Titel: Einfluss niedriger Temperaturen auf Stahl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 313/Miszelle 3 (S. 30–31)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj313/mi313mi02_3

Einfluss niedriger Temperaturen auf Stahl.

Hierüber machte am 5. Juni F. Osmond der französischen Akademie eine interessante Mitteilung. Im Jahre 1890 hatte |31| Hopkinson die Beobachtung gemacht, dass ein bei gewöhnlicher Temperatur unmagnetischer Stahl von 25% Nickelgehalt durch Behandlung mit fester Kohlensäure magnetisch wurde und bis auf 580° erwärmt auch magnetisch blieb, gleichzeitig aber eine Steigerung der Härte, eine Minderung des elektrischen Widerstandes sowie eine solche der Dichte von 8,15 auf 7,98 erfuhr. Damals schrieb man dieses eigentümliche Verhalten einer bestimmten chemischen Verbindung des Nickels und Eisens (Fe3Ni) zu. Das war, wie Osmond nun zeigte, ein Irrtum, denn ganz entsprechendes Verhalten zeigen bei einige Minuten währender Abkältung in flüssiger Luft nicht nur Nickelstahlsorten mit niedrigerem oder höherem Nickelgehalte, sondern auch solche Stahlsorten, in denen neben etwas Nickel auch Mangan und Kohlenstoff zugegen sind, ferner von Nickel freie Mangan- oder Kohlenstoff-(Cement-)Stahlsorten; vermutlich werden auch Chrom- und Wolframstahl keine Ausnahme bilden. Bedingung ist nur, dass Zusatzstoffe in geeignetem, nicht zu geringem und auch nicht übermässigem Mengenverhältnisse zugegen sind, um eine derartige Umwandlung bei allmählicher oder jäher Abkältung (auf Kohlenstoffstahl wirkt jedoch nur letztere in dieser Weise ein) zu erzielen. Kurz zusammengefasst, lautet Osmond's aus den Versuchsergebnissen gefolgerte Behauptung: Die Erniedrigung der allotropischen Umwandelungspunkte des Eisens entspricht der Erniedrigung der Erstarrungspunkte von Lösungsmitteln durch die gelösten Stoffe.

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