Titel: Verstellbarer Zeichentisch „Parallelo“.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1899, Band 314/Miszelle 2 (S. 111–112)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj314/mi314mi07_2

Verstellbarer Zeichentisch „Parallelo“.

Dieser in Fig. 1 bis 3 abgebildete Zeichentisch bezweckt, dem Zeichner gesundheitsschädliche Körper Stellungen zu ersparen, welche bisher nicht immer zu vermeiden waren. Die Benutzung liegender Reissbretter ist für Magen- und Verdauungsorgane nachteilig, weil dabei ein starker Druck auf sie ausgeübt wird, und Lunge und Herz werden durch die Thätigkeit an wagerechten Brettern gleichfalls gefährdet. Nun hat zwar das stehende Reissbrett einen Teil dieser Uebelstände beseitigt, aber die Notwendigkeit, stehend an ihm zu arbeiten, macht die Arbeit zu einer anstrengenden und ermüdenden, da das Arbeiten an einer fast senkrechten Fläche schwieriger, als an einer mehr geneigten ist. Besonders erfordert das Schreiben und das Arbeiten mit flüssigen Tuschen eine mehr wagerechte als senkrechte Lage der Zeichenebene, während es beim Entwerfen in Bleistift zur Erzielung eines besseren Gesamtüberblickes vorteilhafter ist, eine mehr senkrechte als wagerechte Fläche vor sich zu haben. Hieraus geht hervor, dass es für verschiedene Arbeitsprozesse von besonderer Wichtigkeit ist, geeignete Schräglagen nach Belieben einstellen zu können.

Textabbildung, Bd. 314, S. 111

Nach diesem Prinzip ist nun der von A. Martz in Stuttgart in den Handel gebrachte Zeichentisch (Patent Hirth) konstruiert. Derselbe zeichnet sich besonders dadurch aus, dass, wie beistehende Figuren zeigen, das Reissbrett i mit vier ein Parallelogramm bildenden, drehbaren Trag- und Führungsarmen abc am Gestell befestigt ist. Der Tisch schwingt geräuschlos auf und ab und hält infolge seiner eigenen Schwere und der verstellbaren Gegengewichte an jedem gewünschten Punkte fest. Das Zeichenbrett |112| kann also in jeder beliebigen Stellung, sowohl in senkrechter, wagerechter, als auch in schräger Lage eingestellt werden.

Um dieses zu erreichen, ist in dem oberen Teil des Fusses k eine Welle drehbar gelagert, auf welcher die beiden Hebel aa aufgekeilt sind, deren entgegengesetzte Enden mit der Grundplatte f, welche das Reissbrett trägt, drehbar verbunden sind. Neben diesen Hebeln a sind auf derselben Welle auch die beiden Hebel cc angeordnet, jedoch sind diese nicht fest, sondern drehbar auf der Welle und können je nach Bedarf mittels Handrädchen dd ebenfalls auf der Welle befestigt werden. Mit diesen Hebeln c sind nun am oberen Ende derselben die zwei weiteren Hebel bb drehbar, deren entgegengesetzte Enden, gleich denen von a, mit der Grundplatte f gelenkig verbunden sind.

Textabbildung, Bd. 314, S. 112

Um nun das Reissbrett in der gewünschten Lage in Schwebe zu halten, ist an jedem Ende der Welle, welche die Hebel a und c trägt, ein mit Gegengewicht ll1 versehener Flansch vorgesehen, auf welchem die Gewichte nach links oder rechts verschoben, und mittels Stift m in ihrer Lage gesichert werden (Fig. 1 und 2).

Textabbildung, Bd. 314, S. 112

Um jetzt einer unbeabsichtigten Drehung der Welle und somit der Hebel a und b vorzubeugen, wird erstere mittels Bremsschraube p festgestellt, während, wie schon erwähnt, die Hebel c mittels Handrädchen d auf der Welle gesichert werden.

Soll das Reissbrett nun eine flachliegende Stellung (Fig. 3) erhalten, so werden die Gegengewichte nach aussen und zwar so gestellt, dass diese eine gerade Fortsetzung der Welle bilden, und somit ausser Thätigkeit sind. Nun werden die Bremsschrauben d und p gelöst, so dass sich die Hebel c um ihre Welle, dagegen diejenigen a samt der Welle drehen können, wonach die Schraube p, sowie diejenigen d wieder festgezogen werden, wodurch die Hebel c und a in ihrer neuen Lage gesichert sind.

Zu erwähnen ist noch, dass dieser Zeichentisch zur günstigen Ausnutzung des Lichtes in seinem Fuss drehbar ist, was, wie die Praxis ergeben hat, kein zu unterschätzender Vorteil ist. Durch Anziehen der Handschraube q kann die Drehung verhindert werden.

Da es nun häufig der Fall ist, dass der Zeichner aus irgend einem Grunde seine Arbeit unterbrechen muss, um an einer anderen Zeichnung weiterzuarbeiten, musste an den bisherigen Brettern die Zeichnung vom Reissbrett abgenommen werden, da das Reissbrett von dem Gestell nicht abgenommen werden konnte. Das Reissbrett auf dem „Parallelo“ kann mühelos mit jedem annähernd das gleiche Format besitzenden Reissbrett ausgewechselt werden, da die Gegengewichte ll1 entsprechend verstellbar sind. Die Reissschiene h wird während des Abhebens des Brettes einfach zurückgeschlagen und nach Auflegen des neuen Brettes wieder vorgelegt. Ein besonderes Einstellen der Schiene ist nicht nötig. Dieselbe ist mit einer Auflageleiste für Zeichnenwerkzeuge und mit einer an derselben befindlichen Nute für Winkel versehen, sie ist frei pendelnd mittels Kupferdrähte o an den oberen die Aufzugsfeder enthaltenden Rollen aufgehängt und lauft spielend leicht und genau parallel auf und ab, hält jedoch an jedem gewünschten Punkte. Durch diese Anordnung sind die Uebelstände des Reissschienenarrangements an den seitherigen Vertikalreissbrettern umgangen, ein Verziehen der Reissschienenschnur oder Sperren der Reissschiene ist ausgeschlossen.

Der gusseiserne Fuss k hat eine Grundfläche von 0,8 × 0,8 m, so dass ein Festschrauben des ganzen Apparates auf dem Fussboden nicht nötig ist. Das Zeichenbrett ist aus Pappelholz mit Hartholzeinschubleisten, die Schiene h aus Birnbaum gearbeitet und mit zugeschärfter Ebenholzkante versehen. Der Apparat wird in zwei Grössen ausgeführt und benötigt eine Grundfläche von 1,5 × 1,0 bezw. 2,0 × 1,25 m und eine Höhe von 2,5 bezw. 2,8 m; das Gewicht desselben beträgt rund 250 kg.

–h.

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