Titel: Eingesandt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 628)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi39_2

Eingesandt.

Ausstellung Düsseldorf 1902.

Die Leitung der Düsseldorfer Ausstellung hat vor kurzem eine illustrierte Broschüre über das Unternehmen herausgegeben, die Anspruch auf besondere Beachtung erheben kann. Inhaltlich schildert sie in anziehender Sprache sowohl die Vorzüge der schönen Kunst- und Gartenstadt am Rhein, als auch die Bedeutung der grossen Ausstellung selbst. Reicher Bilderschmuck ziert das kleine Werkchen. Wir sehen nicht nur die anziehendsten Punkte der Stadt Düsseldorf in vortrefflichen Abbildungen wiedergegeben, sondern auch die einzelnen hervorragenden Ausstellungsbauten, deren Reigen der grosse Pavillon der Firma Krupp eröffnet. Die Porträts des Protektors, der Ehrenvorsitzenden und der leitenden Personen der Ausstellung schmücken gleichfalls die Broschüre und ein Panorama bietet einen Gesamtüberblick aus der Vogelschau über das Ausstellungsgelände, welches sich bekanntlich 2 km weit am Ufer des Rheines entlang zieht. Der Text der Broschüre gibt genauen Aufschluss über das, was die Ausstellung bieten wird und über die Motive, die zur Veranstaltung derselben geführt haben. Der Gedanke des Unternehmens beruht bekanntlich auf folgender nationaler Erwägung: Rheinland und Westfalen sind als die industrie- und gewerbreichsten Provinzen Deutschlands weltbekannt. Kein irgend beachtenswerter Industriezweig fehlt hier, fast jeder wird in diesen Provinzen grossartig und in hervorragender Weise betrieben. In einer Ausstellung zu Düsseldorf können die Schwesterprovinzen Rheinland und Westfalen als Repräsentantinnen des deutschen Gewerbefleisses auftreten und den Beweis liefern, dass nicht Furcht vor einer Niederlage sie von der Pariser und anderen Weltausstellungen zum Teil ferngehalten hat, sondern dass für diese Nichtbeteiligung die Gründe auf einem ganz anderen Gebiete liegen und dass in erster Linie der Raummangel in Paris massgebend war. Wurde doch schliesslich der ganzen deutschen Eisen- und Maschinenindustrie in Paris nicht einmal soviel Raum zur Verfügung gestellt, als die Firma Krupp allein für sich beansprucht hatte. In Düsseldorf können die Industrie und das Gewerbe zeigen, dass wir erwerbsfähig auf dem Weltmärkte sind, dass wir den friedlichen Wettbewerb mit anderen Nationen nicht nur nicht scheuen, sondern dass wir auf manchen Gebieten grössere und besondere Leistungen aufzuweisen haben, als andere Nationen. Das Ausland hat diesen Gedanken sehr wohl begriffen, denn es widmet der Düsseldorfer Ausstellung ein ganz hervorragendes Interesse. Haben doch jetzt schon, wie wir aus der Broschüre ersehen, eine grosse Reihe der hervorragendsten technischen Gesellschaften des Auslandes beschlossen, im Ausstellungsjahre ihre Kongresse in Düsseldorf abzuhalten. Zur Bestreitung der Kosten des internationalen Schiffahrtskongresses, der 1902 ebenfalls in Düsseldorf stattfindet, steuern die deutschen Regierungen sogar 100000 M. bei. Die Düsseldorfer Ausstellung ist gerade in der gegenwärtigen Zeit der wirtschaftlichen Depression eine Notwendigkeit und ein Segen, denn sie ist geeignet, dem Inlande und dem Auslande zu zeigen, welche Kraft und welche Leistungsfähigkeit dem deutschen Gewerbe und der deutschen Industrie innewohnen und den Mut und die Kauflust im Inlande und Auslande zu beleben. – Es darf nicht vergessen werden, die ebenso originelle wie vornehme und gediegene typographische Ausstattung dieser illustrierten Propagandaschrift besonders zu erwähnen. Sie ist ein Erzeugnis der bewährten Offizin von August Bagel.

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