Titel: Ueber Deckenbauten.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316 (S. 581–586)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/ar316127

Ueber Deckenbauten1).

Die wichtigsten Gesichtspunkte, welche bei den verschiedenen auf der diesjährigen Ausstellung für Feuerschutz in Berlin ausgestellten neuesten Deckenbauten berücksichtigt wurden, zielen im wesentlichen darauf ab, bei geringer Konstruktionshöhe und grossen Spannweiten nicht nur die erforderliche Tragsicherheit zu erhalten, sondern auch durch die Natur des benutzten Baumaterials – vorwiegend Beton bezw. Kunststein und Eisen – sicheren Schutz gegen Rost und Feuer zu bewirken, ferner neben Schaffung grösserer, wirksamer und leicht verzierbarer, ebener Deckenflächen durch die geringe Konstruktionshöhe und Stärke der Decken an Umfassungs- und Scheidemauer werk und Treppen zu sparen, wodurch gleichzeitig auch grössere Raum- und Fensterhöhen, mithin mehr Licht- und Luftzuführung ermöglicht werden, und bei grossen Spannweiten die Zwischenträger entbehrlich und hierdurch gleichfalls Ersparnisse an Baumaterial und Trägereisen gemacht werden. Bei diesen Decken fallen die Deckenanker, die bei Gewölben unentbehrlich sind, ganz fort, ebenso auch die Deckenauffüllung, wodurch Ungeziefer, Rost, Fäulnis, Schwamm- und Pilzbildungen ausgeschlossen werden. Die neuen Deckenkonstruktionen, welche infolge der hohen Tragfähigkeit meist nur geringen Materialbedarf aufweisen, lassen sich einfach und schnell herstellen und können auch hinsichtlich des Preises mit der älteren feuergefährlichen Holzbalkendecke in erfolgreichen Wettbewerb treten. Wie weit diesen Forderungen genügt wird, soll im folgenden für einzelne der ausgestellten neueren Deckenbauten und zwar insbesondere mit Berücksichtigung vorhandener älterer Versuchsergebnisse dargelegt werden.

Was das Baumaterial anbetrifft, so ist mit Rücksicht darauf, dass bei genügender Tragfähigkeit auch Feuersicherheit gewährleistet wird, die Auswahl eine recht beschränkte. Es kommen hauptsächlich in Frage Gips, Magnesit, Cement, Kunststein aus Mörtel und Sand, Beton und Steine besonderer Beschaffenheit. Feuersichere, mit Schilfrohr oder Kokosfasereinlagen versehene Gipsdielen finden in ähnlicher Weise wie Drahtputzausführungen (Rabitz) besonders bei Umbauten und überall dort Verwendung, wo schnell, leicht und während des Winters gearbeitet werden soll; dieselben werden zur Herstellung von Zwischen- und Isolierwänden, Decken, Ventilationsschächten, Baracken, Wärterhäusern u. dgl. benutzt. Diese Gipsdielen, welche nagelfest sind, werden in Kalkgipsmörtel und abwechselnden Stossfugen versetzt und einseitig verputzt; dieselben lassen sich wie Holz nageln und auf jedes beliebige Mass zersägen.

Die im Jahre 1893 von Stude, Branddirektor, und Reichet, Brandinspektor, im Auftrage des Preisgerichts feuersicherer Baukonstruktionen angestellten Versuche haben für Gipsdielen ein günstiges Resultat ergeben (siehe den Bericht darüber, Berlin, Verlag von Julius Springer). Geprüft wurden die mit Nut und Falz versehenen Gipsdielen von A. und O. Mack in Ludwigsburg (Württemberg) und Berlin W., welche aus einer besonders präpariertenGipsmasse bestehen und durch Beimischung von porösen und festbindenden Stoffen (Haaren, zerkleinertem Kork u.s.w.), sowie durch Einlage getrockneten, keimfreien Rohres (Schilfrohr, Bambus) eine grosse Leichtigkeit und Zähigkeit erhalten. Die Gipsdielen werden gewöhnlich in einer Länge von 2,5 m, einer Breite von 20 bis 25 cm und in Stärken von 2,5 bis 12 cm hergestellt; sie lassen sich wie Holz sägen und nageln. Es kommen volle und hohle Gipsdielen, letztere mit röhrenartigen Hohlräumen, zur Verwendung. Von den angestellten Versuchen soll nur die hier besonders in Frage kommende Deckenkonstruktion nach dem eben genannten Bericht besprochen werden (Fig. 1 bis 4).

