Titel: Die Bergwerks- und Hüttenmaschinen auf der Düsseldorfer Ausstellung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1902, Band 317 (S. 376–386)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj317/ar317085

Die Bergwerks- und Hüttenmaschinen auf der Düsseldorfer Ausstellung.

(Fortsetzung von S. 332 d. Bd.)

In der Sonderhalle des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund stellt die Aktiengesellschaft Eisenhütte Prinz Rudolph in Dülmen, Westfalen, eine stehende Verbund-Fördermaschine mit Ventilsteuerung |377| aus. Diese Maschine ist die zweite ihrer Art und nach Patent Tomson (D. R. P. Nr. 87710) erbaut; die erste Maschine dieser Bauart ist auf Zeche Preussen I der Harpener Bergbau-Aktiengesellschaft in Dortmund seit fast 6 Jahren in Betrieb und ist die ausgestellte Maschine auf Bestellung derselben Gesellschaft für deren Zeche Preussen II in Horstmar bei Lünen gebaut.

Die stehende Bauart verdankt ihre Einführung den wachsenden Teufen im rheinisch-westfälischen Kohlenbergbau, sowie der Anregung von E. Tomson, Generaldirektor der Zechen Gneisenau, Preussen und Scharnhorst bei Dortmund.

Tomson selbst führt in Glückauf, 1898, als Vorläufer für zweiachsige Maschinen Deprez in Ancin und Colson in Baume an – ersterer baute zweiachsige Maschinen mit Bobinen, letzterer stehende Maschinen mit zwei nebeneinander liegenden Achsen und Bobinen, welche mittels grosser Zahnräder zusammen gekuppelt waren.

Es sind aber verschiedene Abweichungen von ihm angeordnet, auf die er dann unter D. R. P. Nr. 87710 ein Patent erhielt.

Bei der in Aussicht zu nehmenden Teufe von 1200 m würde eine liegende Maschine sowohl zu ungeheure Abmessungen der beweglichen Massen, der Kurbelwelle u.s.w. ergeben, als auch räumlich zu viel Platz beanspruchen.

Aus einem seiner Zeit ausgeschriebenen Wettbewerb für eine stehende Anordnung mit zwei Trommelwellen – zu welchem nur erste Werke eingeladen waren – ging die Prinz Rudolph-Hütte in Dülmen als Siegerin hervor. Fig. 16 und 17 zeigt die Anordnung der zuerst ausgeführten Maschine, während Fig. 18 Seitenaufriss und -Schnitt der Ausstellungsmaschine bringt.

Die Maschine hat im Hochdruckcylinder 820 mm, im Niederdruckcylinder 1150 mm Bohrung und der gemeinsame Hub beträgt 2600 mm. Gebaut ist sie für 12 kg/qcm Kesseldruck, also 13 kg/qcm absoluter Eintrittsspannung, sowie für Dampfniederschlagung, welche im vorliegenden Fall durch Anschluss an die Sammelniederschlagung dieser Sonderausstellung bewirkt wird.

Der gusseiserne Grundrahmen ist dreiteilig und hat ein Gesamtgewicht von 96000 kg; die acht Kurbellager haben 700 mm Lauflänge bei 500 mm Bohrung und sind mit den Grundrahmen teilen je in einem Stück, die Lagerdeckel aus Stahlguss hergestellt. Die Kurbel- bezw. Trommelwelle hat 650 mm Durchmesser im mittleren Schaft. Die Bewegungsübertragung erfolgt vom Kreuzkopf aus auf dreiarmige, ganz aus Stahl geschmiedete Schwingen und von diesen mittels Pleuelstangen auf die Kurbelwelle.

Die kräftigen gusseisernen Ständer mit ihren breit ausladenden Füssen verleihen der ganzen Anordnung ein äusserst festes und vertrauenerweckendes Aussehen.

Beide gusseiserne Cylinder haben Dampfmäntel, mit welchen sie aus einem Stück hergestellt sind, ebenso hat der genietete schmiedeeiserne Aufnehmer Heizmäntel; ausserdem sind Cylinder und Aufnehmer noch mit Wärmeschutzmasse sorgfältig umhüllt, sowie ummantelt.

Die Verbindung zwischen Cylindern und Aufnehmer geschieht durch kupferne Bogenrohre.

Die Dampfkolben sind aus einem Stück aus Gusseisen hergestellt und haben selbstthätig dichtende Liderungsringe.

Kolbenstangen, Pleuelstangen, Kreuzkopfzapfen, Zapfen der Schwingen, Kurbelzapfen u.s.w. sind aus bestem Stahl hergestellt. Das Gewicht der beweglichen Massen, wie Dampfkolben und Kolbenstangen, senkrechten Zugstangen und die wagerechten Arme der Schwingen sind durch zwei auf der Kurbelwelle innerhalb der Fördertrommeln befestigte Gegengewichte im Gleichgewicht gehalten, die übrigen beweglichen Teile gleichen sich gegenseitig infolge ihrer Anordnung aus.

Die Dampfverteilung geschah bei der ersten Ausführung durch Kulissen, diese Anordnung ist aber wegen der Nachteile dieser Steuerung – vor allem infolge der starken Drosselung und Kompression, welche der Dampf bei Anwendung hoher Ausdehnungsgrade empfängt – verlassen. Statt dessen ist eine Daumensteuerung gewählt, diese gibt für alle Füllungsgrade beim Ein- und Auslassventil gleiche Voröffnungen, gleiche Kompression, sowie ebenfalls sich gleichbleibende Ventilhübe.

Die Daumensteuerung gestattet ferner bei den einzelnen Ventilen eine jederzeit bequeme Aenderung zwecks besserer Dampfverteilung, während bei der Kulissensteuerung eine einzige Verstellung Aenderung in allen Teilen und Verhältnissen nach sich zieht.

Die sauber polierten und gehärteten Steuerdaumen sind aus Werkzeugstahl hergestellt und mit ihren gusseisernen Unterlaghülsen dicht vor den Ventilkästen auf kurzen horizontalen Steuerwellen angeordnet, die ihrerseits ihren Antrieb von der hinteren Kurbelachse aus durch senkrechte Wellen und Kegelräder mit gehobelten Zähnen erhalten.

Textabbildung Bd. 317, S. 377

Die Uebertragung der Bewegung von den Daumen aus nach den vier doppelsitzigen Rotgussventilen einer jeden Cylinderseite geschieht mittels vier Winkelhebeln, die an ihrem einen Ende mit drehbaren Rollenköpfen für den Eingriff der Daumen versehen sind und am anderen Ende Zugstangen fassen, welche die in den Steuerventilböcken gelagerten Wälzhebel für die Steuerventile bethätigen. Zwecks möglichster Herabminderung der Reibung sind die Wälzplatten auf stählernen gehärteten Rollen angeordnet, welche ihnen 3 mm Beweglichkeit erlauben. Es kann sich also der sich abwälzende Hebel samt Platte, ohne gleitende Raibung zu verursachen, leicht der Bewegung der senkrechten Ventilspindel anpassen.

Da Ein- und Auslassventile oben und unten in derselben lotrechten Ebene liegen, so kann die Ventilbewegung für jeden Cylinder sowohl für Vorwärts- als auch Rückwärtsgang durch nur vier Daumen, und zwar ohne Zuhilfenahme irgend welcher drehender Hilfswellen, bewirkt werden.

Die ganze Steuerung hat ein äusserst klares Aussehen |378| und kann thatsächlich sehr leicht überwacht werden; der Ausbau der einzelnen Teile ist ein sehr einfacher.

Die Umsteuerung wird durch eine Dampfsteuervorrichtung bethätigt, wie solche in ähnlicher Weise schon bei der ersten Ausführung angewendet wurde.

Textabbildung Bd. 317, S. 378

Zur Erreichung einer grösseren Sicherheit der Bewegung zwischen Steuerhandgriff und Dampfkolben sind in den Zugstangen zwei Federn eingeschaltet, deren Spannung je nach Bedarf zu steigern bezw. zu verringern ist, und welche den Dampfschieber sofort auf Mitte stellen, sobald der Maschinenführer den Steuerhandgriff loslässt.

Beim Anfahren kann durch ein Hilfsventil entweder Frischdampf in den Aufnehmer gelassen oder aber auch der Aufnehmer an die Auspuffleitung angeschlossen werden.

Die Leistung der Maschine ist für 1000 bezw. 1200 m Teufe – letztere als Höchstteufe anzusehen – gebaut, anfangs |379| wird jedoch, auf Zeche Preussen II nur aus einer Teufe von 800 m gefördert. Die Fördergeschwindigkeit soll durchschnittlich 10 m/Sek. betragen.

Die zu hebende Nutzlast beträgt

bei 800 m Teufe 8 Wagen Kohlen oder 4000 kg
1000 6 3300
1200 4 2200

Für den Bau der Förderkörbe kam die anfängliche Teufe von 800 m in erster Linie in Betracht, insofern als für dieselbe die Verwendung eines auf der ganzen Länge gleich starken Rundseils von 52 mm Durchmesser gewählt wurde; für die grösste Teufe von 1200 m kommen später sich verjüngende Seile zur Verwendung, welche mit 54 mm beginnen und auf je 200 m Länge um 2 mm im Durchmesser schwächer werden, bis der geringst zulässige Seildurchmesser von 42 mm erreicht ist.

Die beiden Förderkörbe wurden dementsprechend als Spiraltrommeln durchgebildet und erhielten eine Gesamtbreite von je 3590 mm, welche sich zusammensetzt aus einem kegelförmigen Teil von 3240 mm Breite und einem walzenförmigen Teil von 350 mm. Die Durchmesser betragen 5500 mm für den walzenförmigen Abschnitt und steigen auf 10000 mm grössten Durchmesser. Der walzenförmige Abschnitt fasst 200 m Seil. Die ganze Trommel fasst 400 m Seillänge mehr wie die Ausführung auf Zeche Preussen I.

Aus oben besprochener Auswahl der Seile folgte die Anwendung von nur zwei Sorten Rilleneisen auf der kegelförmigen Breite der Trommel, wodurch dann wiederum die Gesamtbreite der Trommel nicht unwesentlich grösser ausgefallen ist, als wenn für die Förderung nur sich stetig verjüngende Seile in Betracht gezogen worden wären.

Die Rilleneisenabstände sind – zwecks gänzlicher Verhinderung des verderblichen Anschlagens der Seile gegen die höher gelegenen Spiralen – reichlich gross bemessen, durchschnittlich mit 7 mm Luft zwischen Seil und Aussenkante Rilleneisen.

Für die Sicherheit der Förderung sind alle gebräuchlichen Vorkehrungen getroffen.

Ausser der oben beschriebenen Umsteuerung mit seinem Handgriff rechts vom Stand des Maschinenführers befinden sich dort an derselben Seite die Hebel zum Dampfbremsschieber und zum Hahnenzug für die Cylinderentwässerung; zur linken Seite steht ganz vorn der Hebel zum Auslösen der Sicherheitsfallbremse, hinter diesem der Hebel des Hilfsventils zum Einlass von Frischdampf in den Aufnehmer bezw. für den Auspuff aus dem Aufnehmer. Weiter rückwärts sind die Handräder zum Hauptabsperrventil, zum Absperrventil der Dampfbremse, der Umsteuervorrichtung und der Heizleitung angeordnet, über diese schwingt der Handhebel zur Drosselklappe.

Vor dem Stand des Maschinenführers steht im Abstand von etwa 3½ m die Melde Vorrichtung und der Teufenzeiger, welcher durch zwei Zeiger den genauen Stand der beiden Körbe im Schacht erkennen lässt, die Annäherung derselben an die Hängebank wird durch Glockenschlag gemeldet, beim Uebertreiben über die Hängebank wird die Dampfbremse selbstthätig eingerückt.

Dagegen ist von der Anwendung einer Sicherheitsvorrichtung mit Beeinflussung der Höchstgeschwindigkeit durch einen Regler Abstand genommen, da die Seilgeschwindigkeiten bei kegelförmigen Trommeln zu ungleichmässig sind. Das Fehlen einer solchen Vorrichtung hat übrigens auf der Zeche Preussen I bei der ersten Maschine in jetzt fast 6 Jahre langem ununterbrochenen Betriebe zu keinem Uebelstand Veranlassung gegeben.

Die als Ersatz vorgesehene Fallgewichtsbremse ist nur für den äussersten Jotfall bestimmt, die Aufwinde Vorrichtung für den Gewichtshebel ist unter Maschinenflur auf der Bremse selbst angeordnet.

Das Gesamtgewicht der Maschinenanlage beträgt 470000 kg.

Die Hauptvorzüge, wie auch schon in der Zeitschrift Glück auf, 1898, hervorgehoben wurde, sind:

1. Die Lage der Trommeln hintereinander.

2. Grosse Verringerung der Seilablenkungswinkel zwischen Trommeln und Seilscheibe gegenüber Maschinen mit nebeneinander liegenden Trommeln.

3. Daraus ergibt sich die grössere Sicherheit beim Aufrollen des Seils, Verminderung der Seilabnutzung durch Reibung in und an den Seilscheibennuten.

4. Durch die Anordnung der Trommeln auf zwei verschiedenen Achsen kann diese Maschinengattung noch für grössere Teufen Anwendung finden, ohne dass sich übergrosse Wellenabmessungen und Gewichte ergeben.

5. Die Uebertragung der Kolbenbewegung auf die Wellen durch die Schwinghebel ermöglicht grössere Kolbengeschwindigkeiten, folglich – sparsameren Betrieb.

Bei einer mittleren Seilgeschwindigkeit von 12 m/Sek. macht die Maschine im Mittel 28,2 Umdrehungen minutlich, dies ergibt als Kolbengeschwindigkeit 2,44 m. Für den ganzen Aufzug aus 1200 m Teufe sind etwa 47 Umdrehungen oder etwa 100 Sekunden Zeit erforderlich.

6. Der Maschinenführer hat bei der stehenden Bauart seinen Standpunkt in der Höhe der Hängebank und kann von dort aus die Flurgänge überwachen.

7. Die schweren Teile der Maschine ruhen dabei auf Grundgemäuer, das sich nur wenig über die Höhe der Sohle erhebt.

Die Erzeugnisse der Eisenhütte Prinz Rudolph sind Maschinen für den Bergbau und die Hüttenindustrie, Maschinen-, Bau- und Potterieguss.

Im Jahre 1842 gegründet, erwarb sich die Hütte viele Anerkennungen und beschäftigte dieselbe im Jahre 1900 300 Arbeiter.

Eine sehr beachtenswerte Anlage für 1200 m Teufe, die hier erwähnt werden muss, befindet sich noch – im Modell gezeigt – in der Sonderhalle der Internationalen Bohrgesellschaft A.-G. zu Strassburg im Elsass.

Es ist eine von Fr. Köpe in Bochum und Ant. Raky in Erkelenz entworfene und in Ausführung begriffene Köpe-Anlage mit Flachseil.

Der Treibscheibendurchmesser beträgt nur 3000 mm und das ganze Gewicht der Fördermaschine, welche 4400 kg Nutzlast auf 1200 m Teufe fördern soll – gegenüber 2200 kg bei der vorher besprochenen Anlage – beträgt 25000 kg – gegenüber 470000 kg – und konnte daher auf das Schachtgerüst gelagert werden.

Die Maschine, als Zwilling gebaut, hat 800 mm Cylinderdurchmesser und 1000 mm Hub. Bei 2,5 m/Sek. Kolbengeschwindigkeit soll die Seilgeschwindigket 12 m/Sek. betragen.

Diese Anlage ist also derjenigen auf der Zeche Crone sehr ähnlich (vgl. S. 313 ff. d. Bd.) – nur von viel grösserer Leistung, namentlich mit Bezug auf die grössere Teufe bezw. Seillängen – und verweisen wir hier auf das dort bereits über das Flachseil Angeführte.

Die Nebeneinanderstellung dieser beiden in gleicher Weise hochwichtigen Anlagen zeigt, wie mannigfaltig und weit auseinander liegend die Wege selbst der besten Ingenieure für Lösung derselben Aufgabe sind. Uebrigens kann es keinem Zweifel unterliegen, dass bei gleicher oder auch nur annähernd gleicher Haltbarkeit des Flachseils gegenüber dem verjüngten Rundseil, das erstere als Sieger aus dem Wettkampf hervorgehen muss.

Bei der weiteren Besprechung der Fördermaschinen gelangen wir jetzt zu einigen elektrisch betriebenen Anlagen und finden ebenfalls in der Sonderhalle des Vereins für die bergbaulichen Interessen eine von der Aktiengesellschaft Bergwerksverein Friedrich-Wilhelmshütte in Mühlheim a. d. Ruhr im Verein mit dem Hause Siemens und Halske in Berlin erbaute und elektrisch angetriebenedHauptschachtfördermaschine ausgestellt. Nach Schluss der Ausstellung kommt dieselbe auf dem Schacht Zollern II der Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft zur Aufstellung – wie wir schon vorher auf S. 311 anführten.

Die Gelsenkirchener Bergwerks-Aktiengesellschaft bringt auf der Neuanlage des genannten Schachtes den elektrischen Antrieb aller Arbeitsmaschinen zur Durchführung und entschloss sich dieselbe im März 1901 nach eingehendem Studium der technischen, sowie der ökonomischen Fragen der elektrischen Förderung dazu, den Antrieb der Hauptfördermaschinen ebenfalls elektrisch erfolgen zu lassen.

Die Fördermaschine (Fig. 19 und 20) ist gebaut für eine Förderung von 4200 kg Kohle, entsprechend sechs |380| Wagen à 700 kg in einem Zuge aus 500 m Teufe mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 m/Sek. Anfangs wird aus einer Teufe von 280 m mit einer Seilgeschwindigkeit von 10 m/Sek. gefördert. Hierbei ergibt sich bei 16 Förderstunden täglich und bei 500 m Teufe eine Leistung der Förderanlage von 2700 t bei einstockiger Abzugsbühne. Werden zweistockige Abzugsbühnen verwendet, so steigt die Leistung auf 3200 t, bei dreistockigen Abzugsbühnen könnte dieselbe auf 4000 t gebracht werden.

Es ist das System der KöpemTreibscheiben zur Anwendung gekommen, bei welcher das Förderseil nur einmal um die Scheibe gelegt und durch die Reibung des Eichenholzbelags mitgenommen wird.

Textabbildung Bd. 317, S. 380

Die Köpe-Treibscheibe kommt dort zur Anwendung, wo möglichst nur von einer Sohle gefördert werden soll, da ein Verstecken der beiden Körbe gegeneinander nicht in weiten Grenzen möglich ist. Dieselbe hat den Vorteil einer sehr geringen Baubreite und geringer Messen, also kurzer Anfahrseiten. Da bei der Köpe-Scheibe stets ein Unterseil verwendet wird, so ergibt sich eine vollkommene Ausgleichung der toten Lasten und somit günstige Verhältnisse für die Beanspruchung der Antriebsmotoren und hauptsächlich für die Kraftleistung während der Anfahrzeit.

Der Durchmesser der Köpe-Scheibe wurde mit 6 m so klein gewählt, wie es die Rücksicht auf die Haltbarkeit des Seiles und auf die gering zu haltende spezifische Flächenpressung noch erlaubt. Es geschah dies mit Rücksicht auf den Preis der Elektromotoren, die desto billiger werden, mit je höherer Umdrehungszahl sie laufen.

Die elektrische Kraft wird in Form von Gleichstrom mit 500 Volt Spannung den Motoren der Fördermaschine zugeführt, weil einmal diese Stromart in Verbindung mit einer Bufferbatterie eine gute Kraftaufspeicherung bei dem stark wechselnden Betrieb gestattet und weil ferner das allmähliche Zuschalten der Spannung entsprechend der wachsenden Geschwindigkeit das Anlassen mit den geringsten Verlusten zulässt.

Die allgemeine Anordnung ist sehr einfach (vgl. Fig. 19 |381| und 20). Zu beiden Seiten der Treibscheibe sind die beiden höchstens bis zu je etwa 1400 PS beanspruchten Motoren unmittelbar auf die Hauptwelle aufgekeilt, welche ausserhalb dieser in zwei kräftigen Hauptlagern mit Ringschmierung laufen.

Die Zweiteilung des elektrischen Antriebes wurde gewählt, um einerseits durch Parallel- und Hintereinanderschaltung die höchste Fördergeschwindigkeit einmal auf 20 m und einmal auf 10 m zu bringen und andererseits den Betrieb bei Unbrauchbarwerden des einen Motors durch den anderen allein, wenn auch mit verringerter Last, z.B. zum Anfahren der Mannschaft, aufrecht erhalten zu können, nötigenfalls liesse sich der Betrieb mit dem einen Motor dann auch steigern, wie die Dauerversuche in Thiede (s. S. 336 d. Bd.) erwiesen haben.

Durch die teilweise Einschaltung der Bufferbatterie und durch die Veränderung der Erregung der Magnetfelder der Motoren können auch noch andere Geschwindigkeitsstufen ohne Energieverlust erreicht werden, so dass sich im ganzen folgende Geschwindigkeiten ergeben: 2, 4, 5, 6, 8 bis 10, 12, 16 bis 20 m/Sek. Da zwischen diesen Geschwindigkeiten die auftretenden Verluste nur sehr gering sind, so kann thatsächlich mit der Maschine mit jeder Geschwindigkeit dauernd gefahren werden. Bei Seiluntersuchungen wird die Geschwindigkeit auf 30 cm/Sek. verringert.

Vor der Fördermaschine, vom Stande des Maschinenführers aus gesehen, ist der Teufenzeiger aufgestellt, welcher unmittelbar mit einem Baumann'schen Sicherheitsapparat verbunden ist.

Letzterer verhindert das Ueberschreiten der grössten Fördergeschwindigkeit und überwacht die richtige Verminderung der Geschwindigkeit bei Annäherung des Korbes an die Hängebank. Wird die vorgeschriebene Geschwindigkeit an irgend einer Stelle überschritten, so fällt unter gleichzeitiger Ausschaltung des Stromes die Bremse selbstthätig ein.

Unterhalb des Sicherheitsapparates, mit diesem unmittelbar verbunden, ist noch eine sogen. Verzögerungsvorrichtung angebracht, welche das sichere Ausschalten der elektrischen Kraft übernimmt, indem dieselbe den Anlasshebel allmählich zurückbewegt, falls solches bei Annäherung des Korbes an die Hängebank von dem Maschinenführer unterlassen sein sollte.

Das allmähliche Zuschalten der Spannung geschieht in der Weise, dass die Akkumulatorenbatterie in vier Gruppen stufenweise angeschlossen wird und zwischen diese Gruppen kleine Anlasswiderstände zur Verwendung kommen. Die Reihenfolge in den einzelnen Gruppen zur Entladung wechselt bei jedem Zuge derart, dass einmal bei dem einen Pol der ganzen Batterie begonnen wird und demnächst bei dem anderen und so fort, dass also, wenn man so sagen darf, die Batterie von rechts nach links bei der Hochfahrt in dem einen Trumm entladen wird, und von links nach rechts bei der Hochfahrt in dem anderen Trumm. Durch diese Anordnung wird eine möglichst gleichmässige Anstrengung der einzelnen Elemente erreicht.

Diese Bufferbatterie hat auf der Ausstellung 216 Glieder mit 499 Ampère-Stundenleistung bei einstündiger Entladung und wird bei der Aufstellung am Ort ihrer endgültigen Thätigkeit auf 250 Glieder erweitert.

Jede Zelle hat neun Glieder, bestehend aus je einer negativen Platte – von grauer Farbe und nach dem Faure'schen. Verfahren in Gitterwerk hergestellt – und einer positiven Platte – von brauner Farbe.

Letztere Platte ist nach dem Plante'schen Verfahren ausgebildet und hat gegen früher grössere Oberfläche, auch fehlt die zur Abkürzung der Ladung aufgetragene Masse, weil sie im Gebrauch weich wurde und abbröckelte, dagegen setzt sich jetzt in wirtschaftlich brauchbarer Zeit eine fest an der Oberfläche haftende und für die gedachten Zwecke ausreichende Schicht von Superoxyd ab.

Die Stromdichte ist entsprechend der grösseren Oberfläche selbst bei hoher Beanspruchung der Anlage verhältnismässig klein.

Als Bufferbatterie in Förderanlagen, wo starke Entladeströme auf kurze Zeitabschnitte verlangt werden, welche sofort in einer kurzen Zwischenpause der Ruhe durch hohe Stromstärke wieder hineingeladen werden müssen, eignet sich diese Anordnung sehr wohl.

Eine geringe Zahl von Zellen an jedem Ende der Batterie können für sich eingeschaltet werden. Dieselben dienen zum Manövrieren, hauptsächlich zum Umsetzen der Fördermaschine, wenn nacheinander aus den verschiedenen Stockwerken des Förderkorbes abgezogen wird. Diese Zellen werden durch eine kleine Zusatzdynamo besonders wieder aufgeladen.

Die an sich kleinen, so doch ausserordentlich reichlich bemessenen Anlasswiderstände sind unter dem Stande des Maschinenführers in dem oben genannten Anlasser vereinigt, welcher in cylindrischer Form aussen die Schaltkontakte trägt, vor denen sich der drehbar angeordnete Schalthebel bewegt.

Die Anlassvorrichtung besteht aus zwei vollständig getrennten Anlasswiderständen. Wird mit 20 m Fördergeschwindigkeit gefahren, so wird je ein Anlasswiderstand für je einen der beiden Motoren verwendet. Bei 10 m Fördergeschwindigkeit, bei welcher die beiden Motoren hintereinander geschaltet werden, ist es nur notwendig, einen Anlasswiderstand zu verwenden. Alsdann ist also vollständige Reserve vorhanden. Ausserdem ist die Anordnung so getroffen, dass durch Umschalten in dem über Flur aufgestellten Gruppenschalter noch verschiedene weitere Ersatzschaltungen, aus dem vorhandenen Schaltungsschema entnehmbar, vorgenommen werden können. So ist es möglich, falls ein Motor fehlerhaft arbeiten sollte, mit dem anderen Motor allein zu fahren; ausserdem ist es möglich, jeden Anlasswiderstand auf jeden Motor zu schalten. Ferner ist vorgesehen, falls die Batterie ausfallen sollte, ohne diese zu fahren und zwar werden alsdann beide Anlasswiderstände hintereinander geschaltet und als gemeinsamer Anlasser für die beiden – alsdann in Serie zu schaltenden – Motoren verwendet.

Die senkrecht stehende Drehspindel der Anlassvorrichtung ist durch das Gewölbe des Grundgemäuers nach oben verlängert und erhält vermittelst Zahnrad und Zahnstange ihre Bewegung von einer über Flur aufgestellten mit Druckluft betriebenen Hilfsvorrichtung.

Dieselbe besteht im wesentlichen aus zwei an einem gemeinsamen Mittelstück verschraubten Cylindern, in denen sich einfache durch die Kolbenstange verbundene Scheibenkolben bewegen, die ihrerseits wieder mit der Antriebsstange verbunden sind. Der Arbeitskolben wird durch Druckluft bethätigt, der Kataraktkolben dient zur Dämpfung und Hemmung der Bewegung. Die Steuerung ist eine sogen. Differentialsteuerung, bei welcher die eigene Bewegung des Arbeitsgestänges dazu benutzt wird, die Steuerschieber wieder auf ihre Mittellage zurückzuführen; dieselbe ist in dem vorne liegenden Steuerbock untergebracht.

Die Einleitung der Bewegung geschieht durch die Bedienung des Schalthebels von der Hand des Maschinenführers. Der Weg des Arbeitskolbens entspricht genau dem Ausschlage des Handhebels im Führungsschlitz des Steuerbockes.

In der Ruhelage ist der Hebel nach hinten – dem Maschinenführer zu – angelegt, von hier aus wird der Hebel zuerst seitlich nach rechts oder links bewegt und schaltet durch diese Seitenbewegung vermittelst einer Druckluftübertragung nach der hinten aufgestellten Schaltvorrichtung die Umlaufrichtung der Fördermaschine ein, dem darauf folgenden Auslegen des Hebels im rechten oder linken Führungsschlitz entspricht die Aufwärtsbewegung des rechten oder linken Förderkorbes im Schachte.

Ausser diesem Schalthebel trägt der Steuerbock noch den Bremshebel, welcher die ebenfalls durch Druckluft bethätigte Bremse bedient. Der Bremshebel wird durch ein Gesperre an der Bewegung gehindert, so lange der Anlasshebel auf Fahrt steht, so dass die Bremse nur dann aufgeworfen werden kann, wenn die Motoren nicht vom Strom durchflössen sind.

Die Druckluftbremse, gekennzeichnet durch einen vor der Fördermaschine stehend angeordneten Bremscylinder, der durch eine einfache Hebelübersetzung auf die Bremsbacken wirkt, unterscheidet sich nicht wesentlich von den bei Dampffördermaschinen üblichen Dampf bremsen; dieselbe kann, wie schon erwähnt, ausser von der Hand auch von |382| der Sicherheitsvorrichtung unter gleichzeitiger Ausschaltung des Stromes in Thätigkeit gesetzt werden. Ausserdem kann der Hauptbremshebel noch durch eine Fallgewichtsschraubenbremse angezogen werden, die unter Flur angebracht ist und dem Beschauer von oben nur durch eine gusseiserne Säule auffällt; diese Säule trägt den Auslöshebel, der von der Hand des Maschinenführers im Falle des Versagens der Druckluftbremse bedient wird. Die Säule enthält ausserdem noch eine Winde zum Aufwinden des gefallenen Gewichtes.

Textabbildung Bd. 317, S. 382

Wir haben die Beschreibung dieser elektrischen Förderanlage sowie der vorhergehenden mit stehender Dampfmaschine reichlich eingehend behandelt, weil Anlagen in solcher Ausführung den Fortschritt auf diesem Gebiet darstellen, sodann aber auch zur Zeit noch wenig ausgeführt sind und jedenfalls im vorliegenden Fall zu den beachtenswertesten Ausstellungen gehören.

Eine weitere elektrisch angetriebene Fördermaschine mit geringerer Leistung (Fig. 21 und 22) finden wir in der Gasmotorenabteilung der Hauptmaschinenhalle durch Louis Soest und Co. in Reisholz bei Düsseldorf ausgestellt und im Betriebe vorgeführt.

Die Maschine ist für Lasten-, Belegschafts- und Seilförderung eingerichtet und beträgt die Leistung 1200 kg Nutzlast bei einer Fördergeschwindigkeit von 3 bis 5 m/Sek., entsprechend einer grössten Nutzleistung von . Die Teufe ist zu 200 m angenommen.

Der Elektromotor ist ein Gleichstrom-Nebenschlussmotor Modell G. C. II. 75/280 und leistet bei 300 minutlichen Umdrehungen 100 bis 140 PS. Der von dem Umformer zugeführte Strom hat noch eine Spannung von 440 Volt.

Vom Standort des Maschinenführers aus befindet sich der Motor zwischen Standort und Seiltrommeln. Von letzteren sind zwei Stück mit je 2200 mm Durchmesser und 950 mm lichter Breite vorhanden, welche auf der gleichen Welle von 250/248 mm Durchmesser aufgekeilt sind.

Die Welle ruht an jedem Ende in einem Lager von 360 mm Lauflänge und 160 mm Bohrung. Die Entfernung von Mitte zu Mitte der Lager beträgt 3450 mm. Die vom Stand des Maschinenführers nach rechts gelegene Seiltrommel sitzt unwandelbar fest auf der Welle aufgekeilt, während die links angeordnete Trommel auf einer über der ganzen Trommelbreite durchgehenden aufgekeilten Nabe, |383| welche hüben und drüben mit Flanschen versehen ist, mittels Schraubbolzen nach Bedarf versteckt werden kann.

Die Trommeln selbst bestehen je aus zwei starken - bezw. ⊣⌟-förmigen Ringen – letztere Form für die Bremsbandseite –, zwischen welchen der Holzbelag der Windetrommel verschraubt ist. Bei der rechts gelegenen Trommel befindet sich an der linken Flansch die ziemlich breit gehaltene Fallgewichtsbremse angeordnet, während an der linken Flansch der links angeordneten Trommel eine schmälere Feststellbremse angebracht ist.

