Titel: Die Huber-Pressung, ein neues Pressverfahren.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 244)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi15_2

Die Huber-Pressung, ein neues Pressverfahren.

Eine hochwichtige Neuerung, welche in einigen Gebieten der Industrie eine ganze Umwälzung hervorrufen wird, ist in der neuesten Zeit in dem Pressverfahren von Ingenieur Huber aus Karlsruhe entstanden, über welche der Erfinder selbst am 1. April ds. Js. im Verein zur Förderung des Gewerbefleisses einen Vortrag hielt.

Während bisher alle Pressungen, welche das Material in ihrer Form umgestalteten, in Spindelpressen, Fallwerken und sonstigen Maschinen stattfanden, die durch einen Stahlhammer den zu pressenden Körper mehr oder weniger ruckweise gegen eine Stahlmatrize als Unterlage pressten, wird nach dem Huber-schen Verfahren direkt hoher Wasserdruck als Druckkörper dienen, welcher sich in seiner Wirkung genau kontrollieren lässt und ganz ohne Stosswirkung den Körper gegen eine Matrize presst. Das Verfahren wird eine sehr vielseitige Anwendung erlauben, vor allem aber wird es sich auf Pressung von Hohlkörpern, Röhren und Luxusartikeln, z.B. Einpressung von Reliefs anwenden lassen. Der Erfinder ging von der Idee aus, dass Druckkörper und Gegendruckkörper beides hochgespanntes Wasser sein solle, dass also der umzugestaltende Körper mit seiner Form, in die er hineingepresst werden soll, also mit seiner Matrize zusammen ganz in rings umschliessendes Wasser hineingelegt wird, welches dann durch Pumpwerke auf hohen Druck gebracht wird. Zu diesem Zwecke schuf der Erfinder einen Behälter, den er Universal-Recipienten nannte, welcher im stande ist, grossein Wasserdruck Widerstand zu leisten. Die Konstruktion dieses Recipienten ist der Kernpunkt der Schwierigkeiten für die Ausführung dieser ebenso einfachen, wie hochgenialen Huber'schen Idee gewesen, welche heute aber vollständig durch den Erfinder gelöst ist.

Durch stufenweise Verengung von Cylindern wird eine Druckmultiplikation des Wassers hervorgerufen, und der Recipient hat Wasserdruck von über 7000 at aufzunehmen. Es handelt sich hier um Wasserdruck, den man bisher in der Praxis nicht gekannt, der nur vereinzelt im Laboratorium Anwendung gefunden hat. Der Erfinder hat die Aufgabe der Konstruktion derjenigen der Kanonenrohre nachgeahmt, welche bei der Explosion der Geschosse auch im Maximum einen Druck von 3000 at aufzunehmen haben. Dem Stahlrohr wird durch verschiedene starke Schrumpfringe der Widerstand gegen innere Pressung verliehen. Ebenfalls lässt sich durch bedeutende Umwickelung mit Draht diese Widerstandsfähigkeit erreichen.

In diesen Recipienten nun werden die zu pressenden Stücke hineingelegt. Dem Körper braucht vorher nur roh die Form gegeben zu werden, und es wird dann die Matrize mittels Kitt oder Gummischlauch wasserdicht auf dem Körper befestigt. Die Matrize braucht den früheren gegenüber nur bedeutend dünner zu sein, da keinerlei Stosswirkungen stattfinden.

Der Erfinder zeigte in seinem Vortrage sehr verschiedene hochinteressante Anwendungen. Man kann Material auf die Homogenität des Gefüges prüfen. Ist innen das Gefüge locker und porös, so wird der äussere Druck Beulen in das Material einpressen, ein Versuch, der für die Materialprüfung grosse Bedeutung hat. Färbt man das Druckwasser, so kann man poröse Körper, z.B. Steine, färben, da der Farbstoff in alle Fugen hineingepresst wird.

Eine Anwendung, die von der Industrie gewiss mit grosser Freude aufgenommen wird, ist das Aufpressen von Reliefs auf Metallgefässe, Becher, Flaschen. Gerade zu dem Pressen aller Feinheiten der Reliefs gehört ein ganz enormer Druck; der Erfinder hat 7000 bis sogar 10000 at angewendet. Die Matrizebraucht nur um weniges härter zu sein, wie der zu drückende Körper und daher ist man nicht auf Stahl angewiesen, sondern kann Bronze, ja Nickel als Matrizenmaterial verwenden. Dieser Umstand ist von ganz hervorragender Bedeutung, denn er erleichtert die Matrizenfabrikation ganz erheblich. Die Herstellung der harten Stahlmatrizen durch die Graveure war bis heute sehr teuer, zumal beim Härten durch Springen der Platte häufig grosse Arbeitsmühe umsonst war. Man kann jetzt Matrizen für Reliefs durch Vernickelung herstellen, ja, man ist in der Lage, was bisher ausgeschlossen war, die Matrize direkt nach dem Künstleroriginal herzustellen und alle bisherigen, teueren Graveurarbeiten fallen fort. Auf elektrolytischem Wege werden sich solche bequem herstellen lassen.

