Titel: Die Herstellung von Holzguss.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 276)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi17_2

Die Herstellung von Holzguss.

Holzschnitzereien wurden bis jetzt in der Weise imitiert, dass man die betreffenden Ornamente aus Gips, Hartguss oder Steinpappe nach allen Regeln der Lackierkunst mit Grund- und Maserfarben behandelte, und ihnen dann mit Matt- und Glanzlacken den Anschein des gebeizten und polierten Holzes gab.

So gelungen diese Imitationen an und für sich schon sein mögen, so werden sie doch durch ein neues Verfahren, bei welchem auch die Holzporen ganz genau wieder gegeben werden, bei weitem übertroffen.

Die Wiedergabe der Holzporen war bis jetzt nur deshalb nicht möglich, weil kein erprobtes Mittel bekannt war, durch welches man den Holzmodellen (die zur Herstellung der elastischen Leimformen dienen) die Holzstruktur erhalten kann. Denn die vielen Schellacküberzüge, die notwendig sind, um ein solches Modell so öldicht zu machen, damit das Oel nicht einschlägt und das Modell die Leimform leicht loslässt, decken alle Feinheiten der Holzstruktur vollständig zu.

Bedient man sich dagegen, um das Modell öldicht zu machen, statt der mehrmaligen Schellacküberzüge eines einmaligen Collodiumüberzuges, so ist der Erfolg ganz überraschend.

Das Holzmodell, das am besten aus recht porösem Eichenholze angefertigt und selbstredend vorher gründlich abgestaubt wird, wird mit einer nur zweiprozentigen Collodiumlösung ziemlich reichlich überzogen. Dies geschieht am einfachsten und schnellsten, wenn man die Collodiumlösung aus einer geeigneten Flasche in sehr dünnem Strahle auf das Modell aufgiesst und mit einem sogen. Fischpinsel schnell verstreicht.

Nach erfolgtem Trocknen ist das Holzmodell ebenso matt und porös wie vorher, aber so öldicht, dass man als Schmiermittel Petroleum benutzen kann, das zu gleichem Teile mit Benzin verdünnt wurde. Nach dem Verdunsten des Benzins bleibt auf dem Modell von dem aufgetragenen Schmiermittel immer noch ein dünnes Oelhäutchen zurück, das vollständig genügt, um die Leimform leicht loszulassen.

Das Giessen der Ornamente geschieht dann wie sonst, doch kann man die Gussmassen gleich etwas mit Ocker färben und spart damit das Grundieren der gegossenen Ornamente.

O. R.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: