Titel: Neues amerikanisches Schmiedegebläse, System Schweickhardt, genannt „Wolf-Feuer“.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 339)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi21_2

Neues amerikanisches Schmiedegebläse, System Schweickhardt, genannt „Wolf-Feuer“.

Auf dem Gebiete der Schmiedefeuerungen ist seit langer Zeit trotz der enormen Fortschritte der Eisenindustrie alles beim alten geblieben. Das Schweickhardt'sche System scheint eine brauchbare und gegenüber dem bisher üblichen verbesserte Schmiedefeuerform darzustellen, die ein rationelles Arbeiten ermöglicht.

Die bedeutend grössere Hitze, die sie gegenüber anderen Formen erzeugt, ist das Resultat der zweckmässigen Konstruktion der Blasekappe, durch welche die Luft strahlenförmig nach allen Seiten herausgepresst wird; hierdurch wird der sogen, „tote Punkt“ im Feuer vollständig aufgehoben und die Hitze ist eine über die ganze Feuerschüssel gleichmässig verteilte. Mit dieser schnelleren und intensiveren Wärmeentwickelung geht natürlich eine erhöhte Arbeitsleistung Hand in Hand und eine Kohlenersparnis tritt als besonderer Faktor hinzu.

Textabbildung Bd. 316, S. 339

Ein weiterer Vorzug dieser Form besteht angeblich darin, dass sie zufolge ihrer praktischen Lage – eine Folge der Erfindung – nicht erhitzt wird, und darum von fast unbegrenzter Haltbarkeit ist und deshalb nur einmalige Anschaffungskosten verursacht. Dieses Kühlbleiben der Form verhindert auch das lästige „Verschlacken“ welches hier nur infolge grober Vernachlässigung des Bedienenden eintreten könnte. Explosionen, welche sonst überall vorkommen und den Windleitungsrohren, Ventilatoren, Blasebälgen u.s.w. grossen Schaden zufügen, sind bei diesem „Wolf-Feuer“ nicht zu befürchten, denn um das senkrechte Rohr desselben legt sich ein Mantel, durch welchen die Explosionsgase gezwungen sind, ihren Weg zu nehmen; da sie also das Feuer selbst nicht passieren können, fällt jede Explosionsmöglichkeit fort und es wird weiter dadurch erreicht, dass das Feuer – der Güte der Kohlen angemessen – ganz weiss brennt und stets schweissbereit ist.

Zu erwähnen ist ferner bei diesem Feuer der gänzliche Fortfall der Lösche, was wiederum der Kohlenersparnis zu gute kommt, denn Lösche ist eben nur unverbrannte Kohle, welche das Feuer verunreinigt und das Leben des Feuers beeinträchtigt.

Dass dieses Feuer aus praktischer Erfahrung heraus konstruiert ist, lehrt auch der kleine Schieber am senkrechten Rohr unten, der die Bestimmung hat, Asche u.s.w. hindurchfallen zu lassen, damit aber gleichzeitig eine noch wichtigere verbindet: Will der Arbeitende eine Pause machen, so kann er das Feuer durch einfaches Oeffnen des Schiebers stundenlang erhalten, weil nun das Rohr als Schornstein wirkt und der hindurchziehende Luftstrom das Feuer wach erhält. Die Handhabung ist die denkbar einfachste und besteht eigentlich nur in dem zeitweisen Abheben der Schlacken; wird dieses gewissenhaft besorgt, so kann ohne Unterbrechung durchgearbeitet werden.

Wie ersichtlich, verbindet dieses Feuer, System Schweickhardt, mit grosser Dauerhaftigkeit hohe Arbeitsleistung, bedeutende Kohlenersparnis, bequeme Handhabung und Explosionssicherheit.

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