Titel: Falzbaupappe „Kosmos“ nach Patent Fischer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 314 (S. 152–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj314/ar314037

Falzbaupappe „Kosmos“ nach Patent Fischer.

Bezüglich der Zweckmässigkeit der Dachdeckungsmaterialien im allgemeinen sind folgende Eigenschaften zu berücksichtigen: Wasserdichtigkeit, Dauerhaftigkeit, Feuersicherheit, Gewicht, Einfachheit der Zusammensetzung der einzelnen Teile und die Kosten. In besonderen Fällen werden an die Dachdeckung auch noch die Anforderungen der Dichtigkeit gegenüber Gasen, der Schalldämpfung und des Schutzes gegen Wärme- und Kälteeinwirkungen gestellt. Für die Wahl der Dachdeckungsarten kommen ausser der Erwägung dieser angeführten Punkte noch die Form und Neigung der Dachflächen und etwaige gesetzliche Bestimmungen in Betracht.

Textabbildung, Bd. 314, S. 152

Werden an ein Dach die Anforderungen gestellt, dass es nicht nur gegen die Unbilden der Witterung schützt, sondern gleichzeitig auch als Aufenthalt dienen kann, feuersicher ist, nur geringe Unterhaltungskosten verursacht, das Unterbringen fast ganz rechtwinkliger Räume unmittelbar unter dem Dache gestattet, gegen Hitze und Kälte schützt und dabei nicht teuer ist, so wählt man in einem solchen Falle ein Holzcementdach oder ein doppellagiges Asphaltpappdach mit Kies- oder Rasenbelag. Denn ein solches Dach erfüllt gleichzeitig mehrere Zwecke. Aehnlich verhält es sich mit den Falzbautafeln „Kosmos“ nach Patent Fischer (hergestellt von A. W. Andernach in Beuel a. Rh.) (D. p. J. 1899 313 74). Die Falzbaupappe ist, wie Fig. 1 zeigt, schwalbenschwanzförmig gepresst. Die Hohlfalzen erbreitern sich also. Die Pappen sind durch Imprägnierung mit Asphaltmasse wasserdicht gemacht. Die Hohlfalzen machen die Falzbaupappen bei verhältnismässig geringem Gewicht ausserordentlich stabil, ähnlich, wie dies bei dem Wellblech der Fall ist. Sie eignen sich deshalb zur Herstellung ganzer Wandflächen. Dadurch, dass die Hohlfalzen sich schwalbenschwanzförmig erbreitern, kann Verputz fest an den Falzbaupappen angebracht werden. Denn nachdem der Verputz trocken ist, kann er sich, da die einzelnen Falzen hinten breiter sind als vorn, nicht mehr von den Falzpappen loslösen. Der Verputz hakt gleichsam in die sich erweiternden Hohlfalzen ein. Ein besonderer Vorteil besteht darin, dass ausser der einen Hälfte Hohlfalzen, die zur Anbringung von Verputz verwendet werden können, gleichzeitig gerade so viele andere Hohlfalzen gegen die betreffenden Wände, Decken u.s.w. zu liegen kommen und hohl bleiben, also nicht mit Verputz angefüllt werden. Durch diese Hohlfalzen kann leicht eine Luftzirkulation eingeleitet werden oder sie können auch infolge der in ihnen befindlichen Luftschichten als Schutz gegen Wärme und Kälte dienen. Dabei nehmen die Falzbaupappen einschliesslich etwaigen Verputzes nicht mehr Raum ein, als wie eine gewöhnliche Verputzschicht. Durch die Bekleidung damit wird der betreifende Raum also in keiner Weise verkleinert, wie dies z.B. bei vorgemauerten Isolierwänden bekanntlich in sehr erheblichem Masse der Fall ist. Als weitere Vorteile wäre die Trockenheit der Wände und schalldämpfende Wirkung der Pappe zu nennen.

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Für besondere Zwecke werden die Pappen auch mit einer Flachschicht (Fig. 2) und mit zwei Flachschichten (Fig. 3) hergestellt.

Weitaus am meisten angewandt werden dagegen die Falzbaupappen ohne Flachschicht (Fig. 1).

Die Befestigung der Falzbaupappen an Wandflächen erfolgt meistens mittels verzinkter eiserner Nägel. Bei Bretterwänden, sowie bei Holzfachwerkwänden und auch |153| bei gut verputzten Wandflächen genügen Nägel von etwa 25 mm Länge. Bei Mauerwänden werden Nägel von etwa 75 mm Länge verwandt. Im allgemeinen genügt es, die Nägel in Entfernungen von etwa 20 bis 30 cm einzutreiben, so dass also auf jeden Quadratmeter etwa 10 bis 25 Nägel verwandt werden. Bei Mauerwerk mit gutem festen Mörtel genügt es, jede dritte bis vierte wagerechte Fuge zum Annageln zu benutzen und in solchen Fugen in Entfernungen von etwa 25 bis 30 cm zu nageln. Damit die Falzpappe überall fest gegen die Wandfläche gedrückt wird, ist es empfehlenswert, verzinkten etwa 1 mm dicken Eisendraht in Entfernungen von etwa 20 cm die Kreuz und die Quer über die angenagelte Falzpappe zu spannen. Hierzu benutzt man die Nagelköpfe, von denen man zu diesem Zweck beim Annageln einige etwas vorstehen lässt. Bei Bruchsteinmauerwerk, Cementwänden oder anderen Wänden, in welche sich Nägel nur schlecht eintreiben lassen, werden zweckmässig zuerst Löcher in geringer Zahl, etwa sechs auf den Quadratmeter, eingemeisselt, wozu zweckmässig ein sogen. Steineisen verwendet wird. In die eingemeisselten Löcher werden dann Holzdübel, die zuvor mit Karbolineum getränkt wurden, eingetrieben. Sehr vorteilhaft verwendet man dazu sogen. Patentdübel. Dieselben bestehen aus einem hölzernen Kern aus antiseptisch imprägniertem Hartholz, welches in eigenartiger unlösbarer Weise von Eisen umschlossen ist. Dieses Eisen läuft konisch nagelartig aus und lässt sich deshalb ausserordentlich fest in die Wände bezw. in die vorher eingemeisselten Löcher eintreiben. Diese Patentdübel haben den Vorzug, dass sie dauernd fest in der Wand bleiben, während gewöhnliche Holzdübel bekanntlich durch Zusammentrocknen im Laufe der Zeit locker werden können. In die Holzdübel bezw. in die Holzkerne der Patentdübel treibt man zweckmässig vor der Befestigung der Falzpappe kleine Nägel, die an beiden Enden spitz sind. Dann drückt man die Falzpappe gegen die Wand, so dass also die aus den Holzdübeln herausragenden Spitzen der zweispitzigen Nägel die Falzpappe durchdringen. Diese durchdringenden Spitzen werden dann Umgeschlagen. Hierdurch wird die Falzpappe an der Mauerfläche festgehalten. In diese Dübel, also unmittelbar Heben den spitzen kleinen Nägeln, werden nunmehr grosse kräftige verzinkte Nägel durch die Falzpappe hindurch Angetrieben. Man lässt dabei die Nagelköpfe etwas vorstehen und spannt verzinkten Draht von etwa 2 bis 3 mm Dicke recht fest und stramm darum von einem Nagelkopf zum anderen, so dass die Falzpappe durch diesen Draht an den Wandflächen festgehalten wird. Auf diese Weise braucht man bei Bruchsteinmauerwerk u. dgl. nur sehr wenig Nägel anzubringen.

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Eine wasserdichte Bekleidung von Innenwänden mit Falzbaupappe „Kosmos“ unter gleichzeitiger Einleitung einer Luftzirkulation wird wie folgt bewirkt.

Die Hohlfalzen kommen in senkrechter Lage an die Handflächen und zwar kommen die breiteren Hohlfalzen an die Wand, damit die Luftkanäle möglichst gross werden. Man lässt die Falzbaupappen nicht ganz bis auf den Fussboden reichen, so dass an der Wand, unmittelbar über dem Fussboden, ein etwa 5 cm breiter Streifen unbekleidet bleibt. Dieser freie Raum wird durch die Fussleiste überdeckt. Dadurch entsteht also ein Querkanal, von welchem Sämtliche nach oben führende Hohlfalzen der Falzbaupappe ausmünden (Fig. 4).

In die Fussleiste werden in Entfernungen von etwa 10 cm Löcher von etwa 2 cm Durchmesser gebohrt, damit dadurch Luft in den Querkanal und von dort in die Hohlfalzen dringen kann. Die senkrechten Ränder, die also Parallel zu den Hohlfalzen laufen, lässt man stumpf zusammenstossen, oder gibt eine geringe Ueberdeckung, so dass also an diesen senkrechten Rändern kein Zwischenraum an der Wand freigelassen wird. An den wagerechten Randern, die also parallel mit der Fussleiste laufen, lässt man dagegen zwischen den übereinander befindlichen Bahnen einen Zwischenraum von etwa 2 cm frei. Dieser Zwischenraum wird dann mit einem schmalen, etwa 8 cm breiten Streifen gut gesandeter ebener Asphaltpappe überdeckt. Auf diese Weise wird zwischen je zwei übereinander befindlichen Bahnen ein Querkanal gebildet. In denselben münden alle von unten kommenden Hohlfalzen (Luftkanälchen) ein und alle nach oben gehenden Hohlfalzen gehen von diesem Querkanal aus. Dadurch wird erreicht, dass man bei der Befestigung der Falzbaupappen an der Wand nicht darauf zu achten braucht, dass die einzelnen Falzen ganz genau aufeinander passen, wie es überhaupt auch nicht möglich ist, Falzpappen mit derart überall haarscharf aufeinander passenden Hohlfalzen herzustellen. Durch die Querkanäle wird aber auch noch der Vorteil erreicht, dass wenn irgend eine Hohlfalze durch Mörtel, Sand o. dgl. verstopft werden sollte, die Luftzirkulation dann doch nicht in der ganzen Höhe der Wand bei der betreffenden Hohlfalze aufhören würde; denn durch die Querkanäle kann die Luft wieder in jede andere Hohlfalze der nächst höher liegenden Falztafel eindringen.

