Titel: Regelung aussenschlächtiger Radialturbinen mit Sauggefälle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316 (S. 619–624)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/ar316136

Regelung aussenschlächtiger Radialturbinen mit Sauggefälle.

Von Wilh. Müller, Cannstatt.

I. Regulierung.

Die Ansprüche an eine rationelle Regulierung von Turbinen bezüglich Leistungsfähigkeit, Einfachheit und praktischer Handhabung sind stetig gewachsen, insbesondere beim Betrieb elektro-dynamischer Maschinen. Die Aufstellungsart ist in jedem einzelnen Falle für die örtlichen Verhältnisse passend zu treffen, damit die Gesamtanlagezweckentsprechend ausfällt und nicht mehr Kosten wie nötig verursacht. Die einfachste Anordnung bietet, wie die Erfahrung beweist, die grösste Betriebssicherheit.

Regeleinrichtungen finden sich schon an Turbinen ältester Konstruktion. Fourneyron hatte bei seiner innenschlächtigen Radialturbine im Spalt eine Ringschütze (Spaltschieber) angeordnet, die bei verminderter Beaufschlagung |620| herabgeschoben, bei ungeänderter Umfangsgeschwindigkeit des Laufrades an der Uebergangsstelle (am Spalt) plötzliche Geschwindigkeitsänderungen und damit Arbeitsverluste hervorruft, sofern das Laufrad unter Wasser arbeitet. Sobald der Spaltschieber in achsialer Richtung verschoben wird und der Leitapparat demgemäss im Verhältnis der Verschiebung mehr oder weniger Wasser durchlässt, ändert die Vollturbine ihren Charakter und kann selbst zur Freistrahlturbine werden, sobald die Schliessung über eine bestimmte Grenze hinaus erfolgt. Hierzu tritt noch das Missverhältnis zwischen allen im Apparat herrschenden Geschwindigkeiten ein und passt die Schaufelform nicht für Aktionswirkung, vor allem eignet sich jedoch nicht das Saugrohr für den Wechsel in der Wirkungsweise. Ringschützen zeigen sich bei veränderter Beaufschlagung ebenso nachteilig wie das Verdecken der Leitkanäle bei jeder Art von Vollturbinen, gleichviel ob über oder unter Wasser arbeitend. Bei der Fourneyron-Turbine hat man durch Ausführung sogen. Etagenräder den Nachteil zu beseitigen gesucht. Die ganze Höhe des Laufradkranzes wird durch Zwischenböden geteilt, so dass dem Leitapparat zwei oder drei gleiche übereinander liegende Laufräder gegenüberstehen. Stufenartig angeordnete Laufräder gestatten ein rationelles Regulieren eigentlich nur im Verhältnis der Verteilung der einzelnen Etagen, alle Zwischenstellungen sind naturgemäss ungünstig. Dies wäre jedoch eine viel zu grobteilige Regelung, die sich ebensowenig für die schwankenden Wasserverhältnisse als für das wechselnde Kraftbedürfnis bei den heutigen Werkseinrichtungen eignen würde. Bei vollständig gehobenem Spaltschieber verbleiben im Laufrad unnötig viele Zwischenwandungen, die vermehrte Reibungsfläche verursachen und die Nutzleistung herabdrücken. Regelung auf jede Stellung ohne Zwischenstufen zwischen kleinster Wassermenge und voller Oeffnung, sowie weite Kanäle ist das Ziel einer richtig konstruierten Vollturbine.

Der Theorie entsprechend wäre die Kranzhöhe des Laufrades in gleicher Weise veränderlich auszuführen, wie die Austrittshöhe des Leitrades; alle dahin abzielenden Versuche sind jedoch sehr kompliziert und kostspielig ausgefallen.

Die freie Fläche rings um den Laufradkranz ist beim Spaltschieber meistens zu gross; gibt man aus konstruktiven Rücksichten genügend Spielraum, so tritt ein erheblicher Spaltverlust ein, der bei höheren Gefällen beträchtlich ausfallen kann; beschränkt man sich auf einen kleinen Abstand, so hat man mit lästigen Störungen (Einhängen und Einklemmen von Fremdkörpern), die bedeutende Hemmung und Abnutzung hervorrufen, zu kämpfen. Dies gilt besonders von Betriebsanlagen in waldreicher Gegend, oder von solchen, die unterhalb von Holzstofffabriken angelegt sind, wobei mit dem Betriebswasser Holzspäne ankommen.

Nagel und Kaemp in Hamburg haben eine korrekt wirkende Regulierung aller Leit- und Laufradkanäle bei ihren von innen beaufschlagten Radialturbinen an den Radkronen angebracht, welche die Pressstrahlturbinen dieses Systems zu einer der vollkommensten Turbinengattung erheben würde. Die praktische Durchführung der Kronenregulierung verursacht indessen bedeutende konstruktive Schwierigkeiten, sie erfordert sorgfältige Arbeit und bildet eine vielgliederige Einrichtung. Diese Turbine kann als eine vollkommen korrekt regulierte bezeichnet werden, solange es sich um die Verwendung mässiger Wassermengen unter Gefällen von nicht über 10 m handelt. Bei sehr beträchtlichem Wasserverbrauch dagegen, verbunden mit geringem Gefälle, somit da, wo die Abmessungen der Turbine bedeutend ausfallen, ist die Anwendung eines anderen Turbinensystems, das bei Teilbeaufschlagung ohne Effektverlust im Stauwasser arbeiten kann, vorzuziehen.

Bei Francis-Turbinen wird die Regulierung gewöhnlich durch Drehung der Leitschaufeln um feststehende Bolzen (Fig. 5 und 6), d.h. mittels eines prinzipiell nicht einwandfreien Hilfsmittels bewirkt, indem die für einen guten Nutzeffekt wichtigen Faktoren, die absolute Eintrittsrichtung des Wassers und der Spielraum zwischen Leit- und Laufrad wesentlich verändert werden, während das Laufrad in Form und Weite der Kanäle unverändert bleibt. Zur etwaigen Abschwächung des resultierenden Fehlers wird eine sogen. mittlere Leitschaufelstellung für normale Beaufschlagungbestimmt. Auch hier befinden sich an der Regeleinrichtung zahlreiche bewegliche Teile, die starkem Verschleiss unterworfen sind. Dabei ist die Abnutzung fast nie eine gleichmässige, wodurch das ganze Leitschaufelnetz leicht ungenau wird und die Turbinen in der Leistung nachlassen. Erfolgt starke Schliessung der Leitzungen, so nähert man sich dem Punkte, wo die als Reaktionsrad gebaute Francis-Turbine zur Aktionsturbine überspringt. Thatsächlich sind auch bei weitgehender Schliessung die Nutzeffekte geringer, es tritt somit bei Kleinwasser auch noch eine prozentuale Abnahme der Leistung ein. Als weiterer Missstand ist zu bezeichnen, dass der Leitapparat nicht der Theorie entsprechend gebaut werden kann, die Radebenen sind nach aussen scharfkantig und die drehbaren Schaufeln zeigen am Rücken die kropfartigen Erhebungen, in deren Innerem der Mitnehmerzapfen sitzt, was zu Strahlverzerrung und Kontraktion Veranlassung gibt. Um den Wassereintritt günstig zu beeinflussen, versieht man die Ränder des Leitapparates mit wulstenförmigen Ansätzen, ohne dadurch diese Uebelstände jedoch vollständig beseitigen zu können. In neuerer Zeit hat man aushilfsweise wieder zum Gitterschieber gegriffen, der weniger bewegliche Teile aufweist.

Textabbildung Bd. 316, S. 620
Textabbildung Bd. 316, S. 620

Hierher zählt auch die Regelung für Radialturbinen nach D. R. P. Nr. 91931 von Louis Zodel in Mailand mit drehbarem, innerhalb des feststehenden Leitschaufelrades liegendem Schaufelkranz und die Anordnung von federnden Blechschaufeln (Fig. 1 bis 3). Die Verstellungsvorrichtung leidet an dem Uebelstand, dass durch teilweises Absperren des Zuflusses durch die zwischen die Leitöffnungen sich einschiebenden gusseisernen Zungen Wasserstösse entstehen, was den Wirkungsgrad besonders unter halber Beaufschlagung stark beeinträchtigt. Die Zodel-Regulierung ändert zwar nicht die Winkel im Leitapparat, veranlasst aber strahlverzerrende Bänke an den Wandungen der Kanäle. Der Apparat setzt eigentlich feines, eisfreies Wasser voraus, |621| damit keine Einklemmungen stattfinden und die beweglichen Zungen in ihre normale Stellung zurücklaufen können.

