Titel: Windmotoren auf der Pariser Weltausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316 (S. 246–251)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/ar316054

Windmotoren auf der Pariser Weltausstellung.

Von E. Lufft.

Von den verschiedenen von der Natur dem Menschen zur Verfügung gestellten Arbeitsquellen sind es heutzutage fast ausschliesslich nur zwei, welche zu technischer Verwendung gelangen: die chemische Energie der Brennstoffe und die in den Wasserkräften der Erde frei werdenden Energiemengen. Aber sowohl die eine wie die andere dieser Energiequellen besitzt den Nachteil einer quantitativen Beschränkung, welche gegenüber den sich durch den Fortschritt der Kultur und die Zunahme der Bevölkerung steigernden Ansprüchen nicht stand zu halten droht. Wenn es z.B. schon ziemlich feststeht, dass in etwa 50 Jahren in England eine Erschöpfung der dort geförderten Kohle eingetreten sein wird, und wenn in manchem industriereichen Lande schon jetzt eine nahezu völlige Ausnutzung der vorhandenen Wasserkräfte stattfindet, so ist es mehr als bloss eine Frage der Wirtschaftlichkeit, die den Menschen zwingt, sich nach anderen Kraftquellen umzusehen.

So fangen namentlich die in den Luftströmungen unserer Erde sich äussernden ungeheuren Energiemengen an, mehr und mehr Beachtung zu finden, und wenn auch das Bestreben, Teile dieser Energiemengen auszulösen und in motorische Kraft umzusetzen, bereits vor 500 Jahren eine praktische Lösung im Baue der Bockwindmühlen gefunden hat, so blieb es doch erst der neuesten Zeit vorbehalten, einen Windmotor zu erzeugen, der weitergehenden Ansprüchen Rechnung trägt. – Seit auf der Weltausstellung in Philadelphia der amerikanische Windmotor auf dem Weltmarkt erschien, haben die Bemühungen der Konstrukteure um Vervollkommnung dieser Motorgattung nicht mehr geruht, und es dürfte von Interesse sein, an Hand der auf der letztjährigen Weltausstellung vorgeführten Windmotoren zu konstatieren, welche Früchte bis jetzt ein solches Bestreben gezeitigt hat.

Zunächst muss bemerkt werden, dass Paris zur Vorführung von Windmotoren im Betrieb ein recht ungünstiger Ort ist, welcher mit einem Jahresdurchschnitt von 2,1 m Windgeschwindigkeit ganz erheblich hinter der sonst für eine vorteilhafte Ausnutzung der Windkraft in Betrachtkommenden Geschwindigkeit zurückbleibt. Als eine solche darf für den europäischen Kontinent eine Geschwindigkeit von 4 m im Mittel angenommen werden. Daher rührt es auch, dass die meisten der ausgestellten Windräder entweder leer umliefen oder doch nur ganz geringe Arbeitsleistungen auszuführen hatten, welche ihnen erlaubten, sich selbst beim leisesten Winde umzudrehen. So liess ein amerikanischer Aussteller durch einen grossen, in ein Fass eintauchenden Holzkolben Wasser aus diesem Fass in ein grösseres, das erstere umgebende Fass ausgiessen. Da das gepumpte Wasser von unten her selbstthätig wieder zulaufen konnte, und dadurch das Windrad in der Hebearbeit des Kolbens unterstützte, so war dem grossen Publikum bei einem minimalen Aufwand an mechanischer Arbeit das Schauspiel einer Förderung ganz beträchtlicher Wassermengen selbst bei leichtestem Wind vorgespiegelt.

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Der eigentliche Ausstellungsplatz für Windmühlen war selbstverständlich in Vincennes. Die hinter dem sehr hohen Gebäude der Agrikulturabteilung auf dem Marsfelde aufgerichteten französischen Windräder boten nichts Bemerkenswertes und wurden an dem sehr ungünstigen Platze wohl von den wenigsten beachtet, wogegen sich im Annex von |247| Vincennes die dortigen leichten und eleganten, zum Teil recht hoch aufgebauten Windräder weithin bemerklich machten, und in wirksamem Kontrast zu der viel besungenen alten Windmühle von La Galette, deren nahezu 10 m lange, fragmentarische Flügelarme vom höchsten Punkte des Montmartre herübergrüssten, von den Fortschritten der Technik auch auf diesem Gebiete mit beredter Sprache zeugten.