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Wenn der Verputz ziemlich dick, etwa 2 cm stark, aufgetragen werden soll, kann man die Deckstreifen anstatt aus ebener Asphaltpappe auch aus Falzpappe herstellen. Ebenso kann man unter Umständen auch die oberen und unteren Abschlussleisten aus Falzpappe herstellen. Ganz besonders ist dies zu empfehlen, wenn die Leisten nicht mit Luftlöchern versehen werden sollen, die Luft also z.B. in den Schornstein abgeführt oder von aussen zugeführt werden soll. In der angegebenen Weise bekleidet man die Wandfläche bis zu der gewünschten Höhe. Eventuell werden die obersten Falztafeln mittels eines kräftigen, scharfen Messers und einer Latte so zerschnitten, dass die gewünschte Höhe erreicht wird. Dann wird etwa 3 bis 5 cm über dem oberen Rand der Falztafeln eine Latte an der Wand befestigt. An diese Latte wird dann eine Leiste genagelt, so dass also auch am obersten Rande der Falztafeln ein Querkanal gebildet wird, in welchen sämtliche von unten kommenden Hohlfalzen (Luftkanäle) einmünden. In die Deckleiste werden, in Entfernungen von etwa 10 cm, Löcher von etwa 2 cm Durchmesser gebohrt, so dass die Luft aus dem obersten Querkanal durch diese Löcher austreten kann. Den obersten Querkanal kann man auch dadurch herstellen, dass man aus der betreffenden Mauer einen kleinen Querkanal von etwa 5 cm Breite und 3 cm Tiefe ausmeisseln lässt. Dieser Kanal wird dann durch die Falzpappe einfach glatt überdeckt. In diesem Falle müssen dann die Luftaustrittslöcher in den Falzpappen und dem Verputz über dem darunter liegenden ausgemeisselten Querkanal angebracht werden. Nachdem die Falzpappe in der angegebenen Weise an der Wandfläche befestigt ist, wird Verputz angebracht. Als Mörtel kann man gewöhnlichen Kalkmörtel, eventuell auch Gips verwenden. Legt man Wert auf einen besonders festen harten Verputz, so setzt man dem Kalkmörtel Cement zu (sogen. verlängerter Cementmörtel), oder verwendet nach Umständen reinen Cementmörtel. Der sich abspielende Vorgang der Luftzirkulation ist folgender. Da in jedem Zimmer die oberen Luftschichten wärmer und infolgedessen auch leichter sind, als die unteren, so wirkt die unter der |154| Decke befindliche wärmere Luft saugend. Infolgedessen strömt die Luft in die Luftlöcher der unteren Leiste, also der Fassleiste ein, gelangt durch den dahinter befindlichen Querluftkanal in die nach oben führenden Hohlfalzen der untersten Falztafeln, dann durch den darüber befindlichen Querkanal in die Hohlfalzen der zweituntersten Falztafeln und so fort, bis die Luft aus den oberen Luftlöchern wieder austritt. Dadurch entsteht also an der ganzen Wandfläche von unten nach oben ein beständiger Luftstrom. Dieser Luftstrom saugt beständig Feuchtigkeit aus der Wand ab und wirkt tödtend auf die Pilzsporen und sonstigen Fäulniserreger. Will man die Wände nach der Anbringung der Falztafeln nicht vollständig verputzen, so verwende man die Falzbaupappe „Kosmos“ Nr. 2, also die mit einer Flachschicht versehene Sorte. Man verfährt dabei genau wie bei der Falzpappe Nr. 1. Die Hohlfalzen kommen selbstverständlich an die Wand und die Flachschicht nach dem Inneren des Zimmers. Nach der Anbringung der Falzbaupappe „Kosmos“ Nr. 2 wird die Oberfläche der Flachschicht mit einem ganz dünnen Gips verputz von nur wenigen Millimetern Dicke versehen. Derselbe ist schon nach wenigen Stunden trocken, so dass dann schon am folgenden Tage tapeziert werden kann. Diese Methode empfiehlt sich deshalb besonders dort, wo es auf thunlichste Beschleunigung ankommt. Will man auf der Flachschicht von Falzpappe Nr. 2 Anstriche anbringen, so empfiehlt es sich, um ein Durchschlagen der schwarzen Asphaltfarbe möglichst zu verhüten, die Oberfläche zunächst mit einer Auflösung von Schellack in Spiritus zu überstreichen. Bei der Anbringung der Falzbaupappe Nr. 2 muss man darauf Bedacht nehmen, dass die Mauerflächen ziemlich eben sind. Während sich bei der Falzbaupappe Nr. 1 Unebenheiten der Mauerfläche durch den nachträglich anzubringenden Verputz wieder ausgleichen lassen, ist dies bei Falzbaupappe Nr. 2 durch den sehr dünnen Gripsüberzug nicht der Fall. – Falzbaupappe Nr. 1 kann man sowohl auf verputzten wie unverputzten, ja sogar auf ziemlich unebenen rohen Mauerflächen anbringen. Falzbaupappe Nr. 2 wird man dagegen hauptsächlich auf verputzten oder doch auf sehr eben und gerade gemauerten rohen Mauerflächen anwenden. Soll Falzbaupappe Nr. 2 aber auf unebenen rohen Flächen angebracht werden, so ist es zweckmässig, zuvor die Wände in horizontaler Richtung mit in der gleichen Ebene liegenden Verputzstreifen in Entfernungen von wenigstens etwa ½ m zu versehen, so dass also jede Falztafel in der Mitte und an dem oberen und unteren Rande auf einem solchen Verputzstreifen glatt aufliegt. In der Nähe von Oefen verwende man möglichst immer nur Falzpappe „Kosmos“ Nr. 1 (also ohne Flachschicht) mit Verputz, da bei der Falzpappe „Kosmos“ Nr. 2 (also der Sorte mit einer Flachschicht) bei grosser in der Nähe befindlicher Wärme ein Erweichen der zum Zusammenkleben der beiden Schichten benutzten Masse unter dem sehr dünnen Gipsüberzug nicht vollständig ausgeschlossen ist.

Auch äussere Mauerflächen können mit Falzbaupappen „Kosmos“ und Verputz versehen werden.

Die Falzbautafeln Nr. 1 werden, von unten anfangend, die Hohlfalzen in senkrechter Richtung an die Wand mittels kräftiger verzinkter Nägel angenagelt. Man gibt dabei an allen Rändern, also rechts und links und oben und unten, etwa 5 cm Ueberdeckung dergestalt, dass die obere Bahn immer über die nächst untere Bahn mit dem Rande übergreift (Fig. 5), so dass also etwa durch den äusseren Verputz durchdringender Schlagregen nicht zwischen den Rändern der Falzpappe hindurch bis auf die Mauer gelangen kann. Damit nicht an derselben Stelle die wagerechten und senkrechten Ränder sich überdecken, befestigt man die Tafeln „im Verbände“. Man beginnt also in den einzelnen übereinander befindlichen Reihen von links oder rechts abwechselnd mit einer ganzen und dann wieder mit einer halben Falztafel. Bei der Nagelung lässt man einen Teil der Nagelköpfe etwas vorstehen. An diesen vorstehenden Nagelköpfen wird dann die Kreuz und Quer in Entfernungen von etwa 10 bis 15 cm verzinkter Eisendraht von 1 mm Dicke gespannt. Anstatt des verzinkten Eisendrahtes kann auch verzinktes Drahtgeflecht von etwa 5 cm Maschenweite an den vorstehenden Nagelköpfen befestigt werden. Auch können zu diesem Zwecke anstatt der verzinkten Nägel verzinkte Haken stifte verwendet werden, an deren Haken das Drahtgeflecht sehr leicht zu befestigen ist. Nachdem so die mit Falzpappe benagelte Wand mit verzinktem Draht bespannt oder mit Drahtgeflecht versehen ist, wird verlängerter oder reiner Cementverputz zunächst rauh angeworfen, so dass der Verputz in die schwalbenschwanzförmigen Hohlfalzen einhakt und gleichzeitig auch noch durch den verzinkten Draht, bezw. durch das Drahtgeflecht mit festgehalten wird. Dadurch wird eine ganz ausserordentliche Festigkeit erzielt. Nachdem der rauhe Verputz angetrocknet und ziemlich fest geworden ist, wird darauf eine ebene Verputzschicht aus verlängertem oder reinem Cementmörtel angebracht. Man erhält auf diese Weise eine durchaus wasserdichte, dunstdichte, feuersichere, schalldämpfende Bekleidung der Aussenwand.

Textabbildung, Bd. 314, S. 154
Textabbildung, Bd. 314, S. 154

Da die gegen die Wand liegenden Hohlfalzen mit Luft gefüllt sind und ruhende Luftschichten bekanntlich sehr schlechte Wärmeleiter sind, so schützt eine solche Bekleidung auch in hohem Grade gegen Wärme und Kälte. – Besonders an den Wetterseiten der Gebäude ist eine solche Bekleidung von grossem Vorteil. – Hervorragende Dienste leistet sie bei Fachwerkbauten und Bretterwänden. Verputz haftet bekanntlich auf Holz nicht. Dadurch, dass auf die Holzteile zunächst die Falzpappe genagelt wird, lässt sich aber auch auf Holzteilen Verputz fest anbringen, weil er in die sich erbreiternden Hohlfalzen einhakt und sich dadurch fest mit der Hand verbindet. Solche Wände erhalten dadurch das Aussehen vollständig massiver Wände. Legt man Wert darauf, den Verputz in möglichst dünner Schicht aufzutragen, so ist es wichtig, dass die Falzpappe an den Rändern durch die Ueberdeckung nicht in ihrer doppelten Dicke an die Wand kommt. Um dies zu erreichen und die Ränder doch wasserdicht abzuschliessen, legt man auf den oberen Rand der unteren Bahn mit etwa 3 cm Ueberdeckung einen schmalen Streifen gut besandeter Asphaltpappe von etwa 8 cm Breite. Dieser Streifen wird dann an die Wand geschmiegt, und dann erst die nächst obere Falztafel an die Wand befestigt (siehe Fig. 6 bei b), so dass also der Pappstreifen unter die obere Falztafel und |155| über die untere Falztafel greift. – Ist ein besonders starkes Durchschlagen der Feuchtigkeit kaum zu befürchten, so kann man den Asphaltpappstreifen auch glatt an die Wand nageln und dann die beiden Ränder der Falztafeln auf dem Streifen stumpf gegeneinander zusammenstossen lassen, wie dies in Fig. 6 bei a dargestellt ist. – Je nach den Umständen kann man den Asphaltpappstreifen auch ganz fortlassen und die Ränder der Falztafeln ebenfalls einfach an der Wand stumpf gegeneinander stossen lassen. Bei Aussenwänden ist im allgemeinen eine Luftzirkulation an der Wand entlang kaum erforderlich. – Falls dieselbe aber aus irgendwelchen Gründen doch gewünscht wird, so ist in analoger Weise zu verfahren, wie dies bei der Bekleidung von Innenwänden angegeben wurde. In diesem Falle werden also oben bezw. unten zwischen den Falztafeln schmale Zwischenräume gelassen und diese dann mit Asphaltpappstreifen überdeckt. Da die Temperaturunterschiede bei den in Frage kommenden verschiedenen Höhen der Aussenluft nur sehr gering sind, ist zu empfehlen, um bei einzuleitender Luftzirkulation diese möglichst energisch zu gestalten, den obersten Querluftkanal auf geeignete Weise, z.B. durch ein Rohr mit einem Schornstein in Verbindung zu bringen.