Textabbildung Bd. 316, S. 581

Im ersten Stockwerk sind danach zwischen 83 cm auseinanderliegende -Träger (N. P. 21) 10 cm starke Hohlgipsdielen mit Nut und Falz Mack's Gipsdielen, eingelegt, so dass die Gipsdielstücke etwa 1 cm über Unterflansch des Trägers vorstehen; die Trägerflansche sind mit Drahtgewebe überspannt, und die ganze untere Fläche ist mit einem etwa 1 cm starken gewöhnlichen Mörtelputz (nicht Gipsputz) versehen. Auf die Gipsdielen ist eine Sandschüttung aufgebracht. Die eine Hälfte der so hergestellten Decke hatte darüber als Fussboden eine 6 cm starke Cementbetonschicht mit 7 mm Rundeiseneinlage, darüber einen 2 cm starken Cementglattstrich zur eventuellen Aufnahme von Linoleum; die andere Hälfte des Fussbodens war mit 17 mm starken Xylolithplatten belegt, welche auf 50 cm voneinander entfernt liegende 10 × 10 cm starke Lagerhölzer aufgeschraubt waren. Die Versuchsdauer betrug 40 Minuten, Temperatur über 1100° C.

Textabbildung Bd. 316, S. 581

Zwei nebeneinanderliegende Träger waren zusammen in der Mitte mit einer Einzellast von 1000 kg belastet. Der übrige Teil der Decke war erheblich belastet durch herabgestürzte Balken und durch Schutthaufen. Die Träger tragen 5,8 m frei. Nach dem Brande erfolgte die Ablöschung des Raumes mittels eines Rohres der Dampfspritze, wobei der Strahl auch gegen die Decke gerichtet wurde. Die Deckenkonstruktion zeigte sich nach erfolgter Ablöschung in ihrem Zusammenhange unverändert. Der Deckenputz war fast überall herabgefallen, die Gipsdielen lagen frei, zeigten aber keinerlei Veränderungen. Die beiden in der Mitte mit zusammen 1000 kg belasteten Träger zeigten an dieser Stelle eine geringe Durchbiegung, welche jedoch auf die Festigkeit der Konstruktion von keinem Einflüsse war; die unteren Flansche dieser beiden Träger lagen frei.

Nicht minder günstig waren die Ergebnisse bei einer zweiten Decke, dem Fussboden und bei den Ummantelungen |582| eiserner Säulen. Das Urteil des Preisgerichts lautete:

„Die Mack'schen Gipsdielen haben sich bewährt; die mit denselben ausgeführten Baukonstruktionen müssen als absolut feuersicher bezeichnet werden. Die Gipsdielen eignen sich ganz besonders zur Ausstakung von Decken. Auch ist es leicht, mit diesem Material feuersichere Räume in bereits stehenden Gebäuden herzustellen. – Als Schutzmittel für Eisenkonstruktionen haben sich die Gipsdielen vollständig bewährt. Das Drahtputzverfahren hat wohl dem Feuer, aber nicht den Wirkungen des zum Löschen verwendeten Wassers absoluten Widerstand geleistet. Es kann aber sehr wohl bei einem grossen Feuer vorkommen, dass die Flammen auch Punkte wieder erreichen, an denen schon vorher gelöscht war. Ausserdem erscheint bei dem Drahtputzverfahren eine innigere Verbindung der beiden Mörtelarten wünschenswert; ob dies bei der Verschiedenheit der Materialien möglich ist, muss zunächst noch dahingestellt bleiben. – Die Fussböden aus Cementbeton bezw. Gipsestrich haben sich sehr gut bewährt; dieselben entsprechen den in dem Preisausschreiben gestellten Bedingungen in vollstem Umfange.“

Aehnliche Eigenschaften wie die Gipsdielen besitzen die Magnesitplatten. Nach den Versuchen der königlichen Prüfungsstation für Baumaterialien in Berlin ist über die

Textabbildung Bd. 316, S. 582

Leistungsfähigkeit und Haltbarkeit der Magnesitplatten folgendes zu berichten:

Ermittelte Bruchfestigkeit der Platten aus 10 Versuchen bei den Abmessungen der Platten 18. 18. 2 cm

Der Härtegrad ist nach der Mohs'schen Skala 7 (Quarz). Die Versuche auf Kohäsionsbeschaffenheit ergaben ein dichtes und gleichförmiges, schuppiges Gefüge in gelblich-weisser Färbung, durchzogen von vielen kleinen Holzfaserpartikelchen.

