicher schädliche Umherschleudern des Wassers findet hiernach nicht statt, obgleich an maassgebender Stelle Case als Zweck seiner Bauweise gerade die Verhinderung des Umherschleuderns und Aufwirbelns des Wassers hervorhebt.

Textabbildung Bd. 309, S. 165

Derselbe Constructeur hat übrigens in einer besonders in den Vereinigten Staaten bekannt gewordenen Schraube3) dieselbe Ansicht vertreten, dass das Nachauswärtsarbeiten der Flügel einen Nachtheil nicht mit sich bringe. Fig. 75 zeigt Flügel, deren Arbeitsflächen an Stielen angeordnet und gleichmässig nach vorn geneigt sind. Einen Erfolg, welcher zum Einhalten dieses Weges aufmuntern könnte, dürfte man aber hiermit in praxi kaum errungen haben.

(Fortsetzung folgt.)

|161|

U. S. P. Nr. 553953.

|162|

Brit. Spec. Nr. 20770/1894.

|165|

U. S. P. Nr. 496857.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: