Titel: Pockholz in Kohle verwandelt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1901, Band 316/Miszelle 2 (S. 819)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj316/mi316mi51_2

Pockholz in Kohle verwandelt1).

Ueber einen merkwürdigen Fall von Umwandlung von Pockholz (Lignum vitae) in Kohle berichtet G. Arth im Moniteur Industriel.

In die metallene Fussspur einer 12 PS Jonval-Turbine war Pockholz eingelegt; dasselbe stand nicht unter Wasser, wurde aber stets feucht gehalten.

Die Turbine machte 112 Umdrehungen in der Minute und das Gewicht der sich drehenden Masse betrug 408 kg.

Nachdem die Anlage 6 Monate lang im Betrieb war, wurde ein Auseinandernehmen derselben notwendig; dabei stellte sich heraus, dass das Pockholz in seiner oberen Schicht schwarz und kurzbröcklig geworden war und in seinem Aussehen sehr der Steinkohle ähnelte, auch liessen sich die der Kohle eigentümlichen Längsspaltungen bemerken. Die untere Holzschicht war unverändert geblieben.

Das schwarz gewordene Holz enthielt 2,74% Feuchtigkeit. Im luftleeren Raum getrocknet, ergab die Analyse:

Asche 3,9%, Wasserstoff 4,86%, Kohlenstoff 69,76%

bei einem Heizwert der trockenen Bestandteile von 7106 W.-E.

Der vorliegende Stoff wäre also unmittelbar zwischen Braunkohle und Steinkohle einzuordnen.

Die Umwandlung vollzog sich in der kurzen Frist von sechs Monaten und ohne dass augenscheinlich eine grosse Wärmeentwickelung vor sich ging; also in erster Linie unter der Wirkung der gleichmässigen Reibung auf dem nassen Holz bei hohem spezifischem Druck.

Der Verfasser knüpft daran die Bemerkung, dass es daher kaum nötig sei, für die Bildung unserer Steinkohlenfelder die langen Zeitabschnitte in Rechnung zu ziehen, von welchen die Geologen reden.

Dem mag sein, wie ihm will, es frägt sich nur, ob nicht in diesem besonderen Fall ausserordentlich günstige Verhältnisse geschaffen waren, und ob sich solche in der Natur wiederholen bezw. nachweisen lassen.

E. A.

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Engineering, Bd. 71 S. 181.

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