Textabbildung, Bd. 314, S. 155
Textabbildung, Bd. 314, S. 155

Handelt es sich darum, Decken mit Falzbaupappen zu bekleiden, so müssen diese von unten an der Decke befestigt werden. Zu diesem Zwecke werden zunächst quer unter die Balken Latten in Entfernungen von 25 cm, von Mitte zu Mitte gemessen, mittels kräftiger Nägel angenagelt. Bei jeder vierten Latte wird anstatt der Latte ein schmales Brett angenagelt, so dass also diese Bretter 100 cm (von Mitte zu Mitte gemessen), also gerade so weit voneinander entfernt angenagelt werden, wie die Falztafeln breit sind (Fig. 7).

An diesen Latten bezw. Brettern werden die Falztafeln Nr. 1 angenagelt, die Falzen parallel zu den Balken, also senkrecht zu den Latten und Brettern, und zwar so, dass die Längsränder der einzelnen Tafeln auf der Mitte der Bretter zusammenstossen (Fig. 8).

Liegen die Balken 25 cm, von Mitte zu Mitte gemessen, voneinander entfernt, so können die Falztafeln auch unmittelbar an die Balken angenagelt werden (Fig. 9).

Textabbildung, Bd. 314, S. 155

Die einzelnen Nagelreihen kommen etwa 25 cm voneinander entfernt. In jeder Nagelreihe nagelt man die Nägel etwa 10 cm voneinander entfernt, so dass also auf den Quadratmeter etwa 40 Nägel gebraucht werden. Die Grösse der Nägel richtet sich nach dem Material der Decke. Erfolgt die Annagelung an kernigem, festem Holz, so genügen breitköpfige verzinkte Nägel von etwa 5 mm Länge. An den vorstehenden Nagelköpfen wird verzinkter Eisendraht von 1 mm Drahtstärke in kreuz und quer gespannt.

Diese Decken sind ausser für Fabriken, Stallungen u.s.w. auch geeignet für Villenbauten, Wohnhäuser, Kasernen und überhaupt für Gebäude aller Art, bei denen man Wert darauf legt, mit verhältnismässig geringen Kosten eine dunstdichte, staubdichte, schalldämpfende, schwammsichere, gegen Wärme und Kälte schützende, wenig Raum Annehmende, leichte und doch feste Decke herzustellen.

Will man einem Gewölbeersatz auch die äussere Form der Gewölbe geben, so verfährt man nach Fig. 10.

Textabbildung, Bd. 314, S. 155

Zu diesem Zwecke werden zunächst unten an die Seitenflächen der Balken S kräftige Latten L mittels kräftiger Nägel angenagelt (siehe den links befindlichen Teil der Figur), oder es werden Winkeleisen W mittels Schraubenbolzen angeschraubt (siehe den rechts befindlichen Teil der Figur). Auf diese Latten bezw. Winkeleisen werden dann bogenförmig ausgeschnittene, zwischen die einzelnen Sparren passende Bretter B in Entfernungen von 25 cm voneinander (von Mitte zu Mitte gemessen) gesetzt. Bei jedem vierten Brett, also da, wo die Ränder der 100 cm breiten Falztafeln zusammenstossen, wird anstatt des Brettes eine besonders dicke Diele oder zwei Bretter verwendet. An diesen bogenförmig ausgeschnittenen Brettern, sowie an der Unterfläche der Balken werden dann die Falzpappen, die Falzen parallel zu den Balken, also senkrecht zu den Brettern, in analoger Weise festgenagelt, mit Draht bespannt und mit Verputz versehen, wie dies vorher ausführlich beschrieben ist.

Einige Vorteile der beschriebenen Deckenbekleidung aus Falzpappe mit Verputz erreicht man auch schon dadurch, dass man die Decke nur mit Falzpappe bekleidet und den Verputz fortlässt.

Eine weitere Anwendung findet die Kosmospappe zur Isolierung zwischen Fussbodenbrettern und Balken (Fig. 11) und zum Schutz von Wandgetäfel und Lamperien gegen Hausschwamm und Fäulnis.

Besonders wertvoll ist der Schutz der Balkenköpfe gegen Schwamm- und Pilzbildung, denn die in die Mauer eingemauerten, also mit der Baufeuchtigkeit unmittelbar in Berührung kommenden Balkenköpfe sind der Gefahr der Schwammbildung bekanntlich in besonders hohem Grade ausgesetzt. Bedenkt man ferner, dass die Dauerhaftigkeit und der Bestand eines Gebäudes wesentlich davon abhängen, dass die Balkenköpfe intakt bleiben, da dieselben ja die ganzen Balkenlagen, Decken u.s.w. tragen, so wird es erklärlich, dass jeder gewissenhafte Baufachmann mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin zu wirken sucht, die Balkenköpfe gegen Schwamm- und Pilzbildung zu schützen. Die wichtigsten Vorbedingungen hierzu sind aber, wie bereits bemerkt, Berührung mit Luft und Fernhaltung der Feuchtigkeit (Fig. 12 bis 14).

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Da die Falzbaupappe „Kosmos“ vollkommen wasserdicht ist und gleichzeitig durch die in den Hohlfalzen ruhenden Luftschichten gegen Wärme und Kälte schützt, so lag es nahe, die Falzbaupappe auch zu Dächern zu verwenden, und zwar besonders bei solchen Bauten, bei denen eine möglichst gleichmässige Temperatur, ein leichtes Gewicht und vollkommene Wasserdichtheit der Dächer erwünscht sind, also z.B. bei Eishäusern, Verandas, Pulverfabriken, Krankenbaracken u.s.w. Eine zweckmässige Herstellungsweise |156| solcher Dächer wird durch die beiden Fig. 15 und 16 veranschaulicht.

Textabbildung, Bd. 314, S. 156
Textabbildung, Bd. 314, S. 156
Textabbildung, Bd. 314, S. 156

Nachdem die Dachfläche vollständig mit Brettern benagelt ist, werden von der Traufe zur First dreikantige Latten in Entfernungen von genau 3 m – von Mittelpunkt zu Mittelpunkt gemessen – mittels kräftiger Nägel angenagelt. Die Falztafeln Nr. 2, also die Sorte mit einer Flachschicht, die im allgemeinen 3 m lang geliefert werden, sind, falls sie etwas länger wie 3 m sein sollten, zunächst genau auf 3 m Länge zuzuschneiden. Etwa abfallende Stücke können später zu den Kappstreifen mit verwendet werden. Die auf 3 m Länge zugeschnittenen Falztafeln werden, die Flachschicht nach oben, die Falzen parallel zu den Dreikantlatten von unten, also von der Traufe beginnend, mit jeder Schmalseite an die Dreikantlatten gelegt, so dass sich also der Rand der Falztafeln an der schrägen Fläche der Dreikantlatten hinaufschmiegt. Dann werden die Tafeln mittels breitköpfiger Nägel in Entfernungen von etwa 20 cm an den Dreikantlatten festgenagelt. Der obere und untere Rand der Falztafeln wird etwa 2 cm vom Rande mittels breitköpfiger Nägel in Entfernungen von 3 bis 4 cm an der Verschalung festgenagelt. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Nägel nicht in eine Bretterfuge, sondern stets in das Brett selbst eindringen. Auch ist es zweckmässig, bei der Nagelung der oberen und unteren Ränder die Nägel so tief und fest, wie nur irgend möglich, einzutreiben, damit die Hohlfalzen am oberen und unteren Rande, wenn möglich, etwas zusammengedrückt werden. Hierdurch wird die Deckung an den Rändern eine glattere. Die nächst oberen Bahnen werden mit wenigstens 10 cm Ueberdeckung an den Rändern gedeckt, so dass also der untere Rand der nächst oberen Bahn wenigstens 10 cm über den oberen Rand der unteren Bahn übergreift. Nachdem so die Tafeln gedeckt sind, werden die Oberkanten der Dreikantlatten mit Kappstreifen gedeckt. Hierzu verwendet man etwa 12 cm breite Streifen aus Falzpappe. Man kann hierbei gut allen etwaigen Abfall benutzen. Damit diese Streifen sich nicht auf derselben Stelle überdecken, wie die Falztafeln, beginnt man, da die Falztafeln 1 m breit sind, mit einem Streifen von nur ½ m Länge. Auf diese Weise erfolgt die Ueberdeckung der Streifen immer auf der Mitte der Falztafeln. Selbstverständlich müssen dabei diese Kopfstreifen mit derselben Ueberdeckung wie die Falztafeln gedeckt werden. Die Kappstreifen werden in Entfernungen von etwa 5 cm mittels breitköpfiger Nägel an den Dreikantlatten festgenagelt. Die Nagelung erfolgt so, dass die Nägel auch die Seitenränder der an den Dreikantlatten anliegenden Falztafeln mit durchdringen. Die Unterhaltung dieser Dächer erfolgt in derselben Weise, wie bei den gewöhnlichen doppellagigen Asphaltpappdächern. Das Dach muss also in den ersten Jahren jedes Jahr einmal und später etwa alle 2 Jahre mit Asphaltdachlack gestrichen werden. Bei Dächern, die kein höheres Gefälle wie 1 : 4 haben, bei denen also auf 4 m Basis höchstens 1 m Steigung kommt, kann man die von Zeit zu Zeit vorzunehmenden Anstriche dadurch nach Möglichkeit einschränken, dass man das Dach sofort nach der Herstellung bei schönem trockenen Wetter mit heissem geschmolzenen echten Trinidad-Asphalt-Goudron streichen und dann unmittelbar nach dem Streichen, während dieser Ueberzug also noch warm und weich ist, durch einen anderen Arbeiter trockenen, gesiebten, staub- und lehmfreien feinen Kies oder grobkörnigen Sand von etwa 1 bis 3 mm Korngrösse aufstreuen lässt, so dass die Kieskörner in den noch weichen Goudronüberzug eindringen und die Dachfläche vollständig mit diesem leichten, dünnen, nur wenige Millimeter dicken Kiesbelag überall geschlossen bedeckt ist. – Bei einem so hergestellten Dach kann es lange Jahre dauern, ehe wieder ein Anstrich nötig wird. Entschliesst man sich zu einem solchen Anstrich mit heissem, geschmolzenem Goudron, so ist es zweckmässig, vorher bei der Deckung auch alle untergreifenden Ränder der Falztafeln und Kappstreifen mit heissem, geschmolzenem Goudron zu streichen und dann die übergreifenden Ränder fest anzudrücken, so dass dieselben also auf den untergreifenden Rändern fest kleben. – Diese Dächer aus Falzbaupappe „Kosmos“ Nr. 2 haben dieselben Vorzüge, wie die gewöhnlichen doppellagigen Asphaltpappdächer, sind aber leichter und einfacher herzustellen, da die beiden Lagen bereits zusammengeklebt sind, dies also nicht mehr auf dem Dach zu geschehen braucht. Auch sind sie noch dauerhafter, da sowohl zu der Flachschicht, wie zu den Falzen eine ganz vorzügliche Qualitätspappe verwendet ist und diese mit guter Asphaltmasse imprägniert ist. Der grösste Vorzug dieser Dächer besteht aber darin, dass durch die Hohlfalzen isolierende Luftschichten gebildet werden, wodurch eine Dämpfung des Schalles und Schutz gegen Wärme und Kälte erzielt wird.

