Titel: Hartsteinfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 313/Miszelle 4 (S. 15–16)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj313/mi313mi01_4
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Hartsteinfabrikation.

In der Ende Februar d. J. zu Berlin abgehaltenen Versammlung der Ziegel-, Kalk- und Zementinteressenten wurde bei der Besprechung der auf dem Baumaterialienmarkt so schnell zur Bedeutung gelangten Kalksandsteinziegel vor allem deren Feuersicherheit umstritten. Diese für die gesamte Bauindustrie so wichtige Frage ist inzwischen vollständig klargestellt worden. Anfang Februar d. J. beantragte der Hütteningenieur W. Olschewsky in Berlin bei der Kgl. mechanisch-technischen Versuchsanstalt, Abteilung für Baumaterialienprüfung, in Charlottenburg, die nach eigenem Verfahren hergestellten und aus seiner Fabrik Coswig (Anhalt) hervorgegangenen Hartsteine im Vergleich zu Klinkern erster Qualität auf Feuersicherheit zu prüfen, nachdem mit ersteren von derselben Anstalt ausgeführte Frostversuche bereits günstige Resultate ergeben hatten. Ausgangs Februar begann man mit dem Aufbau des Versuchshäuschens und fanden dabei zur Hälfte Kalksandsteine (Hartsteine), zur anderen Hälfte Birkenwerder Klinker, prima Qualität, beide im Normalformat, Verwendung. Zum Vermauern diente verlängerter Zement, zum Putzen der Schmalseiten der Feuerräume Kalkmörtel.

Zwecks Ableitung des Regenwassers wurde die Decke des in der nasskalten Märzzeit gebauten und am 16. März vollendeten Häuschens mit Dachfalzziegeln abgedeckt. In die Wände waren vier Maximumthermometer eingelassen; ausserdem dienten zur Temperaturmessung verschiedene in Chamotteschälchen eingelegte Metalllegierungen. Am 5. April, vormittags 9 Uhr 35 Minuten, wurde das Holz mit Petroleum übergossen, in Brand gesteckt und durch Auf werfen neuen Holzes etwa eine Stunde lang brennend erhalten, so dass im ganzen 8 cbm Scheite zur Verfeuerung kamen. Nach etwa 70 Minuten fing man an, mittels eines Hydranten das Feuer zu löschen und den Wasserstrahl auf die Wände der Feuerungsräume zu richten. Die aus den Hartsteinen durch vorhergehende Austrocknung nicht entfernte Wassermenge veranlasste bald nach der Entzündung des Holzes Risse im Schornstein, sowie über der Eingangsthür zum Kalksandsteinraum, so dass letzterer, da noch der gegen ihn gerichtete Wind das Feuer besonders anfachte, bis zum Einsturz des Deckengewölbes auseinander getrieben wurde. Im Klinkermauerwerk zeigten sich ähnliche Risse, und bei Beendung des Versuches war das Klinkergewölbe gleichfalls dem Einsturz nahe. Die Klinker an den Kanten der Thür und der zum Schornstein führenden Oeffnung, sogar die Innenflächen des Schornsteins selbst hatten Absprengungen und tiefgehende Risse erlitten, während dort, wo diese Innenflächen aus Hartstein bestanden, nur netzartig verteilte Haarrisse bemerkbar waren. Ueberhaupt zeigten die Kalksandsteine nirgends durchgehende Risse, sondern immer nur eine oberflächliche, etwa 5 bis 6 cm tief reichende Zermürbung resp. Abbröckelung. Aufgehendes Klinkermauerwerk sowohl als Hartsteinmauerwerk hatten ihre Standfestigkeit, abgesehen von den infolge lebhafter Wasserverdampfung entstandenen Rissen, bewahrt. Die Metalllegierungen zeigten eine Hitze von 900 bis 1000° an.

Erwähnt werden muss noch die Angabe des Berliner Architekten R. Soltau, der die Abtragung der Bauanlage leitete. Irgend welcher Unterschied in der Art des Abbrechens wurde selbstverständlich nicht gemacht, und es blieben nach vollendeter Abtragung in gutem Zustand:

4400 Olschewsky-Steine,
4200 Birkenwerder Klinker Ia.

αλ.

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