Der Erfinder zeigte Vertiefungen, die in Marmor und in Kupfer gedrückt waren und von einer Glasplatte mit Gelatine herrührten. Es wird vielleicht gelingen, hierdurch billige, druckfertige Druckplatten für Kupferdrucke herstellen zu können.

In der industriellen Praxis wird das Pressen von Rohren, ferner das Aufpressen von dekorativen Reliefs auf dieselben hier eine grosse Zukunft finden. Eine oft nur einige Millimeter starke Matrize wird um ein roh hergestelltes Rohr herumgelegt, gut verkittet und in den Recipienten gelegt. Der allseitige Wasserdruck presst aussen und innen und gibt dem Rohr jede gewünschte Form. Selbst Nickelstahl lässt sich in jede Form pressen, nur muss derselbe bei grosser Deformation dann und wann ausgeglüht werden. Man wird grössere Konstruktionskörper, soweit es die Grosse des Recipienten zulässt, bequem herstellen können, hohle Achsen und Wellen, z.B. für Dynamomaschinen, ja auch Achskasten zur Aufnahme der Achslager und Körper, die bisher nur aus Gussstahl hergestellt werden konnten, pressen können.

Aber auch feine Silbersachen, ja sogar solche, welche schon fertig waren und wo nur noch das Relief aufgepresst zu werden braucht, wird man unbeschädigt dem Recipienten anvertrauen können, denn Wasser als Druckkörper beschädigt selbst eine schon polierte Oberfläche nicht.

Auch die Dicke des Materials spielt gar keine Rolle. Der enorme Druck bringt es zum Fliessen. Auf einem 1 cm dicken Kupferbecher war ein ganz sauberes Relief aufgepresst. Der Becher brauchte nur am Rande abgedreht zu werden, alle andere Bearbeitung machte das Druckwasser, ohne dass man etwas hörte und dabei in wenigen Minuten, ja Sekunden. Der Erfinder zeigte geriefelte Gläser, die mit einer Kupferhülle vollständig umgeben waren. Eine hübsche Anwendung davon wird die Technik für ihre Wasserstandsgläser für Dampfkessel machen können.

Die Vielseitigkeit der Anwendung der Huber-Pressung ist heute noch gar nicht abzusehen. Erst wenn die Praxis sich des Verfahrens bedienen wird, wird die ganze Wichtigkeit der Erfindung erkannt werden können.

Voraussichtlich wird sich die Pressung nicht im Kleinbetrieb anführen können, denn die Maschinen werden teuer. Mit der Grosse der zu pressenden Gegenstände wächst die Grosse des Recipienten und hiermit ganz bedeutend der Preis der Maschinen. Eine hinreichend grosse Maschinenanlage wird 150000 Mark kosten, aber selbst eine kleine Anlage wird schon 20000 bis 25000 Mark erfordern. Für die Fabriken, welche sich nicht eine solche Anlage beschaffen können, wird es daher sehr vorteilhaft sein, grössere Zentralstellen, Pressanstalten zu schaffen. Gegen geringen Entgelt kann jedermann seine Sachen da pressen lassen, die von Industriellen gut vorbereiteten Stücke werden nur eingelegt und in einigen Minuten kann er sie fertig wieder mitnehmen. Dabei kann der Gegenstand ganz diskret bleiben, denn er ist eingehüllt in die Matrize und keiner kann es sehen. Es können in einen grösseren Recipienten von vielleicht ½ m Durchmesser viele Stücke hineingehen, vielleicht 100 Stücke, das Einlegen dauert nur 4 bis 5 Minuten, das Pressen eine halbe Minute, so dass enorme Mengen mit solcher Anlage beschafft werden können.

Durch die Huber-Pressung wird einigen Fabrikationszweigen eine grosse Hilfe geschaffen sein und die stets weiterstrebende Technik wird die Einführung dieser hochbedeutenden Neuerung mit grosser Freude begrüssen können.

D.

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