Diese Bremsen – als Backenbremsen ausgeführt – haben 2000 mm Durchmesser und sind sehr kräftig, namentlich im Vergleich zur in Betracht kommenden Höchstleistung, gebaut und bringen die Maschine anstandslos in kürzester Zeit zum Stillstand.

Ausserdem ist noch unmittelbar auf der Motorwelle eine sehr starke Bandbremse angeordnet, welche mit Fussbetrieb sowie für die elektrische Bethätigung durch eine Magnetbremse ausgebildet ist.

Die Bremsvorrichtungen sind also auch hier vielseitig und in sorgfältiger Ausführung vorhanden.

Die Kraftübertragung vom Motor auf die Trommelwelle erfolgt durch doppelte Zahnradübersetzung. Das Ritzel der Motorwelle hat einen Teilkreisdurchmesser von 700 mm und 50 Zähne und eine Bohrung von 110 mm. Das Zahnrad der Vorgelegewelle hat 1400 mm Teilkreisdurchmesser, 100 Zähne und 210 mm Bohrung. Ritzel und Zahnrad sind aus mit Eisen armierter Rohhaut hergestellt. Das Ritzel auf der Vorgelegewelle hat 650 mm Teilkreisdurchmesser, 34 Zähne und eine Bohrung von 210 mm, das Zahnrad der Trommelwelle besitzt 2400 mm Teilkreisdurchmesser, 120 Zähne und 248 mm Bohrung. Letztere beide sind aus Stahlguss mit gefrästen Zähnen hergestellt. Das Uebersetzungsverhältnis beträgt also

oder rund 1 : 7.

Der Teufenzeiger mit Baumann'scher Sicherheitsvorrichtung fehlt auch hier nicht und bringt beim Zuweitfahren die Gewichtsbremse zum Einfallen und den Motor zum Stillstand.

Alle Handhaben sind auf dem Stande des Maschinenführers zusammengeführt, sowie leicht und übersichtlich zu bethätigen.

Die Rheinisch-Westfälische Maschinenbauanstalt und Eisengiesserei in Altenessen, Rhld., führt in der Sammelausstellung des Vereins für die bergbaulichen Intereswen einen elektrisch betriebenen Förderhaspel im Betriebe vor. Der Antrieb erfolgt durch einen Gleichstrom-Nebenschlussmotor von 440 Volt Spannung, welcher bei 575 minutlichen Umdrehungen 40 PSe leistet. Die Steuerung des Motors erfolgt mittels eines sechsstufigen Umkehranlassers. Am Schaltbrett sind 1 Höchstausschalter, 1 zweipoliger Ausschalter, 1 zweipolige Sicherung je für 100 Ampère Stromstärke, sowie 1 Ausschaltewiderstand angeordnet. Die Kraftübertragung vom Motor, welcher vom Stand des Maschinenführers aus gesehen ganz links auf der Grundplatte Aufstellung gefunden hat, erfolgt durch doppelte Zahnradübersetzung und zwar von der Motorwelle mit einem eisenarmierten Rohhautritzel auf ein gefrästes Stahlrad der Vorgelegewelle im Uebersetzungsverhältnis von 5 : 1, von letzterer dann durch zwei Stahlgussritzel auf die Zahnräder der Seiltrommelachse im Uebersetzungsverhältnis von 6 : 1, so dass sich eine 30fache Gesamtübersetzung ergibt.

Es sind zwei Trommeln von je 1500 mm Durchmesser und je 750 mm Breite vorhanden, von denen eine versteckbar angeordnet ist.

Die Seilgeschwindigkeit bei der Förderung ergibt sich zu

Jede Trommel hat je eine kräftige Backenbremse, welche einmal rechts, einmal links angeordnet ist, so dass sie in der Mitte nebeneinander liegen.

Der Bremshebel wird durch Fusstritt bethätigt, lässt sich aber auch durch Handrad und Spindel feststellen.

Auf der Vorgelege welle ist eine elektromagnetische Bremse angeordnet, die beim Anlassen des Motors durch Heben des Bremsgewichtes, welches ein Elektromagnet selbstthätig besorgt, gelüpft bezw. entlastet wird. Derselbe Elektromagnet besorgt beim Ausschalten des Motors das Einfallen der Bremse; zur Ausnutzung der im laufenden Haspel aufgespeicherten lebendigen Kraft kann jedoch das Gewicht durch eine hierfür besonders vorgesehene Vorrichtung mit Handhebel am Einfallen gehindert werden. Da für diese Hantierung aber die Gegenwart des Maschinenführers nötig ist, so ist in seiner Abwesenheit bei ausgeschaltetem Motor die elektromagnetische Bremse stets geschlossen. Die Bremse ist ausserhalb des Gestelles auf dem der Lage des Motors entgegengesetzten Wellenende angeordnet.

Wird andererseits der Motor eingeschaltet, während der Widerstand grösser ist, als ihn der Motor überwinden kann, so unterbricht der Höchstausschalter den Strom. Dieser Widerstand darf die Höhe von etwa 3200 kg erreichen, während bei einer Leistung des Motors an seiner Achse von 40 PSe und bei einer Seilgeschwindigkeit von 1,5 m/Sek. nach Abzug der Reibungswiderstände mit 20 v. H. der zulässige Seilzug sich zu

ergibt.

Die ganze Anordnung gleicht im übrigen sehr der in Fig. 21 und 22 dargestellten, auf welche hier verwiesen wird.

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Wir haben jetzt noch eine Anzahl kleinerer Fördermaschinen und die Maschinen der Streckenförderung zu betrachten und wollen – des übersichtlichen Zusammenhangs halber – hier zuerst die elektrischen Vorrichtungen weiter besprechen.

Für die Streckenförderung haben die elektrischen Grubenlokomotiven eine hervorragende Bedeutung, und sind solche von 25 PS sowie eine solche von 100 PS von der Benrather Maschinenfabrik A.-G. in Benrath-Düsseldorf in deren Sonderhalle ausgestellt, deren Besprechung gehört aber dem eigentlich elektrotechnischen Gebiet an.

Textabbildung Bd. 317, S. 383

Die Köln-Ehrenfelder Maschinenbauanstalt in Köln-Ehrenfeld stellt in der Haupthalle in Gruppe I einen Grubenhaspel |384| für 1000 kg Nutzlast (Fig. 23 und 24) mit Drehstromantrieb aus. Der von der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vorm. W. Lahmeyer und Co. in Frankfurt a. M. gebaute Motor leistet bei 900 bis 1000 minutlichen Umdrehungen und 110 Volt Spannung an seiner Achse 22 PS und bethätigt bei doppelter Zahnradübersetzung – und zwar von Motorwelle auf Vorgelegewelle im Verhältnis 6 : 1, von letzterer auf Seiltrommelwelle im Verhältnis 6,21 zu 1, also im Gesamtverhältnis von 37,5 zu 1 – die Fördertrommel, deren Durchmesser 1000 mm und deren Breite 1100 mm beträgt.

Dem Motor, sowie der an demselben Ende angeordneten Zahnradübersetzung gegenüber ist am anderen Ende der Fördertrommel eine sehr kräftige Bremse, welche für Fussbetrieb eingerichtet ist, angeordnet, ebenfalls hier befindet sich der Anlasser.

Die Gewerkschaft Eisenhütte Westfalia bei Lünen an der Lippe stellt in dieser Gruppe ebenfalls eine mit Drehstrommotor angetriebenen Grubenhaspel aus, bei welcher der von der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Helios in Köln-Ehrenfeld erbaute Motor bei 970 minutlichen Umdrehungen und 120 Volt Spannung 15 PS an seiner Achse abgibt.

C. W. Hasenclever Söhne in Düsseldorf führen in der Haupthalle in Gruppe I einen liegenden, elektrisch betriebenen Seilantrieb vor.

Ausserdem sind in der Sammelausstellung des Vereins für bergbauliche Interessen Zeichnungen von ähnlichen Anlagen auf den Zechen Königsgrube und Rheinpreussen.

In dem ausgestellten Seilantrieb ist die Lage der Wellen wagerecht nebeneinander, diejenige der Zahnräder und Seilscheiben senkrecht.

Die beiden Grundrahmen, auf welchen die Wellenlager angeordnet sind, sind aus Schmiedeeisen. Der Motor treibt mittels Riemen auf die erste in Ringschmierung laufende Vorgelegewelle, von hier aus wird die Bewegung durch zwei Stirnräderpaare mit gehobelten Zähnen auf die Arbeitswelle weiter übertragen. Das Ritzel des ersten Rades ist zwecks Erlangung eines möglichst geräuschlosen Ganges aus Rohhaut hergestellt. Die Rillen der Antriebscheiben sind mit Holz ausgefüttert und das von dieser ablaufende Seil über eine auf einen Spannwagen angeordnete Scheibe geleitet, der, durch ein Gegengewicht zurückgezogen, das Seil gespannt hält.

Eine sehr bemerkenswerte Auffütterung einer Seilscheibe mit Leder zwecks Schonnng der Seile, welche hier an dieser Stelle erwähnt werden soll, führt Georg Heckel in St. Johann-Saarbrücken vor (Fig. 25 und 26).

Textabbildung Bd. 317, S. 384

Die Fütterung besteht aus einzelnen Lederabschnitten, welche durch Drahtschnüre fest in ihrer Lage gehalten werden. Letztere führen durch den Scheibenkranz nach in den Armen befindlichen Naben, an welchen sie mittels Hakenschrauben verspannt sind.

Das Seil im Antrieb von C. W. Hasenclever Söhne, ist dann zum Treiben zweier Kettengreiferscheiben für Kettenbahnen verwendet.

Diese Kettengreiferscheiben fassen mittels strahlenförmig verstellbarer und geschmiedeter Stahlgreifer jedes fünfte Kettenglied und umschlingt hierbei die Kette etwa den halben Scheibenumfang.

Durch die strahlenförmige Verstellbarkeit kann sich die Greiferscheibe dem Kaliber der Kette anpassen.

Einige für die Streckenförderung zur Verwendung kommende Rollen, welche dasselbe Werk ausstellt, mögen hier kurz besprochen werden.

Da ist zuerst eine Verbindung von sechs Rollen, die zwischen zwei Tellerscheiben an deren Umfang gelagert sind, während sich das Ganze um den Mittelpunkt der Scheiben zwischen zwei Hängebrücken dreht. Diese Rollen kommen bei Steigungswechseln zur Verwendung und sollen die Mitnehmer zwingen, in ihren Gabeln zu verbleiben. Ein an eine kleine Rolle stossender Mitnehmer dreht die ganze Verbindung, bis er zwischen zwei kleinen Rollen vorbei gehen kann.

Ferner sind da gegeneinander im Winkel gestellte tassenförmöge Seiltragrollen, deren Durchgang ein unten unterbrochenes bildet.

Textabbildung Bd. 317, S. 384

Von diesen Doppeltragrollen schwingt die eine Rolle – die andere ist im Hängegestell unwandelbar befestigt – beim Anstossen eines Mitnehmers aus, fällt aber nach dessen Durchgang sofort zurück, bevor noch das Seil zu tief sinken kann. Die Rollen sind aus Stahlguss hergestellt. Schliesslich sind noch Rollen für Kurven gezeigt, welche bei 500 mm Durchmesser zwischen gusseisernen Rahmenböcken mit etwas Neigung eingebaut sind. Mittels an dem Rahmen befindlicher Kopfflansch ist die Rolle in zweckentsprechender Weise zu befestigen. Die Neigung bezweckt ein Steigen des Seils an der Rolle zu verhindern.

Wir haben jetzt nach Besprechung der elektrisch betriebenen kleineren Fördermaschinen vor allem noch der Luft als Bewegungserreger zu gedenken. Die Lufthaspeln, welche reichlich auf der Ausstellung vertreten sind, spielen zur Zeit namentlich bei der Streckenförderung eine grosse Rolle.

Die Rheinisch-Westfälische Maschinenbauanstalt und Giesserei stellt in der Sonderhalle des Vereins für die bergbaulichen Interessen zwei Zwillingslufthaspeln aus, von welchen die eine mit einer ausrückbaren Rillenscheibe, die andere mit zwei Seiltrommeln ausgerüstet ist.

Von der Köln-Ehrenfelder Maschinenbauanstalt ist in Gruppe I der Haupthalle eine gleiche Haspel (Fig. 27) ausgestellt, deren Einführung in den Betrieb dieses Werk mit Erfolg erreicht hat.

Die Eisengiesserei und Maschinenfabrik A. Beien in Herne bringt in der Gruppe I der Haupthalle folgende Lufthaspeln zur Ausstellung:

einen mit einer Trommel ausgerüsteten Zwilling,

einen Zwilling mit einer Scheibe, welche mit Hainbuchenholz gefüttert ist,

einen fahrbaren Zwilling von 130 mm Durchmesser des Cylinders bei 110 mm Hub und einem Trommeldurchmesser von 250 mm.

Das Gewicht dieser letzteren Maschine beträgt vollständig fertig 650 kg.

Die Gewerkschaft Eisenhütte Westfalia stellt – ebenfalls in dieser Gruppe – auch mehrere mit Luft betriebene Haspeln aus; eine derselben ist fahrbar und wird durch schwingende Cylinder und Schwungrad bethätigt.

Die Köln-Ehrenfelder Maschinenbauanstalt ist hier mit einer Zwillingslufthaspel vertreten, ausserdem aber stellt dieses Werk in der Haupthalle der Sammelausstellung des Vereins für die bergbaulichen Interessen eine Flachhaspel für Neigungen von 0,25° aus (Fig. 28 und 29). Gleichfalls als mit Luft betriebener Zwilling gebaut und für gleichzeitige Förderung von 26 bis 30 Wagen berechnet, hat dieselbe in den Cylindern 250 mm Durchmesser bei 350 mm gemeinsamem Hub, ausserdem besitzt sie eine Rillenscheibe zur Förderung mit Seil ohne Ende.

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Drei Maschinen dieser Abmessung sind auf Zeche Shamrock III/IV bei Wanne in Betrieb und haben sich in der Förderung bei unregelmässigem Einfallem gut bewährt.

Als Fördermaschine in der Streckenförderung ist dem Wesen nach auch noch die Scheibenbremse (Fig. 30) – eine wagerechte Lauf bremse – zu erwähnen. Ausgeführt nach eigener Bauart, ist dieselbe von der letzterwähnten Köln-Ehrenfelder Maschinenbauanstalt in hervorragender Weise zur Geltung gebracht, und eignet sich vorzüglich für rasch vorrückende Aufhauen, schwebende Streben u.s.w.

Textabbildung Bd. 317, S. 385

Das Laufrad mit etwa 500 mm Durchmesser ausgestellt, ist zugleich Seil- und Bremsrad und lässt sich sehr leicht mittels eines grossen drehbaren Hakens und eines nach Bedarf aufgestellten Stempels belegen, und jederzeit ohne viel Mühe oder Auseinandernehmen versetzen.

Das Laufrad arbeitet nur mit einem Seil, welches infolge der Drehbarkeit des Hakens keinen Schwankungen unterworfen ist; die an sich stets geschlossene Bremse wird erst durch das Lüpfen des Bremshebels in Thätigkeit gesetzt. Die Vorrichtung setzt daher beim Loslassen des Hebels sofort zuverlässig mit ihrer Arbeit ein und bietet den Vorteil, dass jede Verbreiterungen des Bremsberges, sowie ein Verlegen der Bremse behufs Vorbeischieben der Wagen unnötig wird. Ausgeführt wird dieses Laufrad von 420 bis 1100 mm im Durchmesser.

Bis jetzt sind 1300 Ausführungen in den verschiedensten Bergwerken Deutschlands, Oesterreichs, Belgiens, Frankreichs, Hollands und Grossbritanniens in Betrieb.

Die in Fig. 31 dargestellte Bockbremse – bestimmt zur Förderung im zweigeleisigen Bremsberg – entspricht in allem wesentlichen der vorbeschriebenen. Seil- und Bremsrad arbeitet zu gleicher Zeit mit nur einem Seil, es ist stets geschlossen, bremst in jedem Punkt, ist leicht und schnell anbringbar und beansprucht nicht viel Raum. In der Ausstellung zeigt es die Anordnung mit einer für jede Seilstärke verstellbaren Rille.

Textabbildung Bd. 317, S. 385

Dieses Laufrad wird ebenfalls in etwas veränderter, sowohl wagerechter wie senkrechter Anordnung – mit unterlaufendem Gegengewicht – ausgeführt und gestattet bei einem Durchmesser von 900 mm ein doppelt so rasches Arbeiten in der Bremsbergförderung bei gleicher Lastenbewegung wie ähnliche Einrichtungen bisheriger Bauart.

Schliesslich sei hier noch einer starken Bremse mit Seilrad für saigere Schächte, welche dieses Werk noch zur Ausstellung bringt, Erwähnung gethan. Dieselbe baut sich sehr eng zusammen und kann der Rahmen für die Achsenlagerung sowohl in Holz wie in Eisen hergestellt werden.

Der Verein der Steinkohlenbergwerke des Aachener Bezirks stellt in Gruppe I der Haupthalle das Modell einer ähnlichen Bremse (Fig. 32 und 33), fahrbar auf einen Karren, aus.

Der Rahmen ruht hier auf zwei mit Rädern versehenen Böcken bb, an denen beidseitig Bügel aa und Fussklemmen kk zum Feststellen des Karrens an den Bremsbergschienen angeschraubt sind. Die Bremse selbst lässt sich sowohl mit senkrechter wie wagerechter Achse anordnen.

Die ganze Vorrichtung hat sich bei Verwendung in nicht zu steilen Bremsbergen bestens bewährt.

Weitere Bremsvorrichtungen sind noch von der Fahrendeller Hütte, Winterberg und Jürs in Bochum ausgestellt und zwar gleichfalls in der Sammelausstellung des Vereins für bergbauliche Interessen.

Textabbildung Bd. 317, S. 385

Zwei Drehscheiben für geneigte Bahnen in der Bremsbergförderung, von welchen die eine, von der Sieg-Rheinischen Aktiengesellschaft in Friedrich Wilhelms-Hütte |386| an der Sieg – verstellbar für Neigen von 0 bis 28°, die andere von R. W. Dinnendahl, Aktiengesellschaft in Kunstwerker-Hütte bei Steele hergestellt ist, sowie die Wagen, Sicherheitsvorrichtungen, Zubehörteile u.s.w., welche in reichlicher Anzahl ausgestellt sind, gehören der Förderung im allgemeinen an.

Textabbildung Bd. 317, S. 386

Wir hätten somit dasjenige, was diese – in Hinsicht auf bergbauliche Förderung in so seltener Weise – reichbeschickte und beachtenswerte Ausstellung an eigentlichen maschinellen Einrichtungen bietet, besprochen. Es wäre wohl zu wünschen, dass sich den Ingenieuren Gelegenheit bieten möchte, an den ausgestellten und im Betriebe vorgeführten Maschinen vergleichende Versuche vorzunehmen, um über manche heut noch unentschiedene Fragen Klarheit zu gewinnen.

(Fortsetzung folgt.)

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