Titel: Fortschritte der angewandten Elektrochemie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 309 (S. 212–218)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/ar309057

Elektrotechnik.
Fortschritte der angewandten Elektrochemie.

Von Dr. Franz Peters.

(Fortsetzung des Berichtes S. 196 d. Bd.)

Mit Abbildungen.

Die von Arrhenius beobachtete Verzögerung der Wasserstoffentwickelung an Quecksilberkathoden bei der Elektrolyse von Alkalisalzen wird nach Versuchen H. Jahn's (Wiedemann's Annalen, 1897 Bd. 63 S. 44) nicht durch Aufnahme von Wasserstoff im Quecksilber, sondern durch die Bildung des Amalgams hervorgerufen. Die elektrische Einrichtung der Mathieson Alkali Works an den Niagarafällen beschreibt J. R. Haskin (Electrical World, 1897; The Electrician, 1897 Bd. 40 S. 331). Die im Principe schon in einem früheren Berichte (D. p. J. 1897 304 163) beschriebene Methode der Alkalichloridelektrolyse mit Quecksilberkathode nach O. Arlt wird (D. R. P. Nr. 95791.) in einem Apparate (Fig. 12) ausgeführt, dessen Behälter k durch Deckel d dicht abgeschlossen werden kann. Die positive Elektrode p besteht aus Kohle, die negative n aus flüssigem Metalle. Dieses fliesst aus einem Behälter s als dünne Wand oder strahlenförmig ein. Die Art und Form der Strahlen kann durch Gitter oder Siebe s1 beliebig verändert werden. Das Amalgam fliesst durch a ab. Die Gase entweichen durch o. Das flüssige Metall kann auch seitlich oben in parabolischer Form und Strahlenzerstreuung eingeführt werden. Oder es kann von unten durch s2 (Fig. 13) springbrunnenartig eintreten und durch a1 und a2 abfliessen.

Textabbildung Bd. 309, S. 212

Die Stromzuleitung für die flüssige Elektrode wird dann in einem besonderen grösseren Gefässe t vorgesehen. Durch diese Anordnungen der flüssigen Elektrode wird eine grosse Oberfläche im Verhältniss zur Masse des Quecksilbers erreicht. Das Amalgam wird schnell dem schädlichen Einflusse des Wassers entzogen, so dass sich dem Chlor kein Wasserstoff beimengen kann, und leidet auch nicht durch abfallende Kohlentheile. Auf 1 circuliren 14 k Quecksilber. H. P. M. Brunel (D. R. P. Nr. 96020) setzt zwei Kufen k und k1 (Fig. 14) in einander, die mit trichterförmig geneigten Böden d und b versehen sind. Der Boden d besteht aus Asbestgewebe oder porösen Platten und ruht einerseits auf Tragestücken der Wände a oder Winkelstücken der Wände c, andererseits auf einer in der Mitte der äusseren Kufe gelagerten starren Schiene a1. In geringer Entfernung von d befinden sich die (z.B. aus reinem verdichteten Graphit bestehenden) Anoden e in Rinnen aus unangreifbarem Material und angeschlossen an eine ausserhalb der Kufe befindliche Ebonitplatte. Die Neigung der Böden b und d und ihre Entfernung von einander sind derart bemessen, dass das gebildete Amalgam und das regenerirte Quecksilber ständig circuliren.

Textabbildung Bd. 309, S. 212

Um die Zersetzung des Amalgams zu begünstigen, können die Kathodenabtheilungen k1 aussen oder innen bis zu der Höhe erhitzt werden, auf der sich das Amalgam befindet. Der Apparat (Fig. 15) von G. Bell and Son (D. R. P. Nr. 95764) besteht aus drei über einander liegenden Kammern (vgl. D. p. J. 1897 304 161) in mehrfacher Wiederholung. Die Anodenkammer a nimmt die Chloridlösung und die darüber liegende Kathodenkammer e die Zersetzungsflüssigkeit für das Amalgam auf. Die oberste Kammer i steht durch Rohr k mit der untersten in Verbindung und ermöglicht durch Mannlöcher m den Zugang zu den beiden anderen Kammern. Mit der Bodenplatte c, die durch Flansch d an den Metallringen der Kammer a befestigt ist, stehen in elektrischer Verbindung hohle Anoden b, denen der Strom durch Leitung x, Platte c und Bolzen p3 zugeführt wird. Aus ihrem Innern wird das Chlor durch Dach b1 und Rohr b2, sowie das darüber liegende k in die Kammer i geführt, aus der es bei p1 durch das Rohr p entweicht. Die Kathodenkammer e besteht aus dem metallenen Aussenringe, der unteren Ringplatte f und der oberen Platte h. Die Oeffnungen in f werden durch Asbestgewebe oder ähnliches dünnes, poröses Material, welches das Quecksilber trägt, ausgefüllt. Die Stromzuleitung erfolgt durch y. In die oberste Kathodenkammer e wird Wasser oder schwach alkalische Flüssigkeit eingeführt, die allmählich durch Ueberläufe n in die niedriger gelegenen Kammern e fliesst und sich dabei immer mehr mit Alkali anreichert. Der Wasserstoff wird aus e bei o1 durch Rohr o abgeführt. Die Kochsalzlösung wird durch die Rohre q in die Kammern a getrieben, gelangt durch Rohre k in die Kammern i und fliesst aus diesen durch Rohre q1 ab. Der Flüssigkeitsstand des Elektrolyten muss so hoch sein, dass sein Druck den der Alkalilauge und des Quecksilbers auf das Diaphragma l aufhebt, so dass man schwaches Material zum Tragen des Quecksilbers benutzen und also mit möglichst geringem inneren Widerstände arbeiten kann. Um das Amalgam in möglichst grosser Oberfläche dem zersetzenden Wasser darzubieten, schiebt F. Störmer (D. R. P. Nr. 96386) dünne Stangen wagerecht durch Löcher zweier dünner Scheiben, die an einer gemeinsamen Welle zusammen mit zwei äusseren Scheiben befestigt sind, die, |213| soweit die Löcher reichen, einander zugekehrte, kreisförmige Vertiefungen haben. Die zahlreichen Stangen nehmen bei der Drehung eine grosse Menge Amalgam mit sich ins Wasser hinauf. Wenn man das Amalgam durch eine Anzahl dieser Apparate in einer Richtung circuliren lässt, während gleichzeitig Wasser in entgegengesetztem Sinne hindurchströmt, erhält man eine hochgradige Alkalilösung.

Textabbildung Bd. 309, S. 213

Bei der Elektrolyse der Lösungen von Natriumchlorid und von Natriumchlorid-Magnesiumchloridgemischen wird nach C. Beebe (Wisconsin Engineer, Bd. 1 S. 574; L'Éclairage électrique, 1898 Bd. 14 S. 73; The Electrician, 1898 Bd. 40 S. 421) nicht eine der aufgewendeten Energie entsprechende Gewichtsmenge an wirksamem Chlor erhalten. Die letztere hängt ab von der Temperatur (bei 50° beträchtliche Verminderung), von der Menge der schon im Elektrolyten vorhandenen Zersetzungsproducte und von der Concentration des Elektrolyten (kleiner bei verdünntem als bei concentrirtem). Grosse Stromdichte vermehrt in manchen Fällen (im Anfange der Elektrolyse und bei starker Concentration der Natriumchloridlauge, sowie bei Verwendung der Hermite'schen Lösung) die Ausbeute und vermindert sie in anderen. Hält man die Temperatur des Elektrolyten unter 7°, so kann man bei Verwendung einer Kochsalzlösung vom specifischen Gewicht 1,100 9,7 g wirksames Chlor in 1 l und eine Ausbeute von 0,9 g für 1 Ampère-Stunde erzielen. Bei Benutzung Hermite'scher Lösung hat Andreoli 3 g wirksames Chlor in 1 l als bestes Ergebniss erhalten. Nach Verfasser gelingt es aber auf 8,8 g bei einer Ausbeute von 0,58 g und auf 6,8 g bei einer Ausbeute von 0,7 g für 1 Ampère-Stunde zu kommen. Die Kohlenelektroden werden schneller in verdünnter als in concentrirter Lösung und am meisten an den Rändern und unten angegriffen. Kehrt man, um die Polarisation an der Kathode zu vermindern, die Richtung des Stromes häufig um, so wird die Ausbeute beträchtlich vermindert. Die Polarisation ist bei gleich starken und gleich warmen Elektrolyten unabhängig von der Stromdichte. Diese Resultate werden im Electrician, 1898 Bd. 40 S. 424, commentirt. Zum Schluss wird darauf hingewiesen, dass ein finanzieller Erfolg nur da zu erwarten ist, wo die ausgebrauchte Bleichflüssigkeit regenerirt werden kann, oder wo das Rohmaterial zur Erzeugung neuer sehr billig ist.

Die verschiedenen Processe zur Darstellung von Hypochloriten bespricht kurz V. Engelhardt (Oesterreich. Chemiker-Zeitung, 1898 Bd. 1 S. 22). Der zur Gewinnung von Hypochloriten bestimmte, wesentlich Neues nicht bietende Elektrolysator von Brochoki (L'Industrie électrochimique; L'Éclairage électrique, 1898 Bd. 15 S. 390) besteht aus einem Gefäss, das an einem Ende höher als am anderen und durch immer niedriger werdende Zwischenwände in fünf Abtheilungen getheilt ist. Jede Abtheilung nimmt zwei Platinbleche als Anoden und drei Bleiplatten als Kathoden auf. Die mittlere Bleiplatte ist in einen Falz eingelassen und reicht nicht ganz bis zum Boden, so dass jede Zelle wieder in zwei Unterabtheilungen zerfällt. Die Bleielektroden haben je 0,36 qm, die davon 2 cm entfernten Platinelektroden je 0,40 qm wirksame Oberfläche, so dass man bei Anwendung eines Stromes von 100 Ampère mit Dqdm = 3 Ampère arbeitet. Beim Gebrauch einer 6procentigen Natriumchloridlösung beträgt die Spannung an jeder Abtheilung 5 Volt, die für alle fünf hinter einander geschalteten nöthige also 25 Volt. Tailfer (Traité pratique du blanchiment) hat zahlreiche Versuche mit diesem Elektrolysator angestellt. Um Erhöhung der Temperatur und daraus folgende Chloratbildung zu vermeiden, muss der Elektrolyt ziemlich stark circuliren. Man erreicht höchstens einen Gehalt von 1,5 bis 2° chlorometrisch, gewöhnlich nur 1°. Zum Bleichen von Leinwand genügt eine 40 Minuten lange Einwirkung der 1,25° starken Lösung, während Chlorkalk von 2° 60 bis 80 Minuten verlangt. Der Gehalt der Lösung fällt an einem Tage von 1,5° auf 0,75°, dann langsamer. Zusatz von etwas Soda befördert die Haltbarkeit. Damit der Badwiderstand nicht zu gross werde, müssen die Kathoden rein sein. Dann kommt man mit einem 6° Bé. starken Elektrolyten aus. Sind die Bleiplatten oberflächlich oxydirt, so muss man eine besser leitende Lösung von 20 bis 24° Bé. anwenden. Dann werden aber die Kosten für das Kochsalz zu hoch, da nur 5 Proc. in Hypochlorit umgewandelt werden. Die einmal zum Bleichen gebrauchte Lauge gibt bei einer neuen Elektrolyse sehr schlechte Ausbeuten, nämlich nur 10 bis 15 Proc. der theoretischen. Zur elektrolytischen Behandlung von Bleichflüssigkeiten ordnet M. Haas (Englisches Patent Nr. 1697/1898) doppelpolige Elektroden so an, dass der Elektrolyt abwechselnd unter und über ihnen fliesst. Zwischen jedem Paare doppelpoliger Elektroden sind am Boden des Troges isolirte Absetzbehälter angebracht. Tailfer (L'Industrie électrochimique vom 18. März 1898) nimmt, wie schon früher vorgeschlagen worden ist, die Hypochloritbildung ausserhalb des Elektrolysators vor. Dieser enthält eine Kochsalzlösung mit 250 g in |214| 1 l, Asbestdiaphragmen, Anoden aus Retortengraphit und Kathoden aus Eisen. Mit 100 Volt und 100 Ampère sollen in 20 Stunden 800 l 15° Hypochloritlösung mit 17,6 M. Kosten erzeugt werden können.

