Titel: Die Zunahme des Kieler Schiffbaus.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 313/Miszelle 2 (S. 14)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj313/mi313mi01_2

Die Zunahme des Kieler Schiffbaus.

Der Schiffbau an der Kieler Föhrde, der zur Zeit von drei grossen und einer Reihe kleinerer Werften betrieben wird, gewinnt, so schreibt die Rhein.-Westf. Ztg., von Jahr zu Jahr an Bedeutung und Ausdehnung. Die kaiserliche Werft darf zu den grössten und besteingerichteten Schiffsbauhöfen der Welt gezählt werden; sie besitzt alle zum Neubau wie zur Reparatur erforderlichen Einrichtungen und dient ausschliesslich den Zwecken der Kriegsmarine. Die Germaniawerft wird durch die Uebernahme seitens der Firma Krupp einem grossen Aufschwung entgegengeführt. Die im vollen Gang befindlichen Arbeiten zur Vergrösserung des Geländes und zur Herstellung ausgedehnter Werkstätten zeigen, dass Krupp aus dem Etablissement ein Schiffbauinstitut ersten Ranges zu machen beabsichtigt. Ebenso sind die Howaldtswerke, deren Bedeutung auf dem Gebiet des Handelsschiffbaues stetig wächst, bedeutsamen Betriebserweiterungen unterzogen worden, so dass die Werft sich dem Bau von Ozeandampfern hat zuwenden können. Alle drei Werften sind reichlich mit Bauaufträgen versehen. Um die Mitte der 80er Jahre beschäftigten die drei genannten Werften 3000 Arbeiter; heute ist diese Zahl auf 10000 gestiegen, von denen etwa 6000 auf die kaiserliche Werft entfallen. Berücksichtigt man, dass ferner die Torpedowerkstatt über 1000 Arbeiter beschäftigt und auch die kleineren Werften einen recht beträchtlichen Stamm von Arbeitern haben, so ergibt sich, dass Kiel der grösste deutsche Schiffbauplatz ist und auch aller Voraussicht nach bleiben wird, denn die steigenden Ansprüche der Kriegsmarine, sowie diejenigen des deutschen und ausländischen Seeverkehrs an die deutschen Schiffbauhöfe bedingen fortgesetzte Erweiterungen der Betriebe und Einstellung neuer Arbeitskräfte. Die Kruppsche Germaniawerft wird nach Beendigung des Ausbaues allein 7000 Arbeitern Beschäftigung geben. Unter diesen Umständen scheint der Zeitpunkt nicht fern zu sein, an dem sich die Zahl der auf den Kieler Schiffbauhöfen beschäftigten Personen auf 20000 Mann belaufen wird.

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