Textabbildung Bd. 316, S. 621

Ein Teil der amerikanischen Turbinen wird ebenfalls mittels drehbarer Spaltschieber reguliert. Im Interesse einer guten Turbinenregulierung sind die Erbauer bestrebt, diesen drehbaren Schaufelkranz so schmal wie möglich zu konstruieren, es kann somit dessen Widerstandsfähigkeit nicht genügend gross gewählt werden.

C. Brockmann in Osnabrück verwendet als Reguliervorrichtung für aussen beaufschlagte Radialturbinen einen Gitterschieber, der bis zu gewissen Grenzen anwendbar ist (Fig. 4).

Textabbildung Bd. 316, S. 621

Um bei Bewegung der Fink'schen Drehschaufeln die Nachteile der gleitenden Reibung der Mitnehmerstifte durch Anwendung reiner Zapfenreibung zu vermeiden, werden von J. M. Voith in Heidenheim nach D. R. P. Nr. 99590 sowohl die Leitschaufeln, als auch der gemeinschaftliche Regulierring mit Gelenkzapfen versehen und die zusammengehörigen Zapfen durch je eine kurze Lenkstange verbunden (Fig. 7 bis 9).

Damit keine Fremdkörper zu den bewegten Teilen gelangen können, ist die ganze Gelenkverbindung zwischen Regulierring und den Leitschaufeln entweder in einer taschenförmigen Erweiterung der Leitschaufeln oder in einer durch die Leitschaufel verdeckten Aussparung des Regulierringes untergebracht. Ueberhaupt ist es bei allen Turbinenregulierungen erste Bedingung, dass das regelnde Glied, sei es Schieber, Zunge oder Klappe, eine verdeckte Gleitbahn erhalte, damit Fremdkörper von den reibenden Flächen abgehalten sind. Die kropfartige Anschwellung der Leitschaufeln bringt eine unnötige Eisenmasse ins Leitrad, verursacht ausserdem Unregelmässigkeiten in der Wasserbewegung und schädliche Wasserdrosselung. Glatter, freier Wassereintritt ist für guten Effekt eine Grundbedingung.

Beim hydraulischen Stellwerk für Turbinenregler von Samuel Gjers in Arboga (D. R. P. Nr. 87438) ist, wie allgemein gebräuchlich, ein Druckcylinder vorhanden, welcher mittels eines Kolbens auf einen das Leitrad umschliessenden Gitterringschieber wirkt. Zu diesem Zweck hat man bisher ein von der Turbine getriebenes Pendel, oder eine Pumpe und einen Druckcylinder verwendet, der in Verbindung mit der Pumpe steht und dessen Kolben mit dem ausbalanzierten Schieber verbunden ist. Der vorliegende Regelungsschieber wird mittels des wechselnden Druckes in den Leitkanälen der Turbine bethätigt. Der Druck in den genannten Kanälen steht nämlich in einem gewissen Verhältnis zu der Geschwindigkeit der Turbine, so dass der Spaltdruck in dem Masse zu- oder abnimmt, wie die Geschwindigkeit des Turbinenrades vermehrt oder vermindert wird. Um mittels dieses Druckes den Schieber zu regeln, ist also erforderlich, einen der Leitkanäle durch eine Rohrleitung mit dem vorher erwähnten Cylinder in Verbindung zu setzen, mit dessen Kolben der Regelungsschieber verbunden ist, und dies bildet auch das Wesentliche der Erfindung. Das Kugelpendel oder die Pumpe wird somit durch die Rohrleitung vermieden.

Textabbildung Bd. 316, S. 621

Fig. 10 zeigt die Anlassvorrichtung im Schnitt, wobei oben (linke Seite der Figur) ein Teil des Laufrades und Leitrades zur Darstellung gebracht ist. Fig. 11 und 12 zeigen Schnitte durch die das Leitrad umschliessenden Ringschieber und das damit verbundene Triebwerk.

Die Schaufeln des Laufrades sind durch eine Zwischenwand in zwei Abteilungen x und x1 geteilt, ebenso die Kanäle des Leitrades in zwei Abteilungen AA1 (Fig. 11). Die beiden Ringschieber, welche mit Oeffnungen versehen sind, die den Abteilungen AA1 entsprechen, gestatten die Beaufschlagung dadurch zu |622| regeln, dass man dieselben entsprechend dreht. Der Ringschieber Y wird zum Anlassen mittels Handkraft geöffnet. Durch Drehung des Laufrades entsteht alsdann in den Schaufeln infolge der Fliehkraft ein Gegendruck für das durch die Leitkanäle einströmende Wasser und in gleichem Verhältnis, in dem die Geschwindigkeit wächst oder abnimmt, vermehrt oder vermindert sich auch der Gegendruck, welcher den Ringschieber Y1 regelt.

Der Ringschieber Y wird also von Hand eingestellt, wogegen Y1 selbstthätig wirkt, um die zur Erhaltung einer gleichen Drehgeschwindigkeit erforderlichen Wassermengen durchzulassen.

Eine Turbine mit dieser Regelanordnung wurde auf der Weltausstellung in Paris 1900 vorgeführt.

Um Undichtwerden der Verschlüsse und erhebliche Effektverluste durch Wasserverluste zu vermeiden, versehen die Firmen Gebr. Fischer in Wiener-Neustadt, C. Brockmann in Osnabrück und B. Schmidt in Zell (Baden) die aussenschlächtige Radialturbine mit einer Regulierung durch Drehklappen auf je zwei Schaufeln. Die Bewegung dieser Drehklappen erfolgt von „Voll“ bis „Geschlossen“ in der Weise, dass eine Klappe nach der anderen geöffnet oder geschlossen werden kann. Bei den meist angewendeten Schieberregulierungen und Drehschaufeln kann es sehr oft vorkommen, dass wegen eines in das Laufrad gelangten Fremdkörpers das Schliessen des Schiebers oder überhaupt jede Mitbewegung, somit ein ferneres Regulieren der Turbine unmöglich gemacht wird, bis das Hindernis beseitigt ist. Beim Oeffnen schwemmt der Wasserstrom alle Gegenstände ins Laufrad, woselbst sie entweder stecken bleiben, oder, sofern es harte Körper sind, eine Zerstörung des Schaufelapparates herbeiführen können. Gegen solche Vorkommnisse haben Gebr. Fischer eine Sicherheitseinrichtung getroffen. Am Ende einer jeden Leitschaufel ist eine gusseiserne Klappe angebracht, welche den Leitkanal gänzlich abschliessen kann. Die Achse dieser Klappe verlängert sich nach oben ausserhalb des Rades und endigt mit zwei an ihr mittels Stellschrauben befestigten Regulierhaken; die an den Klappen angebrachten Ansätze legen sich beim Oeffnen an die Leitschaufeln an und verhindern eine weitere Bewegung derselben, während sie andererseits durch den Ring des Hakens am Zugehen verhindert sind.

Textabbildung Bd. 316, S. 622

Das Schliessen der Klappen wird durch eine am beweglichen Regulierkranz befestigte Feder bewirkt, welche hinter dem Ringhaken angebracht ist undmit einem Stift oben über den Ring hervorragend, auf die höher gelegenen Haken der Klappenachsen einwirkt, d.h. dieselben mit sich ziehend, die Klappen schliesst. Tritt eine Stockung ein, so springt der Stift der Feder über den Haken der betreffenden Klappe weg, es bleibt diese letztere zwar offen, doch bewegt sich der Kranz unbehindert weiter, so dass alle folgenden Kanäle wieder geschlossen werden können.

Textabbildung Bd. 316, S. 622

Sämtliche Einströmungszellen werden der Reihe nach entweder vollständig geöffnet oder ganz geschlossen, wodurch eine für den Effekt der Turbine nachteilige Drosselung und führungsloses Springen des Wassers vermieden sind. Bedingung bleibt jedoch, dass ein möglichst dichter Verschluss der Einströmungszellen stattfindet. Die Einrichtung erweist sich jedoch als nicht genügend betriebssicher, weil das richtige Funktionieren von Zufälligkeiten abhängig wird. Turbinen werden leider höchst selten nachgesehen, besonders nicht bei Frostwetter. Eine Turbine soll nicht partiell (einseitig) geschlossen werden, wenn die saugende Wassersäule an ihr hängt, sondern alle Kanäle müssen gleichzeitig und im nämlichen Verhältnis verändert werden.