Das Verfahren von S. Stepanow (vgl. Peters, Angewandte Elektrochemie, Bd. 2 Abth. 1 S. 49) zur Herstellung von Bleichflüssigkeit wird in Russland mehrfach angewendet (L'Industrie électrochimique, 1897 Bd. 1 S. 77). Mit dem durch die Verbesserung des Stepanow'schen entstandenen Vogelsang'schen Elektrolysator bleichen Hermann Wünsche's Erben seit Sommer 1893 und andere Firmen seit kürzerer Zeit Baumwollengarn, eine auch Cops. Nach H. Wartner (Elektrochemische Zeitschrift, 1898 Bd. 4 S. 261) muss mit kurzen Flotten gearbeitet werden, um die Bleichkraft der Lauge völlig auszunutzen. Die Baumwolle muss fest gepackt werden. Obgleich die erstmalige Anlage etwas theuer ist, soll sie sich doch in 2 Jahren bezahlt machen. Das Pfund Garn zu bleichen kostet 2 Pf., Unkosten, Löhne u.s.w. eingeschlossen. Zwei Mann können die ganze Bleiche bedienen und in 1 Tag 1500 Pfd. bis zum Trocknen fertig bringen. Das Garn wird blendend weiss, wenn gutes Wasser zum Nachspülen vorhanden ist, sehr gleichmässig und bleibt haltbar. Ein weiterer Vortheil der elektrischen vor der Chlorkalk-Bleiche ist der, dass keine schädlichen Abwässer dabei entstehen. Versuche zur Sterilisation von Abwasser und zur Reinigung von Gebrauchswasser mit „Elektrozone“ der nach dem Hermite-Verfahren gewonnenen, hauptsächlich Hypochlorite enthaltenden Flüssigkeit, haben H. Robinson, A. A. Kanthack und Rideal in Maidenhead angestellt (Broschüre; The Electrician, 1898 Bd. 40 S. 844). Verminderung der Bakterien konnte dadurch nur für einige Tage erzielt werden; die faulenden organischen Substanzen wurden nicht wesentlich angegriffen. Zweckmässig geht der Behandlung mit Elektrozone eine sorgsame Filtration und Lüftung vorher. Bei der Darstellung des Elektrozones sollen 33 Proc. der Energiemenge nutzbar gemacht werden.

Arbeitet man nach W. Vaubel (Chemiker-Zeitung, 1898 Bd. 22 S. 331) mit Diaphragma, verwendet als Kathodenflüssigkeit concentrirte Kochsalzlösung, als Anodenflüssigkeit eine gesättigte Lösung von Alkalibicarbonat, der nach je 4 Ampère-Stunden 5 g Alkalibicarbonat auf 100 cc Lösung, gegen Ende des Versuchs weniger zugesetzt werden, so wird nach der Gleichung

alles Chlor in Chlorat übergeführt, ohne dass sich daneben Chlorid in nennenswerther Menge bildet. Das übrige frei gemachte Natrium wird als freies Alkali gewonnen. Temperatur 60 bis 70°. Dqdm = 5 bis 10 Ampère; je höher je besser die Stromausbeute. E = 4 bis 5 Volt, in einigen Fällen mehr. Vortheilhaft wird nur so lange gearbeitet, bis 6,5 g Natriumchlorat und 7,5 g Natriumbicarbonat in 100 cc Lösung enthalten sind. Die Kathodenflüssigkeit enthält dann etwa 10 Proc. Hydrat, was einer Stromausbeute von etwa 90 Proc. entspricht, der eine für Chlorat von etwa 50 Proc. gegenübersteht. 88,14 g Kaliumchlorat erfordern 951,91 Volt-Ampère. Versuche in grösserem Maasstabe haben gezeigt, dass das Verfahren vor den alten keine Vortheile bietet. Wendet man niedere Temperaturen an, so wird chloridfreies Hypochlorit erhalten, dessen Lösungen wenig temperaturbeständig sind. Das Alkalibicarbonat kann nicht durch Carbonat oder Ammoniumbicarbonat ersetzt werden. Im ersteren Falle würde sich neben Chlorat Chlorid bilden, im letzteren das Salz beim Erwärmen zerlegt werden und in der Kälte schliesslich die Bildung von Chlorstickstoff veranlassen. Auch Einleiten von Chlor in Bicarbonatlösung ergibt neben Chlorat Chlorid. P. Ferchland (Chemiker-Zeitung, 1898 Bd. 22 S. 385) macht darauf aufmerksam, dass, da die Wanderungsgeschwindigkeit des Chlor-Ions grösser als die des Natrium-Ions ist, auf 6 Aequivalente Sauerstoff, die entladen werden, mindestens 3 Aequivalente Chlor in den Anodenraum wandern, d.h. man ein Gemenge von 1 Mol. Chlorat und 2 Mol. Chlorid erhalten müsse. Dazu kommen noch 3 Mol. Chlorid, da die Stromausbeute nur 50 Proc. beträgt. Diese Behauptungen stützt er durch einen Versuch (Ebenda, S. 470). Durch die Angabe, dass bei niedriger Temperatur Hypochlorit entstehe, widerspreche sich Vaubel selbst, da dieses dreimal so viel Chlor erfordert wie die äquivalente Menge Chlorat. Zu Anfang des Processes wird die Stromausbeute gleich Null sein. H. Freudenberg (Ebenda) gibt zu, dass sich auf dem von Vaubel angegebenen Wege eine relativ chloridarme Chloratlauge gewinnen lasse, da der Chloridgehalt, ohne dessen Anwesenheit an der Anode Chloratbildung nicht möglich ist, sich ziemlich constant auf 1½ bis 2 Proc. halte, während der Chloratgehalt regelmässig weiter zunimmt, und zwar mit etwa 50 Proc. Ausbeute. Dies kommt daher, dass nicht nur Einwanderung von Chlor-Ionen stattfindet, die im Ueberschusse Chlorid bilden würden, sondern auch von immer mehr OH-Ionen. Wird deren Einwanderung überwiegend, so muss die Elektrolyse wegen der schlechten Ausbeute an Chlorat unterbrochen werden. Es ist vortheilhaft, die Elektrolyse schon mit einem gewissen Chloridgehalt im Anodenraume zu beginnen. Gegen Freudenberg macht W. Vaubel (Chemiker-Zeitung, 1898 Bd. 22 S. 426) geltend, dass nur bei Verwendung von Bicarbonat, nicht aber auch bei der von Carbonat überwiegende Chloratbildung an der Anode stattfindet. Die Schlüsse, die er daraus zieht, sind nach H. Freudenberg (Ebenda, S. 470) falsch. Höhere Ausbeuten will die Société de Fives-Lille (Französisches Patent Nr. 269235) durch Regelung der Diffusion durch das Diaphragma erzielen. Die Verbesserung gründet sich auf folgende Erwägungen. Eine gesättigte Chlorlösung enthält bei gewöhnlicher Temperatur ungefähr 7 g Chlor in 1 l. Die bei der Elektrolyse erhaltene Alkalilauge ist im Durchschnitt 10procentig. Von dieser Lösung kann 1 l 89 g Chlor sättigen, wenn sie durch das Diaphragma tritt. Dagegen wird 1 l der obigen Chlorlösung beim Durchgange durch das Diaphragma nur 7,3 g Natronhydrat in die Reaction hineinziehen. Wenn es also gelingt, den Durchgang der Chlorlösung im Vergleich zu dem der Alkalilauge zu beschleunigen, wird man die Verluste im Verhältniss von 100 : 7,3 für 1 l herabdrücken können. Zur Ausführung des Verfahrens hält man die Chlorlösung durch stärkeren Salzgehalt ständig schwerer als die Alkalilauge. Die Diffusion erfolgt stärker von der Chlor- zur Alkalikammer als umgekehrt. Dies wird noch begünstigt, wenn man das Niveau der Chlorlösung durch Zuführung frischer höher hält als das der Aetzlauge. Ein elektrolytisches Verfahren zur Darstellung |215| von Chloraten und Hypochloriten von O. Carlson (Schwedisches Patent Nr. 3614 vom 15. November 1890) hat schon viele der späteren, zum Theil patentirten Vorschläge vorweggenommen. Deshalb und weil es in der für gewöhnlich zugänglichen Litteratur nicht zu finden ist, sei es hier erwähnt. Der Grundgedanke besteht in der ohne Diaphragma durchgeführten Elektrolyse einer Alkalichloridlösung, die Alkali oder Erdalkali enthält. Diese Verbindungen können direct in dem Elektrolyten gelöst werden oder man kann sie in der Alkalichloridlösung, die Erdalkalichlorid enthalten kann, durch Elektrolyse mit geeigneter Stromstärke und bei bestimmter Concentration und Temperatur des Elektrolyten erst erzeugen. In letzterem Falle kann auch als Zusatz zur Lösung ein Alkali- oder Erdalkalicarbonat genommen werden. Nach Beendigung der Elektrolyse wird gekocht, wodurch das Hypochlorit in Chlorat und Chlorid umgesetzt wird. Wesentlich Neues über die Gewinnung von Chloraten nach Spilker und Löwe bringt L'Industrie électrochimique, 1898 Bd. 2 S. 28, nicht. Die Anlagen in St. Helens zur Darstellung von Chlor, Soda und Chlorat beschreibt The Electrical Review, 1898 Bd. 42 S. 333. T. Parker (Englisches Patent Nr. 25631/1896) macht das eiserne Gefäss zur Kathode. Die Anode ist mit einer Schicht Bimsstein, Kork oder anderem nicht leitenden Material bedeckt. Der Elektrolyt wird 30 bis 40° warm gehalten.

