Titel: Verhalten des Kautschuks gegen verschiedene Gase.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 313/Miszelle 2 (S. 64)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj313/mi313mi04_2

Verhalten des Kautschuks gegen verschiedene Gase.

Wie d'Arsonval der französischen Akademie am 26. Juni d. J. mitteilte, zeigt sich der Kautschuk den verschiedenen, gewöhnlich und in Massen auftretenden Gasen gegenüber in verschiedenem Grade durchlässig, was bei der reichlichen Verwendung von Gummiwaren in den Gewerben wohl berücksichtigt werden sollte. Für die drei in unserer Atmosphäre enthaltenen Gasen: Stickstoff, Sauerstoff und Kohlensäure steigert sich diese Durchlässigkeit in der Reihenfolge ihrer Aufzählung. Demnach wird Stickstoff am längsten durch Kautschuk zurückgehalten; infolgedessen sammelt sich in pneumatischen Fahrradreifen, die den Sauerstoff leichter entwischen lassen, bei wiederholtem oder andauerndem Nachpumpen von Luft der Stickstoff an und der Radfahrer, der seine „Pneumatiks“ möglichst lange in prallem Zustande sehen will, wird für deren an Stickstoff reiche Füllung sorgen müssen. Ungemein gross aber ist die Durchlässigkeit des Kautschuks für Kohlensäuregas, von dem er auch ungeheure Mengen zu absorbieren im stände ist. Ein in unter einem Drucke von 1 bis 50 at stehendes Kohlensäuregas getauchtes Stück eines Gummischlauches schwoll auf das 10- bis 12fache seines ursprünglichen Volumens auf, wobei es zugleich schleimiger wurde und an Elastizität verlor; es gab aber diese Kohlensäure, an der Luft belassen, unter Knistern und allmählich auch verhältnismässig schnell ab, nämlich im Lauf von etwa einer Stunde, und gewann das frühere Aussehen und Verhalten wieder. Diese festgestellte, ungemeine Durchlässigkeit des Kautschuks für Kohlensäuregas droht Verluste zu bringen in allen den Fällen, wo, wie bei Mineralwasser- und Bierausschankapparaten, Kohlensäure durch Gummischläuche oder auch nur durch zur Verbindung dienende Stücke von solchen geleitet wird; auch macht sie die Zweckdienlichkeit der Gummiringe und -platten beim Flaschenverschlusse Kohlensäure entwickelnder Flüssigkeiten verdächtig.

O. L.

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