Titel: Fortschritte in der Acetylenindustrie.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 309/Miszelle 3 (S. 119)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/mi309mi06_3

Fortschritte in der Acetylenindustrie.

Mit der diesjährigen, vom 28. Juni bis 2. Juli in Nürnberg abgehaltenen 38. Jahresversammlung des Deutschen Vereines von Gas- und Wasserfachmännern war eine Acetylenausstellung verbunden.

Auf dieser zeichnete sich durch seine gute Ausführung der auf dem Principe des Zuführens von Carbid ins Wasser beruhende Apparat des Acetylenwerkes Augsburg Keller und Krappich aus. Nach demselben Grundprincip war die 60flammige Anlage ausgeführt, welche die Allgemeine Carbid- und Acetylen-Gesellschaft Berlin im Betriebe vorführte. Diese Firma wendet den Pictet'schen Apparat an, der an Einfachheit der Construction und Bedienung und an Sicherheit des Betriebes kaum zu übertreffen sein dürfte. Viel Interesse erregte bei den anwesenden Fachleuten die Vorführung des Reinigungsverfahrens derselben Firma, dessen Wirkungsweise in sehr anschaulicher Weise durch Einschalten von verschiedenen Reagentien vor und nach der Reinigung vorgeführt wurde, so dass sich jeder von der absoluten Reinheit des Gases überzeugen konnte. Auch die neuen Leucht- und Heizbrenner, sowie Löthkolben derselben Firma fielen durch ihr gutes Functioniren auf.

Die bekannte Gasbrennerfirma Jean Stadelmann und Co. in Nürnberg zeigte eine vollständige Zusammenstellung ihrer bewährten Specksteinbrenner für Acetylen. Auch die Société Internationale de l'Acétglène war gut vertreten. Sonst hatten von Acetylenfirmen noch die Internationale Gesellschaft für Beleuchtung Hera in Berlin, die Deutsche Acetylengasgesellschaft, die Deutsch-Oesterreichisch-Schweizerische Acetylengasgesellschaft in Lindau, H Daut in Nürnberg und Schwandt und Post in Fulda ausgestellt.

Die Hauptschwierigkeit der Anwendung des Acetylens als Triebkraft lag bisher in der gefahrlosen Erzeugung einer lichtlosen Flamme; gegenwärtig soll dieselbe durch die neueren Untersuchungen und Constructionen der Berliner Allgemeinen Carbid- und Acetylengesellschaft überwunden sein. Das Acetylen kommt jetzt auch für Kraftmaschinen, ähnlich dem gewöhnlichen Steinkohlengas, in Verwendung. Um seine Triebkraft voll auszunutzen, muss man es derart mit Luft mischen, dass es mit nichtleuchtender Flamme verbrennt. In diesem Falle entsteht eine weit grössere Hitze als bei der Verbrennung des Steinkohlengases, und deshalb erlangen auch die Verbrennungsproducte eine viel bedeutendere Explosivkraft. Da die Acetylenentwickelung nicht an den Ort gebunden ist, so eignet sich das betreffende Gas als Triebkraft vorzugsweise da, wo keine Gasanstalten in der Nähe sind, und wo der Motorenbetrieb nicht in einem so grossen Maasstabe eingerichtet werden kann, dass sich die Anlage eines elektrischen Betriebes lohnen würde.

Wie uns des weiteren mitgetheilt wird, soll sich die entleuchtete Flamme des Acetylens gut zur Hartlöthung eignen. Ihre Temperatur ist so hoch, wie man sie sonst nur mittels eines besonderen Gebläses erreichen kann. Mit dem von der Berliner Allgemeinen Carbid- und Acetylengesellschaft gelieferten Acetylenbrenner soll eine Temperatur von nahezu 2000° entwickelt werden können. Da die Heizkraft des Acetylens etwa 2½mal so gross ist wie diejenige des Steinkohlengases, so ist sein Verbrauch in demselben Maasse geringer, und damit sind es auch die Kosten der Hartlöthung.

Eine für das Acetylengewerbe bedeutungsvolle Erfindung soll nach Gastechniker C. A. Weber in Zürich gelungen sein. Das neue Gas konnte bisher nur in offenen, mehr oder weniger russenden Flammen verwendet werden. Weber hat einen Brenner construirt, der, mit einem Auer'schen Glühkörper versehen, das an und für sich schon sehr helle Auer-Licht an Leuchtkraft übertrifft und weniger Gas erfordert als die bis jetzt bekannten Acetylenbrenner.

Es möge noch hinzugefügt sein, dass nach Mittheilung des Patentbureaus Carl Fr. Reichelt in Berlin Russ von Acetylenflammen sich gut zur Herstellung von Farbstoffen und Buchdruckerschwärze eignet. Acetylen gibt, wenn mit rauchender Flamme verbrannt, ein 3- bis 4mal grösseres Quantum Russ, als eine gleiche Menge Mineralöl. Der Acetylenruss zeichnet sich durch seine absolut schwarze Farbe aus, die nicht die geringste Beimischung von Braun aufweist. Er ist frei von theerigen Beimengungen, die in Lampenschwarz oder gewöhnlichem Russ stets in mehr oder weniger grosser Menge zu finden sind.

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