Vor etwa drei Jahren hat F. Oettel darauf hingewiesen, dass, während bei der elektrolytischen Darstellung des Kaliumchlorats selten mehr als 60 Proc. Stromausbeute zu erzielen war, sie beim Calciumchlorat bis auf 87 Proc. steigt. Dies bestätigen im Wesentlichen H. Bischoff und F. Foerster (Zeitschrift für Elektrochemie, 1898 Bd. 4 S. 464). Bei der Elektrolyse einer durch Eis gekühlten Lösung, die 147 g krystallisirtes Calciumchlorid in 500 cc enthielt, bekamen sie mit Da, qdm = 9,1 Ampère, Dk, qdm = 13 Ampère und E = 6,7 Volt 81,7 Proc. mittlere Strom ausbeute. Die geringe Reduction ist darauf zurückzuführen, dass das schwerlösliche Calciumhydrat auf der Kathode ein Diaphragma bildet, das der Reduction des zunächst entstehenden Hypochlorits entgegenwirkt. Dieses erleidet sehr leicht hydrolytische Spaltung in freie Basis und Säure. Neben dieser und 30 Proc. Chlorat entstehen nicht unerhebliche Mengen von Perchlorat, die die oben angegebene Stromausbeute erhöhen. Am zweckmässigsten verwendet man zur Darstellung von Calciumchlorat Lösungen mit mindestens 10 Proc. Chloridgehalt, womöglich aber von erheblich höherer Concentration und arbeitet mit Da, qdm = 10 Ampère und einer mindestens doppelt so grossen Kathodenstromdichte. Bei einigen Versuchen in der Hitze entwich freie unterchlorige Säure. Wurde bei 50° eine Lösung von 111 g wasserfreiem Calciumchlorid in 500 cc mit Da, qdm = 7 bis 8 Ampère und Dk, qdm = 18 bis 20 Ampère unter Verwendung von Nickelkathoden 31 Stunden lang elektrolysirt, so betrug bei E = 5,2 bis 5,9 Volt die mittlere Stromausbeute 87,7 Proc. Nach Auswechselung der Nickel- gegen Platinkathoden fiel sie in 27 Stunden auf 63,5 Proc. im Mittel, und die Reduction schnellte sofort von 2,0 auf 15,2 empor. Auch die Wasserzersetzung stieg von 8,9 auf 15,7, die Menge des Hypochlorit-Sauerstoffs in 1 cc Lösung von 0,00122 auf 0,0035 g. Für die Sauerstoffbestimmung in Gasgemischen, die der Zusammensetzung des Knallgases nahe kommen, verwendet man am besten die Hempel'sche Kupferpipette. Aehnliche Versuche hat F. Oettel (Zeitschrift für Elektrochemie, 1898 Bd. 5 S. 1) schon 1894 angestellt. Die elektrochemische Wirkung der Kalkmembran hat mit ihrer Dicke nichts zu thun. Mit Lösungen von 130 bis 150 g wasserfreiem Calciumchlorid in 1 l, die mit etwas Kalkhydrat digerirt waren, um kleine Mengen Magnesia auszufällen, wurde bei Zimmertemperatur im Mittel etwa 70 Proc. Stromausbeute erhalten. Zur Gewinnung von Chlorat wurde bei 75° gearbeitet. Anode: Platinblech; Kathode: Schwarzblech. Dk, qm = Da, qm = 900 Ampère, E = 3,8 bis 4,0 Volt. Die Stromausbeute bessert sich während der ersten Stunden und bleibt dann ziemlich lange constant, meist bei 80 Proc. Von den übrigen 20 Proc. entfällt der grössere Theil zuweilen auf die Wasserzersetzung, zuweilen auf die Reduction. Ein continuirliches Verfahren, bei dem man Calciumchlorid durch Kaliumchlorid-Zusatz regeneriren würde, lässt sich nicht ausführen, denn die kaliumhaltige Calciumchloridlauge gibt bei der Elektrolyse an der Kathode dicke Krusten von Kalk, die abblättern, und in wachsenden Mengen freies Chlor. Es scheint, dass für die Bildung von Calciumoxychlorid günstige Bedingungen geschaffen werden müssen, da diese Verbindung leicht in Lösung geht und sofort vom Chlor angegriffen wird. Ausserdem hindert sie nicht die für die Chloratbildung vortheilhafte Gegenwart eines geringen Ueberschusses an freiem Chlor oder an unterchloriger Säure. Vielleicht auch verringert die Gegenwart von Alkalichloriden die Löslichkeit des Calciumoxychlorids, aus dem möglicher Weise die Kathodenkrusten bestehen. Kupferoxyd, Nickeloxyd, Bleisuperoxyd und Eisenhydroxyd führen einen Theil des Hypochlorits in Chlorat über und zersetzen einen anderen. Die Sauerstoffentwickelung wächst mit der Erwärmung und Alkalinität. Vielleicht ist die Combination Kalk-Eisenoxyd die Ursache der Sauerstoffentwickelung in den Absorptionsapparaten beim alten chemischen Chloratprocesse. Bei dem elektrolytischen kann man muthmaasslich zwei ganz verschiedene Processe unterscheiden: a) Chloratbildung über Hypochlorit hinweg; b) directe Chloratbildung durch unmittelbare Vereinigung von Chlor und Sauerstoff während ihrer Abscheidung an der Anode. In neutraler Lösung vollzieht sich vorwiegend Reaction a), in schwach alkalischer Lösung spielen sich beide Processe neben einander ab, in stärker alkalischer herrscht b) vor. Bei den Chlorcalciumlösungen handelt es sich um die Reaction a). Sie zeigen das Bestreben, durch freie unterchlorige Säure schwach sauer zu werden, während bei Alkalichloridlösungen je nach der Lage der Elektroden und je nach der Stromdichte der Beharrungszustand bei geringem Ueberschuss an freiem Alkali oder freiem Chlor eintritt.

Bei der Darstellung von Chloraten und Perchloraten setzt J. Landin (Schwedisches Patent Nr. 8820) dem Elektrolyten Verbindungen solcher Metalle zu, die höhere leicht zersetzbare Producte bilden können. Sie sollen anscheinend als Sauerstoffüberträger wirken. Während man bei der Elektrolyse einer Kaliumchloratlösung, die mit einigen Tropfen Schwefelsäure versetzt ist, zwischen Platinelektroden an der Anode Perchlorat erhält, entsteht nach D. Tommasi (Moniteur scientifique, 1898 Ser. 4 Bd. 12 |216| S. 183) beim Uebergange des Stromes zwischen einer Platinkathode und einer Zinkanode an letzterer durch die Einwirkung des Zinks Chlorid nach der Gleichung KClO3 + 3Zn = KCl + 3ZnO. In keinem der beiden Fälle bildet sich an der Kathode Chlorid.

Ist die Elektrolyse der Chloridlösungen so weit fortgeschritten, dass sich nur noch Chlorat in Lösung befindet, so wird dieses nach F. Winteler (Chemiker-Zeitung, 1898 Bd. 22 S. 89) unter folgenden günstigen Bedingungen zwischen Platin- oder Superoxydelektroden weiter oxydirt: 1) bei saurer Lösung an der Anode; 2) bei tiefer Temperatur an der Anode; 3) bei Dqdm = 4 bis 12 Ampère, am besten 8 bis 12; 4) bei möglichst grosser Concentration des Elektrolyten. Die Grösse der Kathodenstromdichte hat einzig und allein Einfluss auf die nöthige Stromspannung. Auch wenn sie sehr klein ist, findet keine Reduction statt. Mit Ausnahme der Zeit, zu der fast alles Chlorat schon oxydirt ist, werden 73 bis 95 Proc. des abgeschiedenen Sauerstoffs zur Perchloratbildung nutzbar gemacht. Auch mit 4 Proc. Alkali versetzte Chloratlösungen gehen durch Dqdm = 8 bis 12 Ampère in Perchlorat über, wenn die Durchrührung von Anoden- und Kathodenlösung durch die entwickelten Gase geschieht (Ausbeute bis 10 Proc). Bei diesen Elektrolysen tritt so reichlich Ozon auf, dass sie vielleicht zur technischen Darstellung dieses Körpers nutzbar gemacht werden könnten. Bei Verwendung von Kohlenelektroden, die schnell zerstört werden, findet keine Chloratbildung statt. Mit anderen Metallen als Platin und Iridium bildet ClO3 lösliche Salze. Auf ähnliche Weise kann im Ausbau einer Beobachtung von A. Riche (Comptes rendus, 1858 S. 348) aus Salzsäure Ueberchlorsäure dargestellt werden. Am besten wird dazu eine Temperatur angewendet, bei der kein Chlor gasförmig entweichen kann. Auch F. Foerster (Zeitschrift für Elektrochemie, 1898 Bd. 4 S. 386) zeigt, dass bei der elektrolytischen Darstellung der Perchlorate aus Chloraten und der freien Säure bei nicht zu geringen Stromdichten um so bessere Stromausbeuten erzielt werden, je höher die Concentration der Lösung ist. Am besten wird eine 50procentige Natriumchloratlösung bei Zimmertemperatur mit Dqdm = 8,3 Ampère und E = 4,5 Volt (bei 1,5 cm Elektrodenabstand) elektrolysirt. Man erhält dann in 22 Stunden 98 Proc. Stromausbeute, in der der theoretischen nahen Zeit von 24½ Stunden allerdings nur noch 95 Proc. Durch Verdoppelung der Stromdichte wird die Versuchszeit auf die Hälfte abgekürzt und die Spannung auf 5,2 Volt gesteigert. Gegen Ende der Oxydation tritt starker Ozongeruch auf. In 5,6procentiger Kaliumchloratlösung konnte mit Dqdm = 8 Ampère eine Stromausbeute an Perchlorat von 82 Proc. erreicht werden; nachdem aber etwa die Hälfte des angewandten Chlorats oxydirt war, sank der Betrag der Stromausnutzung sehr bald auf viel niedrigere Werthe herab. Ebenso gut wie in neutraler verläuft die Perchloratbildung in saurer Lösung, nur kann sich hier die Reductionswirkung des Stroms unliebsam bemerkbar machen. In alkalischer Lösung ist die Oxydationswirkung des Stromes, selbst bei hoher Dichte, schon im Anfang kleiner als vorher und erlischt bald ganz. Es scheint also die unmittelbare elektrolytische Gewinnung von Perchloraten aus Alkalichloriden nicht recht thunlich zu sein.

