Titel: Mechanische Kesselfeuerung mit selbstthätiger Schürvorrichtung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 1 (S. 369–370)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi23_1

Mechanische Kesselfeuerung mit selbstthätiger Schürvorrichtung1).

In der Hammersmith Electric Power Station in England ist an einem Babcock- und Wilcox-Kessel eine mechanische Kesselfeuerung angebracht, die von der Underfeed Stoker Company, Limited, Walbrock, London, E. C. hergestellt ist und dadurch besonderes Interesse verdient, dass sie mit einer automatisch wirkenden Schürvorrichtung verbunden ist.

Bei der neuen, in Fig. 1 bis 3 dargestellten Kesselfeuerung, die patentiert und in zwei Exemplaren an dem oben erwähnten, mit zwei Rosten ausgestatteten Babcock- und Wilcox-Kessel angebracht ist, geschieht die Beschickung der Kohlen nach einer bereits bei anderen Kesseln angewandten Methode. Nachdem die Kohlen in einen vorne am Kessel angebrachten Trichter geschüttet worden sind, werden sie mittels einer sich nach der Spitze hin verjüngenden Schnecke in eine in der Mittedes Rosts befindliche Rinne geschafft, von der sie gleichmässig aufsteigen und sich auf dem ganzen Rost verteilen. Die Schnecke macht je nach der gewünschten Schichtendicke 1 bis 2 Umdrehungen in der Minute. Während des langsamen Aufsteigens werden die Kohlen allmählich erhitzt und die flüchtigen Produkte aus denselben ausgetrieben. Die letzteren vermischen sich mit der Luft, welche durch in den Roststäben befindliche Löcher Zutritt findet. Das' Gasgemisch steigt aufwärts und wird beim Durchdringen der obersten, weissglühenden Kohlenschicht ohne Rauchbildung verzehrt. Die Luft wird durch ein Gebläse in den Aschenraum gedrückt; der Druck ist in der Regel geringer als ein solcher von 25,4 mm Wassersäule. Die Schlacken werden gegen die Seitenwände des Feuerraums geschafft und sammeln sich dort in Rinnen an, aus denen sie durch besondere, in der Vorderwand des Feuerraums angebrachte Thüren entfernt werden. Das Schüren des Feuers erfolgt durch eine eigenartige Bewegung der Roststäbe. Sämtliche Roststäbe sind, wie aus Fig. 2 hervorgeht, auf einem gitterartigen Gestell derartig drehbar gelagert, dass sie eine seitlich hin und her gehende Bewegung ausführen |370| können. Diese Bewegung wird durch eine unterhalb der Schneckenrinne angeordnete Welle hervorgerufen, die sich mit derselben Geschwindigkeit dreht, wie die Schnecke. Eine an dem einen Ende dieser Welle angebrachte Kurbel bethätigt mittels einer Lenkerstange zwei Hebel, von denen jeder an einem Roststab der beiden, durch die Schneckenrinne geschiedenen Roststababteilungen angebracht ist. Durch kleine Verbindungsstangen, an denen sich Zapfen befinden, werden die Roststäbe jeder Roststababteilung zwangläufig miteinander verbunden. Infolge der geschilderten Bewegung der Roststäbe werden die Kohlen gerüttelt und vor dem Zusammenbacken bewahrt, ausserdem strömt die durch die Roststaböffnungen dringende Luft, die überall freien Durchgang findet, gleichmässig durch die ganze Kohlenschicht, so dass eine gleichmässige Verbrennung stattfindet.

Textabbildung Bd. 316, S. 370
Textabbildung Bd. 316, S. 370
Textabbildung Bd. 316, S. 370

Die Förderschnecke und die Schürwelle werden durch einen gemeinsamen, eigenartig gebauten Motor angetrieben. Dieser Motor, der in Fig. 1 und 3 zu erkennen ist, wird mit Dampf betrieben und besteht aus einem wagerechten Cylinder, dessen Kolben mittels einer Traverse eine auf dem Cylinder gleitende, mit zwei Zahnstangen versehene Hülse hin und her bewegt. Die Zahnstangen bethätigen Hebel, welche ebenfalls mit Zähnen ausgestattet sind und durch Sperrklinken ein auf der Schneckenwelle aufgekeiltes Sperrrad in Umdrehung versetzen.

Auf der Schneckenwelle ist ausserdem ein Zahnrad aufgekeilt, das ein anderes, auf der Schürwelle befindliches Zahnrad antreibt. Der Motor macht normal etwa 20 Doppelhübe in der Minute, doch kann seine Geschwindigkeit durch Drosselung des Dampfes in der Dampfleitung geregelt werden. Der Durchmesser des Dampfcylinders beträgt 155 mm und der Hub 127 mm. Der Motor, sowie der ganze Antriebsmechanismus der Schnecken- und Schürwelle ist von einem Gehäuse umgeben, das mit abnehmbaren Deckeln versehen ist.

Mit Hilfe dieser Kesselfeuerung kann jede Schichtendicke von 150 mm bis 455 mm geschaffen werden. Die Beobachtung des Feuers wird durch eine Feuerthür ermöglicht, welche den bei Handfeuerungen verwendeten Thüren ähnelt. Durch diese Thür kann auch die Feuerung mit der Hand bedient werden, falls der Motor infolge irgend einer Betriebsstörung stillsteht.

Es sei schliesslich noch erwähnt, dass der Kessel, an welchem die neue Vorrichtung versuchsweise angebracht worden ist, vorher bei der Feuerung mit der Hand mit Aberavon-Dampfkesselkohlen gefeuert wurde, die 30 Mk. pro Tonne kosteten. Nach Anbringung der mechanischen Feuerung konnte minderwertige Gruskohle verwendet werden, die 13,5 Mk. bis 15 Mk. pro Tonne kostete, ohne dass die Verdampfungsfähigkeit des Kessels verringert wurde.

H.

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The Engineer, 22. Februar 1901, S. 197.

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