Titel: Die selbstthätige Karburierung des Gases durch Benzol.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 3 (S. 787–788)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi49_3

Die selbstthätige Karburierung des Gases durch Benzol1).

Die Karburierung von Gas durch Benzol gewinnt mehr und mehr Verbreitung, nachdem seit einigen Jahren auf Grund der Angaben von Dr. Bunte vielfache Versuche damit angestellt worden sind, welche von der Annahme des letzteren ausgehen, dass einem Gase, dessen Leuchtkraft nahe seinem normalen Wert steht, 4 g Benzol auf 1 cbm beigefügt werden müssen, um den Verbrauch des Gases um 1 l in der Stunde zu verringern.

Die zuerst in der Gasanstalt von Dessau angestellten Versuche ergaben, dass die von Bunte angegebenen Mengen zu stark waren, und erst die in mehreren französischen Gasanstalten angestellten Versuche bewiesen, dass je nach dem verwendeten Benzol und der Leuchtkraft des Gases 1 bis 1,6 g Benzol für 1 cbm zur Erhöhung um 1 l ausreicht. Hierbei muss jedoch noch mit den hierzu anzuwendenden Mitteln der Beifügung von Benzol gerechnet werden, um die beabsichtigte Leuchtkraft zu erhalten.

Die Versuche haben ergeben, dass in folgenden zwei Fällen die Vergasung und Mischung des Benzols eintreten muss:

1. während der Herstellung des Gases und

2. während des Abflusses desselben.

In diesen beiden Fällen ist es erforderlich, sowohl die Leuchtkraft des Gases als auch die Menge des zu karburierenden Gases zu kennen. Diese Gasmenge ist in jedem Augenblick verschieden, wodurch die Schwierigkeit in der Versorgung des Vergasers eintritt, indem fortwährend Verbrauchsproben angestellt werden müssen, wobei man dennoch noch keine Sicherheit dafür hat, ob der Verbrauch selbst während der Probe nicht gewechselt hat. Es müsste daher eine Vorrichtung geschaffen werden, welche die Benzolzuführung dem zu karburierenden Gas entsprechend regelt.

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Im ersten angegebenen Fall handelt es sich nur um die für 1 cbm erforderliche Menge Benzol, was auf photometrischem Wege festgestellt werden kann, um die mittlere Leuchtkraft des Gases zu erkennen. Findet die Karburierung nach dem Gaszähler der Fabrik statt, so hat man nur auf diesen letzteren, dessen Umdrehungen der Menge des hergestellten Gases entsprechen, Rücksicht zu nehmen.

Nimmt man nun die Karburierung des Gases während des Abflusses in Betracht, so sind zwei Lösungen der Aufgabe vorhanden:

1. Die Zuführungsvorrichtung des Benzols wird durch den Abflussregulator bewirkt.

Bei dieser Einrichtung wird ein konischer Hahn durch die Glocke des Regulators bethätigt. Stehen die Durchschnitte des Kegels des Regulators und des genannten Hahns in einem Verhältnis wie 1 : 10, so ist es ersichtlich, dass bei gleichem Druck 1/10 des erzeugten Gases durch den Hahn und 9/10 durch den Regulator gehen wird.

Das durch den Hahn tretende Gas tritt in einen Gasmesser, welcher vermittelst einer Kette einen Messhahn beeinflusst, welcher eine gewisse Menge Benzol in den Vergaser einlässt, welch letztere dem Verhältnis zu der durch den Gasmesser abgemessenen Menge Gases entspricht. Vermittelst einer Anzahl Rollen von bestimmtem Durchmesser wird es ermöglicht, eine bestimmte Anzahl von Grammen Benzol bei jeder Drehung der Flügel des Gasmessers einzuführen. Nach Verlassen des Gasmessers tritt das Gas in den Vergaser, wo es sich mit den Benzoldämpfen vermischt und in die Ablassleitung geleitet wird, um sich dort mit den anderen 9/10 nicht karburierten Gases zu mischen.

Versieht man den Gasmesser mit einem Zifferblatt, so kann man das Zehntel des ausgelassenen Gases und hierdurch die ganze Menge desselben feststellen.

2. Im zweiten Fall geschieht die Benzolzuführung durch eine den Verbrauch anzeigende Zähluhr.

Ueber der Leitung wird ein Glockenapparat angebracht, dessen Glocke mit Oeffnungen von 4 mm Durchmesser versehen ist, und deren Wasserverdrängung von z.B. 5 mm dem verbrauchten Gas entspricht. Wird nun mittels eines Triebwerkes die Bewegung der Glocke auf einen Schieber übertragen, so stehen die geöffneten Löcher proportionell zu der durch den Verbrauchsanzeiger angegebenen Gasmenge. Das unter konstantem Druck in den Verteiler eintretende Benzol verbreitet sich in dem Vergaser im Verhältnis der ausfliessenden Gasmenge, wobei der Vergaser das Gas unmittelbar aus dem Gasometer erhält.

Nachdem das Gas die Benzoldämpfe aufgenommen hat, tritt es mit dem aus dem Regulator kommenden Gas in den Indikator. Ein an einer entsprechend eingeteilten Skala entlang gleitender Zeiger zeigt in jedem Moment die Menge des verbrauchten Gases an.

Behufs Veränderung der Benzolmenge, entsprechend der auf photometrischem Wege festgestellten Leuchtkraft des Gases, dient eine Mikrometerschraube, mittels welcher die Breite der Oeffnung, auf welcher der durch den Verbrauchsanzeiger beeinflusste Schieber gleitet, geregelt werden kann. Diese Schraube braucht nur einmal am Tage eingestellt zu werden und wird hierauf durch den Verbrauchsanzeiger das Benzol dem ausfliessenden Gase entsprechend geregelt.

Diese beiden Arten der Benzolzuführung dürften dem Bedürfnis entsprechen und Garantie für die gleichmässige Leuchtkraft leisten, ohne einen Ueberverbrauch von Benzol befürchten zu müssen.

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Nach Le Gaz.

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