Titel: Die elektrischen Wagen der Grossen Berliner Strassenbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 309/Miszelle 3 (S. 60)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/mi309mi03_3

Die elektrischen Wagen der Grossen Berliner Strassenbahn.

Es sind zunächst zwei verschiedene Wagentypen vorgesehen, und zwar Drehgestellwagen und zweiachsige Wagen mit festen Achsen. Die Drehgestellwagen haben 28 Sitzplätze und 1,5 m lange Perrons, erhalten Accumulatorenbatterien und sind für gemischtes System eingerichtet; die zweiachsigen Wagen sind nur für oberirdische Stromzuführung eingerichtet. Die Batterie von 200 Elementen in den ersteren Wagen ist unter beiden Sitzen eingebaut. Die Hartgummigefässe sind oben mit Ansätzen versehen, mit welchen dieselben auf den mit Hartgummi ausgefütterten Holztheilen des Wagens aufgehängt sind, so dass unter den Elementen ein Spielraum übrig bleibt und die etwa übergeschüttete Säure abfliessen kann. Zur Entweichung der Gase aus dem Batterieraum führt ein weites Rohr über das Dach des Wagens. Die Capacität der von der Hagener und Majert'schen Accumulatorenfabrik gelieferten Batterien beträgt etwa 30 Ampère-Stunden bei einem durchschnittlichen Entladestrom von etwa 20 Ampère.

Die elektrische Ausrüstung des Wagens besteht aus zwei Motoren der Union Elektricitätsgesellschaft, wovon je einer in jedem Drehgestell untergebracht ist. Die Controller sind so eingerichtet, dass man mit reinem Oberleitungsstrom oder mit reinem Accumulatorenstrom fahren kann, während eine dritte Stellung zur Ladung der Batterie unter gleichzeitiger Entnahme von Oberleitungsstrom zum Fahren vorhanden ist. Mit der Fahrkurbel wird durch Drehung in der entgegengesetzten Richtung über den Nullpunkt hinaus die elektrische Bremsung der Wagen herbeigeführt. Es werden hierbei die Motoren als Dynamo durch den Wagen angetrieben und der hierdurch erzeugte Strom durch die beim Fahren als Vorschalt benutzten Widerstände hindurchgeführt und hier in Wärme umgesetzt. Es wird diese Bremsung dauernd angewendet und nur im Nothfalle oder wenn die Fahrgeschwindigkeit des Wagens so gering ist, dass die elektrische Bremsung nicht mehr zur vollen Wirksamkeit kommen kann, von der Kettenbremse Gebrauch gemacht.

Controller, Hauptausschalter, Automaten, Hauptbleisicherungen und Blitzableiter sind mit magnetischer Funkenlöschung nach Thomson-Houston versehen. Die elektrische Beleuchtung des Wagens geschieht durch zehn gleichzeitig brennende Glühlampen, von denen je fünf in Serie geschaltet sind. (E. T. Z., 1898 S. 281.)

Rr.

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