Titel: Zuschrift an die Redaktion.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 1 (S. 580)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi36_1

Zuschrift an die Redaktion.

(Unter Verantwortlichkeit des Einsenders.)

Bemerkungen zu dem Aufsätze über den „Edison-Sammler“.

Bei Besprechung der Edison-Zelle (S. 469 d. Bd.) hat der Referent kritische Bemerkungen daran geknüpft, die im ganzen durchaus zutreffend sind. Betreffs einiger Einzelheiten jedoch, die dem Referenten nicht aus eigener Anschauung bekannt sein dürften, wird eine Berichtigung insofern am Platze sein, als Schreiber dieses eingehende Versuche auf diesem Gebiet gemacht hat. Da ist es zunächst dem Referenten durchaus richtig aufgefallen, dass die Edison-Zelle bei einer Entladung mit 75 Ampère eine grössere Kapazität aufweist, als bei der Entladung mit 42,5 Ampère. Sollte da ein Widerspruch mit den bisher bekannten Regeln stattfinden? Dies ist keineswegs derFall, vielmehr erklärt sich diese Erscheinung auf die einfachste Weise dadurch, dass die Entladung mit 75 Ampère zuerst und mit 42,5 Ampère darauf vorgenommen wurde, und dass schon nach der ersten Entladung die Kapazität des Elementes so viel abgenommen hat, dass sie trotz schwächeren Entladungsstromes bei der zweiten Entladung kleiner war als ursprünglich. Dies ist in der That keine erfreuliche Eigenschaft der neuen Zelle, sie ist aber sehr wahrscheinlich für jedermann, welcher mit negativen Eisen- oder Nickelelektroden gearbeitet hat. Platten aus porösem Eisen, sowie solche aus porösem Nickel als negative Elektroden in Alkalilauge angewandt, haben ursprünglich eine ziemlich hohe Kapazität, bis 100 Amp.-Std. pro 1 kg; dieselbe ist aber schon nach der ersten Ladung beträchtlich geringer und nimmt nach jeder Ladung immer weiter ab. Eine einwandfreie Erklärung dafür fehlt noch; vielleicht hängt aber dieses Verhalten der beiden Metalle mit ihrer Eigenschaft zusammen, Wasserstoff zu occludieren. Man weiss z.B., dass poröse Nickelwürfel über 100mal ihr Volumen Wasserstoff aufnehmen, wenn sich dieses Gas kathodisch an ihnen entwickelt; nach einiger Zeit werden sie aber (wahrscheinlich durch die hierbei entstehende Ausdehnung) gelockert und zerfallen schliesslich zu Pulver. Offenbar sind hier bei der Ladung der Eisen- oder Nickelelektroden alle Bedingungen gegeben, welche diese Lockerung herbeiführen können; ein loses Pulver hat aber, auch wenn es noch auf dem Träger sitzt, keine Kapazität, weil es zu schlecht leitet.

Nicht richtig ist dagegen die Bemerkung, dass die Aufarbeitung von Nickeloxydmassen sich nicht lohnen wird und dass daher der Metallwert des Sammlers, wenn einmal untauglich geworden, verloren gehe; im Gegenteil, es ist nichts leichter, als die Nickeloxyde in Säuren zu lösen und sie entweder auf Nickelsalze zu verarbeiten oder auch daraus elektrolytisch Reinnickel zu fällen. In keinem Fall wird man aber – wie es heute mit sulfatierten Bleiplatten geschieht – die Rückstände bis an die Hütten abzugeben brauchen, behufs Wiedergewinnung des Metalls.

Soviel zur Berichtigung. Betreffs des Vortrages von A. E. Kennelly ist noch zu sagen, dass der Name Edison's Ideen zur Geltung gebracht hat, die andere vor ihm ausgesprochen. So gebührt das Verdienst, zuerst die Theorie des „Sammlers mit unveränderlichem Elektrolyten“ entwickelt zu haben, nicht Edison, sondern Jungner, dessen deutsches Patent 1898 angemeldet wurde, wenn auch schon vor ihm Pollak im Jahre 1896 eine Zelle mit Eisenelektroden von ebenderselben theoretischen Wirkung sich patentieren liess. Ueber die Verwendung des Nickeloxyds als positive Elektrode finden sich genaue Daten und theoretische Berechnungen im deutschen Patent des Schreibers dieses, das 1899 angemeldet wurde. A. E. Kennelly würde daraus ersehen haben, dass die aktive Masse Nickeloxyd Ni2O3 (nicht NiO2) ist, und dass es – entgegen selbst dem Kobaltoxyd Co2O3 – eine schwach endothermische Verbindung ist, die bei der Entladung die elektromotorische Kraft der negativen Platte noch etwa um 0,04 Volt steigert.

T. v. Michalowski.

Arnold Bergsträsser Verlagsbuchhandlung (A. Kröner) Stuttgart.

Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft ebendaselbst.

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