Titel: Gasglühlichtbrenner System Saint-Paul.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 313/Miszelle 4 (S. 31)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj313/mi313mi02_4

Gasglühlichtbrenner System Saint-Paul.

Der nachstehend beschriebene Gasglühlichtbrenner von Saint-Paul, Direktor der ersten Abteilung des technischen Beleuchtungsamtes in Paris, ist im Laufe des vergangenen Jahres in mehreren Hunderten von Exemplaren auf verschiedenen hervorragenden Strassen und Plätzen in Paris eingeführt worden. Das Prinzip desselben besteht im wesentlichen darin, das zur Speisung des Brenners bestimmte Gas vor Eintritt in denselben vorzuwärmen. Diese Vorwärmung findet in einer kleinen Kammer statt, welche unter der Flamme auf dem Speiserohr angeordnet ist.

Textabbildung Bd. 313, S. 31

Durch zahlreiche Versuche hat Saint-Paul festgestellt, dass das bis zu einem bestimmten Grade vor seinem Eintritt in den Brenner erwärmte Gas das Einströmen der Luft in das Brennerrohr beschleunigt und gleichzeitig die Mischung von Gas und Luft befördert, ausserdem aber eine Flamme von bedeutender Leuchtkraft erzeugt.

Das durch c einströmende Gas gelangt in das Rohr b und von hier an eine durchlochte Scheibe oder Rolle, welche in der Erweiterung (Ausbauchung) ff des Rohres b untergebracht ist. Hier wird das Gas durch kleine Fig. 1. aus dem unter f angebrachten Ringrohr d austretende Gasflämmchen erwärmt. Dieses Ringrohr ist von einer cylindrischen Hülle umgeben, welche mit Oeffnungen ii versehen ist und aus welchen die Verbrennungsprodukte austreten. Diese Oeffnungen werden gegen Luftzug durch ein doppeltes Rohrstück gh geschützt. Die Luft tritt zu dem Ringrohr durch im Boden des dasselbe umgebenden Cylinders angebrachte Oeffnungen ein und die Entzündung der aus dem Ringrohr austretenden Hilfsflämmchen erfolgt durch eine in diesem angebrachte kleine seitliche Oeffnung, wodurch gleichzeitig die Flamme des Brenners entzündet wird, und zwar mittels einer seitlich vor der Oeffnung brennenden Hilfsflamme. Das in f erwärmte Gas strömt aus dieser Kammer in das auf der letzteren angebrachte Ausströmungsrohr, welches den Boden des einen doppelten Kegelstumpf bildenden Kanales a trägt, in welchem die innige Mischung von Gas und Luft stattfindet.

In diesem Unterteil befinden sich Oeffnungen rr zum Einlassen der Luft, welche durch einen Ring s geregelt werden können. Durch die Einschnürung, welche die beiden Kegelstumpfe bilden, wird eine innigere Mischung von Gas und Luft erzielt; das Gemenge steigt in den längeren Teil des Kanales bis zu dem Bunsenbrenner, wo die Entzündung stattfindet und welcher den Auerstrumpf trägt.

Neben dem Brenner befindet sich die mit dem Laternenhahn verbundene Zündvorrichtung. Dieselbe besteht aus zwei nebeneinander liegenden Rohren, von denen das eine lang und eng, das andere kürzer und breiter gestaltet ist. Bei Drehung des Gashahnes nach rechts tritt das Gas nur in die Rohre dd ein, worauf es durch Einbringen einer Flamme zwischen die Wände des am Fusse des dickeren Rohres befindlichen Schirmes t entzündet wird und mit drei horizontalen und vertikalen, durch 1, 2 und 3 bezeichneten Strahlen brennt. Gleichzeitig entwickelt sich eine Bunsenflamme in dem dickeren Rohr und entzündet das aus der Mündung v des engeren Rohres austretende Gas. Andere kleine Flammen treten aus seitlichen Oeffnungen im unteren Teile des engeren Rohres aus und entzünden durch die Oeffnung o die Flamme des Rundrohres d. Stellt man darauf den Kanal des Hahnes senkrecht, so verlöschen die Zündflammen in den Rohren und das Gas strömt nur in das Ringrohr und den Brenner a, welcher sich bereits vor dem Zurückdrehen des Hahnes an der Zündflamme entzündet hat. Der Zufluss des Gases in das Ringrohr kann durch eine kleine seitliche Schraube in letzterem geregelt werden.

Textabbildung Bd. 313, S. 31

Die Vorteile dieses Brenners bestehen in der Ersparnis des stündlichen Gasverbrauches durch die Vorwärmung des Gases und dem durch die Vorwärmung des Gemenges bedungenen intensiveren Leuchten des Glühstrumpfes.

Durch eine Reihe von Versuchen hat Saint-Paul das Verhältnis der Temperaturen bei Verbrennung von nicht vorgewärmtem und vorgewärmtem Gas im Bunsenbrenner festgestellt. Die beiden Diagramme zeigen das Steigen der Temperatur in beiden Fällen, und zwar das erste in Funktionen des Wasserdruckes in Millimetern, das zweite in Funktionen des stündlichen Verbrauches. Die ausgezogene Kurve zeigt das Steigen der Temperatur bei Verbrennung von kaltem, die punktierte bei vorgewärmtem Gas bei einem Verbrauch von 20 l in der Stunde. Durch Vergleich der beiden Kurven ergibt sich aus dem Unterschied der Ordinaten in diesen Diagrammen der Vorzug des vorgewärmten vor dem kalt verbrannten Gase.

Textabbildung Bd. 313, S. 31

Aus dem zweiten Diagramm ersieht man, dass ein mit vorgewärmtem Gas gespeister Brenner von Saint-Paul bei einem stündlichen Verbrauch von 330 l eine Temperatur von 1766° erzeugt; es ist einleuchtend, dass bei einer derartigen Temperatur ein Auerstrumpf in eine heftigere Glut gelangen muss als bei Gebrauch von kaltem Gas.

In dem städtischen Laboratorium für Gasuntersuchungen in Paris angestellte Versuche haben zu nachstehenden Ergebnissen geführt:

Gasverbrauch
pro Stunde
Horizontale
Leuchtkraft
Druck
in
l H.-K. Millimetern
297 20,77 70
250 24,19 70
350 24,53 70
500 37,20 150
573 59,00 197

Hierbei ist der Gasverbrauch der Heizflamme mit eingerechnet.

Le Gaz.

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