Titel: Acetylengasanlage der Paris-Lyon-Mediterranée-Gesellschaft auf dem Bahnhof in Bercy.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 787)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi49_2

Acetylengasanlage der Paris-Lyon-Mediterranée-Gesellschaft auf dem Bahnhof in Bercy.

Die hervorragendsten Versuche, welche auf dem Gebiet der Eisenbahnbeleuchtung mittels Acetylen gemacht worden sind und noch jetzt gemacht werden, sind der oben genannten Gesellschaft zuzuerkennen, deren drei Bahnhöfe in Lieusaint, Cesson und Bois-le-Roi im Jahre 1900 mit Beleuchtungsanlagen für Acetylen ausgestattet worden sind. Ausserdem ist der Zentralbahnhof von Bercy in Paris mit einer Acetylengasanlage ausgestattet worden, welche im nächstfolgenden in kurzem beschrieben werden soll. Die Anlage ist zum Mischen von Acetylengas mit gewöhnlichem Leuchtgas bestimmt und befindet sich im Bahnhof Bay-Douane.

Die Anlage besteht aus einem Gebäude von leichter Konstruktion, welches zwei Hauptabteilungen hat, von denen die eine zur Fabrikation, die andere zum Karbidlager bestimmt ist. Der Fabriksaal enthält Apparate zur täglichen Herstellung von 500 cbm Acetylengas. Die Gaserzeuger, System Pintsch, haben einen Inhalt von 250 cbm auf 24 Stunden; es sind deren drei vorhanden, so dass einer immer für einen eintretenden Notfall zur Verfügung steht. Sie sind derart eingerichtet, dass dasKarbid in das Wasser fällt, und haben bei einer Höhe von 3 m einen Durchmesser von 80 cm. Ihre Ladung geschieht von oben, und ist zu diesem Zweck am Ende einer 3 m hohen Treppe eine Plattform eingerichtet, um das Füllen der Erzeuger, welche sich auf einem gemauerten Unterbau befinden, zu erleichtern. Die Füllung geschieht mittels zweier kleiner Behälter, die ihren Inhalt über einen Kegel in der mittleren Oeffnung des Erzeugers entleeren, welcher das Karbid verteilt. Zur Bedienung der Erzeuger genügt ein Arbeiter.

Die Kontrolle der Apparate findet mittels eines Wassermanometers, welcher die Bezeichnungen „Maximum“ und „Minimum“ trägt, statt; zwischen diesen beiden Bezeichnungen soll sich der Druck konstant erhalten.

Das in den Erzeuger geschüttete Karbid wird auf mittlerer Höhe desselben auf einem gusseisernen Rost gehalten, von welchem es mittels eines von aussen zu bethätigenden Hebels durch Drehung in den Apparat befördert wird. Mittels eines Ablasshahnes kann das Kalkwasser während des Ganges nach Bedarf abgelassen werden, während der konstante Abfluss des erzeugten Kalkwassers durch ein Ueberlaufrohr stattfinden kann. Jeder Apparat ist ausserdem mit einem Mannloch behufs vollkommener Reinigung, mit einer Vorrichtung zur Wasserfüllung und einem Ausgusstrog zur Klärung des Kalkwassers versehen.

Das Kalkwasser wird nach seiner Klärung mittels einer Worthington'schen Pumpe in einen oberen Behälter gehoben, um von neuem gebraucht zu werden; es geht dadurch nur eine kleine Menge mit Acetylen versetzten Wassers verloren und zwar nur soviel, als durch den auf dem Boden des Troges zurückbleibenden Kalk absorbiert worden ist. Die Erzeuger sind miteinander durch eine gusseiserne Leitung, welche mit Verschlüssen für jeden Erzeuger versehen ist, verbunden.

Das erzeugte Gas wird nach einem senkrechten, 4 m hohen Kondensator von 0,80 m Durchmesser geleitet, welcher mit doppelten Wänden für die Zirkulation des Kühlwassers versehen ist. Aus dem Kondensator gelangt das-Gas in eine mit einem Rührwerk nach Art einer archimedischen Schraube versehene Waschvorrichtung, in welcher das Acetylen von dem in ihm enthaltenen Ammoniak befreit wird. Von hier aus wird das Gas in zwei mit Chlorcalcium gefüllte Reinigungsapparate befördert. Jeder Kondensator, Wascher und Reiniger ist mit verschliessbaren Ein- und Auslässen versehen. Aus dem Reiniger wird das Gas nach einer Registriervorrichtung zur Feststellung der Menge desselben geleitet und gelangt von da in einen Gasometer von 50 cbm Inhalt, von wo es nach den Mischvorrichtungen behufs Mischung mit Kohlengas gelangt.

Die Fabrikationssäle sind reichlich ventiliert und in der Nacht mit aussen angebrachten Acetylenlaternen erleuchtet, deren Licht mittels Reflektoren nach innen geworfen wird.

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