Titel: Asbest in seinem Verhalten als Verdichtungsmaterial.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 313/Miszelle 2 (S. 46–47)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj313/mi313mi03_2

Asbest in seinem Verhalten als Verdichtungsmaterial.

Der Asbest ist ein Silikat der Formel (R)SiO3R, ein oder mehrere Metalle enthaltend, also ein zusammengesetztes Silikat, das in veränderlichen Verhältnissen aus Kalk, Magnesia, etwas Aluminium und Eisen besteht.

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Der Asbest gehört zur Abart der Tremolite und die wechselnden Mengen der verschiedenen Elemente, aus denen er sich zusammensetzt, ergeben die verschiedenen bekannten Arten von Asbest.

Die Ursachen des molekularen Zerfalls des Asbestes sind hauptsächlich in der Einwirkung der in Wasser gelösten Kohlensäure zu erblicken und die in Deutschland gemachten Versuche haben dies bestätigt. Ist eine Asbestdichtung von Wasser bespült oder dem Dampf ausgesetzt, der an einer gewissen Stelle des porösen Asbestgefüges kondensiert, so wird solches Kondenswasser stark kohlensäurehaltig sein, sei es, dass Kohlensäure in gelöstem Zustand sich im Wasser befindet oder in Form von Bikarbonaten damit vereinigt ist. Wird diese Säure frei, so hat sie die Neigung, sich in dem Kondenswasser von niedrigerer Temperatur als derjenigen des Dampfkessels zu lösen und es wird dann dieselbe Reaktion stattfinden wie bei den vorerwähnten Experimenten: die Kohlensäure macht einen Teil des Kalks und der Magnesia frei und verbindet sich damit zu Dolomit, Aragonit und Kalkspath, je nach den Temperaturverhältnissen und der Zusammensetzung des Asbestes. Das Aluminium wird mit dem Silicium verbunden bleiben als Thon, während ein Teil des Siliciums frei wird.

Textabbildung Bd. 313, S. 47
Textabbildung Bd. 313, S. 47

Diese Reaktionen, welche schon unter gewöhnlichem Druck leicht eintreten, werden durch Temperatur- und Druckerhöhung noch begünstigt, was gerade bei Dichtungen der Fall ist, die an Dampfkesseln oder Dampfleitungen verwendet sind. Die faserige Struktur des Asbestes wird sich also rasch in ein Gemenge von zerreiblichen und löslichen Krystallen in Form einer thonartigen Paste zersetzen, welche nach dem Trockenwerden zerbrechlich wird, was die Zerstörung des Dichtungsringes herbeiführt, denn dessen Gefüge hat dann seine ursprüngliche Weichheit und seinen Zusammenhang verloren und ist in eine Art trockenen Schlammes verwandelt, den die Maschinisten wohl kennen. Diesem Zerfall sind alle Dichtungsmaterialien aus Asbest unterworfen, welche mit Wasser oder Dampf in direkte Berührung kommen, sie mögen nun aus gewöhnlicher Asbestplatte bezw. Asbestfaden bestehen oder mit Zwischenlagen von Drahtsieb, Blech u. dgl. angeblich verstärkt sein, denn wenn der Asbest durch den oben beschriebenen chemischen Prozess seine faserige Struktur verloren und eine zusammenhanglose Beschaffenheit angenommen hat, so helfen alle Versteifungen und Zwischenlagen nicht mehr und alle derartigen Erzeugnisse von Asbestdichtungen müssen als wenig dauerhaft und für höheren Druck als unzuverlässig und ungeeignet bezeichnet werden.

Ein System, welches die fundamentale Bedingung des Schutzes der Asbestdichtung vor direkter Berührung mit Wasser und Dampf erfüllt, ist der von der Firma Paul Lechler in Stuttgart in den Handel gebrachte patentierte Dichtungsring aus Tupfer mit Asbesteinlage (Fig. 1), der in zahlreichen Betrieben schon seit Jahren mit bestem Erfolg in Verwendung ist. Nur ein sachgemässes Eingehen auf die chemischen und physikalischen Eigenschaften der wertvollen Produkte, welche uns die Erde bietet, kann zu deren richtiger Nutzbarmachung führen und deren zweckdienlichste Verwertung ermöglichen.

Textabbildung Bd. 313, S. 47

Ausser den auf der äusseren Seite offenen Ringen mit sichtbarer Asbesteinlage werden in Fällen, wo von aussen Dampf oder Nässe einwirkt, auch vollständig geschlossene Ringe (Fig. 2) angewendet.

Von einzelnen Fabriken werden namentlich für Zentralheizungsanlagen ausser den vorstehend beschriebenen beiden Arten Dichtungsringe aus Kupfer mit Asbesteinlage auch Dichtungsringe aus Asbestpappe mit innerer Kupfer- oder Bleirille mit Erfolg verwendet (Fig. 3). In dieser Ausführung sind die Vorzüge der rein metallischen Dichtung und der noch vielfach ausschliesslich verwendeten reinen Asbestdichtung vereinigt. Sie sind durch die den Asbestring umfassende Kupferrille gegen das Ausgeblasenwerden vollkommen geschützt und ergeben eine dauernd zuverlässige Dichtung.

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