Titel: Schnell erstarrende Hartgussmassen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 291)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi18_2

Schnell erstarrende Hartgussmassen.

Bekanntlich herrscht in der Spiel- und Galanteriewarenindustrie eine rege Nachfrage nach giessbaren Massen, welche leicht und billig herzustellen sind, verhältnismässig schnell erstarren, und, der späteren Bemalung wegen, keine allzu grosse Porosität besitzen sollen.

So gross das Bedürfnis in dieser Hinsicht ist, so gering ist die Auswahl in den dazu geeigneten Materialien.

So z.B. ist die Verwendung von Cement bei allen solchen Massen von vornherein ausgeschlossen, weil die Cementgüsse zu lange in den Formen bleiben müssen und zu lange Zeit zu ihrer endgültigen Erhärtung bedürfen; infolgedessen sind sie zur schnellen Erzeugung von grossen Mengen einzelner Artikel (wie sie bei Bedarf manchmal schnell auf den Markt gebracht werden müssen) ungeeignet.

Bei der gegenwärtig in Gebrauch befindlichen Hartgussmasse kommt daher auch eine Mischung von zwei Teilen Gips und einem Teile Schlemmkreide zur Anwendung. Diese Mischung wird in eine mässig heisse, 12 ½ %ige Kaninchenleimlösung bis zur Konsistenz eines noch leicht ausfliessenden Breies eingerührt, worauf die Masse sofort vergossen werden kann. Allerdings wird die Temperatur des heissen Leimes durch den Zusatz der kalten Gips- und Kreidemischung auf Lauwärme herabgesetzt. Doch auch diese Wärme verhindert das Erstarren immerhin noch ganz beträchtlich, weil das eigentliche Binden des Gipses erst dann beginnt, wenn der Leim völlig erkaltet und bereits gelatiniert ist. Man kann die Abgüsse in diesem elastischen Zustande wohl aus den Formen nehmen, doch bei vielen Sachen liegt dann die Gefahr nahe, dass sie sich vor dem völligen Erstarren noch irgendwie „verziehen“.

Nun ist es in allerneuester Zeit gelungen, auch diesem Uebelstande (dem Verziehen der Abgüsse) abzuhelfen.

Bei diesen neuen Hartgussmassen wird der Kaninchenleim durch Dextrin ersetzt. Das schnelle Erstarren dieser Massen wird durch Alaun herbeigeführt und lässt sich durch Vermehrung oder Verminderung des Alaunzusatzes willkürlich beschleunigen oder verzögern, je nach Bedarf. Ein fernerer Vorzug dieser Massen ist der Umstand, dass man sämtliche Bestandteile bereits trocken miteinander vermischen und vorrätig halten kann, so dass man bei Bedarf die Mischung nur in Wasser anzurühren braucht.

Das so lästige Leimschmelzen fällt also ganz fort.

Das richtige Gelingen dieser Gussmassen hängt auch nur von dem annähernd richtigen Einhalten der ausprobierten Verhältniszahlen der einzelnen Bestandteile ab, und am besten bürgt für dieses Einhalten des richtigen Verhältnisses das vorherige Mischen der trokenen Bestandteile.

Bei diesem Mischen brauchen die einzelnen Bestandteile auch nicht abgewogen zu werden, es genügt schon das Mischen nach Raumteilen (z.B. schaufelweise) für richtiges Gelingen.

Da das Verhältnis zwischen Dextrin und Alaun von der Menge des angewendeten Gipses abhängt, so ist es am einfachsten und sichersten, Dextrin und Alaun vorher für sich zu mischen und dann von dieser Mischung dem jeweiligen Quantum Gips eine entsprechende Menge zuzusetzen.

Bei dieser Handhabung ist die Herstellung der Hartgussmassen die denkbar einfachste.

Will man z.B. zu je vier Teilen Gips einen Teil Dextrin verwenden, so vermischt man das Dextrin vorher mit einem Zwanzigstel Alaunmehl (= 80 Teilen Gips, 20 Teilen Dextrin und 1 Teil Alaun).

Bei drei Teilen Gips und einem Teil Dextrin mischt man das letztere vorher mit einem Zehntel Alaunmehl (= 30 Teilen Gips, 10 Teilen Dextrin und 1 Teil Alaun).

Bei zwei Teilen Gips lind einem Teil Dextrin wird dasletztere mit einem Fünftel Alaunmehl vermischt (= 10 Teilen Gips, 5 Teilen Dextrin und 1 Teil Alaun).

Diese Massen sind bedeutend härter als reiner Gips und auch nicht so porös wie dieser, gleichwohl erstarren sie ebenso schnell (in 20 bis 30 Minuten) wie Gips.

Wird der Alaunzusatz verdoppelt, so werden auch die Massen noch doppelt so hart, jedoch erstarren sie dann fast zu schnell (in 10 bis 15 Minuten) und man muss daher in diesem Falle die Masse für jeden Guss besonders anmachen.

Wird hingegen der Alaunzusatz auf die Hälfte als angegeben reduziert, dann erstarren die Massen erst in 40 bis 60 Minuten und werden auch weicher.

Man hat es also ganz in der Hand, für den jeweiligen Zweck die geeignetste Zusammensetzung der Massen herbeizuführen, zumal man ihnen auch ziemlich grosse Mengen von Erdfarben zusetzen kann, ohne ihre Eigenschaften wesentlich zu beeinflussen.

Zu bemerken ist noch, dass diese Massen ebenso wie Gips in Leimformen gegossen werden.

O. R.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: