Titel: Formirung von Sammlerelektroden.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 309/Miszelle 2 (S. 59–60)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/mi309mi03_2

Formirung von Sammlerelektroden.

Nach den bisherigen Erfahrungen hatte man angenommen, dass bei Elektrolyse- bleihaltiger Lösungen oder irgend eines Elektrolyten zwischen Bleiplatten an der Anode stets Bleisuperoxyd erhalten wird. Charles Pollak in Frankfurt a. M. hat jedoch wahrgenommen, dass man unter gewissen Bedingungen auch niedrigere Oxydationsstufen des Bleies, sowie auch dessen Salze auf elektrolytischem Wege erhalten kann, wenn man eine bestimmte, diesen Verbindungen entsprechende kritische Spannung nicht überschreitet. Bei Bleielektroden erhält man bei 1 Volt constanter Spannung als Producte grau gefärbte Bleisuboxyde und sauerstoffarme Bleisalze, bei 1,5 bis 1,8 Volt erhält man orangerothe Bleioxyde, welche etwa der Mennige entsprechen, bei mehr als 2 Volt dagegen das bekannte Bleisuperoxyd. Um diese Resultate zu erreichen, darf an der elektrolytischen Zelle keine höhere als die beabsichtigte und für den betreffenden Körper kritische Spannung auftreten. Das Vorschalten von Widerständen, um einen Theil der Spannung zu vernichten, führt nicht zu guten Resultaten, mit Ausnahme solcher Fälle, wo man mit Elektrolyten zu thun hat, bei denen an den Elektroden eine Localaction entsteht, und wo mit sehr geringer Stromstärke gearbeitet wird. Eine Erklärung dafür ist darin zu finden, dass die Localaction dabei schneller wirkt als der schwache Strom selbst. In dieser Weise kann man z.B. bei ausserordentlich kleiner Stromstärke in verdünnter Schwefelsäure an der Bleianode eine Schicht von schwefelsaurem Blei erhalten. Wenn man jedoch mit grösserer Stromstärke zu arbeiten beabsichtigt, so muss man dafür sorgen, dass die Stromquelle genau die nothwendige Spannung aufweist oder dass diese Spannung durch Vorschalten von gegenelektromotorischer Kraft in Form von Polarisationszellen oder Accumulatoren erzielt wird. Der innere Widerstand der vorgeschalteten Zellen, sowie der Stromquelle und Leitung muss möglichst gering sein, um auf die Stromstärke keinen merkbaren Einfluss ausüben zu können. Wenn eine höhere Spannung verfügbar ist, so kann man auch mehrere elektrolytische Zellen hinter einander schalten, wobei aber darauf zu sehen ist, dass alle diese Zellen einander möglichst gleich sind, sonst würde man in den einzelnen Zellen ganz verschiedene Producte bekommen.

Bei der bisher bekannten sogen. Plante'schen Formation von Bleiplatten bestand immer die Schwierigkeit, dass sich die positiven Platten in kurzer Zeit mit einer dünnen, aber dichten Schicht von Bleisuperoxyd bedeckten, wodurch eine weitere Wirkung des Elektrolyten in die Tiefe der Platten unmöglich gemacht wurde, so dass man gezwungen war, diese Formation mehrere Monate hindurch unter öfterer Umkehrung des Stromes, d.h. durch eine Reihe von Oxydationen und Reductionen |60| vorzunehmen, um eine genügend dicke Schicht von Superoxyd auf der Platte zu erhalten. Nach dem vorliegenden Verfahren (D. R. P. Nr. 96821) kann man in kurzer Zeit die zu formirenden Platten mit einer dicken Oxydschicht auf elektrolytischem Wege versehen, indem man dabei folgende Vorschriften befolgt.

Die Zellen werden mit einer Stromquelle, die maximal 2 Volt Spannung besitzt, verbunden. Es genügt demnach als Stromquelle eine Accumulatorenzelle für eine oder zwei hinter einander geschaltete Formationszellen. Man setzt die Zellen der Einwirkung des Stromes während einer mehr oder weniger langen Zeit aus, je nachdem man eine starke oder schwache Oxydschicht auf der Platte erhalten will, und nach Ablauf dieser Zeit werden die Platten von einer vollständig fest zusammenhängenden, aber porösen Bleioxydschicht bedeckt sein. Zur Beschleunigung der Wirkung ist es empfehlenswerth, die Temperatur der Formationszelle auf etwa 40° zu erhöhen. Diese Behandlung der Platten ist noch nicht als eigentliche Formation, sondern als eine Vorbereitung oder Vorformation zu betraghten.

Die auf diesem Wege erhaltenen, mit Bleioxyd bedeckten Platten können jetzt in negative oder positive Accumulatorenplatten durch weitere elektrolytische Behandlung nach den bisher bekannten Verfahren verwandelt werden. Um die Platten als negative zu verwenden, genügt eine nachherige Reduction. Für positive Accumulatorenplatten dagegen werden die Platten entweder direct peroxydirt oder auch zuerst, ähnlich wie die negativen, reducirt und dann peroxydirt. Bei dieser Behandlung geht die ganze vorbereitete Oxydschicht in Superoxyd von zusammenhängender Form über, so dass man sehr gute positive Elektroden erhält.

Rr.

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