Titel: Zuschrift an die Redaktion.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 164)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi10_2

Zuschrift an die Redaktion.

(Unter Verantwortlichkeit des Einsenders.)

In Heft 2 Ihres geschätzten Journals vom 12. Januar d. J. finden wir unter den Mitteilungen über Die Dampfmaschinen der Pariser Weltausstellung von Fr. Freytag u.a. eine Dampfmaschine von W. Bollinckx in Brüssel beschrieben, wobei ein an derselben angewendeter Dampfwasserableiter mit Hebelschwimmer besonders hervorgehoben wird.

Wir erlauben uns darauf hinzuweisen, dass wir diese Dampfwasserabieiter seit langen Jahren als Spezialität, unter dem Schutz des D. R. P. Nr. 40743 fabrizieren und überreichen ihnen anbei Abbildung nebst Beschreibung dieses Apparates.

Die Anwendung eines Luftventils, an Stelle des Hahnes und des Wasserstandszeigers an diesem Ableiter, ist unwesentlicher Natur.

Unser Dampfwasserabi eiter mit Hebelschwimmer und auswechselbarem Kegelventil ist sowohl für Wasserablauf ohne Druck mit freiem. Fall, als zum Hoch- und Fortdrücken des Wassers ohne Anwendung eines besonderen Rückschlagventils, nach Massgabe der Dampfspannung befähigt. Die Austrittsöffnungen sind, anderen Ableitern gegenüber, besonders gross.

Um ein breites und starkes Gelenk von Rotguss dreht sich T mit Ventil K, welches den Ausgang verschliesst, und hieran schliesst sich der Hebel mit dem sehr kräftig gebauten, hart gelöteten, mit 12 at probierten Homogeneisenblechschwimmer Sch an.

Das Ventil ist leicht zugängig.

Besonders hervorzuheben ist die patentierte Anordnung der Trennung des Eingangs für Dampf und Wasser. Durch diese Trennung kommt Ruhe in die im Topf angesammelte Wassermenge, so dass der Schwimmer nicht tanzt, wie bei anderen derartigen Töpfen, die dann stossweise zuletzt Dampf und Wasser austreten lassen. Auch das Kochen des Wassers, welches diese Unruhe sonst erzeugt, ist wirksam dadurch vermieden.

Die ohne weiteres verständliche Wirkung dieses Ableiters ist eine durchaus sichere. Das sich im Ableiter ansammelnde Wasser muss stets abfliessen, sobald es den Schwimmer und damit das Ventil hebt. Dampfverlust ist aber ausgeschlossen, weil die Ausflussöffnung stets unter Wasser bleibt. Die verhältnismässig hohe Lage des Ventils sichert dasselbe vor Verschmutzung.

h ist ein Lufthahn, welcher bei Beginn des Betriebes kurze Zeit zu öffnen ist.

Mittels Handhabe H, welche an dem Hebel H1 sitzt, kann man das Ventil jederzeit willkürlich öffnen. Hinterwärts (unten bei O) befindet sich eine Ablassschraube.

Um dort, wo es sich darum handelt, zu Anfang des Betriebessehr grosse Wassermengen, die vollauf den anschliessenden Rohrquerschnitten entsprechen, entlassen zu können, ohne dass man zu einer zu grossen Topfnummer seine Zuflucht nehmen muss, werden die Dampfwasserabieiter mit Umlauf, wie in der unteren Figur dargestellt, hergerichtet.

Textabbildung Bd. 316, S. 164

Der Eingang E und der Ausgang A sind übereinander in dieselbe Ebene und nach derselben Seite hin verlegt. An dem Eingang E ist ein Dreiwegehahn D und an dem Ausgang ein Rückschlagventil Z angeschlossen; Dreiwegehahn und Rückschlagventil sind wie gezeichnet verbunden. Wenn nun der Topf wie gewöhnlich arbeiten soll, so ist der Dreiwegehahn so gestellt wie gezeichnet, so dass aII geschlossen ist; das Wasser nimmt seinen Weg von E nach aI, geht durch den Topf in das eigentliche Ventil KV nach b, hebt den Kegel des Rückschlagventils Z und tritt bei A aus. Soll aber anfangs schnell viel Wasser entfernt werden, so ist die Umlaufleitung zu benutzen. Es wird der Dreiwegehahn so gestellt, dass er nach aI absperrt und nach aII öffnet; das Wasser geht dann von E nach aII über Z hinweg, indem es den Ventilkegel zudrückt, zum Ausgang A.

Textabbildung Bd. 316, S. 164

In dieser Stellung ist es nun auch möglich, nachdem man die Ablassschraube ZII entfernt (kann auch auf Wunsch durch einen Hahn ersetzt werden) und die Entleerung durch die Anlüftevorrichtung N bewirkt hat, ohne an der Leitung eine Störung zu verursachen und ohne den grossen Topfdeckel abschrauben zu müssen, an das eigentliche Ventil KV behufs Reinigung oder Auswechselung des Kegels K zu gelangen. Es ist dazu nur die Kappe M (Flansch 1 und 2), welche mit vier Schrauben befestigt ist, zu entfernen. Das Ventil liegt dann ganz frei und kann nach Herausziehen des Bolzens T leicht bedient werden.

Zu der beschriebenen Ausser- und Inbetriebsetzung der Umlaufleitung bedarf es also nur einer einzigen Handhabung bezw. einer einzigen Drehung des Stopfbüchsdreiwegehahnes D.

Hannover, 5. Februar 1901.

Hochachtungsvoll

Dreyer, Rosenkranz und Droop.

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