Titel: Kesselarmatur von C. F. Pilz in Chemnitz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 313/Miszelle 2 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj313/mi313mi10_2

Kesselarmatur von C. F. Pilz in Chemnitz.

Der von Jahr zu Jahr gesteigerte Dampfdruck bei Kesselanlagen stellt gegen früher noch weit bedeutendere Anforderungen an die gesamte Kesselarmatur, von welcher wiederum die allerwichtigstet der Wasserstandsanzeiger, am meisten hierbei in Frage kommt.

Man verlangt von jedem Wasserstandsanzeiger, dass derselbe dem Kesseldruck entsprechend kräftig konstruiert und von bestem Rotguss hergestellt sein muss; gleichzeitig will man auch die vielen den Hahnkonstruktionen anhaftenden Uebelstände, nämlich das Tropfen der Kegel infolge Niederschlagens von Kesselstein, stets wiederkehrende Reparatur durch Einschleifen oder Neuersatz der Kegel, Störung des Kesselbetriebes etc. beseitigt sehen. Diese vollberechtigten Wünsche veranlassten die Armaturenfabrik von C. F. Pilz in Chemnitz, neuerdings einen Ventilwasserstand herzusellen, welcher gegenüber den meisten bis jetzt gebräuchlichen Systemen grosse Vorzüge besitzt. Die hauptsächlichsten derselben sind folgende:

Absolutes Dichthalten bei höchstem Dampfdruck, Auswechselbarkeit der Original-Jenkins-Dichtungsringe binnen weniger Minuten durch den Heizer, daher leichteste und billigste Reparaturfähigkeit, grosse Dauerhaftigkeit, gewährleistet durch kräftigste Konstruktion und geringe Abnutzung, grösste Betriebssicherheit, weil Selbstschluss für Dampf und Wasser beim Glasbruch, folglich Verbrühen ausgeschlossen; Unempfindlichkeit gegen Schlamm und Kesselstein zufolge der etwas elastischen Jenkins-Dichtung.

Textabbildung Bd. 313, S. 160

Als besonderer Vorzug ist zu nennen, dass jeder Maschinist, jeder Kesselheizer – binnen weniger Minuten – den Wasserstand bei einer eventuellen Undichtheit selbst reparieren kann. Das einfache Auswechseln der elastischen Dichtungsringe genügt, um ohne Unterbrechung des Betriebes den Wasserstand sofort wieder gebrauchsfertig zu machen. Ein Tropfen der Hähne und damit verbundene Reparaturen, wie sie sonst bei Wasserständen mit Kegelkonstruktion häufig vorkommen und nicht selten sogar Betriebsstörungen herbeiführen, die Schaden verursachen, sind hier durch Anwendung der elastischen Dichtung ausgeschlossen.

Diese Wasserstände bieten absolute Garantie für Dichthalten und finden bei höchsten Dampfdruckverhältnissen Anwendung, in welch letzteren Fällen die Jenkins-Ringe durch dergleichen auswechselbare Ringe von Phosphorbronze ersetzt werden.

Von nicht zu unterschätzendem Werte sind bei diesen Wasserstandsanzeigern auch die für Dampf und Wasser vorgesehenen Selbstschlussventile, welche ein Verbrühen des Kesselbedienungspersonals beim Bruch des Wasserstandsglases verhindern.

Textabbildung Bd. 313, S. 160

Das untere Selbstschlussventil ist mit Rücksicht darauf, dass Schlamm, Kesselstein etc. ein Versagen durch Verunreinigung herbeiführen könnten, bequem zum Herausnehmen eingerichtet. Man entfernt das Wasserstandsglas, löst die Mutter und Stopfbüchse und nimmt hierauf das Ventil heraus. Diese Manipulation kann während des Betriebes vorgenommen werden.

Das obere Selbstschlussventil ist als Kugelventil ausgebildet. Um dasselbe zu reinigen, hat man auch nicht nötig, den Wasserstand abzunehmen, sondern nur die obere seitliche Verschlussschraube zu entfernen, worauf man die Kugel herausnimmt. Ein Auswechseln der Jenkins-Ringe kann sowohl beim Ablassventil als auch beim Dampfventil eventuell während des Betriebes vorgenommen werden.

Die Wasserstandsanzeiger erhalten auf Verlangen oben und unten Schutzkappenmuttern, wie bei obiger Abbildung ersichtlich ist, und geschieht mittels derselben die Befestigung der Schutzgläser.

Letztere bestehen aus 10 bis 12 mm starkem, an den Kanten abgeschliffenem Hartglas. Der Wasserstand ist durch diese Hülse von allen Seiten gleich deutlich zu erkennen; diese Schutzvorrichtungen haben bekanntlich den Zweck, die inneren Wasserstandsgläser gegen Zugluft, überhaupt gegen äussere Temperatureinflüsse zu schützen, welch letztere das häufige, gefährliche Springen der Gläser meistens veranlassen.

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