Titel: Elektrische Beleuchtungs- und Kraftübertragungsanlage in der Berliner Velvetfabrik von M. Mengers Söhne.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 309/Miszelle 5 (S. 119–120)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/mi309mi06_5

Elektrische Beleuchtungs- und Kraftübertragungsanlage in der Berliner Velvetfabrik von M. Mengers Söhne.1)

Der gesammte Antrieb der Velvetfabrik erfolgte bisher durch zwei ziemlich entfernt von einander liegende Dampfmaschinen, von denen die kleinere eine Leistung von 30 i hatte, während die grössere, eine alte Balancier-Maschine, 70 i zu leisten vermochte, wobei sie einen Dampfverbrauch von 38 k für 1 /Std. aufwies. Eine elektrische Anlage Hess aus zwei Gründen wesentliche technische und wirthschaftliche Vortheile erwarten. Einmal konnten die beiden kleinen unökonomisch arbeitenden Dampfmaschinen durch eine einheitliche Dampfdynamostation ersetzt werden, während andererseits an Stelle der langen mehrfach winkligen Haupttransmissionen die elektrischen Zuleitungen zu treten hatten. Die grosse Anzahl der Motoren, welche, wie es bei Spül- und Färbereibetrieb u.s.w. sich nicht umgehen lässt, vielfach der Feuchtigkeit, sowie Staub und Schmutz ausgesetzt sind, bedingte für die gesammte Anlage die Anwendung von Drehstrom.

Die Primärstation besteht aus einer Drehstromdynamo O2000 für 190 Volt und einer Erregergleichstrommaschine S100 für 110 Volt. Angetrieben werden diese Maschinen durch eine Verbunddampfmaschine der Görlitzer Maschinenbau-Gesellschaft und Eisengiesserei, welche bei 120 Umdrehungen in der Minute, 530 mm bezw. 800 mm Cylinderdurchmesser und 800 mm Hub, eine Leistungsfähigkeit von 320 besitzt. Der Antrieb selbst erfolgt durch 13 Seile von je 45 mm Durchmesser. Die Dampfmaschine ist mit Collmann-Steuerung versehen und arbeitet mit Condensation bei einer Dampfspannung von 7 at Ueberdruck.

Von der Dampfmaschine wird der Strom nach zwei Schalttafeln |120| für die Beleuchtungs- bezw. Kraftanlage geführt, von welchen die einzelnen Hauptleitungen nach dem Werke abzweigen.

Für die Motoren ist dabei fast ausnahmslos Gruppenbetrieb vorgesehen, da fast alle Maschinen mit keinen oder verhältnissmässig nur geringen Arbeitspausen arbeiten.

Der Antrieb selbst erfolgt mit Ausnahme eines kleinen Ventilators mittels Riemens.

Ausser den genannten Motoren ist noch eine umfangreiche Beleuchtungsanlage von 20 Bogenlampen und 1200 Glühlampen vorhanden.

Wie uns mitgetheilt wird, hat die Anlage bisher zu keinerlei Betriebsstörungen Veranlassung gegeben.

|119|

Ausgeführt von der A. E. G. Berlin.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: