Titel: Neues vom Acetylen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 309/Miszelle 2 (S. 200)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj309/mi309mi10_2

Neues vom Acetylen.

In der letzten Sitzung der Section London der Society of Chemical Industrie hielt Prof. V. B. Lewes einen Vortrag: „Ueber die Vorgänge in Acetylengasentwicklern“. Zunächst besprach Redner die Verunreinigungen, welche im Acetylen und im Carbid vorhanden sind; er fand, dass von einer Anzahl untersuchter Sorten die englischen Carbide die reinsten waren, was wohl seinen Grund in der sorgfältigen Auswahl der Rohmaterialien hat. Das Maximum an Phosphorwasserstoff im Acetylen wurde zu 2,3 Proc. gefunden, während englische Carbide im Durchschnitt nur 0,5 Proc. enthielten. Einschlüsse im Carbide, deren specifische Gewichte zwischen 3,5 und 5,8 schwankten, enthielten zum Theil Eisensilicat, Magnesiumsilicid und Carborundum. Im Acetylen wurde Siliciumwasserstoff vorgefunden, und Kieselsäure konnte in dem Russ der Acetylenflamme nachgewiesen werden. Der Vortragende versuchte nun, Acetylen zur Selbstentzündung zu bringen durch Mischung mit Phosphorwasserstoff, was jedoch erst bei etwa 80 Proc. Phosphorwasserstoff erreicht werden konnte. Wenn dagegen Carbid mit 1 Proc. Calciumphosphid vermischt wurde, gelang es schon, ein selbstentzündliches Gas zu erhalten. Die Wärmemenge, welche frei wird bei Einwirkung von Wasser auf Carbid, fand Redner zwischen 364 und 406 c. Die höchste Temperatur, welche erreicht werden konnte bei Einwirkung von Wasser auf Carbid, wurde mittels des Le Chatelier-Pyrometers zu etwa 800° C. bestimmt, eine Temperatur, bei welcher Acetylen in Benzol und theerige Producte zersetzt wird. Leitet man Acetylen durch ein Glasrohr und erhitzt auf etwa 800°, so erfolgt diese Zersetzung unter Feuererscheinung und Hinterlassung graphitischer Kohle. Das Russen der Acetylenflamme wird vom Verfasser der Gegenwart von Benzol zugeschrieben. Bringt man in die Gasleitung einer Acetylenflamme, welche russlos brennt, einen Tropfen Benzol, so wird dieselbe sofort russend. Mit diesem Experiment erbringt der Vortragende den Beweis, dass bei der Acetylenbeleuchtung die Reinheit des Acetylens von der grössten Wichtigkeit ist, speciell die Reinheit des Acetylens von Benzol, um das Russen zu verhindern, von Sulfiden und Phosphorwasserstoffen in sanitärer Hinsicht. Trägt man daher Sorge, bei der Entwickelung des Gases die Temperatur niedrig zu halten, so wird die Entstehung des Benzols auf ein Minimum beschränkt. Dies wird in allen denjenigen Gasentwicklern zutreffen, bei denen ein Ueberschuss von Wasser vorhanden ist und das Carbid möglichst gleichmässig in dem vorhandenen Raume vertheilt wird. (Gastechniker.)

-h.

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