Textabbildung, Bd. 314, S. 156
Textabbildung, Bd. 314, S. 156

Es ist oft erwünscht, eine Dämpfung des Schalles der in den angrenzenden Räumen stattfindenden Geräusche zu erzielen, wie z.B. bei Fabriken, Schulen u. dgl. Zuweilen ist die schalldämpfende Wirkung aber auch der Hauptzweck, z.B. bei der Herstellung von Telephonzellen. Soll eine besonders starke schalldämpfende Wirkung herbeigeführt werden, so lässt sich dazu die Falzbaupappe Nr. 3, also die mit zwei Flachschichten versehene Ausführungsform gut verwenden.

Als Schutz gegen Wärme und Kälte dienen bekanntlich Luftschichten.

In besonderen Fällen legt man Wert darauf, die Luftschichten im ruhenden Zustande anzuwenden. Denn ruhende Luftschichten haben bekanntlich ein ganz besonders geringes Wärmeleitungsvermögen. Deshalb schützen Körper mit ruhenden Luftschichten, also z.B. Stroh, wie allgemein bekannt, gegen Hitze und Kälte. Zu diesen Körpern gehören auch die Falzbaupappen „Kosmos“. Bei ihrer Verwendung entstehen durch die gegen die betreffenden Wandungen kommenden Hohlfalzen lange schmale Hohlräume. Wird nun besonderer Wert auf Schutz gegen Hitze und Kälte durch ruhende Luftschichten gelegt, so ist dafür zu sorgen, dass die Luft in den Hohlfalzen sich in ruhendem, also nicht in bewegtem Zustande befindet. Zu diesem Zwecke werden die Hohlfalzen an beiden Enden zweckmässig verkittet oder auf andere geeignete Weise verschlossen.

Zum Schluss sei noch angeführt, dass sich die Pappen mit Vorteil auch zur Umhüllung von Rohren zum Schütze gegen Wärme und Kälte verwenden lassen.

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