Titel: Ein neues Acetylenlaternensystem.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 4 (S. 435)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi27_4

Ein neues Acetylenlaternensystem.

Dieses nach Patent Kraus von dem Industriewerke Rossbach G. m. b. H. in Wolfstein auf den Markt gebrachte System unterscheidet sich von den bisherigen dadurch, dass das Wasser nicht auf das Karbid tropft, wodurch schon nach kurzer Brenndauer die Schlammrückstände das noch unverbrauchte Karbid bedecken, so dass dem Wasser kein direkter Zugang zu letzterem möglich ist, was zur Folge hat, dass die Vergasung ungleichmässig vor sich geht, sondern das Wasser kommt hier aus dem Wasserbehälter durch ein konzentrisches Röhrchen und greift das Karbid von unten an; Wasser, Karbid und Kalkhydratrückstände sind voneinander getrennt.

Der Karbidbehälter ist frei schwebend in dem Laternenkörper angebracht. Durch seine eigene Schwere und durch eine darüber befindliche Feder gedrückt, hat derselbe das Bestreben herabzusinken. Daran wird er aber vorläufig gehindert durch einen Teller, der von unten gegen das Karbid drückt (Fig. 1). Sobald die Zersetzung beginnt, drückt sich der Schlamm fortwährend aus dem Gitter des Karbidbehälters heraus und fällt in den darunter liegenden Schlammbehälter (Fig. 2). Eine Folge davon ist, dass in gleichem Masse wie die unteren Schichten des Karbides sich in Schlamm durch die Zersetzung verwandeln und herausgedrückt werden, der Karbidbehälter über den Teller herabsinkt und dabei immer neues Karbid der dicht über dem feiler befindlichen Wasserzuführungsstelle entgegenführt. Es mussalso immer eine gleichmässige Zersetzung und Gasentwickelung stattfinden und eine Verschlammung des intakten Karbides ist ausgeschlossen; ebenso wird auch das lästige Russen vermieden. Die Laterne ist ferner geruchfrei, weil in dem konzentrischen Röhrchen fortwährend eine Wassersäule von 80 mm steht, die das Gas vollständig abschliesst. Durch diese Anordnung wird auch jeglicher Explosionsgefahr vorgebeugt, da ein Ueberdruck der Gase die Wassersäule etwas zurückdrängt, wodurch so lange kein Wasser zum Karbid kommt, bis der Ueberdruck nachgelassen hat.

Textabbildung Bd. 316, S. 435
Textabbildung Bd. 316, S. 435

Um die Lampe ausser Betrieb zu setzen, stellt man die Wasserzuführung durch das Wasserventil ab, wodurch die Flamme in kurzer Zeit verlöscht, ohne Geruch oder Russ zu hinterlassen.

Die Reinigung ist nicht nach jedem Gebrauch der Lampe erforderlich, sondern erst, nachdem die Laterne ihre maximale Brenndauer erreicht hat, die unter normalen Verhältnissen 4 bis 5 Stunden beträgt. Die Lampe kann also in beliebigen Zeitabschnitten durch einfaches Oeffnen des Wasserventils und Anzünden gebraucht werden.

Das System kann deshalb sowohl bei Haushaltungslampen, Strassenlaternen u.s.w., als auch zu besonderen militärischen und technischen Zwecken Verwendung finden. Wie wir erfahren, ist aus den Kreisen der Tiefbautechniker bereits der Wunsch nach einer Kanallaterne geäussert worden und hat die Firma auch bereits ein Modell in Angriff genommen.

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