Die elektrolytische Darstellung von Natriumhydrosulfit (vgl. D. p. J. 1898 307 239) beschreibt A. Dubosc (Revue générale des matières colorantes, 1898 Bd. 2 S. 110). Gut geeignet dafür ist der Apparat von Villon. In ihm sind eine Reihe von Zellen, die, durch Asbestdiaphragmen getrennt, zur Hälfte aus Zink, zur Hälfte aus Gusseisen bestehen, durch Röhren mehrfach verbunden. Durch die Kathodenräume fliesst Natriumbisulfitlauge, durch die Anodenabtheilungen Eisenchlorürlösung entgegen der Stromesrichtung. Das gebildete Hydrosulfit wird mit einer Oelschicht bedeckt.

Aus salzsauren Lösungen von Kalkphosphaten, z.B. den bei der Leimfabrikation erhaltenen, gewinnt Buchner (Französisches Patent Nr. 267150) Alkaliphosphate auf folgende Weise. Er versetzt die Lösungen mit Alkalibisulfat oder einem Gemische von Bisulfat und Schwefelsäure und löst in der freie Salzsäure enthaltenden Flüssigkeit frisches Phosphat. Dann elektrolysirt er zur Verminderung des Chlorgehalts und bindet das entstandene Alkalihydrat an Phosphorsäure.

V. Metalle.

Wenn man bei der Kupfer-Fällung Dqdm = 1 Ampère überschreitet, wird der bisher lachsfarbene gleichmässige Ueberzug rauh wie Schmirgelpapier, bei noch höheren Dichten chocoladenbraun und unzusammenhängend, unter gleichzeitigem Auftreten von Wasserstoff. Den letzteren meint also J. C. Graham (Electrical Review, 1898 Bd. 42 S. 278, 319, 357, 458), wie auch schon andere vor ihm, als Ursache des schlechten Niederschlages ansehen zu müssen. Die Wasserstoffentwickelung bei höheren Stromdichten rührt daher, dass die Lösung um die Kathode kupferarm wird, so dass Wasserzersetzung eintritt. Beim Arbeiten mit niedrigeren Stromdichten haben dagegen die Convections- und Diffusionsströmungen Zeit, die verarmte Lösung durch kupferreichere zu ersetzen. Sorgt man für diese Erneuerung durch mechanische Mittel, indem man z.B. die Flüssigkeit unten aus der Elektrolysirzelle absaugt und in einen hoch stehenden Behälter drückt, von dem sie in einem wagerechten Strahle gegen den Mittelpunkt der Kathode fliesst, so gelingt es, auch mit Dqdm = 20 bis 30 Ampère noch gleichförmige, gut zusammenhängende und schön gefärbte Niederschläge zu erzielen. Um die Auswüchse an den Kanten des Kathodenbleches zu vermeiden, wird 6 mm von ihm entfernt eine Platte aus isolirendem Material aufgestellt, aus der ein Viereck so ausgeschnitten ist, dass die stehen bleibenden Randleisten nach aussen und innen je 12 mm über die Ränder der Kathode übergreifen. Zur Berechnung der Stromdichte wird eine Kathodenfläche angenommen, die nach jeder Seite hin 6 mm breiter ist als die viereckige Oeffnung. Bei hohen Stromdichten wächst die Stromstärke nicht in dem Verhältniss, wie es die Unterschiede in der Badspannung und dem Widerstand des Elektrolyten verlangen. Diese Erscheinung rührt nicht von einer elektromotorischen Gegenkraft, sondern davon her, dass sich auf der Anode eine feste Schicht von Kupfersulfat bildet, die sich bei hohen Stromdichten nicht schnell genug in dem Wasser auflösen kann und deshalb den Widerstand vergrössert. Der Niederschlag löst sich, wenn man den Strom auf kurze Zeit unterbricht. Besser aber kann dieser, ein schnelles Arbeiten beeinträchtigende Uebelstand vermieden werden, |217| wenn gegen die Anode ein starker Flüssigkeitsstrahl geschleudert wird. Um die zur Erzielung eines guten Niederschlages nothwendige schnelle Circulation des Elektrolyten zu erreichen, wird statt des oben beschriebenen Schirmes mit viereckiger Oeffnung einer mit mehreren runden Löchern verwendet, durch deren Mitte ein Flüssigkeitsstrahl strömt. Gleichzeitig zur Herstellung von Platten, Röhren oder Drähten kann die Anode aus einer Röhre bestehen, durch die der durch eine Centrifugalpumpe bewegte Elektrolyt strömt, und in deren Achse ein feiner Draht oder ein Dorn als Kathode angebracht ist. Die Flüssigkeit kann auch schnell in einem wasserdichten niedrigen Kasten circuliren, dessen Boden die Kathode, und dessen Deckel die Anode bildet. In einem dieser beiden Apparate gaben auch verdünnte unreine Kupferlösungen, z.B. solche von Rio Tinto-Erz, die in 1 l als Sulfate 11,09 g Kupfer, 17,31 g Eisen, 0,22 g Cadmium, 0,63 g Aluminium, 2,29 g Zink und 0,24 g Magnesium enthielten, noch gute Niederschläge von reinem Kupfer bei Dqdm = 5,5 Ampère. Chloridlösungen sind, wenn sie auch mehr Kupfer enthalten, nicht direct für die Elektrolyse brauchbar. Die Luftcirculation in elektrolytischen Kupferbädern, deren Erfindung Borchers (Elektrometallurgie, 2. Aufl. S. 184) den Gebr. Borchers zuschreibt, wurde (Zeitschrift für Elektrochemie, 1898 Bd. 4 S. 555) von W. Siemens schon 1884 oder 1885 zum Heben von Wasser benutzt und Anfang 1886 von Siemens und Halske in der elektrolytischen Kupferraffinationsanlage von C. Heckmann eingerichtet. Nachdem sie auch nach 1891 bei Gebr. Borchers eingeführt war, wurde sie von W. Siemens noch weiter verbessert und bei den verschiedensten elektrolytischen Bädern angewendet. B. Neumann (Zeitschrift für Elektrochemie, 1898 Bd. 4 S. 333) hat seine Arbeit (vgl. D. p. J. 1898 307 259) über die elektrolytische Scheidung des Kupfers von den positiven Metallen für technische Zwecke fortgesetzt. Aus der entkupferten Lauge kann man das Eisen auf technisch brauchbare Weise durch Einblasen von Luft nicht entfernen. – Eine ähnliche Versuchsreihe wie mit Kupfer-Nickellegirung wurde mit Messing von der Zusammensetzung 65,35 Kupfer, 34,24 Zink, 0,30 Blei und 0,10 Eisen angestellt. Sie lieferte ganz analoge Resultate, und auch Kupfer-Eisen verhält sich, wie die Arbeiten über den Marchese-Process gezeigt haben, ähnlich. Es ist also allgemein erwiesen, dass man aus den Legirungen des Kupfers mit Kobalt, Nickel, Eisen, Zink und Aluminium ersteres abscheiden und die letzteren in Lösung bringen und halten kann, wenn man sie als Anoden in ein Bad aus schwefelsäurehaltiger Kupfervitriollösung einhängt. Die Spannung an einem Bade darf 0,5 Volt nicht viel überschreiten. Je länger die Elektrolyse dauert, je mehr reichert sich die Lauge mit den positiveren Metallen an, während Kupfer daraus immer mehr verschwindet. Letzteres ist auch die Ursache, dass die Beschaffenheit des ausgeschiedenen Kupfers sich auch qualitativ verschlechtert (vgl. Förster und Seidel, D. p. J. 1897 304 215). Deshalb muss auch bei Verwendung von Schwefelsäure als Elektrolyt längere Zeit nur pulveriges Kupfer erhalten werden können. Diese Folgerung wurde durch Versuche bewahrheitet. Wie die untersuchten Legirungen würden sich auch Neusilber, Aluminiumbronze und ähnliche zerlegen lassen. Ebenso muss die elektrolytische Verarbeitung von Kupfer- und Kupfer-Nickelsteinen (vgl. D. p. J. 1897 304 215; 1898 307 239 und 282) in den angegebenen Grenzen gelingen, wenn man die Versuche mit möglichst hochhaltigen Steinen ausführt, wie sie im Converter leicht zu erhalten sind. Im rohen Anodenkupfer können nach W. Terrill (Institution of Mining and Metallurgy vom 20. April 1898; Chemiker-Zeitung, 1898 Bd. 22 S. 353) enthalten sein: Wismuth, Eisen, Silber, Antimon, Arsen, Nickel, Blei und Gold. Die drei ersteren sind stets vorhanden. Das an der Kathode niedergeschlagene Kupfer kann mechanisch oder chemisch verunreinigt werden. Findet mechanische Verunreinigung statt, so kann sie alle angeführten Elemente umfassen, ist sie chemisch, so sind Nickel, Gold und Blei ganz ungefährlich. Eisen geht in Lösung und kann, wenn es als Oxydul vorhanden ist, durch Sauerstoffabsorption Wismuth, Antimon und Arsen mit sich führen. Häufiger Wechsel der Lösung ist für die Gewinnung reinen Kupfers wesentlich. Die ausgenutzte Lösung wird eingedampft, um den grössten Theil des Wismuths als Oxyd auszufällen und dann durch Kupferoxyd neutralisirt.

Die Verarbeitung des Elektrolyten in amerikanischen Kupferwerken beschreibt T. Ulke (Zeitschrift für Elektrochemie, 1898 Bd. 4 S. 309). Der Elektrolyt reichert sich allmählich an Verunreinigungen an. Ausserdem geht mehr Kupfer in die saure Lösung als auf der Kathode niedergeschlagen wird. Diese Concentration der Laugen an Kupfervitriol wird noch begünstigt durch Verdampfen des Wassers, da in der Wärme gearbeitet wird. Die Kupferhütte in Baltimore ersetzt periodisch einen berechneten Theil, etwa ein Fünftel, der Hauptlösung durch frische Lauge, um den Gehalt des Elektrolyten unter gewissen Grenzen zu halten. Die abgezogene Flüssigkeit wird auf Kupfervitriol verarbeitet. Die letzten Reste Kupfer (2 bis 3 Proc.) fällt man aus den Mutterlaugen durch Eisenabfälle. Die Balbach-Hütte in Newark krystallisirt aus dem abgezogenen Antheile die Sulfate des Kupfers, Eisens und Nickels und gewinnt durch Abkochen der Mutterlauge arsenige Säure und Schwefelsäure. Antimon setzt sich in den Abführungströgen ab. Die Fällung des Kupfers aus dem unreinen Elektrolyten durch Eisen ist wegen der schlechten Verkäuflichkeit des Eisenvitriols unpraktisch. Die Gebrüder Guggenheim in Perth Amboy klären den trüben Elektrolyten durch Einblasen von Luft unter 0,2 bis 0,25 at Druck. Dabei fliesst die vom unteren Theil des Elektrolysirgefässes in Bleiröhren angesogene Lösung durch die Oeffnungen einer oben angebrachten Röhre wieder in das Gefäss zurück. Zur Gewinnung des Kupfervitriols wird die Lauge erst mit Kupferabfällen in Gegenwart von Luft oder Dampf gekocht. Die Krystalle setzen sich an Bleibändern an. Aus den Mutterlaugen schlägt man Kupfer und Arsen (bis 60 Proc. des Niederschlages) durch Einstellen von Eisenplatten nieder. Der schwarze Absatz wird auf unreines Kupfer oder auf Arsenverbindungen verarbeitet. In der Chicagoer Kupferraffinerie wird aus dem durch Abdampfen und Krystallisiren erhaltenen Gemische von Kupfervitriol und arseniger Säure ersterer durch wenig Wasser ausgelaugt. Die Endlauge wird auf Schwefelsäure verarbeitet. Von den Methoden zur directen Entfernung der Verunreinigungen geben keine besonders guten Erfolge: das Kochen der Lauge mit |218| Metazinnsäure, die Filtration durch Kupferoxydul und die Oxydation durch eingeblasene Luft, sowie Combinationen dieser Verfahren. Das Legiren des Anodenkupfers mit Zinn, wodurch eine unlösliche Verbindung von Kupferarsenit mit Zinn entsteht, ist nur lohnend, wenn die Lösung sehr viel Arsen enthält. In Anaconda soll die unreine Lauge wiederholt durch oxydirtes Kupfer geleitet werden, um Antimon und Wismuth theilweise zu fällen, und dann soll durch Oxydation mit Luft Eisen u.s.w. theilweise entfernt werden. Am besten reinigt man wohl die Lauge vor. Als Elektrolysirgefäss nimmt man auf 280 Raffinirungsbäder drei Gruppen von je vier gedeckten, mit Blei ausgefütterten Zellen. Die Kupferkathoden und Bleianoden sind je 1/10 Zoll dick, 3 Fuss hoch und 2 Fuss breit. Man wählt die Stromdichte so, dass nicht Eisen, wohl aber Kupfer, Arsen und Antimon gefällt werden. Die so von den beiden letzteren Metallen befreite schwefelsäurereiche Lösung wird durch Zusatz von Wasser und Vitriol auf die Normalzusammensetzung gebracht und als Elektrolyt für die Raffination benutzt. Werden die Kathoden rauh oder schwärzlich dadurch, dass sich die Eisensalze zu sehr im Elektrolyten anreichern, so scheidet man diese ab oder verarbeitet die Lösung auf Kupfervitriol. Die bei der Vorbehandlung benutzten Zellen werden jeden zweiten Monat vom Metallschlamm gereinigt. Dieser, der 40 bis 60 Proc. Kupfer enthält, wird in einer Converterbirne oder in einem Raffinirofen aufgearbeitet. Die Kathoden werden, wenn sie stark mit den Verunreinigungen bedeckt sind, eingeschmolzen und auf „cake copper“ oder andere für Legirungen bestimmte Kupfersorten verarbeitet.

