Titel: Motorwagenausstellung in Düsseldorf.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1898, Band 310/Miszelle 2 (S. 99–100)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj310/mi310mi05_2

Motorwagenausstellung in Düsseldorf.

Der Mitteleuropäische Motorwagenverein Berlin hatte für die Zeit vom 17. bis 24. September 1898 sein Hauptquartier in Düsseldorf aufgeschlagen. Während der Ausstellung fanden täglich Rundfahrten statt, an welchen sich auch das Publicum betheiligen konnte.

Als Hauptaussteller trat die Allgemeine Motorwagengesellschaft Berlin auf, welche sechs Fahrzeuge zur Ausstellung brachte. Es waren dies: ein 6pferdiger Daimler-Phaëton, ein 4pferdiger Daimler-Victoriawagen, ein 2pferdiger sogen. Benz'scher Velowagen, ferner ein elektrischer Phaëton der Pope Mfg. Comp. Diese amerikanische Construction stellt sich als ein elegantes Motorfahrzeug dar, bei welchem auch der kritischste Beobachter nur wenig aussetzen dürfte; an Stelle des geräuschvollen Explosionsmotors tritt bei demselben der sanfte Elektromotor auf, welcher geräuschlos dem Wagen eine massige Schnelligkeit zu ertheilen vermag. Als wunder Punkt ist bei diesen elektrische* Fahrzeugen zu bezeichnen, dass grosse Schnelligkeiten in Folge der schweren Batterien ausgeschlossen sind, und was noch schlimmer ist, dass es unmöglich ist, mehr als etwa 60 km mit denselben ohne Neuladung zurückzulegen. Aus diesem Grunde ist ein solches Fahrzeug für grössere Strecken nicht gut zu gebrauchen.

F. Lutzmann in Dessau hatte einen zweisitzigen Motorwagen mit einer Maschine von 3 ausgestellt, der durch seine leichte Bauart überraschte (D. p. J. 1898 310 * 93).

Die französische Motorwagenfabrik De Dietrich und Co. war durch einen sechssitzigen Jagdwagen vertreten. An der Form erkannte man sofort die französische Bauart, wie sie bisher von deutschen Constructeuren noch nicht angenommen worden ist.

Die Fahrzeugfabrik Eisenach stellte einen elektrischen Accumulatorenwagen ujd einen kleinen Wagen mit Benzinmotor aus, von welchen der erstere sich durch eine niedrige und bequeme Form auszeichnete.

Cudell und Co. in Aachen hatte zwei Motordreiräder ihres neuesten 1898/99-Modells (nähere Beschreibung siehe D. p. J. 1896 299 * 179), einen Anhängepersonenwagen, einen Anhängegepäckwagen, ein Motorboot und ihre Dreiradmotoren System Dion und Bouton (D. p. J. 1898 308 * 215) ausgestellt. Der geringen Entfernung wegen – 80 km – hatte die Firma Cudell und Co. die sämmtlich genannten Ausstellungsgegenstände per Landstrasse zur Ausstellung geschafft. Zu diesem Zwecke wurden der Anhängepersonenwagen und der Anhängelastwagen mit Motoren und Ausstellungsgegenständen befrachtet, hinter die Cudell'schen Motordreiräder gespannt und in etwa 3 Stunden von Aachen nach Düsseldorf gefahren. Ein Beweis für die Zugkraft dieses Motordreirades wurde dadurch an den Tag gelegt, dass das etwa 6 m lange und 1½ m breite Motorboot, welches mit Zubehörtheilen und Befrachtung über 300 k wiegt, auf zwei gewöhnliche Dreiräder gepackt und mittels Motordreirades nach Düsseldorf transportirt wurde. Die Fahrt wurde ohne Unfall in etwa 3½ Stunden ausgeführt.

Am 22. September wurde eine Fahrt nach Essen unternommen, an welcher sich etwa acht Fahrzeuge betheiligten; die elektrischen Fahrzeuge mussten aus den angegebenen Gründen zurückbleiben. Die Fahrt ging, trotz streckenweise sehr schlechten Weges, glatt von statten, und kamen die Fahrzeuge nahezu gleichzeitig (in etwa 3 Stunden) in Essen an. Die Route war: Düsseldorf-Duisburg-Mülheim-Essen. Bei der am 24. September ausgeführten Fahrt betheiligten sich: zwei Daimler-Wagen, ein Wagen von Lutzmann und zwei Motordreiräder von Cudell und Co. Die Abfahrt von Düsseldorf erfolgte um 8 Uhr Vormittags, um 10½ Uhr wurde Cöln erreicht, von wo um 2 Uhr wieder abgefahren wurde, um gegen 4 Uhr in Bonn anzukommen.

|100|

Von hier aus wurde, trotzdem kein Rennen vorgesehen war, eine kleine Distanzfahrt unternommen. Die Abfahrt erfolgte gegen 4 Uhr, die Ankunft in Coblenz gegen 7 Uhr. Zuerst erreichte das Cudell'sche Motordreirad das Ziel, alsdann die beiden Daimler-Motorwagen und zuletzt der Wagen von Lutzmann.

-h.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: