Titel: Fortschritte im Bauwesen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 313 (S. 71–74)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj313/ar313018

Fortschritte im Bauwesen.

(Schluss des Berichtes Bd. 312 S. 102.)

Bildung der Fussböden und Decken.

Ueber die Herstellung von Eisen- und Holzbalkendecken unter Verwendung von hohlen porösen Gewölbsteinplatten mit besonderer Berücksichtigung seines D. R. P. Nr. 87861, Holzbalkendecke betreffend, macht H. Bilguer in Schwerin einige zusammenfassende Bemerkungen im Mecklenburgischen Gewerbeblatt, dessen Inhalt wir nachstehend kurz wiedergeben.

Der Wunsch, die hölzernen Decken durch feuersichere zu ersetzen, hat schon frühzeitig dahin geführt, gewölbte Decken anzuwenden. Während man früher des Gewölbeschubes wegen sehr starke Mauern und Pfeiler anlegen musste, werden jetzt durch die Fortschritte in der Eisenindustrie massive Decken mit Benutzung von eisernen ⊤-Trägern hergestellt. Die Ausfüllung zwischen den Trägern hat eine mannigfache Ausbildung erfahren.

Von den vielem neuen Konstruktionen sind die Kleine'schen und Schürmann'schen Decken erwähnenswert. Erstere besteht aus einem flachen Gewölbe mit in die Fugen eingebetteten, von Auflager zu Auflager reichenden, hochkantig gestellten Bandeisen. Schürmann verwendet zur Herstellung von wagerechten Decken eigens dazu hergestellte Wellblechschienen, welche zwischen die ⌶-Träger verlegt und mit Weinen, 30 bis 40 cm breiten Kappen ausgewölbt werden. Bas Einlegen von dünnen Bandeisen, Wellblechschienen u.s.w. hält der Verfasser für überflüssig, weil man ein flaches Gewölbe von hochkantigen Ziegeln recht gut bis zu sechs Steinlängen ausführen könne, wenn das Widerlager unverrückbar ist und guter Cementmörtel verwendet wird.

Soll die Entfernung der eisernen Träger über 1,50 m betragen, so werden auf den unteren Flansch derselben ⊥-Eisen gelegt und die Zwischenräume eingewölbt.

Die bisher als Ersatz der Holzbalkendecken vorgeschlagenen Eisenbalkendecken erfordern so hohe Kosten, dass ihre Anwendung gegenüber den Holzbalkendecken nur gering gewesen ist.

Nachdem man die Windelböden wegen des langsamen Austrocknens verlassen hat, wird jetzt allgemein die Einschubdecke ausgeführt. An beiden Seiten der Balken Werden Latten genagelt und auf diese Bretter gelegt, welche einen starken feuchten Lehmauftrag erhalten. Die Untersicht der Balken wird mit Brettern verschalt, verehrt und mit Putz versehen. Durch diese Bestandteile wird viel Feuchtigkeit in den Bau gebracht, durch deren Eintrocknen eine baldige Kapitalverzinsung verzögert wird. Dies veranlasste, mit dem Systeme der Windel- und Einschubdecken zu brechen. Vor allen Dingen muss der Auftrag von Lehm und Schutt in Wegfall kommen. Denn was mitunter für Material unter der Bezeichnung „Auftrag und Ausfüllung“ in die Neubauten eingeschleppt wird, ist geradezu Schrecken erregend.

Es ist nun allgemein bekannt, dass diese so hergestellten Decken die schwächste Stelle bilden, weil durch das Eintrocknen und Werfen der Windelbödenhölzer und der Schalbretter Risse sich bilden, und Maurer und Maler sehr oft die schadhaften Decken mit neuem Putz und Anstrich versehen müssen.

Es hat auch hier an Vorschlägen zu Verbesserungen nicht gefehlt, besonders wurden in den Vereinigten Staaten von Amerika viele neue Konstruktionen angewandt, welche zwar in Deutschland wenig Verbreitung gefunden haben, aber Anregung zur Vervollkommnung der Holzbalkendecken gegeben haben. Bei der Herstellung von porösen Steinen und Platten, welche mit grösster Druckfestigkeit geringstes Gewicht vereinigen, die zur Herstellung von leichten Wänden, Eisen- und Holzbalkendecken in den letzten Jahren viel verlangt wurden, machte sich Verfasser näher mit den Eigenschaften solcher porösen Steine bekannt.