Die Versuche auf Abnutzbarkeit ergaben für 30 kg Belastung des Probestückes von 50 qcm Schleiffläche, 450 Umgänge der Schleifscheibe (unter Anwendung von 20 g Naxosschmirgel Nr. 3 auf je 22 Scheibenumgänge) für den Schleifradius von 22 cm und dem Eigengewicht der beiden Probestücke von I: 158,7 g; II: 160,4 g mit dem spezifischen Gewicht von 1,495. –

Die Abnutzung für den Versuch I:

für den Versuch II:

Zur Untersuchung, der Wetterbeständigkeit des Materials wurden 6 Proben

  • 1. im Wasserbade allmählich bis auf Siedehitze gebracht, einige Zeit auf dieser Temperatur erhalten und durch Einwerfen in kaltes Wasser plötzlich abgekühlt.
  • 2. Eine Stunde mit 15 % Kochsalzlösung gekocht und in dieser Zeit öfter plötzlich abgekühlt; das Wasser blieb hierbei vollkommen klar.
  • 3. Eine halbe Stunde mit 5 % Natronlauge gekocht.
  • 4. Eine halbe Stunde in derselben Lösung unter Zusatz von 1 % Schwefelammonium gekocht.
  • 5. Eine halbe Stunde mit einer 2 % Eisenvitriol, 2 % Kupfervitriol und 10 % Kochsalz haltenden Lösung gekocht. – Die Probestücke blieben bei dieser Operation vollkommen intakt, ohne einen Gewichtsverlust und ohne eine Gefügeveränderung zu erleiden. – Ein während einer Stunde im Papin'schen Topfe gekochtes, im gespannten Wasserdampfe frei aufgehängtes Plattenstück blieb ebenfalls unverändert. In gleicher Weise verhielten sich die 20 für die Versuche auf Biegung nach der Beanspruchung durch Frost an der Luft und durch Frost unter Wasser benutzten Platten.
  • 6. Es wurden ferner 4 Bruchstücke dieses Materials gleichzeitig auf 125 Stunden in je 4 verschiedene, nachbenannte 3 % Säuren und 4 andere Bruchstücke auf 125 Stunden in dieselben, jedoch 5 % Säuren gelegt. Hierbei ergaben sich die Gewichtsverluste
    bei
    3 % Säure
    bei
    5 % Säure
    fürSalzsäureauf16,7 %17,4 %
    Salpetersäure12,8 %15,5 %
    Schwefelsäure15,3 %15,8 %
    Phosphorsäure 4,8 % 5,1 %
    Die verschiedenen Probestücke blieben auch hierbei intakt. Der Einfluss der Säuren zeigte sich am Gefüge durch eine schwache Abstumpfung der Schuppen. –

Die Beständigkeit des Materials gegen Witterungseinflüsse ergibt sich aus den Festigkeitsversuchen für wassersatte Proben:

durch die Atteste Nr. 8230 und Nr. 8236 mit , für Proben, welche nach zwölfstündiger Lagerung unter Wasser, durch Frost an der Luft beansprucht waren:

durch die Atteste Nr. 8230 und Nr. 8237 mit , und für Proben, welche dem Frost unter Wasser ausgesetzt waren:

durch die Atteste Nr. 8230 und Nr. 8238 mit .

Die Versuche zur Feststellung der Bearbeitungsmöglichkeit der eingereichten Platten ergaben, dass die Bearbeitung derselben mit sämtlichen, für die Bearbeitung von Holz üblichen Werkzeugen ausführbar ist. Auch lässt sich das Material nageln.

Behufs Ermittelung der Feuerübertragungsfähigkeit des eingereichten Materials wurden zwei Platten von je 18. 18. 2 cm auf 2 Stunden der Einwirkung einer Gasflamme durch einen Bunsen'schen Brenner gegen die Plattenfläche 18. 18 cm ausgesetzt, ohne Entzündung und ohne Ausbröckelungen zu erleiden. Die Platten blieben intakt, verkohlten jedoch an den von der Flamme direkt getroffenen Teilen, ohne Glut auf die übrigen Teile der Platten zu übertragen. Die verkohlten Teile waren mit dem Fingernagel abkratzbar.

Die eingehende Prüfung auf Feuersicherheit der Magnesitplatten hat nach dem Bericht über die am 9., 10. und 11. Februar 1893 in Berlin vorgenommenen Prüfungen feuersicherer Baukonstruktionen (S. 27 und 28) folgendes Ergebnis gehabt:

Die Masse, woraus die sogen. „Magnesitplatten“ hergestellt werden, besteht in der Hauptsache aus gebranntem und pulverisiertem Magnesit. Unter Zuführung von Chlormagnesiumlösung und Sägespänen in genau bestimmten Mengen wird die Masse innig gemischt und in breiartigem Zustande auf Holzplatten geleitet. Die Herstellung der Platten geschieht schichtweise unter Einbringung von weitmaschiger Juteleinwandeinlage. Diese Einlagen gewähren den Platten Elastizität und Widerstandsfähigkeit gegen Bruch, während der obengenannte Zusatz von Sägespänen denselben leichte und bequeme Bearbeitung sichert. Die Platten lassen sich zersägen, leicht bohren und nageln.

Behufs Erprobung dieses Materials wurde eine bereits vorhandene Bretterwand auf beiden Seiten mit 15 mm starken Magnesitplatten bekleidet und zwar in einer Ausdehnung |583| von 19 qm auf jeder Seite. Die Platten waren auf die Bretterwand aufgeschraubt. Die Versuchsdauer betrug 1 Stunde 10 Minuten. Die Wand wurde auf beiden Seiten gleichzeitig vom Feuer beansprucht, wobei die Temperatur auf über 1000° C. stieg. Nach dem Brande waren die Magnesitplatten zum grössten Teile von der Wand abgesprungen, die Bretter lagen frei und waren stark angekohlt, stellenweise sogar ganz weggebrannt. Es geht hieraus hervor, dass die Platten nicht erst beim Anspritzen losgesprungen sind, sondern bereits durch das Feuer zerstört worden waren. In dem zweiten Raume, in welchem die Temperatur auf 850 bis 900 ° 0. kam, hatte sich die Magnesitplattenbekleidung der Bretterwand wohl infolge der niedrigeren Temperatur besser gehalten. Dieser Raum war als Wohnzimmer gedacht und eingerichtet; es standen an der zu prüfenden Wand ein Sofa und zwei mit Brennholz angefüllte Spinden. An den Stellen nun, wo diese Möbel gestanden hatten, war auch die Magnesitverkleidung der Bretterwand vernichtet, während der übrige Teil der Wand fast unversehrt geblieben war.

Bei einer gewöhnlichen Stubenthüre, welche auf einer Seite ebenfalls mit 15 mm starken Magnesitplatten bekleidet worden war, waren letztere bei einer Temperatur über 1000 ° C. in der oberen Hälfte der Thüre völlig zerstört, die Thürfüllungen an zwei Stellen durchgebrannt.

Ferner wurde bei derselben Temperatur ein freiliegender hölzerner Unterzug im Erdgeschoss des Versuchsgebäudes in einer Länge von 6,5 m mit 20 mm starken Magnesitplatten umkleidet. Die Platten waren nach dem Brande unbeschädigt, nach Losschlagen einzelner derselben zeigte sich das Holz des Unterzuges vollkommen intakt. Das Urteil des Preisgerichts lautete:

„Die 15 mm starken Magnesitplatten haben sich nicht bewährt; dieselben bieten keinen grösseren Schutz als gewöhnlicher Rohrputz. Die 20 mm starken Platten dagegen haben sich als ausreichend feuersicher erwiesen.“

Cementdielen haben sich dagegen als durchaus feuersicher bei den angestellten Versuchen bewährt. Untersucht wurden die von Regierungsbaumeister Lange in Berlin gelieferten Böklen'schen Patent-Cementdielen“ (Fig. 5 bis 8), welche aus reinem Cement und Sand hergestellt sind und mit den für Stein gebräuchlichen Werkzeugen bearbeitet werden können. Die Platten sind auf der Rückseite wabenartig ausgehöhlt, wodurch unbeschadet der Festigkeit eine wesentliche Materialersparnis und somit auch eine bedeutende Verringerung des Gewichts der Platten erzielt wird. Die Dicke der ebenen Cementdielen beträgt 5, 7 und 10 cm, die Dicke der gebogenen Cementdielen 5 und 7 cm.

