Titel: Ein neues Acetylen-Laternen-System.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 314/Miszelle 2 (S. 30–31)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj314/mi314mi02_2

Ein neues Acetylen-Laternen-System.

Man ist immer mehr und mehr bestrebt, die Konstruktion der Acetylenlaternen nach Möglichkeit zu vereinfachen. Es sind nun auch wirklich gute Erfolge zu verzeichnen, doch muss zugestanden werden, dass bis zur Vollkommenheit derselben noch manches zu wünschen übrig bleibt.

Die Hauptübelstände, besonders bei Fahrrad- und Wagenlaternen, sind die jedesmalige umständliche, übelriechende Einfüllung des Karbids, und die unreinliche und langwierige Entleerung |31| des Karbidbehälters, sowie die schlechte Ausnutzung des Gases, weshalb man sich nicht wundern darf, dass die Acetylenfahrzeuglaternen in bisheriger Form eine Menge Gegner besitzen.

Wie wir nun erfahren, haben die Süddeutschen Metallwerke, Schad, Herbst und Co. in Mannheim einen Acetylenbeleuchtungsapparat geschaffen, der diese Uebelstände beseitigt, und alle Eigenschaften in sich vereinigt, die bei einem vollendeten Gebrauchsgegenstand vorhanden sein müssen.

Textabbildung, Bd. 314, S. 31
Textabbildung, Bd. 314, S. 31

Bei diesem neuen, im In- und Auslande geschützten System, welches für Laternen, sowie auch für Lampen verwendet wird, und bei Fahrzeuglaternen bereits in Anwendung ist, ging diese Firma von dem Gedanken aus, dass der Benutzende mit dem Karbid absolut nichts zu thun haben dürfe, sondern es müsse ihm solches in Formen befindlichen bestimmten Quanten zur Benutzung gegeben werden. Auch Reinlichkeit, Mühelosigkeit, grösste Ausnutzung des Lichteffektes sind in Erwägung gezogen worden. Wir wollen diese Laterne, „Patronen-Laterne“ genannt, kurz beschreiben:

Die in gefälliger Form gearbeitete Laterne (Fig. 1 und 2), erstere für Fahrräder, letztere für Motorwagen, besitzt keinen Karbidbehälter, wie andere derartige Apparate, sondern einen vollständig freien Raum, in welchem eine Karbidpatrone zur Benutzung angebracht wird. Diese Patrone (Fig. 3) steht von allen Seiten frei in der Laterne, sie ist also ohne Behälter, absolut gasdicht und besitzt ein elegantes Aeussere. Ihr Inhalt ist genau normiert; derselbe wird bei Fahrradlaternen z.B. für 2 Stunden Brenndauer voll ausreichen; für Motorwagenlaternen ist er bis zu 6 Stunden vorgesehen.

Textabbildung, Bd. 314, S. 31

Nach einmaliger Ausnutzung der Patrone, und das ist von grösster Wichtigkeit, kann solche fortgeworfen und an ihre Stelle sofort eine neue gebracht werden. Trotz alledem kann die Patrone für Wagenlaternen, vermöge ihrer Stärke fortlaufend benutzt werden, selbst die billige Patrone für Fahrradlaternen kann sogar einigemal verwendet werden, sobald man besonders sparsam sein will. Die frei stehende Patrone wird von der Luft ständig abgekühlt, die Hitze wird demgemäss auf das kleinste Mass beschränkt, was dem guten Brennen der Laterne während der Fahrt sehr förderlich ist, ein Vorzug, den bis jetzt wohl keine Laterne besitzt.

Noch besonders hervorzuheben ist, dass der Karbidschlamm die fest verschlossene Patrone nicht übersteigen kann und überhaupt nicht sichtbar ist; sie ist selbst nach Benutzung noch vollständig rein.

Das hochstehende Wasserbassin ist mit Präzisions-Tropfapparat versehen, wodurch, ohne Anwendung eines Drahtes zur Wasserzufuhr, ein sicherer feiner Tropfenfall erzielt wird. Der Gasweg ist hier von anderen Systemen vollständig abweichend, und so eingerichtet, dass ein Ueberdruck nahezu unmöglich ist. Die Patrone ist derart konstruiert, dass dieselbe rasch ein- und ausgeführt werden kann, was dadurch geschieht, dass die beiden Deckel aus Pappe, mit denen die Patrone verschlossen ist, entfernt werden. Die Patrone wird jetzt am Boden der Laterne eingeführt und mittels Verschlussschraube gegen Gummidichtungen gepresst.

Die Karbidpatrone wird in verschiedenen Grössen für Fahrräder, Motordreiräder, Motorwagen und Pferdegespanne angefertigt, dieselbe ist, wie schon erwähnt, vollständig gasdicht und für bestimmte Zeit berechnet. Der Verbrauch des Gases ist ein sparsamer, und die Patrone ist leicht mitzuführen, während bei Kessellaternen das offene Karbid mitgenommen werden muss.

In dieser Hinsicht ging zwar R. O. Fischer in Barmen bei seiner Loreley-Laterne (vgl. D. p. J. 1899 313 188 Fig. 187) schon einen Schritt vorwärts, indem er das Karbid in Beutelpackung in den Karbidbehälter bringt, während M. Retemeyer in Berlin Patronen verwendet (vgl. D. p. J. 1899 313 188 Fig. 186), welche in die Lampe eingelegt werden.

Zu erwähnen ist noch, dass die Nachentwickelung durch die Art der Konstruktion dieser Patronen-Laterne nur in geringem Masse erfolgen kann.

Die Regelung der Wasserzufuhr geschieht wie bei anderen Systemen mittels der Schraube a, welche langsam nach links gedreht wird, wodurch der Tropfapparat in Thätigkeit tritt und genau eingestellt werden kann, was von grosser Bedeutung für eine gleichmässige Flamme ist.

h.

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