Die Anfertigung geschieht aus bestem Thon, der mit Sägespänen gemischt wird. Die Läufer und Köpfe, welche zur Herstellung von leichten Wänden verwandt werden, erhalten die Grösse des Normalformats. Zur Ausführung von flachen Gewölben bei Eisenbalkendecken werden die Läufer 25 cm lang, 12 cm breit und 10 cm hoch mit den sogen. Schienendecksteinen angefertigt. Die Gewölbedeckplatten zu Eisen- und Holzbalkendecken werden in Längen von 50 bis 100 cm und in den Querschnitten 25 cm × 6,5 cm, 12 cm × 10 cm und 15 cm × 20 cm hergestellt.

Eingehende Prüfungen ergaben, dass diese porösen Fabrikate grosse Dichtigkeit gegen Wärme, Kälte, Feuchtigkeit und Schall besitzen, sicherer gegen Feuer sind als gewöhnliche Backsteine, eine ziemlich hohe Tragfähigkeit und die Eigenschaft haben, sich sägen und nageln zu lassen. Das Gewicht eines Steines in der Grösse des Normalformats beträgt 1,6 kg und in der Grösse von 25 cm × 12 cm × 10 cm = 2 kg. Die Druckfestigkeit beträgt nach amtlichen Feststellungen bei Mittelbrand 48 kg für 1 qm. Werden die Gewölbsteinplatten mit gutem Cementmörtel eingelegt und die Widerlager von oben gut vergossen, so beträgt die Tragfähigkeit gegen 5000 k/qm.

Diese Eigenschaften veranlassten den Erfinder, die leichten porösen Steinplatten auch zwischen Holzbalken zur Anwendung zu bringen. Versuche ergaben günstige Resultate. Er armierte die hölzernen Deckenträger beiderseits mit Winkelschienen, welche als Widerlager für die dazwischen einzuspannenden Gewölbeplatten dienen und ihrerseits durch die eisernen Querstreben in gleichem, |72| beim Nachtrocknen der Holzbalken sich nicht verminderndem, gegenseitigem Abstande erhalten werden. Diese neue Konstruktion ist durch D. R. P. geschützt.

Auch bei den Holzbalkendecken kann man einfache ⊥-Eisen zwischen die an den Balken armierten 'Winkeleisen legen und mit porösen Lochsteinplatten einwölben. Die Verwendung von Steinplatten ermöglicht es, bei Eisenbalkendecken das Einschalen und Einwölben, bei Holzbalkendecken das Einbringen der Einschubbretter, sowie des Lehmauftrages, Verschalung und Verrohrung zu vermeiden. Die Steinplatten können von jedem Arbeiter in Cementmörtel nebeneinander in ⌶-Träger oder zwischen Winkeleisen bei Holzbalken eingeschoben und von oben an den Widerlagern mit Cementmörtel vergossen werden. Durch die grossen Hohlräume und durch die Porosität der Gewölbsteinplatten erreicht man eine grosse Isolierung und Feuersicherheit. Durch das System der vollständigen Verkleidung der ⌶-Träger durch die Schienendecksteine und bei Holzbalken durch Verkleidung der Unterschicht der Balken mit 2 cm starken porösen Steinplatten wird jedem Schwitzen und Tropfen vorgebeugt. Um eine bessere isolierende Wirkung, als es durch unsere bis jetzt angewandten Luftschichten möglich war, zu erreichen, werden von porösen Lochsteinen im Inneren vor den Aussenwänden Hohlräume zur Abhaltung der Mauerfeuchtigkeit angelegt. Das geringe Gewicht der porösen Steine ermöglicht die Verwendung wesentlich leichterer und somit billigerer eiserner ⌶-Träger und Balken.

Textabbildung Bd. 313, S. 72

Fig. 1 veranschaulicht die Ausführungsweise der vorhin erwähnten Decken. Eine Vergleichung der Kosten verschiedener Systeme enthält ein Kostenanschlag, der dem Rundschreiben des Erfinders beiliegt. Wir teilen dasselbe nicht mit, da die Bedeutung zu sehr von den örtlichen Verhältnissen abhängt.

In nachstehendem beschreiben wir noch einige Deckenkonstruktionen, bei denen besondere Rücksicht auf einen erheblichen Widerstand gegen Feuersgefahr gelegt worden ist, die aber gleichzeitig keine zu grosse Belastung der tragenden Bauteile verursachen.

Golding stellt nach D. R. P. Nr. 89516 eine Decke von Cement und Eisen in der Weise her, dass ⊔-förmiges Walzeisen mit der Oeffnung nach oben gebogen, auf die Flanschen der Träger gelegt (Fig. 2) und das Ganze über Bretterverschalung mit Beton oben übergossen wird, so dass der Raum zwischen den Trägern ausgefüllt ist. Auf diese Bogenrippen werden Netze oder Gitter wagerecht gelegt und darauf zur Verbindung eine Schicht Beton aufgetragen.

Textabbildung Bd. 313, S. 72

Bei dem D. R. P. Nr. 83133 von Otto in Berlin wird das zu überdeckende Feld durch Mauerwerksrippen in eine Anzahl gleicher Teile geteilt und die Zwischenräume mit Beton ausgefüllt. Der Vorteil dieser Herstellung liegt darin, dass die Mörtelmasse in kleinen Mengen verwendet werden kann, so dass sie sich sofort mit den Steinrippen verbindet. Wird Beton allein verwendet, so muss die Mischung von Cement und Kies gleich für ein ganzes Deckenfeld hergestellt werden, damit die Füllung ununterbrochen erfolgen kann und nicht Anschlussstellen von mangelhafter Beschaffenheit entstehen.

Textabbildung Bd. 313, S. 72

Das unter Nr. 85534 erteilte (bereits erloschene) D. R. P. von Kapferer in Biebrich bezieht sich auf eine „aus zwei Platten bestehende scheitrechte Decke“, bei welcher die Stossfuge zweier aus Gips oder Cement bestehenden Hohlplatten (Fig. 3) in ihrem unteren Teile von der senkrechten Richtung in eine schräge übergeht, um das gemeinsame Niederklappen der mit ihren äusseren Enden auf die Deckenträger aufgelegten Platten zu erleichtern.

Textabbildung Bd. 313, S. 72

Das D. R. P. Nr. 71205 von Astley und Willis in London gilt für eine „feuersichere Decke“, bei welcher zwischen die eisernen Träger aus Beton oder gebranntem Thon hergestellte Füllungsträger von ⊥-förmigem Querschnitt gelagert sind (Fig. 4), die unten eine geschlossene Fläche bilden, welche die Flanschen der eisernen Träger verdeckt; ihr Steg ist durchlöchert, so dass der ganze Hohlraum der Decke zusammenhängt und der äusseren Luft Zutritt gestatten kann. Auf die gekrümmten Querstege werden Blechplatten oder Ziegel gelegt und die Brücke dann mit Beton oder anderem Füllmaterial abgeglichen.

Die Kleine'sche Decke wurde durch das D. R. P. Nr. 81123 von Bruno in Detmold dahin abgeändert, dass an Stelle der hochkantig gestellten Eisenstäbe in die Fugen der Steine, und zwar in deren ganzer Höhe, Drahtgewebe eingebettet werden, welche ohne Unterbrechung in schlangenförmigen Windungen durch die ganze Decke hindurchgeführt sind.

Textabbildung Bd. 313, S. 72

Böcklen in Lauffen a. Neckar stellt flache oder gebogene Cementdielen her, die durch sechskantige bienen-zellartige Aussparungen im Gewichte erleichtert und unten geschlossen sind. Die Weise des Einbauens und der Form wird in Fig. 5 dargestellt.

Textabbildung Bd. 313, S. 72

Ein biegungsfestes Spiegelgewölbe mit Kämpfereinspannung hat Koenen in seinem D. R. G. M. Nr. 68190 angegeben. Dasselbe wird ausgeführt von der Aktiengesellschaft für Beton- und Monierbau in Berlin. Zwischen ⌶-Trägern (Fig. 6), die 1,5 bis 6 m Abstand haben, werden Drähte oder Rundeisen von 5 bis 13 mm Durchmesser im Abstand von 6 cm gespannt, die Enden um die Flanschen der Träger geschlungen und das Ganze dann in Beton eingebettet.

Als Vorzug dieser Bauweise werden die geringe Konstruktionshöhe und der geringe Stoff aufwand angegeben.

Textabbildung Bd. 313, S. 72

Es sei noch die Hängegurtträgerdecke (D. R. G. M. Nr. 28878), Fig. 7, von Möller in Braunschweig erwähnt. Dieselbe stellt eine Cementtafel dar, welche auf fischbauchartigen Stegen mit Zuggurtungen aus Flacheisen ruht. Letztere sind an den Trägern verankert.

Die Zahl der Stege richtet sich nach der Breite der Decke; die Spannweiten gehen bis zu 15 m. Die Konstruktion wird empfohlen für Stalldecken, Speicherdecken, Brücken für Fussgänger, Chausseen, Eisenbahnen. Die Decken sind nach der Badischen Gewerbezeitung einfach, und sollen billig sein.

Bei der Decke von Otto in Berlin (D. R. P. Nr. 73586) ist der Stein oben geschlossen und erweitert sich nach unten, wie in Fig. 8 und 9 angedeutet. Im oberen Teile sind kurze Eisen eingebettet, mittels deren der Stein an das Flacheisen aufgehängt wird, die auf zwei Trägern ruhen. |73| Die an die ⌶-Träger anstossenden Steine greifen unter deren Manschen über, so dass das Eisen völlig verdeckt wird. Nach dem Verlegen der Steine wird die konische Fuge von oben mit Mörtel vergossen.

Textabbildung Bd. 313, S. 73

Die Zeitschrift für Baumaterialienkunde beschreibt einen Stein für Fig. 9. Decken. O. Förster in Schönebeck a. E. versieht seine feuerfesten und schwammsicheren Hohlsteine mit geneigten Seitenwänden aa1 und bb1 (Fig. 10 und 11), die entgegengesetzten Seiten jedes Blockes können einander parallel, wie in Fig. 10, oder entgegengesetzt zu einander geneigt sein, wie in Fig. 11. Hohlräume c durchziehen die Steine. Unter der Ueberschrift „neuere schwamm- und feuersichere Deckenkonstruktionen“ beschreibt das Centralblatt der Bauverwaltung einige neuere Erscheinungen auf diesem Gebiete.

Textabbildung Bd. 313, S. 73

1. Die von der Firma M. Czarnikow und Co. in Berlin ausgeführte und „Horizontaldecke“ genannte Konstruktion nach dem System Mossner (D. R. G. M.) wird in Stärken von 8, 10 oder 12 cm, je nach der Stützweite, hergestellt und besteht aus Reihen von Formsteinen, die auf kleinen ⊥- oder ⌶-förmigen Querträgern zwischen ⌶-förmigen Hauptträgern in Cementmörtel verlegt werden. Die zur Verwendung kommenden Formsteine sind porige Lochsteine und erhalten an den Seiten Ausklinkungen zur Aufnahme der Querträger und des Deckenputzes (Fig. 12). Die ⌶-Eisen werden mittels Maschinen geschnitten und an den Enden den Unterflanschen der Hauptträger entsprechend gekröpft. Sie erleiden nach Fertigstellung der Decke vorwiegend Zugspannung, wie bei der Monier-Bauweise; die Decke besitzt eine grosse Tragfähigkeit. Durch die eigenartige Form der Steine wird das zeitraubende und kostspielige Ein- und Ausschalen der Lehrrüstungen überflüssig. Einige Ausführungsarten ergeben sich aus den Fig. 13 und 14.

Textabbildung Bd. 313, S. 73
Textabbildung Bd. 313, S. 73

2. Die Donath'sche Hohlsteindecke (Fig. 15), welche der eben beschriebenen in vieler Beziehung gleicht, wird durch die Abbildung ausreichend erläutert.

3. Die Decke von Kopp ist aus gewöhnlichen Schwemmoder Ziegelsteinen erbaut; infolgedessen sind die Kosten geringer, ein Gleiches dürfte jedoch auch von der Tragfähigkeit gelten.

4. Die Wingen'sche Decke (D. R. P. Nr. 70873), Fig. 16 bis 19, kann man sich aus Ziegeln eines gewöhnlichen Gewölbes bestehend denken, die nach oben und unten Ansätze von einer solchen Form haben, dass eine ebene, wagerechte Ober- und Unterfläche entsteht. Der mittlere und obere Teil ist dabei mit Mörtel eingewölbt, während die Fugen der unteren Ansätze hohl bleiben, um den Patz besser haften zu lassen. Die Träger liegen 1 m weit voneinander. Ist das Längenmass des zu überspannenden Raumes nicht durch ganze Meter teilbar, so ergibt sich an dem Ende ein kleineres Feld als 1 m, dessen Herstellung ebenso leicht ist wie die der anderen. Die Ungleichheit der Teilung ist von keiner Bedeutung, da die Deckenunterfläche vollständig verputzt wird. Um den Putz besser haften zu lassen, sind an den Steinen Rillen angebracht, während unter den Trägern eine 1 cm starke Cementschicht angetragen wird. Zu der Decke gehören nur fünf verschiedene Steinformate; abweichende Kappenbreiten sind, wie Fig. 19 zeigt, mit Zuhilfenahme gewöhnlicher Mauersteine a leicht herzustellen. Durch die teilweise offenen Stirnfugen treten die Hohlräume miteinander in Verbindung und halten die Decke luftig und warm. Bei grösseren Trägerhöhen finden Ausfüllungen durch Schlackenbeton, Sand, Lehm u. dgl. statt. Vorzüge dieses Systems dürften folgende Punkte sein: 1. Die Decke kann wegen ihrer wagerechten Unterfläche und wegen des durchgehenden Putzes hinsichtlich ihrer weiteren Ausstattung und Dekoration genau wie eine freie, wagerechte Decke behandelt werden und eignet sich besonders zur Ueberdeckung unregelmässig gestalteter Räume. 2. Eine Hinterfüllung mit Sand, Lehm o. dgl. ist unnötig. 3. Unter Umständen sind das Gewicht und die Herstellungskosten geringer als bei gewöhnlichen gewölbten Decken. 4. Die Hohlräume der Decke können zur Lüftung und zur Durchleitung warmer Luft benutzt werden, wo dies, wie bei Wohnräumen über Durchfahrten oder Läden, erwünscht ist. 5. Zur Ausführung ist nur eine einfache Bretterrüstung erforderlich.

Textabbildung Bd. 313, S. 73
Textabbildung Bd. 313, S. 73

Die Ziegel haben meist 16 cm Höhe, wie sie für die gewöhnliche Spannweite von 1 m passen. Das Gewicht der Decke für 1 qm beträgt bei Verwendung von porigen Lochsteinen etwa 180 kg. Um nicht zu hohe Träger zu erhalten, dürfen die Abmessungen der zu überspannenden Räume nicht zu gross werden, auch würde in diesem Falle keine vollständige Ausnutzung der Tragfähigkeit der Träger möglich sein, weil sie schon der Durchbiegung wegen einen Querschnitt von grösserer Höhe erhalten müssten, als durch die Belastung geboten wäre. Die mit der Decke vorgenommenen Belastungsproben haben günstige Ergebnisse gezeigt, und bei der Ausführung in grösserem Massstabe hat sich das System bewährt.

Eine eingehende Würdigung der verschiedenen hierhin gehörigen Systeme wird erst nach längeren praktischen Erfahrungen möglich sein.

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Es ist eine allgemein beobachtete Thatsache, dass in einzelnen Räumen sich bei mangelnder Lüftung ein Modergeruch einstellt, dass an der Wand die Tapete feucht ist und nicht fest anhaftet, der Anstrich zerstört wird oder der Holzfussboden in wenigen Jahren anfault. Es rührt dieses von Feuchtigkeit her, welche entweder vom Erdreich oder von ausserhalb in die Mauern und Böden eindringt, diese durchnässt und zu den oben erwähnten Uebelständen Veranlassung gibt. Die weitere Folge dieser Feuchtigkeit ist die Bildung von Mauer- bezw. Holzschwamm und sonstigen Pilzen, welche sowohl das Mauerwerk wie das Holz rasch zerstören. Der Aufenthalt in feuchten Räumen ist bekanntlich dem Organismus ungemein schädlich. Die mikroskopisch kleinen Pilzsporen, welche, unsichtbar in der Luft schwebend, den Raum anfüllen, verursachen in den Atmungs- und Verdauungsorganen die schlimmsten Krankheiten; auch verderben die in solchen feuchten Räumen lagernden Nahrungsmittel in kürzester Zeit. Man behalf sich bisher damit, die Wände mit undurchlässigen Bekleidungen als Pappe-, Zinkblech-, Cement- oder Asphaltbewurf zu versehen, die Fussböden auf Schlackeunterlage herzurichten oder mit einem desinfizierenden Anstrich zu versehen. Alle diese Anordnungen erfüllten keineswegs den beabsichtigten Zweck, sie trugen vielmehr teilweise dazu bei, das Werk der Zerstörung zu beschleunigen, weil die Ausdünstung gehindert wurde, die Feuchtigkeit überhand nahm und die bislang noch nicht infizierten Mauer- und Fussbodenteile ergriff. Wenngleich in fast allen Gewerben mit bestem Erfolge der natürliche atmosphärische Luftstrom als Mittel zum Trocknen nasser Gegenstände Anwendung findet, so wird im Baufach dieser elementare Grundsatz selten verwertet, trotzdem es auf der Hand liegt, dass die relativ trockene atmosphärische Luft mit genügender Schnelligkeit an der feuchten Mauer vorbeigeführt oder unter dem Fussboden durchgeführt, diesen die Feuchtigkeit entzieht, abgesehen davon, dass eine Luftströmung bekanntlich das sicherste Tödtungsmittel gegen fäulniserregende Pilze, besonders gegen den mit Recht so gefürchteten Hausschwamm (Merulius lacrimans) ist. Diese eigentlich so nahe liegende Idee hat dem Baumeister Fischer Veranlassung gegeben, eine Falzbaupappe (D. R. P. Nr. 72880 und D. R. G. M. Nr. 15081), genannt „Kosmos“, herzustellen, welche aus vorzüglicher Asphaltpappe falzartig gepresst ist, gegen die nasse Wand angeheftet wird und zwischen sich und der Mauerfläche ein System senkrecht aufsteigender Kanalchen bildet, welche eine natürliche automatische Luftströmung entlang der Mauerfläche hervorrufen und dieser infolge der steten Lufterneuerung beständig Feuchtigkeit entziehen. Messungen haben ergeben, dass die am Fussboden durch geeignete Anordnung der Fussleiste dort eintretende ziemlich trockene Luft bei ihrem Austritt unter der Decke einen ganz bedeutenden Feuchtigkeitsgehalt hatte. Der Luft wird der Zutritt zu den zwischen Falzpappe und Mauerfläche befindlichen senkrechten Kanälchen durch entsprechende Anordnung der Fussleiste angewiesen, die unter der Decke befindliche wärmere Luft wirkt saugend, zieht den Luftstrom in den Kanälchen in die Höhe, welcher dort, nachdem er der Mauer einen Teil der Feuchtigkeit entnommen, unter der Decke austritt oder in einen in der Nähe befindlichen Rauchzug abgeführt wird. Durch gegenüber liegende Anordnung der Ventilationsfassleisten wird der Luftstrom auch unter den Fussboden geführt und vollführt dort die gleiche Austrocknung und Tötung des Mauer- und Holzschwammes. Die Falzbaupappe erhält nach Aufbringung auf die Wand einen gewöhnlichen Wand-Gips oder Cementputz, welcher einschliesslich der Falzpappe nicht dicker ist, als der vorher entfernte nasse Wandputz. Eine Verkleinerung des Raumes mit nachfolgender Aenderung der Deckenleiste findet daher nicht statt. Die Ausführung der Trockenlegung geschieht in kurzer Zeit und ohne nennenswerte Beeinschränkung. Der Verputz lässt sich infolge der eigenartigen Anordnung der Falzbaupappe leicht und fest anbringen. Der auf der Falzpappe angebrachte Verputz trocknet in kurzer Zeit, da er von der Feuchtigkeit der Wand durch die vollkommen wasserdicht asphaltierte Falzpappe getrennt ist, also nur die dünne Putzschicht allein zu trocknen braucht. Im allgemeinen können deshalb schon nach wenigen Tagen Tapeten aufgeklebt werden.

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