Textabbildung Bd. 316, S. 583

Beim ersten Versuch, bei welchem die Decke in einem Raume des Erdgeschosses aus 7 cm starken, gebogenen Cementdielen zwischen bekleideten -Trägern mit aufgebrachter Sandschüttung bestand bezw. in einem anderen Raume zwischen den alten Balken auf aufgeholzten Winkeleisen und darauf die alte Stakung und Dielung angeordnet war, waren nach dem Brande die Träger resp. die Balken an keiner Stelle blossgelegt, nur hier und da war der Cementverputz, namentlich in den Fugen, losgeplatzt. Nach Abschlagen einiger Platten zeigten sich die Balken entwederganz unversehrt oder nur geschwärzt bezw. oberflächlich verkohlt. Zwei Träger, welche in der Mitte mit einer Einzellast von 1600 kg belastet waren, zeigten keine Veränderungen. Am Tage nach dem Brande wurde eine zwischen den Trägern liegende Kappe auf 0,44 qm Fläche mit 3922 kg belastet; hierauf hoben sich die Nebenkappen 1 cm, da der Träger seitlich etwas auswich, und erst bei einer weiteren Belastung bis auf 4562 kg erfolgte der Bruch der Kappe. Die Tragfähigkeit der Kappe betrug mithin nach dem Brande noch 10370 kg pro 1 qm. Eine genauere Untersuchung der Konstruktion ergab, dass die unteren Seiten der Träger und Balken durch entsprechend breite Cementplatten mit Eisenbandeinlage geschützt waren und zwar ohne Luftschicht. Die Eisenbänder, welche aus den Platten herausragen, sind um den unteren Flansch des Trägers gebogen bezw. an den beiden Seiten der Balken angenagelt. Die seitlichen Flächen zwischen diesen Platten und den Kappen sind sodann bei den Trägern ohne Verwendung von Drahtgeflecht o. dgl. mit Cement verputzt, während dieser Cementverputz bei den Balken mittels Rohr- oder Drahtgeflecht aufgebracht ist. Aehnliche Resultate ergaben die übrigen Versuche, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll.

Textabbildung Bd. 316, S. 583

Das Urteil des Preisgerichts lautete:

„Die von Herrn Stolte mit Böklen'schen Cementdielen hergestellten Konstruktionen haben sich bewährt und müssen als durchaus feuersicher anerkannt werden. Die Cementdielen eignen sich auch ganz besonders zur Herstellung feuersicherer Räume in bereits stehenden Gebäuden, sowie als wirksames Schutzmittel für Eisenkonstruktionen. Die zur Prüfung gestellten Konstruktionen wurden seiner Zeit, ganz unabhängig von der Witterung, schnell und dabei doch solide ausgeführt und machten einen sehr gefälligen Eindruck.“

Von grosser praktischer Bedeutung sind die verschiedenen Deckenkonstruktionen nach der Monier'schen Bauart, welche sich im wesentlichen nur durch die Art der Eiseneinlage und deren Befestigung voneinander unterscheiden und sämtlich als feuersicher zu bezeichnen sind. Es sind hier besonders die Deckenkonstruktionen der Aktiengesellschaft für Monier-Bauten, vormals G. A. Wayss und Co. in Berlin NW., die Könen'sche Voutenplatte u.s.w. zu erwähnen.

Die Könen'sche Voutenplatte (an den Auflagern eingespannte Cementeisenplatte) kann als eine Platte von annähernd gleichem Biegungswiderstande für gleichmässig verteilte Belastung angesehen werden, da die durch die Lage der Eisenstäbe gegebenen Widerstandsmomente der Plattenquerschnitte den angreifenden Biegungsmomenten entsprechen. Innerhalb der bei der Belastung nach unten ausbiegenden (nach unten konvex gekrümmten) mittleren Plattenstrecke, auf welcher die Zugspannungen in der unteren Plattenhälfte auftreten (vgl. Fig. 9), befindet sich die Eiseneinlage gleichfalls in der unteren Hälfte, während nach den Auflagern hin, wo beiderseits entgegengesetzt gekrümmte Ausbiegung (konvex nach oben) eintritt, auch die Eisenstäbe in die obere Plattenhälfte übergehen, um an den Einspannungsenden, wo die Biegungsmomente ihre grössten Werte erreichen, ihre höchste Lage anzunehmen. Dort sind die Rundeisenstäbe, wenn sie nicht in die benachbarten Felder durchgeführt werden, um die oberen Flanschen der Träger hakenartig umgebogen. Hierdurch |584| wird in Verbindung mit den Vouten eine vollkommene Einspannung der Platte erzielt. Bei zwei an einem Träger oder Trägerpaare zusammenstossenden Platten werden die die Trägerflanschen umklammernden Eisenstabenden zwischen bezw. nebeneinander angeordnet. Ein Verschieben der Eisenstäbe oder Zurückbiegen der hakenförmigen Enden wird durch den festen Cementkörper der Platten mit Sicherheit ganz wie bei den Monier-Konstruktionen verhindert, wie auch andererseits durch die Voute der Plattenquerschnitt nach dem Auflager hin verstärkt wird. Denn da an den Enden die Biegungsmomente doppelt so gross sind als in der Mitte, so genügt der Wechsel der Eiseneinlage allein nicht, sondern es muss auch eine entsprechende Vergrösserung der Plattenstärke eintreten, wodurch die architektonisch so wirksame Einspannungsvoute statisch begründet ist. Durch den Voutenkörper werden auch die Eisenträger vor Feuer und Rost in wirksamer Weise geschützt und deren Tragfähigkeit wesentlich erhöht.

Textabbildung Bd. 316, S. 584

Bei der polizeilichen Belastungsprobe mit einer Könen'schen Voutenplatte, welche mit 10 mm starken in 6 cm Teilung eingelegten Rundeisenstäben versehen und aus einer Mischung von 1 Teil Cement und 4 Teilen Sand hergestellt war, bestand die Last aus eisernen Laschen, welche mit lotrecht durchgehenden Eugen, also ohne jeden Verband, nebeneinander verlegt wurden und somit eine gleichmässig verteilte, nur lotrecht wirkende Last darstellten.

Textabbildung Bd. 316, S. 584

Die Durchbiegungen in der Mitte der Platte wurden mittels eines Hebelzeigers mit zehnfacher Uebersetzung genau gemessen. Die ganze Last blieb 4 Tage auf der Platte, die Durchbiegung nahm hierbei am ersten Tage noch um 0,25 cm zu und wuchs bis zum nächsten Tage um 0,02 cm, während in den zwei letzten Tagen sich keine weitere Durchbiegung zeigte; die letzte Ablesung ergab 1,94 cm. Beim Abnehmen der Last ging die Durchbiegung nach und nach zurück.

Nach der gänzlichen Entlastung ging die Durchbiegung noch weiter zurück und erreichte ihren geringsten Wert von 0,06 cm nach 2 Tagen. Sowohl während der grössten Belastung als auch nach Abnahme der Last war trotz sorgfältigster Besichtigung nicht die geringste Spur einer Rissebildung wahrzunehmen. Hiernach muss das Ergebnis der Belastungsprobe im Hinblick auf den geringen Aufwand an Baumaterial als ein günstiges bezeichnet werden.

Ein Urteil über die Feuersicherheit derartiger Deckenkonstruktionen gestattet der Versuch von Stude und Reichel mit einer Wayss'schen Monier-Decke. Das wesentliche der Monier'schen Bauart besteht darin, dass um ein aus Eisen hergestelltes Gerippe Cementmörtel im Mischungsverhältnis 1 : 3 gegossen wird. Sowohl der Querschnitt der Eisenstäbe,die an ihren Kreuzungsstellen mit feinem Bindedraht verbunden sind, wie die Dicke des Cementkörpers wird in jedem Falle auf Grund statischer Berechnungen dem jeweiligen Anwendungszweck entsprechend bestimmt. Nach diesem System werden Fussböden und gerade Decken bis zu je 2,5 m freitragend, sowie sehr flache Gewölbe mit beliebiger Spannweite, tragende Wände und Dächer hergestellt. Auch für die feuersichere Ummantelung von eisernen Säulen, Trägern und Unterzügen ist die Monier-Bauweise bedeutungsvoll.

Von den Versuchen, welche a. a. O. mit Monier-Konstruktionen ausgeführt worden sind, kommt hier nur in Frage die Deckenkonstruktion zwischen -Trägern (N. P. 34), welche, ohne mit den Umfassungswänden in Berührung zu kommen, frei auf Pfeilern stand. Um ein seitliches Ausweichen der Decke zu verhindern, waren die -Träger durch Anker miteinander verbunden. Zwischen den einzelnen Trägern (ersten und letzten) sind in Spannweiten von 1,30 m ebene Monier-Decken von 8 cm Stärke ausgeführt, welche auf den unteren Trägerflanschen ruhen. Das zu diesen Decken verwandte Eisenflechtwerk bestand aus 5 bezw. 7 mm starken Rundeisenstäben in 6 cm Maschenweite. Aehnliche Monier-Decken sind auf den unteren und oberen Flanschen der mittleren Träger hergestellt. Zwischen die beiden mittelsten Träger ist eine Monier-Kappe von 4,00 m Spannweite eingewölbt, welche wagerecht mit Cementbeton abgeglichen ist und dann einen Cementfussboden erhalten hat. Die Stärke des Gewölbes beträgt im Scheitel einschliesslich des Fussbodens 8 cm, die Maschenweite des Eisenflechtwerks 7 cm bei 5 bezw. 7 mm starken Rundeisenstäben. Zwischen den beiden letzten Trägern ist eine Monier-Platte angeordnet, welche auf den Oberflanschen liegt, sich aber auf die Unterflanschen aufstützt, so dass die -Träger zugleich einen Schutz gegen den Angriff des Feuers erhalten. Sämtliche sichtbaren Eisenteile dieser Deckenkonstruktionen, die Unter- und Oberflanschen der Träger, sowie die beiden Langseiten des freiliegenden ersten und. letzten Trägers sind durch eine Monier-Umhüllung gegen Feuer gesichert.

Textabbildung Bd. 316, S. 584

Nach dem einstündigen Brande, bei dem die Temperatur über 1000° C. betrug, hatte sich der Verputz an einzelnen Stellen der Decke gelöst, sonst war jedoch an der Konstruktion irgend eine Veränderung nicht wahrzunehmen. Auch die Stabilität der Decke hatte durch den Brand nicht gelitten, wie durch Belastungsprobe festgestellt wurde. Die Kappe wurde von dem Widerlager bis Mitte Scheitel derselben mit 2613 kg pro 1 qm belastet, ohne irgend eine Formänderung, Risse o. dgl. zu zeigen. Von einer weiteren Belastung musste, mit Rücksicht auf das durch den Brand arg geschädigte Gebäude, Abstand genommen werden.

Das Urteil des Preisgerichts lautete:

„Die nach dem System Monier ausgeführten Konstruktionen haben sich bewährt und müssen diese Konstruktionen als „durchaus feuersicher“ bezeichnet werden. Die sogen. Hartgipsdielen haben sich ebenfalls gut bewährt, |585| doch war ein besonders hervortretender Unterschied zwischen den Mack'schen Dielen und den Hartgipsdielen nicht bemerkbar.“

Textabbildung Bd. 316, S. 585
Textabbildung Bd. 316, S. 585

Die grosse Tragfähigkeit der Deckenkonstruktionen nach Monier aus Cement, Beton u. dgl. Mischungen mit Eisenanlage beruht darauf, dass das eine ausserordentlich hohe Festigkeit gegen Druck besitzende Deckenmaterial infolge der Eiseneinlage, sei diese stab-, flecht-, draht- oder bandförmig, auch gegen Zugbeanspruchung grosse Widerstandsfähigkeit erhält. Die Vereinigung beider gegen Druck bezw. gegen Zug so widerstandsfähigen Stoffe bedingt vornehmlich die nachgewiesene hohe Tragfähigkeit dieser Art von Deckenkonstruktionen, während die Feuersicherheit dadurch wesentlich erhöht wird, dass das die Eiseneinlage umhüllende Füllmaterial das Eisen gegen den Angriff des Feuers wirksam schützt. Die einzelnen, nur wenig voneinander abweichenden, im Wesen aber miteinander übereinstimmenden Deckenkonstruktionen dieser Art zu besprechen, erscheint nicht erforderlich, da die Einzelkonstruktionen aus den beigefügten Figuren der verschiedenen Deckenkonstruktionen auch ohne besondere Erläuterung erkannt werden können.

Textabbildung Bd. 316, S. 585

Wir beschränken uns zum Schluss darauf, nur diefrüheren Urteile des Preisgerichts über diese verschiedenen Deckenkonstruktionen anzuführen.

„Die berührten und beputzten Bretterwände, sowie die mit Eisenblech beschlagenen Holzthüren haben den an dieselben gestellten Anforderungen genügt, wie dies nach den bisherigen praktischen Erfahrungen auch nicht anders zu erwarten war.“

Isothermal-System (Fig. 10):

Textabbildung Bd. 316, S. 585

„Sowohl die Deckenkonstruktion als auch die Zwischenwand haben den an sie gestellten Anforderungen nicht entsprochen. Die Konstruktionen nach dem Isothermal-System können in der zur Prüfung gestellten Ausführung als feuersicher nicht bezeichnet werden..... Die Zerstörung der Decke ist sehr wahrscheinlich in erster Linie auf eine ungenügende Isolierung der Träger durch den Deckenverputz, welcher bei Frost aufgebracht worden war, zurückzuführen.“

Textabbildung Bd. 316, S. 585

Deckenkonstruktion nach dem System Kleine (Tafeln aus rheinischen Schwemmsteinen zwischen hochkantig gestellten Flacheisen, Fig. 11 und 12):

„Die Deckenkonstruktion nach dem System Kleine muss als durchaus feuersicher bezeichnet werden.“

„Der Xylolithfussboden (Otto Seming und Co. in Potschappel bei Dresden) hat sich gut bewährt. Derselbe ist feuerbeständig und zugleich gegen Beschädigungen durch Nässe, heftige Stösse u.s.w. ausreichend widerstandsfähig.“

„Der Asbestcement (Kuhlwein in Berlin) hat sich in den verschiedensten Anwendungen bewährt und müssen die mit diesem Material hergestellten Konstruktionen u.s.w. als durchaus feuersicher bezeichnet werden.“ – Asbestcement besteht aus kiesel- und kohlensäurehaltigen Rohmaterialien, Graphit, Asbest und einem Bindemittel.

Textabbildung Bd. 316, S. 585

„Die Korksteine (Fig. 13) haben sich bewährt. Das Material muss als ‚durchaus feuersicher‘ bezeichnet werden; dasselbe brennt nicht mit heller Flamme, sondern schwelt nur und zwar auch nur an den von dem Feuer getroffenen Stellen. Das Schwelen hört sofort auf, sobald das Feuer auf die Masse nicht mehr einwirkt. Eine Weiterverbreitung des Feuers durch die Korksteine ist also vollständig ausgeschlossen. Werden die Korksteine durch Eisenblech, Putz u.s.w. nicht geschützt, so tritt bei andauernder Einwirkung einer hohen Temperatur allmählich eine vollständige Verkohlung der Platten ein. Aber auch in diesem Zustande bewahren die Platten noch eine bemerkenswerte |586| Festigkeit. Eine vollständige Zerstörung derartiger mit Korksteinen ausgeführter Baukonstruktionen, wie ununterstützter Wände, Mansardenauskleidungen u.s.w., kann nur auf mechanischem Wege erreicht werden oder durch Temperaturen, wie solche bei einem Schadenfeuer wohl kaum erreicht werden dürften. Ein grosser Vorteil dieses Materials besteht schliesslich noch darin, dass bezüglich des zu demselben verwendeten Grundmaterials, des Korkes, eine Täuschung nicht leicht wird bewirkt werden können.“

Textabbildung Bd. 316, S. 586
Textabbildung Bd. 316, S. 586

Es bleibt nunmehr noch übrig, die verschiedenen Systeme von Massivdecken aus Stein oder Kunststein kurz zu erwähnen. Als Beispiele sind zu nennen die feuerfeste Decke „System Düsing, die Donath'schen Hohl- und Voll-Steindecken, die Forster'sche Massivdecke, die Decken aus „Omega“ – Formsteinen, Pulda'sTriumphdecke, Beug'sche Steindecke u.s.w. (Fig. 14 bis 17). Die Deckenkonstruktionen bezw. Fussböden in Fig. 18 bis 21 lassen sich ohne weiteres aus den Figuren erkennen, so dass eine besondere Beschreibung nicht erforderlich ist. Dass alle diese Decken grosse Tragfähigkeit besitzen und als feuersicher bezeichnet werden können, braucht wohl nicht besonders hervorgehoben zu werden, da die benutzten Materialien, Ziegel- oder Kunststein, mit oder ohne Eiseneinlage dem Feuer erfolgreichen Widerstand zu leisten vermögen.

Wegen der Bedeutung, welche die Kunstsandsteine als Baumaterial in stetig steigendem Masse sich erringen dürften, soll jedoch auf die Herstellung der Kunstsandsteine noch kurz eingegangen werden.

Ohne auf den derzeitigen Patentstreit zwischen Dr. Michaelis und Fabrikdirektor Kleber einzugehen, sei hier nur kurz das Verfahren zur Erzeugung von Kunstsandstein seinem Wesen nach gekennzeichnet. Dr. Michaelis hatte nach vielfachen Versuchen gefunden, dass die Erhärtungszeit von Kunstsandstein auf ein für die Fabrikation sich rationell gestaltendes Zeitmass sich abkürzen lässt, wenn man die mit der Presse erzeugten Rohsteine, aus Mischungen von Kalkhydrat und Sand bestehend, in einem sogen. Erhärtungskessel einige Stunden lang der Einwirkung hochgespannten Wasserdampfes aussetzt.

Textabbildung Bd. 316, S. 586

Hierauf gründet Dr. Michaelis (Firma D. Wachtel und Co. in Berlin) sein neues Verfahren zur Herstellung von Kunstsandstein und ebenso auch Kleber und die übrigen den Bahnen Michaelis' folgenden Erfinder auf diesem verhältnismässig jungen und rasch emporblühenden Industriezweig. Ein Vergleich aller nur unwesentlich voneinander abweichenden Herstellungsverfahren dürfte zu weit führen und muss gegebenen Falles einer besonderen Abhandlung vorbehalten bleiben.

Welche Ausdehnung gerade die Kunststeinfabrikation und die künstlichen Deckenbauten bereits heute erlangt haben, dafür bildet einen sicheren Gradmesser die grosse Zahl der Firmen, welche die Ausstellung für Feuerschutz und Feuerrettungswesen beschickt haben.

Vgl. auch D. p. J. 1897 304 178: 1899 312 102. 313 71.

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