Die Regelung für Radialturbinen von Jean Beché in Hückeswagen (D. R. P. Nr. 103096) mit von einem Ring aus verstellbaren Leitschaufeln ist dadurch gekennzeichnet, dass die äussere Begrenzung eines Ansatzes der Schaufeln zentrisch zur Drehachse der Schaufeln verläuft, dergestalt, dass der zur Drehung der Schaufeln dienende Ring von diesen Segmenten geführt wird und bei der Drehung darauf abrollt. Die Drehachse für die Schaufeln bilden |623| die Bolzen c, welche in den Flanschen a und b gelagert sind. Bei Bewegung der Schaufeln verschieben sich die Rollen g in den Schlitzen h. Der Ring i hat an diesen Rollen jedoch keine genügende Führung, ist gegen seitliche Verschiebung somit nicht gesichert. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, sind an den Schaufeln die Ansätze k angebracht, deren äussere Begrenzung ein zentrisch mit der Drehachse der Schaufeln verlaufendes Kreisbogenstück bildet. Gegen diese Fortsätze legt sich der Drehring, so dass derselbe von diesen Bogensegmenten geführt wird. Zur Bewegung des Ringes dient ein Zahnrad, welches in einen am Ring befestigten Zahnkranz eingreift (Fig. 13 bis 17).

Auch hier begegnen wir einer vielgliederigen, umfangreichen Vorrichtung, durch welche sich die Turbine weit hinausbaut, d.h. einer breiten Wasserkammer bedarf.

Eine Einrichtung mit einzeln angeordneten Lauf- und Leitradschaufeln (D. R. G. M. Nr. 110588) besteht darin, dass mit Kopfflanschen b (Fig. 18) versehene, gegossene Schaufeln a einzeln an den Laufradkranz c befestigt werden und dass am Leitrad einzelne mit Zapfen i angeordnete Schaufeln d durch Hebel h und Mechanismus (Zahnrad mit Zahnsegment und Drehscheibe) behufs Oeffnen und Schliessen der Turbine im unteren und oberen Leitradkranz g und f hin und her bewegt werden können.

Wie aus der Abbildung ersichtlich, veranlasst dieser Regelapparat eine bedenkliche, weitgehende Aenderung der Eintrittswinkel und grossen Spalt zwischen den beiden Schaufelkränzen bei starker Schliessung der Leitschaufeln. Im übrigen ist diese amerikanische Turbine („Phönix“) der modernen Francis-Turbine im Prinzip sehr ähnlich.

Das öftere Verschlammen der Schuhe in den Zwischenkronen von Francis-Vollturbinen und das Nichtdichthalten der Federliderungen an denselben legen den Gedanken nahe, das Abschützen des Wassers innerhalb des Laufrades, also an die Austrittsstelle zu verlegen. In dem cylindrisch ausgedrehten Ansätze f des Laufrades schiebt sich bei der während des Betriebes verstellbaren Regulierung von Hugo Luther, Braunschweig (D. R. P. Nr. 3462), ein gusseiserner und aussen mit einer Messingblechschicht umgebener Ring i je nach Bedarf kolbenartig auf und ab, so dass durch Niederschieben desselben die ringsum aus dem Turbinenrad abfallende Wasserschicht in ihrer Höhe verringert, beim Aufziehen derselben aber vergrössert wird.

Damit das Saugrohr wirken kann, ist über das Turbinenrad c und die Armkreuze g und m eine zweiteilige Haube gelegt, die, auf dem Leitapparate g ruhend, die bewegliche Nabe n mit mehreren Dichtungsringen umschliesst und so das Oberwasser vom Inneren der Turbine trennt (Fig. 19 bis 21).

Die Abschützung an den Ausmündungen des Turbinenrades ist für Vollturbinen wohl das einzig Richtige, denn alle bisher bekannt gewordenen Regelkonstruktionen am äusseren Umfang des Rades sind mehr oder weniger Drosselklappen, die den Wasserstrahl aufwirbeln, den Druck des Wassers verringern und den Nutzeffekt herabziehen.

