Titel: Graphitschmiervorrichtung für Gebläsecylinder.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 314/Miszelle 3 (S. 48)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj314/mi314mi03_3

Graphitschmiervorrichtung für Gebläsecylinder.

Die Cylinder von Gebläsemaschinen werden gegenwärtig in der Weise mit Graphit geschmiert, dass der Graphitstaub von Hand während des Saugens unmittelbar vor den Saugventilen oder -klappen in den Saugraum geworfen wird.

Dabei gelangt nur ein Teil des Graphits in den Cylinder und erfüllt seinen Zweck, während der andere Teil nach unten fällt und im Saugrohr ungenützt liegen bleibt.

Diesem unvollkommenen, nicht sparsamen und unsicheren Schmierverfahren abzuhelfen, ist der Zweck der nebenstehend abgebildeten Vorrichtung, welche von der Firma Dreyer, Rosenkranz und Droop in Hannover ausgeführt wird (D. R. G. M. Nr. 87772).

Die Schmiervorrichtung besteht aus einem Gefäss A zur Aufnahme des Graphitstaubes und einem Krümmer mit Hahn H. Das Gefäss ist oben luftdicht verschliessbar und unten trichterförmig gestaltet, so dass der Graphitstaub bequem in die 10 mm weite Bohrung des Krümmers gleiten kann. Der Krümmer wird mit seinem wagerechten Ende entweder an den Indikatorstutzen oder an eine besonders hierzu am Gebläsecylinder angebrachte Warze angeschraubt.

Textabbildung Bd. 314, S. 48

Bei geschlossenem Hahn wird das Gefäss mit Graphitstaub gefüllt, oben bei D wieder zugeschraubt und dann der Hahn geöffnet. Es steht nun das Innere des Gefässes mit dem Cylinderraum C in Verbindung. Während der Druckdauer strömt nun die gepresste Luft vom Cylinder aus durch den Hahn in das Innere des Gefässes, so dass der Graphit aufwirbelt und im Gefäss eine Staubwolke bildet. Jedoch kommt der Graphitstaub, sobald die Luft L im Cylinder und Gefäss die gleiche Pressung hat, zur Ruhe und sinkt zu Boden, auf diese Weise die untere trichterförmige Oeffnung des Gefässes dicht verschliessend.

Bei dem nun folgenden Saugen dehnt sich die im Gefäss über dem Graphitstaub befindliche Pressluft aus und drückt einen Teil des Graphits in den Cylinder. Dieses Spiel wiederholt sich so lange, bis das Gefäss ganz von Graphitstaub entleert ist. Auf diese Weise wird der gesamte Graphit ohne jeglichen Verlust in den Cylinder gefördert.

Für jeden Cylinder sind zwei Graphitschmiergefässe erforderlich. Jedoch lässt sich auch ein Schmiergefäss für beide Cylinderseiten verwenden. Es sind dann zwei Hähne oder ein Dreiwegehahn erforderlich. Am zweckmässigsten ist jedoch die Verwendung von zwei Gefässen, um die langen Rohrzuführungen zu vermeiden.

Anstatt des Krümmers kann auch ein gerades oder spitz- oder stumpfwinkeliges Rohr mit Hahn ausgeführt werden, je nachdem die Anbringung des Gefässes am Gebläsecylinder dies erfordert.

Bei Verwendung dieser Graphitschmiervorrichtungen ist man sicher, dass aller Graphitstaub in den Cylinder gelangt.

Die bisher verwendete Graphitmenge kann deshalb mit Rücksicht auf den mit dem alten Schmierverfahren verbundenen bedeutenden Verlust ganz wesentlich verringert werden.

Die Schmiergefässe gewährleisten deshalb eine erhebliche Ersparnis an Graphit bei erhöhter Betriebssicherheit der Gebläsemaschinen und helfen einem längst gefühlten Bedürfnis ab.

Der Gewindezapfen bei C hat 21 min Durchmesser, so dass ½ Zoll Gasgewinde oder ¾ Zoll Whitworth-Gewinde, je nach Bestellung, angeschnitten werden kann.

Im allgemeinen macht die Einführung des Graphits als Schmiermaterial nur sehr langsame Fortschritte in Deutschland, obwohl die Anwendung desselben zu diesem Zwecke sehr vorteilhaft für den Maschinenbetrieb sich erweist. Die Abneigung ist aber begründet durch das grosse Angebot geringer Sorten, die äusserlich und für Nichtkenner gut aussehend zu Versuchen Veranlassung geben, die nicht günstig ausfallen. Zum Beispiel für Maschinenlager sollte nur feingemahlener Graphit genommen werden, der mindestens 90% reinen Kohlenstoffgehalt hat.

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