Titel: Das Ewald Rasch'sche neue Verfahren zur Erzeugung von elektrischem Licht.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 1 (S. 290–291)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi18_1

Das Ewald Rasch'sche neue Verfahren zur Erzeugung von elektrischem Licht1).

Nach allen bisherigen Erfahrungen und namentlich auch nach den wissenschaftlichen Feststellungen seitens hervorragender Fachgelehrter erscheint es ausser Frage gestellt, dass für Glühlampen jeder Art die Möglichkeit einer Lichtgewinnung mit ausserstem wirtschaftlichen Erfolg zuförderst an die Vorbedingung gebunden ist, die leuchtenden Körper bei den höchst möglichen Temperaturen strahlen zu lassen. Geleitet von diesem Grundsatze und unterstützt durch das überraschende, wertvolle Ergebnis eigener Versuche, laut welchem sich auch Leiter II. Klasse als Lichtbogenelektroden geeignet erweisen, wenn sie hierfür entsprechend vorgewärmt werden, baute Ewald Rasch zur Erzeugung elektrischen Lichtes ein neues Verfahren auf, welches durch D. R. P. Nr. 117 214 vom 18. März 1899 geschützt ist und im wesentlichen darin besteht, dass zwischen feuerbeständigen Stoffen, wie Magnesia, Kalk, Thonoxyd, Zirkonoxyd u.s.w. ein selbständiger Lichtbogen hergestellt wird.

Hinsichtlich seines physikalischen Verhaltens zeigt ein solcher Lichtbogen gegenüber dem Kohlenlichtbogen einen scharf ausgeprägten Unterschied schon insofern, als bei ihm die Energiedichte zwischen den Elektroden 30 bis 40 oder noch mehr Watt pro Quadratmillimeter leuchtender Fläche erreichen kann, in welchen Fällen also die daselbst vorhandenen Temperaturen zu den höchsten gehören, welche sich überhaupt mit den uns bekannten und zur Verfügung stehenden Mitteln und Stoffen erzeugen lassen. Nach dem eingangs hervorgehobenen Gesetze bringt es also dieses Temperaturmaximum naturgemäss mit sich, dass der Nutzeffekt des zwischen festen, feuerbeständigen Stoffen erzeugten Lichtbogens grösser sein muss, als bei allen anderen bisherigen Beleuchtungsmethoden; eine Thatsache, die denn auch durch das Experiment und die Praxis voll erwiesen wird. Der in Rede stehende Lichtbogen zeichnet sich aber auch dadurch aus, dass sein Spektrum überwiegend lichtwirksame,gelbgrüne und nur wenig ultrarote, unwirksame Strahlen aufweist; es ist dies ein Vorzug, der von keinem Glühlichte bisher auch nur annähernd erreicht wurde. Ein beispielsweise zwischen Magnesiaelektroden oder Zirkonelektroden hergestellter Lichtbogen liefert ein Licht, das an Helle und Weisse dem Sonnenlicht ganz nahe kommt und das Ziel bereits als erreicht ansehen lässt, dessen Erfüllung Jessler unlängst in den amerikanischen Blättern in Aussicht stellte. Durch die Wahl des Materials für die Elektroden ist es ausserdem ganz gut und leicht möglich, dem Lichte, etwa behufs künstlerischer Anpassung an die Umgebung, bestimmte Farbenabtönungen zu erteilen.

Nach den vom Erfinder durchgeführten Laboratoriumsversuchen stellt sich die normale Lichtausbeute bei dem Elektrolytbogenlicht pro Watt Stromverbrauch auf 3 bis 4 Hefner-Kerzen, während sie bei gewöhnlichem Gleichstrombogenlicht nur 2,00, bei Wechelstrombogenlicht 1,25, bei Nernst-Licht 0,66 und bei gewöhnlichen elektrischen Glühlampen gar nur 0,29 Hefner-Kerzen beträgt. Umgekehrt beläuft sich der Stromverbrauch pro Hefner-Kerze für das Elektrolytbogenlicht bloss auf 0,25 bis 0,3 Watt, wogegen er sich für Gleichstrombogenlicht mit 0,5, für Wechselstrombogenlicht mit 0,8, für Nernst-Licht mit 1,5 bis 1,6 und bei elektrischen Glühlampen auf 3,0 bis 4,0 Watt beziffert. Danach zeigt sich das Rasch-Licht beiläufig doppelt so günstig als Kohlenbogenlicht, etwa 5- bis 6mal günstiger als Nernst-Licht und 12mal günstiger als gewöhnliche elektrische Glühlampen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist es ferner, dass die feuerfesten Elektroden doch nur äusserst langsam abgenutzt werden, nur sehr geringe Abmessungen zu haben brauchen, und an sich billig zu beschaffen sind. Der Erfinder ist daher überzeugt, sein neues Licht werde sich trotz der derzeitigen, noch hohen Strompreise bedeutend billiger herausstellen als Auer'sches Gaslicht.

Die schon oben angeführten Ziffern über Lichtausbeute und Stromverbrauch für das Elektrolytbogenlicht sind übrigens in-soferne abfällig beeinflusst, als bei den betreffenden Feststellungen lediglich Wechselströme zur Benutzung kamen, obwohl sich bei Verwendung von Gleichstrom – wahrscheinlich ebenso, wie dies bei gewöhnlichem Kohlenbogenlicht der Fall ist – günstigere Ergebnisse herausgestellt haben würden. Sie beziehen sich auch |291| nur auf sogenannte harte Elektrolytelektroden, während die weichen, d.h. solche, welche ohne einer äusseren Vorwärmung bloss durch Ströme von entsprechender Ueberspannung den Lichtbogen entstehen lassen, oder die mittelharten, d.h. diejenigen, für welche das Vorwärmen mittels einer Streichholz- oder Spiritusflamme genügt, weniger günstige Resultate ergeben und für die Rasch'sche Beleuchtung überhaupt von keinem Belang zu sein scheinen. Das Vorwärmen der harten feuerbeständigen Elektroden geschieht bei Bogenlampen ohne nennenswerten Aufwand von Neben Vorrichtungen einfach durch einen im Nebenschluss befindlichen Flammenbogen von gutleitenden Hilfselektroden, der beim Schlusse des Stromkreises sich zuerst entwickelt, dann die eigentlichen Elektroden bis zur Leitungsfähigkeit erhitzt und wieder unterbrochen wird, sobald der wirkliche Lichtbogen sich gebildet hat.

Für alle Fälle bedeutet das Rasch'sche Verfahren einen neuerlichen wichtigen Aufschwung der Beleuchtungstechnik im allgemeinen sowie jener des elektrischen Lichtes im besonderen, und dieselbe birgt offenbar noch einen ganzen Schatz weiterer auch auf andere technische oder wissenschaftliche Gebiete übergreifende Entwickelungs- und Vervollkommnungsphasen in sich.

L.K.

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Vergl. „Ein neues Verfahren zur Erzeugung von elektrischem Licht“ von Ewald Rasch, Potsdam. Sonderabdruck aus der Elektrotechnischen Zeitschrift 1901, Heft 7.

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