Titel: Benutzung der Seetange.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 309/Miszelle 3 (S. 19)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/mi309mi01_3

Benutzung der Seetange.

Wie A. Krefting in Christiania in der Chem. Industrie mittheilt, wird bis jetzt nur ein Theil des Tangs zu Dünger, ein anderer zur Bereitung von Tangasche für die Jodfabriken verkauft, und zwar werden allein auf Jaederan jährlich an 30000 t lufttrockener Tang verbrannt, eine aber im Verhältniss zu den Quantitäten, die jedes Jahr längs der Küste Norwegens wachsen und angeschwemmt werden, geringe Menge.

Vor etwa 10 Jahren wurde von Standfort aus dem Tang eine stickstoffhaltige organische, voluminöse Substanz, die „Alginsäure“, abgeschieden, die er in Schottland als Appreturmittel fabrikmässig herstellt. Krefting stellt diese Säure in reinerem Zustande dar und nennt sie einfach „Tangsäure“. Sie ist stickstoffrei und kann bis 97 Proc. Wasser binden.

Die Alkalisalze dieser Säure sind stark kleberig, bilden ein Bindemittel für Papier und andere Stoffe und haben ein grosses Vermögen, die Fettstoffe zu emulgiren. Besonders geeignet zur Darstellung ist die breitblätterige, jodhaltige Laminaria.

Zur Darstellung wird zuerst der getrocknete Tang mit Wasser ausgelaugt. Aus der wässerigen Lösung wird das Jod gewonnen. Darauf wird der Tang mit kalter verdünnter Schwefelsäure behandelt, um den Kalk, an den die Tangsäure gebunden ist, zu entfernen, ausgewaschen und durch Sodalösung nach und nach in eine Brühe verwandelt, die man filtrirt. Das Filtrat kann direct als Appreturmittel oder geringerer Leim verwendet werden. Die auf dem Filtertuch gebliebene Fasermasse wird mit Wasser ausgewaschen; aus dem Waschwasser wird die Tangsäure durch verdünnte Schwefelsäure ausgefällt, gewaschen, gepresst und getrocknet. Sie wird durch Sodalösung erst an der Verbrauchsstelle gelöst und dient so als Papierleim, Comptoirgummi, Stärke, Appretur und als Waschmittel.

Zur Herstellung dieser Stoffe im Grossen hat sich in Christiania eine Gesellschaft für die Fabrikation im grösseren Maasstabe gebildet.

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