Titel: Das Vorkommen und die Gewinnung des Platins in Russland.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 313/Miszelle 1 (S. 174–175)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj313/mi313mi11_1

Das Vorkommen und die Gewinnung des Platins in Russland.

Nach einer Mitteilung von H. Louis in der Berg- und hüttenmännischen Zeitung stammen 95% des auf der ganzen Erde gewonnenen Platinmetalles aus dem Ural. Das Vorkommen des Metalles wurde im Jahre 1819 in den Seifen von Werch-Isetsk entdeckt. Sechs Jahre später wurden die bedeutenden Platinseifen von Goroblagodatsk und Nischni-Tagilsk entdeckt. Vom Jahre 1828 bis 1845 wurde das Platin von der russischen Regierung als Münzmetall verwendet und zu 3-, 6- und 12-Rubelstücken ausgeprägt. In dieser Zeit wurden 950000 Unzen Platin (1 Unze = 31,103 g) ausgemünzt. Die Gesamtmenge des Platins, welche seit seiner Entdeckung bis zum Jahre 1896 gewonnen worden ist, wird auf 4250000 Unzen geschätzt. Die sämtlichen Platindistrikte Russlands, von welchen der von Goroblagodatsk und der von Nischni-Tagilsk die wichtigsten sind, liegen auf einer Länge von 80 engl. Meilen in der Zentralkette des Uralgebirges im Gouvernement Perm und im Bezirke der Bergverwaltung von Jekaterinburg. Die Seifen befinden sich in kleinen Flussthälern; die Betten der grösseren Flüsse sind nur selten platinführend. Die Seifen des Distriktes von Goroblagodatsk liegen ausschliesslich auf der asiatischen Seite des Ural in dem Flussbette des Iss und seiner Nebenflüsse und Bäche. Sie gehören dem Grafen Schuwaloff und einer Anzahl von Gesellschaften, in welchen letzteren die Herren Burdakoff eine bedeutende Rolle spielen. Die Seifen des Distriktes von Nischni-Tagilsk liegen zum grössten Teile auf der europäischen Seite des Ural in dem Gebiete der Flüsse Vissim und Martian. Sie gehören ausschliesslich der Familie Demidoff. Die durchschnittliche Mächtigkeit der eigentlichen Seifen beträgt 1,066 m, während die über denselben liegende Decke im Durchschnitt 4,87 m dick ist. Die Geschiebe der Seifen bestehen aus Diorit, Gabbro, Diallag und Olivenit, welcher letztere mehr oder weniger in Serpentin verwandelt ist. Die Seifen, welche ausser Platin noch Gold enthalten, führen auch Quarzgeschiebe, während die Goldseifen, welche eine geringe Menge Platin führen, stets Serpentingeschiebe enthalten. Das Platin stammt aus basischen Gesteinen, welche reich an Magnesia sind. So wurde dasselbe im Jahr 1892 von Inostransef fein eingesprengt in anstehendem Serpentinfels gefunden. Das Platin wird durch Verwaschen des platinhaltigen Sandes gewonnen. Der Platingehalt desselben hat in der neueren Zeit stark abgenommen. Im Bezirke von Goroblagodatsk enthielten im Jahre 1870 die reicheren Sande noch 1 Unze Platin per Tonne, in dem Zeitraum vom Jahre 1870 bis 1880 durchschnittlich ½ Unze, in den Jahren 1882 und 1883 gegen 9 dwts. (1 Unze = 20 dwts.), im Jahre 1884 7 dwts. 8 grains (1 dwt. = 24 grains), im Jahre 1885 6 dwts. 5 grains, im Jahre 1886 4½ dwts., im Jahre 1895 nur noch 1½ dwts. per Tonne. Im Bezirk von Nischni-Tagilsk war der Platingehalt von 1 t Sand in den Jahren 1825 bis 1829 48 dwts., in den Jahren 1829 bis 1838 ½ Unze, im Jahre 1849 15 dwts., in den Jahren 1850 bis 1883 7 dwts., im Jahre 1884 3½ dwts., im Jahre 1895 gleichfalls nur noch 1½ dwts.

Diese Verarmung hat ihren Grund in dem Umstände, dass man zuerst die reicheren Seifen in dem Oberlaufe der kleineren Flüsse ausbeutete, während man zur Zeit auf die Seifen in den breiteren Thälern und auf die Abgänge von dem Verwaschen der reichen Seifen angewiesen ist.

Durch das Verwaschen des aus den Seifen gewonnenen platinhaltigen Materials erhält man das Metall in der Gestalt von feinen Körnern und Schuppen. Dann und wann werden auch Klumpen (nuggets) gefunden. Der grösste in dem Bezirke von Goroblagodatsk gefundene Klumpen wog 72½ Unzen, während das Gewicht des grössten Klumpens aus dem Bezirke von Nischni-Tagilsk 310 Unzen beträgt.

Von allem gewonnenen Platin erhebt der Staat eine Abgabe in natura. Dieselbe beträgt bei dem auf fiskalischen Ländereien gewonnenen Metall 4½% von dem Gewicht desselben, bei dem auf dem Grund und Boden von Privaten gewonnenen Metall 3% von dem Gewicht desselben. Zum Zweck der Erhebung derselben muss das gesamte gewonnene Platin dem Staatslaboratorium der Bergverwaltung in Jekaterinburg eingesandt werden. |175| Hier wird es auf die Feinheit von Gold geprüft, gewogen und nach Abzug des an den Staat zu entrichtenden Anteils den betreffenden Eigentümern zurückgeschickt.

Das Verwaschen des platinhaltigen Sandes geschieht in geneigten Gerinnen und auf geneigten Herden durch Handarbeit oder Maschinenkraft, bei thonigen Geschicken auch in mit Rührwerken versehenen cylindrischen Gefässen mit Hilfe von Maschinenkraft. Man erhält angereicherte Schliche, welche zum Schluss auf einem geneigten Herde durch Handarbeit konzentriert werden.

Die konzentrierten Schliche werden zuerst mit Quecksilber behandelt, um das Gold aus denselben auszuziehen und gehen dann als Rohplatin in den Handel. Sie enthalten dann 75 bis 85% reines Platin, ferner Chromit, eine kleine mit dem Platin legierte Menge von Eisen, Osmium und Iridium in Mengen bis zu 5% und andere Platinmetalle, wie Palladium und Ruthenium.

Die bei weitem grösste Menge des Rohplatins geht in das Ausland, besonders an die Firmen Johnson, Matthey und Co. in London, Desmontis, Lemaire und Cie. in Paris und Heraeus und Co. in Hanau. Das in Russland verbleibende Rohplatin wird durch Kolbe und Lindfors und durch die Tentelef'sche chemische Fabrik, beide in St. Petersburg, raffiniert. Die Menge des von denselben raffinierten Metalles dürfte zur Zeit nicht viel über 5000 Unzen jährlich betragen.

Das in Russland angewandte Raffinierverfahren ist das nachstehende. Das Rohplatin wird in Porzellanschüsseln von 0,609 m Durchmesser, welche auf einem Sandbade stehen, mit Königswasser behandelt. Die so erhaltene Lösung wird zur Trockne gedampft, der Rückstand wird mit Salzsäure aufgenommen, die erhaltene Lösung wird wieder eingedampft, der Rückstand wird wieder mit Salzsäure behandelt, die Lösung wieder eingedampft und diese Behandlung wird so lange fortgesetzt, bis man eine von Salpetersäure vollständig freie Lösung erhält. Die letztere wird nun von dem aus Sand, Chromit, verschiedenen Platinmetallen u.s.w. bestehenden Rückstand abfiltriert. Dieser Rückstand wird an deutsche chemische Fabriken verkauft, welche denselben auf Platinmetalle verarbeiten. Aus der Lösung wird in Glasgefässen mit Chlorammonium das Platin als Ammoniumplatinchlorid (Platinsalmiak) in der Gestalt eines gelben Niederschlages ausgefällt. Derselbe wird nach dem Abdekantieren der verbliebenen Flüssigkeit auf ein schüsselförmiges Filter gebracht und ausgewaschen, wobei zur Beschleunigung des Filtrierens eine Filterpumpe angewendet wird. Man erhält so den Niederschlag in Gestalt eines ziemlich festen Kuchens von 0,381 m Durchmesser und 0,076 m Dicke. Derselbe wird langsam getrocknet und dann in einer Muffel auf einem Platinblech zur Rotglut erhitzt. Hierbei werden Chlorammonium und Chlor ausgetrieben und es bleibt ein grauer Kuchen von schwammförmigem Platin zurück. Der Platinschwamm wird zerkleinert, in einem Mörser durch einen stählernen Stempel zusammengepresst und dann mit Hilfe des Knallgasgebläses in einem Deville'schen Ofen zusammengeschmolzen. Der Ofen wird aus gesägten Blöcken eines Kalktuffs hergestellt, welche durch Eisenreifen zusammengehalten werden. Ein kleiner Ofen, welcher 100 bis 150 Unzen Platin aufnimmt, wird aus einem Blocke von 0,203 m im Quadrat und 0,252 m Höhe hergestellt und erhält nur eine Gasflamme. Die grösseren Oefen nehmen 500 bis 600 Unzen Platin auf und erhalten zwei oder drei Gasflammen. Der Ofen ruht auf einer Eisenplatte und kann so gekippt werden, dass das geschmolzene Metall in Formen gegossen werden kann. Dieselben bestehen aus dem nämlichen Material wie der Ofen. Die Barren erhalten in ihnen eine Stärke bis 0,050 m. Jeder Ofen hält nur eine Schmelzung aus. Die Oefen sind indes leicht und billig herzustellen.

Die von dem Ammoniumplatinchloridniederschlage abfiltrierte Losung hält noch Platin zurück. Das letztere wird aus derselben durch Eisen ausgefällt. Man erhält ein unreines Platin, welches m der nämlichen Weise wie das Rohplatin raffiniert wird.

Die Barren werden auf Rotglut erhitzt und dann zu Platten von 0,012 m Dicke ausgeschmiedet. (The Mineral Industry, 1898 S. 539.)

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