Titel: Das Etzel-Werk bei Einsiedeln.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 19)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi01_2

Das Etzel-Werk bei Einsiedeln.

Im Anschluss an den Uebersichtsbericht über die Turbinen auf der Pariser Ausstellung 19001) sollen, nachdem die Gruppen hydraulischer Motoren einzelner Aussteller besprochen sind, nachstehend die verschiedenen Turbinenkonstruktionen und grösseren

Zentralanlagen – wozu die einzelnen Objekte bestimmt waren – soweit dies nicht schon früher geschehen, zur Sprache kommen.

Textabbildung Bd. 316, S. 19

Bis zu welch kühnen Unternehmungen der menschliche Schaffensgeist vordringt, zeigt das von der Maschinenfabrik Oerlikon geplante, von L. Kürsteiner, Zivilingenieur in St. Gallen, entworfene und gegenwärtig in Vorbereitung befindliche „Elektrizitätswerk am Etzel“ bei Einsiedeln in der Schweiz, welchem Entwurf die goldene Medaille zuerkannt wurde.

Das Projekt hat sich die Aufgabe gestellt, 55000 PS am Zürchersee für die Industrie nutzbar zu machen.

Durch Aufstauen der. Sihlwasser, die bei kleinstem Stand zu 0,9 cbm in der Sekunde angenommen werden, in einem von der Natur geschaffenen Behälter, dessen nutzbarer Inhalt 85 Millionen cbm beträgt, soll eine konstante Wassermenge von etwa 6 cbm in der Sekunde verfügbar sein. Das Terrain östlich von Einsiedeln eignet sich für den beabsichtigten Zweck ganz vorzüglich, wie aus nebenstehender Uebersichtskarte, im Massstab 1 : 150000, zu ersehen ist.

Angaben über den maschinellen Teil müssen einer späteren Veröffentlichung vorbehalten bleiben; vorläufig mögen nachstehende wichtigere Daten angemerkt werden:

Weiheroberfläche 11 qkm
Höhe des gefüllten Weihers 891 m über Meer
„ der Turbinen 415
Bruttogefälle 476
Nettogefälle 450

Tägliche Leistungsfähigkeit etwa 650000 Pferdestunden. Angenommen ist vorläufig, dass Einheiten von 3000 PS, nach gänzlichem Ausbau deren 20 Stück, zur Aufstellung gelangen sollen.

Die grosse Wassermenge und die Druckverhältnisse bedingen die Teilung der Rohrleitung in verschiedene Stränge, deren Kaliber von oben nach unten, um nicht allzugrosse Wandstärken zu bekommen, abnehmen, deren Zahl infolgedessen aber zunehmen muss. Es sind vorgesehen, von oben nach unten gerechnet:

Durchmesser Länge per Strang Wandstärke
2 Rohrstränge à 1800 mm 1095 m 26 mm
4 1250 280 26
6 1000 130 26
8 850 340 26,
10 775 1120 35

Jeder der unteren Rohrstränge würde somit je zwei Turbinen zu 3000 PS bedienen. Die Tourenzahl der letzteren, mit horizontaler Welle direkt mit der Dynamomaschine gekuppelt, ist zu 300 bis 320 in der Minute angenommen. Als Turbinenräder sind solche nach System Pelton vorgesehen. Der Ablaufkanal mündet unmittelbar in den Zürchersee. Nachdem die Konzession für das Werk erteilt worden, ist Ingenieur Kürsteiner zur Zeit mit den Detailstudien über den baulichen Teil der Anlage beschäftigt und behalten wir uns vor, von der weiteren Entwickelung des Werkes seiner Zeit Bericht zu erstatten.

Der mit dem Sihlseeprojekt betrauten Oerlikoner Maschinenfabrik haben sich noch drei bedeutende Firmen angeschlossen, um das Riesenwerk fertig zu stellen und die nötigen Kapitalien (nach neuerer Berechnung 34 Millionen Franks) aufzubringen. Es sind dies die Firmen Sulzer und Cie. und Rieter und Cie. in Winterthur, sowie Escher, Wyss und Cie. in Zürich.

Wilh. Müller, Cannstatt.

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D. p. J. 1900 315 * 645 und * 670.

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