Elektrolytisches Kupfer pro analysi hat J. W. Westmoreland (The Analyst, 1898 Bd. 23 S. 86) häufiger durch Arsen, Blei, Zink und Eisen verunreinigt gefunden. Die Verunreinigungen betrugen mehrere Zehntel bis 5,5 Proc.

Um die Bewegung der zu überziehenden Gegenstände periodenweise zu beschleunigen, gibt F. W. Zingsem (Englisches Patent Nr. 3526/1897) der Trommel ovale Gestalt und versieht ihre Achse mit Zapfen, die auf Rollen laufen. Die rotirenden Fässer belegen W. Evans und J. W. Smith (Englisches Patent Nr. 10822/1897) innen mit Anodenplatten, die von durchlöcherten Brettern gehalten werden, und deren Endigungen durch diese Löcher gehen und auswärts nach dem einen Fassende zu gebogen sind. Der centrale Kathodenstab, der mit einer Buchse am anderen Fassende verbunden ist, trägt metallene Scheiben und dazwischen die Entfernung haltende Blöcke. Statt dessen können auch zwei im Fass befestigte Metallringe verwendet werden. J. Guise (Englisches Patent Nr. 6962/1897) bringt in dem rotirenden Fasse, dessen Achse mit dem positiven Pol der Stromquelle verbunden ist, eine spiralförmig oder in Zickzackform gewundene Drahtkathode an. Zur Erzielung eines gleichmässigen glatten Niederschlages lässt E. Dumoulin (Englisches Patent Nr. 2709/1897) die rotirenden Kathoden sich leicht gegen thierische Membranen reiben. Die kleinen Erhöhungen im Niederschlag bedecken sich dabei mit etwas Faser, so dass eine weitere Metallablagerung an diesen Stellen so lange verzögert wird, bis die vertieften Theile dieselbe Dicke erreicht haben. Der Elektrolyt muss von organischen Substanzen durch Permanganate, Kupferoxyd u.s.w. befreit werden, weil diese sonst in dem Metallniederschlage mechanisch eingeschlossen werden, beim späteren Glühen Gase unter grossem Druck entwickeln und so das Metall bröcklig machen. Um die thierische Faser löslich oder haftend zu machen, muss der Elektrolyt auf 16° oder einer niedrigeren Temperatur gehalten werden. Dies wird durch geeignete Circulation erzielt. Die Oxydation wird durch Einblasen von Luft befördert. Danach erfolgt Filtration. Die Anodenbehälter, die das gepulverte Erz aufnehmen, werden (Englisches Patent Nr. 2710/1897) an Aluminiumträgern befestigt. Man kann der Kupferanode Aluminium oder dem Elektrolyten Aluminiumsulfat zusetzen und erhält dann eine Kupfer-Aluminiumlegirung. Den Membranen kann (Englisches Patent Nr. 2711/1897) eine hin und her gehende Längsbewegung ertheilt werden. Der Kathodendorn ist an zwei justirbaren Zapfen aufgehängt, die durch Federn angepresst werden und zur Entfernung des Dornes in der Längsrichtung herausgezogen werden können. Weitere Einzelheiten bringt das englische Patent Nr. 2712/1897.

Will man durch Reduction ammoniakalischer Silbernitratlösungen hergestellte Silberspiegel nachträglich verkupfern, so löst sich die Silberhaut sammt dem Kupfer gewöhnlich in Form von Schuppen von dem Glase ab. Dies will L. Höpfner (D. R. P. Nr. 95721) dadurch vermeiden, dass er dem Kupferbade Ammoniumsalze der Salpetersäure oder solcher organischer Säuren zusetzt, die sich aus den zur Erzeugung des Silberspiegels verwendeten Aldehyden und Aldohexosen durch Oxydation ableiten, und deren Metallsalze löslich sind. Die Bäder, die Sh. Cowper-Coles (Institution of Electrical Engineers: The Electrician, 1898 Bd. 40 S. 583 und 625) zur elektrolytischen Herstellung von Parabolspiegeln (vgl. D. p. J. 1897 304 214) gebraucht, sind folgende: Silberbad zur chemischen Fällung 0,5 Proc. Silbernitrat, 0,5 Proc. Kaliumhydroxyd, 0,25 Proc. Glykose. Kupferbad: 83 Th. Wasser, 13 Th. Kupfersulfat, 3 Th. Schwefelsäure; Dqdm = 2 Ampère, E = anfangs 9 Volt, später weniger. Palladiumbad: 0,62 Proc. Palladiumammoniumchlorid und 1 Proc. Ammoniumchlorid bei 24°; Anode Kohle; Dqdm = 0,027 Ampère, E = 4 bis 5 Volt.

(Fortsetzung folgt.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: