Titel: Die Westlake'sche Kohlenstaubfeuerung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 419–420)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi26_2

Die Westlake'sche Kohlenstaubfeuerung1).

Eine Neuerung auf dem Gebiet der Kohlenstaubfeuerungen ist von William Westlake, dem kürzlich verstorbenen Begründer der Firma Adams and Westlake Co., Chicago, geschaffen worden. Die praktische Ausführung der Westlake'schen Erfindung hatte die Firma Faber du Faur and Donnelly, 132 Nassau St, New York City, übernommen. Unter Leitung Mr. Donnelly's ist die neue Feuerung an einem Kessel in den Werken von Hubbard and Carpenter, 93 Pearl St., Brooklyn, N. Y., angebracht worden.

Textabbildung Bd. 316, S. 419
Textabbildung Bd. 316, S. 419
Textabbildung Bd. 316, S. 419

Die Westlake'sche Kohlenstaubfeuerung, die in Fig. 1 bis 3 dargestellt ist, unterscheidet sich im Wesentlichen dadurch von den bereits bekannten Kohlenstaubfeuerungen, dass ein Rost zu Hilfe genommen ist, auf welchem ein mässiges Feuer gewöhnlicher Kohlen unterhalten wird. Diese Kohlen werden durch die Thür D eingebracht, welche mittels des Handrades K auf und nieder gewunden wird. Der Kohlenstaub wird in den vor der Thür D angeordneten Trichter H gefüllt, dessen Boden durchlöchert ist. Durch die am Grunde dieses Trichters befindliche, rotierende Walze R, die mit Zähnen versehen ist, wird der Kohlenstaub durch die Löcher getrieben. Auf der Achse der Walze R ist ein Sperrrad W befestigt, das von dem schwingenden, mit einer Sperrklinke ausgestatteten Hebel N angetrieben wird. Dieser Hebel wird mittels der Lenkerstange A von dem Hebel L bethätigt, der durch die Lenkerstange B von der kleinen Dampfmaschine E (!) Antrieb erhält. Der eine Arm des Hebels L ist zu einer Kulisse ausgebildet, in welcher sich eine an dem oberen Ende der Lenkerstange A angebrachte Rolle bewegt. Mit Hilfe des Hebels M kann diese Rolle beliebig in der Kulisse verschoben werden; wenn sie sich in der Achse des Hebels L befindet, wird der Lenkerstange A und dem Hebel N keine Bewegung erteilt; je mehr die Rolle nach links geschoben wird, je grösser ist die Bewegung von A und dementsprechend der Ausschlag von N. Die Thür D ist um so viel hochgewunden, dass eine schmale |420| Oeffnung gebildet wird. Vor diese Oeffnung fällt der Kohlenstaub in dünnem Strom und wird durch den Luftzug in den Feuerraum geschafft.

Das auf dem Rost unterhaltene Kohlenfeuer bildet etwa ⅓ bis ½ der gesamten zur Verwendung kommenden Brennstoffmenge; als Brennstoff kann hierfür jede Art Kohle dienen, die auf einem Rost gefeuert wird. Die Beschickung dieser Kohlen geschieht alle 2 bis 3 Stunden mit der Hand. Der Rest der Brennstoffmenge, die zum Aufrechthalten des verlangten Dampfdrucks notwendig ist, wird in Form von Kohlenstaub durch den Trichter zugeführt, wobei zur Regelung der Kohlenstaubzufuhr eine besondere automatische Vorrichtung dient.

Diese Reguliervorrichtung besteht aus einem vertikalen Dampfcylinder, welcher mit dem Kessel in Verbindung steht und in welchem sich ein durch ein Kontregewicht entlasteter Kolben bewegt. Wenn der Dampfdruck im Kessel unter die normale Höhe herabsinkt, wird der Kolben von dem Kontregewicht in dem Cylinder aufwärts gezogen. Durch diese Bewegung des Kolbens wird der Hebel M bethätigt und die an der Lenkerstange A befindliche Rolle aus der Totstellung bewegt, so dass die Kohlenstaubzufuhr erfolgt. Gleichzeitig wird mit Hilfe von Seilen und Flaschenzügen ein Schieber in den Feuerzügen geöffnet. Sobald der Dampfdruck über die normale Höhe steigt, wird durch Verschiebung der Rolle in die Totlage die Kohlenstaubzufuhr eingestellt und der Schieber geschlossen.

Die in den Werken von Hubbard and Carpenter zur Anwendung gelangte Kohlenstaubfeuerung soll sich gut bewährt haben. Der Kessel, an welchem sie angebracht ist, versorgt eine Maschine mit Dampf, die während der Arbeitszeit sehr verschieden belastet ist; der Kesseldruck unterliegt aber trotzdem keinen nennenswerten Schwankungen und es findet keine Rauchbildung statt, obwohl der gefeuerte Kohlenstaub aus weicher Kohle hergestellt ist.

Vor kurzem sind auch zum erstenmal erfolgreiche Versuche angestellt worden, harte Kohle zu Kohlestaub zu verarbeiten; die hauptsächlichste Schwierigkeit bestand hierbei darin, das Material genügend fein zu pulverisieren.

H.

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Engineering News, 14. März 1901, S. 178.

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