Titel: Die Nernst-Lampe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 51–52)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi03_2
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Die Nernst-Lampe.

Eine der beachtenswertesten und auch meist beachteten Neuerungen auf der ganzen Weltaustellung zu Paris bildete, wie die Zeitschrift für Elektrochemie berichtet, die Nernst-Lampe, eine Errungenschaft für die elektrische Erhitzungstechnik, deren Tragweite noch gar nicht abzusehen ist. Prof. Nernst selbst hat vor der deutschen elektrochemischen Gesellschaft im Jahre 1899 und vor einigen anderen Kreisen schon mehrfach das Wesen seiner Erfindung besprochen, welche in der Erkenntnis gipfelt, dass eine Reihe von Oxyden und anderen bei gewöhnlicher Temperatur festen, nicht leitfähigen Verbindungen bei höherer Temperatur elektrolytisch leitet und so zur Wärme- und Lichterzeugung benutzt werden kann. Aus genannten Stoffen werden Stäbchen oder Röhrchen geformt, welche nun als Glühkörper dienen. Sie haben vor den Kohlenfäden den Vorzug der Unverbrennlichkeit, bedürfen also keiner luftabhaltenden Schutzhülle. Ihr Energieverbrauch ist bei gleicher Helligkeit 50 % desjenigen der besten bisherigen Glühlampen. Ueber die Schwierigkeiten der Vorwärmung der eigentlichen Glühkörper auf ihre Leittemperatur ist man durch mehrere einfache und zuverlässig arbeitende Vorrichtungen hinweggekommen, welche allen billigen Ansprüchen vollständig genügen. Die Gelegenheit der Erwähnung der elektrolytischen Glühlampe gibt Veranlassung, auf den Anteil, den die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft zu Berlin an dem Erfolge dieser Lampe hat, besonders hinzuweisen; sie hat das Problem der Uebertragung des Nernst'schen Gedankens in die Praxis mit einem Geschick und einer Energie durchgeführt, welche ungeteilte Bewunderung verdient. Die Ungeduld derer, welche seit dem Auftauchen der ersten Nachrichten über Nernst's Entdeckung nicht oft genug ihrer Verwunderung Ausdruck verleihen konnten, dass man noch immer keine Installation mit Nernst-Lampen sehe, wird nun wohl bald befriedigt werden, und schnell genug fürwahr, wenn man Verständnis für die technischen Schwierigkeiten hat, welche dem Erfolge dieser epochemachenden Erfindung im Wege standen.

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