Ist bei vorbeschriebener Konstruktion die Schütze teilweise geschlossen, so geht der Wasserstrahl unten glatt durch, der volle Druck liegt im Rad, es entsteht jedoch ein Effektverlust durch das in der oberen Abteilung des Laufrades befindliche tote Wasser.

In ähnlicher Weise ist die Anordnung einer hydraulischen Abschützung von A. Linnenbrügge in Hannover (D. R. P. Nr. 75124) mittels eines oder zweier miteinander durch Kanäle verbundener Cylinder parallel und symmetrisch zur Turbinenachse ausgeführt (Fig. 22 bis 25). Der Kolben am Fusse der Spursäule ist mit dem Ringschützen bezw. Leitrade fest verbunden, so dass letztere gehoben, wenn das Druckwasser unter, und gesenkt werden kann, wenn es über den Kolben gelassen wird. Diese hydraulische Reguliervorrichtung besitzt den Vorzug, mit den übrigen Teilen der Turbine in der ausführenden Fabrik angefertigt, sowie gemeinsam transportiert und aufgestellt werden zu können, während die Zuleitung des Presswassers am Ort der Aufstellung bewirkt werden muss.

Die Einströmungszellen sollten in der Weise geöffnet oder geschlossen werden, dass eine für den Effekt der Turbine nachteilige Wassereinschnürung vermieden ist.

Textabbildung Bd. 316, S. 623

Diesen Anforderungen entspricht die Regelung für Pressstrahlturbinen(D. R. P. Nr. 117465) von Ferd. Rucss in Baienfurt (Württemberg) in vorzüglichem Masse, da dieselbe |624| bis zur Reaktionsstelle am Ende des Laufradkanales keine Drosselung veranlasst1).

Textabbildung Bd. 316, S. 624

Für grosse Wassermengenund beträchtliche Turbinenabmessungen eignen sich weite Kanäle und Veränderlichkeit des Reaktionsgrades, somit Klappenregulierungen, die während des Ganges von Null bis ganzer Oeffnung leicht und rasch bewegt werden können, am besten, sie ergeben den grösstmöglichen Nutzeffekt bei partieller Beaufschlagung. Bei Wahl des Regelsystems entscheidet der Grad der Partialität und das System des Schaufelapparates, wonach sich die geeignetste Methode der Regelung zu richten hat. Von Einfluss hierauf bleibt noch die Berücksichtigung der Effektverluste, die durch die Art der Regelung für den Nutzeffekt entsteht. Klappen, Flachschieber, schwingende Zungen, Rundschützen, Gitterschieber, drehbare Schaufeln u.s.w. sollen eine verdeckte Gleitbahn besitzen und sich deren Ausführung durch Einfachheit und mässige Herstellungskosten auszeichnen. Ferner sind die Gefällshöhe, die Beaufschlagungsrichtung, die absolute Grösse der Turbine ausschlaggebend bei der Entscheidung über diese Frage. Als weitere massgebende Faktoren können gelten: für welchen Betrieb die Turbine dient und welche Kraft im Maximum aus- bezw. eingeschaltet wird, ebenso wie gross die zulässige Geschwindigkeitsdifferenz sein darf.

Vor allem sollte darauf Bedacht genommen werden, dass Vollturbinen, die mit Sauggefälle arbeiten, am ganzen Umfange gleichmässig auswerfen und besonders, dass das Laufrad genaue Schaufelteilung hat, infolgedessen die Durchflussgeschwindigkeit in ein und demselben Leitkanal während einer ganzen Umdrehung des Laufrades dieselbe bleibt und stets in allen Kanälen beider Räder die nämliche ist. Diese Eigenschaft mangelte der Vollturbine bis jetzt noch in vielen Fällen, denn im Guss kommen die Räder mit sehr ungleichen Kanalweiten zu stände. Bei der Aktionsturbine hat diese Unvollkommenheit weniger zu sagen, bei Vollturbinen, besonders mit Saugrohr aber sehr viel und ist dies ein Umstand, welcher der Vollturbine zu rationeller Ausgestaltung zu verhelfen berufen ist. Die Vollturbine oder Reaktionsturbine ist die natürlichste Turbine und passt allein für das Saugrohr; sie muss das ideale Ziel im Turbinenbau sein!

(Schluss folgt.)

|624|

Vgl. S. 283 d. Bd.

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