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Die heutzutage noch im Vordergrunde stehende Verwendung zum Betriebe von Pumpen zeigten die zahlreichen am Lac Daumesnil aufgestellten Windmotoren. Hier fiel durch seinen grünen Anstrich der eiserne Turm des Windmotors von Duke and Akenden, London, System Dando, auf, mit Profillinien, wie sie vom Eiffel-Turm her bekannt sind, welche aber mit der Bekrönung durch ein Windrad nichts weniger als ästhetisch wirken. Die Schaufelung des Rades zeigte nicht sehr zahlreiche, flach gekrümmte Blechschaufeln.

Von ähnlicher Konstruktion war der amerikanische Windmotor „Toronto“, der auf einem verzinkten Eisengerüst montiert war, welches aus einiger Entfernung den Eindruck vollkommener Filigranarbeit machte. Es drängte sich sofort die Frage auf, ob ein so schwacher Turm dem sich bei einigermassen heftigem Winde äussern-den Drucke widerstehen könne. Die Winkeleisen der Eckpfosten besassen noch nicht 4 mm Eisenstärke. Recht zweckmässig war die Art der Befestigung der Diagonalversteifung an den Eckpfosten (Fig. 1). Die Diagonalen bestanden aus 5 mm starken Drähten, deren verdickte Köpfe von den Klemmen k festgehalten wurden. Während das die Klemmen tragende Eckstück o eines oberen Fachwerkes auf dem Eckpfosten aufgenietet war, war das Eckstück u des nächst unten gelegenen Faches frei auf dem Winkeleisen verschiebbar, so dass mittels der Schraube s die Diagonalen dieses Faches beliebig nachgespannt werden konnten.

Eine beachtenswerte Neuerung bot die Windturbine Eolienne (Fig. 2) von E. Lebert in Le Mans, ein nach dem Prinzip der achsial beaufschlagten Wasserturbinen gebauter Motor. Der Luftstrom wird in einer kurzen Trichterform (auf beistehender Abbildung nicht enthalten) etwas gefasst und nach verhältnismässig geringer Ablenkung durch die Schaufeln des Leitrades dem Laufrade zugeführt. Der Motor wird von einem ungemein starken, fast plumpen Eisengerüst aufgenommen und überträgt seine Bewegungdurch eine von Kegelrädern angetriebene vertikale Welle. Zur Einstellung in den Wind besitzt der Motor eine Windrose w, wie sie von den Holländermühlen her bekannt ist. Gegenüber der Orientierung durch eine Windfahne bietet diese Methode den Vorteil, dass das ewige unstäte Hin-und Herschwanken des Windrades vermieden ist. Ausserdem erfolgt die Uebertragung der Windrosenbewegung auf den mit Stirnverzahnung versehenen Drehtisch d unter einem so grossen Uebersetzungsverhältnis, dass die von dem konischen Getriebe herrührende rückwirkende Kraft ohne Einfluss auf die Einstellung des Drehtisches bleibt. Die sonst bei Windrädern beobachtete Regel, mindestens ⅓ der Radfläche für den freien Durchzug des Windes offen zu lassen, ist bei dieser Konstruktion nicht eingehalten. Der Umstand, dass Lauf- und Leitrad, selbst wenn sie völlig aus dem Winde herausgedreht sind, diesem doch noch eine ganz erhebliche Angriffsfläche bieten, macht die Eolienne für sturmreiche Gegenden nicht recht geeignet. Dagegen spricht die ökonomische Art der Ausnutzung der Windkraft für die Anwendung dieser Turbine in Gegenden geringer mittlerer Windgeschwindigkeit. Der Preis eines solchen Motors (ohne Turm) stellt sich auf 2500 Frs. bei 5 m Raddurchmesser und seine Leistung in gehobenem Wasser zu 4200 l in der Stunde bei 20 m Hubhöhe, was einer Leistung von etwa 0,3 PS entspricht. Dabei sind 6 m Windgeschwindigkeit vorausgesetzt.

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Wohl das grösste der ausgestellten Windräder war das aus Holzleisten gebildete Rad von Vidal Beaume in Boulogne s. S. (Fig. 3). Die automatische Regulierung ist diejenige des Eklipsesystems mit seitlich gestelltem kleinem Regulierflügel r. Bei wachsender Windstärke bewirkt der Druck auf diesen Regulierflügel ein Herausdrehen des Windrades aus der Windrichtung, während die grosse Windfahne f in derselben verbleibt. Durch das Gewicht g wird das Windrad bei abflauendem Wind in seine alte Stellung zurückgedreht. Diese Einrichtung, wie auch die Einzelheiten der Konstruktion weichen jedoch in nichts von der herkömmlichen, längst bekannten Form ab (vgl. Karmarsch und Heerens, Technisches Wörterbuchf Bd. 10).

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Weithin auffallend war die Ausstellung der Stover Manufacturing Company aus Freeport, Illinois, durch den hohen und schlanken vierpfostigen Stahlturm, welcher ein sogen.

Textabbildung Bd. 316, S. 248
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Idealwindrad trug. Zwischen die vier Ständer des Turmes war ein Kiosk eingebaut, in welchem die verschiedensten Ausführungen und Verwendungsarten dieses Motors zum Teil im Modell zu sehen waren. Wie aus beistehender Abbildung (Fig. 4) sich ergibt, besitzt das Rad dieser Idealwindmühle bei 9 Fuss (2,74 m) Durchmesser 15 flachgekrümmte, verhältnismässig weit auseinander gestellte Flügel aus Stahlblech, welche mittels Klammern mit den beiden hochkantig auf der Hadebene stehenden Radreifen vernietet sind. Die Verbindung nach der Nabe n („Spider“) geschieht durch Doppelarme aus Flachstahl, welche eine geringe, mit der Schrägstellung der Flügel übereinstimmende Verschränkung aufweisen. Das Windrad wird nach der Vernietung als Ganzes galvanisiert. Die Radachse a überträgt ihre Bewegung (Fig. 5 und 6) bei einer Uebersetzung von 2 : 1 auf die mit innerer Verzahnung ausgestattete Kurbelscheibek, welche durch drei Bohrungen b für den Kurbelzapfen die Möglichkeit bietet, den Hub des Pumpengestänges von 4 auf 6 oder 8 Zoll engl. zu verändern. Durch die Innenverzahnung wird erreicht, dass das Getriebe dem Einflüsse der Atmosphärilien thunlichst entzogen wird. Als mustergültig darf die Lagerung der beiden Getriebewellen bezeichnet werden, welche unter sorgfältiger Beobachtung einer möglichst gleichmässigen Druckverteilung erfolgt ist. Die Lager selbst sind mit Babbitt – Metall ausgebüchst. Um eine an der Rückseite des „Spider“ angebrachte Flansche f legt sich das Stahlband einer Bremse, welche automatisch bethätigt wird, sobald sich das Windrad bei zunehmender Windstärke aus dem Winde herauszieht. Die Regulierung der Windmühle auf konstante Leistung geschieht im Gegensatz zu der früheren unvorteilhaften Art mit einem Gewicht an langem Hebel hier durch eine kräftge Spiralfeder s, welche über die Drehachse der Windfahne geschoben ist. Letztere selbst ist durch vier Stahlschienen mit dem Motorengestell solid verbunden. Die Drehung des Motors um seine Vertikalachse geschieht um eine eiserne Röhre r, welche sich in einer Kugelpfanne bei p nach unten abstützt. – Ebenso wie sämtliche Mühlenteile sind auch die Gerüste für die Motoren galvanisiert. Die Türme werden vier- oder dreipfostig ausgeführt. Dreipfostige Türme bieten bekanntlich gegenüber vierpfostigen neben geringerem Kostenaufwand den Vorteil, dass eine besondere Horizontalversteifung nicht angebracht zu werden braucht, sowie dass die vertikalen Auflagerwiderstände statisch bestimmt sind. Diese Vorteile wiegen den etwaigen Einwand minder schönen Aussehens hinreichend auf. Die Diagonalverstrebung der Idealstahltürme (Fig. 7) wird durch Litzendraht bewirkt, welcher um kurze Bolzen geschlungen ist, welche in den Knotenpunkten der Eckpfosten befestigt sind (Fig. 8). Da diese Bolzen b an der Umschlingungsstelle kleine Exzenterscheibchen e tragen, so kann durch deren Verdrehung ein Nachspannen der Diagonalen um den Betrag der Exzentrizität herbeigeführt werden. Durch Anziehen der Mutter m wird die Stellung der Exzenterscheibe fixiert.

Textabbildung Bd. 316, S. 248
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Was die Kraftleistung der Idealwindmühlen anlangt, so gibt der Prospekt die Anzahl der Pferdestärken unter der Voraussetzung einer Windgeschwindigkeit von 15 engl. Meilen stündlich (= 6,7 m in der Sekunde) an, beispielsweise für ein Windrad von 9 Fuss Durchmesser (= 2,74 m) zu ⅔ PS. Der alte Fehler in diesen Angaben, eine über die normale weit hinausgehende Windgeschwindigkeit vorauszusetzen, welcher die Windmotoren schon oft genug in Misskredit gebracht hat, ist hierbei also wieder gemacht. Die mittlere Jahresgeschwindigkeit in den Vereinigten Staaten beträgt etwa 8 Meilen stündlich (3,5 m/Sek.), in Deutschland etwa 4 m/Sek. Da die Leistung der Windmühlen proportional der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit ist, so müssen |249| die Angaben obigen Prospektes auf ⅕ reduziert werden, wenn sie mit den thatsächlich zu erwartenden Verhältnissen im Einklang stehen sollen.

Textabbildung Bd. 316, S. 249
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Die Freeport-Windmühle (Fig. 9), welche von derselben Firma gebaut wird, zeigt eine Konstruktion, welche in Anbetracht des für die Wartung von Windmühlen im allgemeinen zur Verfügung stehenden ungeschulten Personals etwas zu kompliziert erscheinen will. Die Triebwellen aus kalt gewalztem Stahl sind in zweiteiligen Babbitt-Metallbüchsen, von denen die längste 180 mm lang ist, gelagert, und können leicht ausgehoben werden. Das Getriebe besitzt äussere Stirnverzahnung mit 45 mm Zahnbreite (immer ein Rad von 9 Fuss Durchmesser vorausgesetzt). Der auf der Radwelle befindliche Triebling t zeigt die Eigentümlichkeit, dass er nicht wie sonst an dem dem Windrade entgegengesetzten Wellenende sitzt, sondern, mit der Radnabe u ein Stück bildend, auf der Windseite hydraulisch aufgezogen wird. An Stelle der Geradführung des Pumpengestänges mittels Querhaupt q (Fig. 5), wie dies bei der Idealwindmühle der Fall ist, findet bei vorliegender Konstruktion die Uebertragung der Kurbelstangenbewegung auf das Gestänge durch eine etwa 200 mm ausladende Schwinge y statt. Die am Spider befindliche Bandbremse bleibt bei der automatischen Regulierung offen und wird nur bei Ausserbetriebsetzung der Maschine durch denWärter bethätigt. Aus der Abbildung unmittelbar ersichtlich ist die Anordnung der Regulatorfeder f und deren Verbindung mit der Windfahne, ebenso die Anbringung eines Stossbuffers s unter dem Ausleger der Windfahne zur Abschwächung der Stösse zwischen dieser und dem Mühlenhaupt.

Von den von der Stover Company ausserdem für grössere Kraftleistun gen gebauten stärkeren Motoren verdient noch die Jünior-Kraftwindmühle (Fig. 10) besondere Beachtung. Die Einstellung in den Wind wird hierbei weder durch eine Windfahne, noch durch eine Windrose, sondern dadurch bewirkt, dass das Windrad hinter dem unterstützenden Gerüste rotiert, und so sich dem Winde selbstthätig darbietet. Die Ausbalanzierung des Radgewichtes erfolgt durch ein dem Winde entgegengehaltenes kugelförmiges Gegengewicht. Das bei den vorigen Konstruktionen beobachtete Regulierverfahren nach dem Eklipsesystem mit exzentrischer Anordnung, welche eine Konstanthaltüng der vom Motor zu leistenden Arbeit bezweckt, ist hier durch eine Regulierung mit Zentrifugalkraft zur Erhaltung konstanter Geschwindigkeit ersetzt. Dieses Regulierverfahren, bei welchem geringere Massen bewegt werden, arbeitet pünktlicher und weniger stossweise.

Textabbildung Bd. 316, S. 249
Textabbildung Bd. 316, S. 249

Ein näheres Eingehen verdient ferner der von der Aermotor Company, Chicago (in Deutschland vertreten durch Gebr. Koch in Halle a. S.), ausgeführte Windmotor. Die Flügel des Windrades bestehen wieder aus flachgekrümmten Stahlblechen, die je zu zweien samt ihren Nietlöchern aus der vollen Blechtafel ausgestanzt werden. Ueberhaupt lässt sich erkennen, dass die Verwendung ganz metallener Windräder mehr und mehr in Aufnahme kommt. Bei solider Verzinkung sind solche Räder mindestens ebenso witterungsbeständig wie hölzerne, wobei ihre dünnen Flügellamellen nicht in dem Masse wie die hölzernen Brettchen bei deren verhältnismässigen Dicke gewisse Oberflächenteile besitzen, auf welche der Winddruck eine der Raddrehung entgegengesetzte Kraftkomponente absetzt (Fig. 11). In solider Weise findet die Verbindung der Blechschaufeln mit dem äusseren Radreifen durch die Blechklemmen k (Fig. 12) statt1). Das Prinzip der automatischen Regulierung ist wieder das des Eklipsesystems, wobei ein zunehmender Wind druck das exzentrisch zur Turmachse gelagerte Rad mehr oder weniger aus dem Winde herausdreht und dabei die Spannkraft der Spiralfeder f (Fig. 13) überwindet. Das Hauptlager des Windrades befindet sich in einer Oelkammer o (Fig. 14), in der sich auch die den horizontalen Winddruck aufnehmenden bronzenen und stählernen Spurscheibchen s befinden. Neu ist die Ausbildung des Lagers zum Rollenlager. Eine die Welle umschliessende käfigartige Hülse h dient zur Aufnahme der Rollen, welche in ihr absolut parallel zur Welle geführt sein müssen. Am Ende dieser Welle sitzt ein kleines Stirnrad s (Fig. 13 und 15), das bei dem recht bedeutenden Uebersetzungsverhältnis von 3½ : 1 mit einem zur Kurbelscheibe ausgebildeten Zahnrad z im Eingriff steht.

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Die für dreierlei Hubgrössen angebrachten Bohrungen dieser Scheibe sind mit Babbitt-Metall ausgebüchst. Die Uebertragung der Kurbelbewegung auf das Pumpengestänge p erfolgt auch hier mittels einer Schwinge y, jedoch so, dass die Entfernung des Lagermittels in der Kurbelscheibe vom Gestängemittel nur 50 mm beträgt. Die Regulatorfeder f ist in ersichtlicher Weise an der Windfahne einerseits, an dem Hebel b andererseits befestigt, wobei letzterer mit einem Drahtzug in Verbindung steht, welcher dem Mühlenwärter erlaubt, das Windrad jederzeit aus dem Winde zu ziehen. Durch Anziehen einer Schraube kann die Feder mehr oder weniger gespannt werden, wodurch sich die als normal angenommene Tourenzahl von 40 minutlichen Umdrehungen beliebig ändern lässt. Die Windfahne aus Stahlblech besitzt eine gefällige Form und ist in wirksamer Weise gegen den Motor abgestützt. Der Preis eines solchen Aermotors von 16 Fuss engl. Baddurchmesser (4,88 m) stellt sich auf 1100 Mk. bei ca. 900 kg Gewicht, derjenige eines zugehörigen Turmes von 15 m Höhe auf 1150 Mk.

Textabbildung Bd. 316, S. 250
Textabbildung Bd. 316, S. 250
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Für den Betrieb von Maschinen mit rotierender Welle liefert die Aermotor Company eine Kraftwindmühle nebenstehend abgebildeter Bauart. Die Umdrehungszahl des Windrades wird durch ein Zahnradvorgelege, das für den Fall einer Reparatur sich leicht abheben lässt, auf das Sechsfache übersetzt. Die damit erreichte ganz bedeutende Umdrehungszahl (bis 600 Touren in der Minute) der durch die Höhe des ganzen Turmes laufenden Vertikalwelle bezweckt einmal, dass dieser Wellenstrang sehr leicht – und damit billig – gehalten werden kann, so dass wenig Reibungsarbeit verzehrt wird, und zum anderen, dass der Tendenz dieser rotierenden Welle, das Windrad aus dem Wind zu drehen, mit Leichtigkeit durch die Windfahne entgegengewirkt werden kann. Wieder sind bei allen Wellen, so auch der vertikalen Welle, Rollenlager verwendet. Ob diese, in der Herstellung gewiss recht kostspieligen Lager in der Praxis des Windmotorenbetriebs den in sie gesetzten Erwartungen entsprochen haben, ist dem Verfasser nicht bekannt. Fig. 16 zeigt bei f die Friktionsbremse, welche den Zweck hat, das Windrad im ausgerückten Zustand festzustellen. Das Anpressen der Friktionsscheibe gegen die Rückseite der Radnabe tritt selbstthätig ein, sobald bei der Regulierung dieRadfläche einen Winkel von beiläufig einem halben Rechten zur Windrichtung erreicht hat. Bemerkenswert ist die Anbringung der Leiter zur Besteigung des Aermotorturmes an einem der vier Eckpfosten. Die Stufen (Fig. 17) besitzen abgerundete, in der Handhabung sich als sehr bequem erweisende Formen. Dagegen kann nicht gerade behauptet werden, dass bei dieser Art der Anbringung der Leiter das Sicherheitsgefühl des sie Besteigenden sich erhöhe, zumal die Eckpfosten, wenigstens bei den leichteren Türmen, die Neigung zeigen, sich unter der Last des sie Besteigenden zu verdrehen.

Textabbildung Bd. 316, S. 250
Textabbildung Bd. 316, S. 250

In dem Prospekte der Aermotor Company, wie auch in denjenigen mancher anderen Firmen ist viel die Rede von der Zukunft, die den Windmotoren erwachsen werde, sofern sie zum Betriebe elektrischer Anlagen benützt werden. Die bei der Verwendung der Windkraft sofort sich erhebende Frage, wie die etwa die Hälfte des Jahres ausmachende Zeit der windstillen Tage zu überwinden wäre, hat bis jetzt eine befriedigende Lösung noch nicht gefunden. Dass hierbei vor allem an die sich als Arbeitsakkumulator und zugleich für Zwecke der Aermotor-Kraftüb ertragung sehr passend erweisende turmes. elektrische Batterie gedacht wurde, liegt nahe. Jedoch scheinen die auf eine Umwandlung der Windkraft in elektrische Energie abzielenden Versuche, wenigstens zur Zeit der Ausstellung noch zu keinem befriedigenden Erfolge geführt zu haben. Die von Fränkel in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1899, Nr. 31 vorgeschlagene Methode der Kraftspeicherung durch Anlage eines hochgelegenen Teiches, welcher das Wasser für eine mit einer Dynamomaschine gekuppelten Turbine oder Peltonrad liefert, dürfte sich, weil kostspielig und kompliziert und mit vielem Effektverlust verbunden, nicht überall empfehlen. Beispielsweise wäre zur Ueberwindung einer Windstille von 14 Tagen, wenn eine Betriebskraft von 30 PS resultieren soll, ein Wasserbecken von 10500 qm Grundfläche und 6 bis 12 m Nutzhöhe erforderlich. Zur Anlage eines solchen Teiches werden sich die Lokalitäten wohl nur in seltenen Fällen als geeignet erweisen, ganz abgesehen davon, dass der Nutzeffekt der ganzen Anlage, welche einen Windmotor, eine Pumpe, eine oder zwei Rohrleitungen, einen Wassermotor, eine Dynamomaschine, eine oder mehrere Elektromotoren und verschiedene Leitungen in sich schliesst, bedeutend herabgestimmt wird.

In der neuesten Zeit jedoch scheint es dem Ingenieur Gustav Conz in Hamburg gelungen zu sein, Elektrizität direkt aus Windkraft zu erzeugen. Wie der Elektrotechnischen Zeitschrift 1900, Heft 41 zu entnehmen ist, war die Voraussetzung für das Gelingen der Versuche die Beschaffung einer Windturbine von bedeutenden Abmessungen sowohl betreffs der wirksamen Winddruckfläche als auch der unentbehrlichen grossen Schwungmassen. Von der Windturbinenfabrik in Wittkiel bei Kappein wurde hierzu ein Windrad von 12 m Durchmesser und 100 qm wirksamer |251| Fläche hergestellt, welches mit 11 minutlichen Umdrehungen bei etwa 9 m Windgeschwindigkeit 30 PS zu leisten im stande ist. Diese Arbeit wird durch eine Transmission auf eine 25pferdige Conz'sche Nebenschluss-Stahldynamo von 160 Volt, 120 Ampère bei 700 Umdrehungen pro Minute übertragen, welche ihren Strom an eine Batterie oder an mehrere angeschlossene Elektromotoren abgibt. Bei zeitweilig nachlassendem Winde wurde der Strom, um die Windturbine in vollem Gange zu erhalten, dem Akkumulator entnommen, so dass ein automatisches Ein- undAusschalten des Dynamoankers nicht nötig wurde. Die Anlage in Wittkiel dient zu dem Betrieb und der Beleuchtung der Neumann'schen Windmotorenfabrik und soll seit September letzten Jahres ohne jede Störung im Betrieb sein. Falls sich die hierbei gemachten Erfahrungen in vollem Umfange bewähren, so werden sich, das ist keine Frage, den Windmotoren eine Reihe von maschinellen Betrieben eröffnen, deren Gebiet bislang für eine Verwendung der Windkraft wegen der damit verknüpften prinzipiellen Mängel verschlossen war.

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Welche vermöge ihrer Form einem Verbiegen der Schaufeln entgegenwirken.

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