Titel: Moderne Lade- und Transporteinrichtungen für Kohle, Erze und Koks.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318 (S. 130–138)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/ar318036

Moderne Lade- und Transporteinrichtungen für Kohle, Erze und Koks.

Von Georg v. Hanffstengel, Ingenieur in Stuttgart.

(Fortsetzung von S. 104 d. Bd.)

Hochbahnkrane von Adolf Bleichert & Co., Leipzig-Gohlis.

Verschiedene Ausführungen von Hochbahnkranen seitens der Firma Adolf Bleichert sind bereits veröffentlicht worden, so zwei Auslegerkrane von je 18 m und ein Lagerplatzkran von 96 m Fahrlänge für die Norddeutschen Kohlen- und Kokswerke am Indiaquai in Hamburg,1) ferner ein Auslegerkrau |131| mit automatischer Bahn, der sich im wesentlichen den Huntschen Konstruktionen anschliesst, und eine Verladebrücke, beide für das Krafthans Moabit der Berliner Elektrizitätswerke.2) Von der letzteren giebt Fig. 142 eine Abbildund.

Textabbildung Bd. 318, S. 131

Der Verladebrücke fällt die Aufgabe zu, die von dem schon erwähnten fahrbaren Uferkran geförderte Kohle auf dem Lagerplatz zu verteilen. Ihre Stützweite beträgt 80 m, die Trägerhöhe in der Mitte ca. 5 m. Auf der Wasserseite (in der Abbildung rechts) ruht die Brücke auf einem Bock, der auf einer dem Lagerplatz entlang geführten Hochbahn fährt, am anderen Ende auf einer Pendelstütze, die freie Ausdehnung der Hauptträger gestattet. Fig. 143 giebt eine Ansicht der Stütze, an deren Kopf die Brücke in einem Kugelzapfen aufgehängt ist, sodass beliebige gegenseitige Bewegungen möglich sind und etwaiges Schieffahren keine schädlichen Folgen hat. Von dem Fahrwerk ist nur der Motor eingezeichnet, der auf die beiden links gelegenen Laufräder wirkt. Starre Verbindungen zwischen den schrägen Streben und den Laufrollenträgern sind vermieden worden. sodass mit Sicherheit auf richtige Last Verteilung gerechnet werden kann.

Der Hauptträger, dessen mittlere Felder in Fig. 144 bis 146 skizziert sind, zeigt amerikanische Konstruktion. Die Diagonalen bestehen aus Rundeisen mit Spannschlössern, der auf Druck beanspruchte Obergurt aus ⊏-Eisen und der Untergurt aus einem mit der breiten Seite horizontal gelegten Flacheisen. Diese Ausführung sieht leicht und elegant aus, bietet dem Winde sehr wenig Angriffsfläche und hat den weiteren Vorteil, dass der Förderkübel vollständig zwischen die Träger hinaufgezogen werden kann, also die lichte Höhe unter der Brücke ganz für die Lagerung der Kohle zur Verfügung steht.3)

Die Anordnung des Hub- und Fahrwerks der Katze entspricht der schematischen Skizze Fig. 125, S. 73 und ist auch aus Fig. 154 erkennbar. Das Hubseil trägt die Lastin loser Rolle und ist am Auslegerende befestigt, während das endlose Fahrseil auf beiden Seiten der Katze angreift. Vor dem Fahren wird das Hubseil durch Einhängen der Unterflasche in die Katze entlastet. Wenn es sich um kurze Transportwege handelt, wie sie bisweilen bei Entnahme der Kohle vom Lagerplatz vorkommen, so wird indessen, um mit dem unnützen Beben keine Zeit zu verlieren, auf das Einhängen verzichtet. Zum Transport der Kohle auf den Lager platz werden Kippgefässe, für den umgekehrten Vorgang Selbstgreifer Honescher Bauart verwandt.

Textabbildung Bd. 318, S. 131
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Fig. 147 giebt eine Abbildung der Laufkatze mit eingehängtem Hakengeschirr. Soll die Last ausgelöst und gesenkt werden, so ist zunächst das Seil etwas anzuziehen, wodurch der Haken zur Seite gedrängt wird und nun die vorstehenden Zapfen der Seilrolle frei abgleiten lässt. Spiralfedern bringen den Haken immer wieder in die Mittelstellung zurück. Der unten sichtbare Hebel dient dazu, den Förderkübel zu entleeren, wie später bei einer anderen Ausführung beschrieben werden soll.

Textabbildung Bd. 318, S. 132

Der Lasthaken ist mit einer Sicherheitsverriegelung versehen, die das Hakenmaul schliesst und verhindert, dass bei den schnellen Bewegungen die angehängte Last herausspringt. Durch den Griff des Arbeiters wird nach Fig. 148 der Riegel zurückgezogen.

Textabbildung Bd. 318, S. 132

Verschiedene Arten von Förderkübeln der Firma Bleichert, welche die in Amerika allgemein gebräuchliche Form aufweisen, sind in Fig. 149 bis 151 abgebildet. In leerem Zustand hat das Gefäss das Bestreben, sich in die aufrechte Lage einzustellen. Das gefüllte Gefäss dagegen hat Uebergewicht nach vorn, würde also seinen Inhalt auskippen,wenn es nicht durch eine Riegelstütze gehalten würde. Wird die Stütze ausgelöst, was in Fig. 149 von Hand, in Fig. 150 durch Aufsetzen auf den Boden geschieht, so kippt das Gefäss und entleert sich selbstthätig, um dann wieder in die Füllstellung zurückzukehren.

Das Gefäss (Fig. 151) verriegelt sich an dem Aufhängebügel selbst und kommt zum Kippen, wenn der oben erwähnte Hebel der Laufkatze die vorstehenden Enden der beiden im Bügel gelagerten Riegelhebel niederdrückt.

Damit der Kübel leicht zu handhaben ist, wird er mit 3 oder 4 Gusstahlrollen und mit Handgriffen versehen.

Textabbildung Bd. 318, S. 132

Die eigentümliche Form der Gefässe lässt, namentlich beim Ausladen von Erz aus Schiffen, ein besonders rasches und bequemes Füllen zu, wie in der Skizze Fig. 152 erläutert ist. Man lehnt das Gefäss an den Erzhaufen an und braucht dann nur das Material von oben herunter zu stechen. Dazu ist aber erforderlich, dass zunächst, wenn das Schiff vollbeladen ankommt, eine Grube ausgehoben wird, in die man den Kübel hineinsetzen kann. Diese Arbeit ist sehr mühsam und nimmt viel Zeit in Anspruch, so dass erst nach |133| ihrer Beendigung die volle Leistungsfähigkeit des Kranes ausgenutzt werden kann. Gewöhnlich werden zwei Schautier zur Füllung eines Gefässes angestellt, doch arbeiten, damit keine Unterbrechungen eintreten, drei bis vier Partieen gleichzeitig für einen Kran. Mit Kübeln von etwa 1 t Inhalt hat man in Amerika die besten Erfahrungen gemacht, da grössere Gefässe mehr Arbeiter erfordern, die sich gegenseitig im Wege sind.

Textabbildung Bd. 318, S. 133
Textabbildung Bd. 318, S. 133
Textabbildung Bd. 318, S. 133

Eine Bleichertsche Winde, wie sie in Moabit ausgeführt ist, zeigen Fig. 153 und 154. Alle Trommeln laufen lose auf einer gemeinschaftlichen, durch Stirnräder mit Winkelzähnen angetriebenen Welle, mit der sie einzeln durch Reibkupplungen R verbunden werden können. Ebenso ist jede Trommel mit einer Bremse versehen, die bei der Hubtrommel dazu dient, die Last festzuhalten und zu senken, während die Bremsen der beiden Fahrtrommeln lediglich die Bewegung zu stoppen haben. Die Welle läuft nur in einer Richtung um.

Eigenartig ist die Anordnung des Fahrtriebwerks, welche die vielfach üblichen Wendegetriebe mit ihrem bei der schnellen Bewegung oft unerträglichen Lärm überflüssig macht. Von beiden Trommeln läuft das Seil auf derselben |134| Seite nach der Katze hin ab. Die beiden anderen Seilenden vereinigen sich auf einer mit Spindeln verschiebbaren Spannrolle, sodass die Trommeln lediglich nach Art von Spills wirken. Falls die Rolle nicht weit genug entfernt liegt, muss sie so gelagert werden, dass sie mit den Seilen hin und her wandern kann. Wird die Kupplung R2 eingerückt, so verfährt die zugehörige Trommel die Katze nach rechts, während die andere Trommel im umgekehrten Sinne nachgeschleppt wird, Einrücken von R3 dagegen hat Bewegung nach links zur Folge. Die Reibkupplungen bedient der Führer durch Handhebel, die Bremsen mit dem Fusse.

Textabbildung Bd. 318, S. 134
Textabbildung Bd. 318, S. 134

Die Bleichertsche Bandreibkupplung ist in Fig. 155 abgebildet. Mit der inneren, auf der Welle festgekeilten Scheibe ist das mit Holz gefütterte Band an einem Ende fest, am andern durch einen drehbaren Hebel verbunden. Es legt sich um einen an die Trommel angegossenen Ring und wird in gelöstem Zustande durch Haken, die auf dem Umfange verteilt sind, in richtigem Abstände gehalten. Vorschieben der Kupplungsmuffe gegen die Trommel hin hat Linksdrehung des eben erwähnten Hebels und damit Festziehen des Bandes zur Folge, sodass jetzt die Trommel mitgenommen wird.

Um zu starkes Durchhängen des entlasteten Hubseiles zu verhindern, waren bei dem Kran in Moabit ursprünglich mehrere Seiltragrollen, auf die Fahrbahnlänge verteilt, angebracht, die beim Gegenfahren der Katze seitlich auseinanderklapptenund die Bahn freigaben. Diese Vorrichtungen haben sich indessen nicht bewährt und sind später entfernt worden. Die Konstruktion geeigneter Seilunterstützungen scheint auch den anderen Firmen Schwierigkeiten zu machen, da der Anprall der schnellfahrenden Katze zu heftigen Stössen führen muss. Ich hatte nur einmal Gelegenheit, eine solche Vorrichtung im Betriebe zu sehen und beobachtete dabei einen sehr Heftigen Anprall, obwohl der Führer jedesmal die Geschwindigkeit der Katze vorher sehr stark ermässigte.

Textabbildung Bd. 318, S. 134

Fig. 156 giebt noch die Abbildung einer Bleichertschen Laufkatze für Fahrbahnen, die unter 30° geneigt sind. (Vergl. Fig. 130, S. 75).

Der Temperley-Transporter. 4)

Textabbildung Bd. 318, S. 134

Da schon eine Anzahl Veröffentlichungen über den Temperley-Transporter in der deutschen technischen Litteratur vorliegt,5) so genügt es, wenn hier an Hand einiger Abbildungen, die von Hrn. Arthur Koppel, Berlin, dem Vertreter der Temperley-Gesellschaft für Deutschland, freundlichst zur |135| Verfügung gestellt wurden, auf die Wirkungsweise, die Verwendbarkeit und die Vorzüge dieses Hochbahnkransystems kurz hingewiesen wird.

Textabbildung Bd. 318, S. 135

Nach Fig. 157 läuft die vorwiegend aus Walzeisen hergestellte Katze auf dem Unterflansch eines schräg gelegten I Trägers. Für Heben und Fahren wird nur ein Seil benutzt, das die Last in loser Rolle trägt. Der Seilzug würde, wenn die Last frei am Seile hängt, die Katze am Träger aufwärts fahren, wenn sie nicht in dem Ausschnitt eines Flacheisens verriegelt wäre, das auf der unteren Seite des Trägers befestigt ist. Die Arbeitsweise, die nach den angeführten Quellen genauer verfolgt werden kann, ist folgende:

Textabbildung Bd. 318, S. 135

Solange die Last hochgezogen wird, ist die Katze an der Laufbahn festig riegelt. Die Hakenrolle tritt beim Heben in das glockenförmige, zur Führung dienende Gehäuse ein und stosst mit ihren vorspringenden Zapfen gegen den Sperrhaken, wobei dieser in die Höhe geht, die Verriegelung löst und sich gleichzeitig soweit dreht,dass er die Hakenrolle abfängt, die sich nach Entriegelung der Katze sofort senken würde. Die Last hängt jetzt in der Katze (Fig. 158), und das Seil hat nur den Fahrwiderstand zu überwinden, der in Anbetracht der Steigung – für selbsttätigen Rücklauf ist etwa 1 : 6 erforderlich – mehr als die Hälfte des Lastzuges betragen wird. Um die Last an beliebiger Stelle zu senken, hat man die Katze über den betreffenden Ausschnitt ein kurzes Stück hinauszufahren und dann nachzulassen, wobei sie sich selbstthätig einriegelt und die Lastrolle freigiebt.

Ist die Rolle wieder aufgezogen und eingehängt, so lässt der Führer die Katze unter der Bremse bis zur Beladestelle, rückwärts laufen, wobei die Windentrommel vom Triebwerk losgekuppelt ist. Hier muss die Katze zunächst über den betreffenden Einschnitt hinauslaufen, dann zurückgezogen werden, und riegelt, sich erst bei nochmaligem Nachlassen ein. Jetzt wird die Last unter der Bremse gesenkt.

Textabbildung Bd. 318, S. 135

In den Fällen, wo der Träger nicht mit der Steigung 1 : 6 verlegt werden kann, muss nach Fig. 158 auf der anderen Seite der Katze ein Hilfsseil angreifen, das durch ein Gegengewicht mit Flaschenzug straff gezogen wird und die Katze zurückfährt. Statt mit loser Rolle kann der Kran auch mit einfachem Seil arbeiten, doch wird erstere Ausführung in der Regel bevorzugt.

Für den Transport von Massengütern dienen gewöhnlich zylindrische Eimer, die ebenso, wie die früher beschriebenen Gefässe, in gefülltem Zustande Neigung zum Kippen haben. Ihre Verriegelung wird ausgelöst, sobald nach vollendeter Senkbewegung die Last wieder angehoben wird, und zwar dadurch, dass die umgekehrte Drehung der losen Rolle einen Sperrhaken zum Eingriff bringt.

In Fig. 158 ist gleichzeitig ein Seilträger abgebildet, der Durchhängen des Seiles verhindert und beim Durchgang der Katze durch zwei spitz zusammenlaufende Flacheisen zur Seite gedrängt wird. Fig. 159 giebt eine genauere Skizze dieser Vorrichtung6), die ohne Erklärung verständlich ist.

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Vor anderen Konstruktionen ausweichender Seilrollen hat diese offenbar den Vorteil, dass sie sehr leicht gebaut werden kann und unter der Wirkung des Eigengewichtes sich zu öffnen bestrebt ist, sodass die Zugfeder den Ausweichwiderstand genauer zu regeln gestattet.

Textabbildung Bd. 318, S. 136
Textabbildung Bd. 318, S. 136

Fig. 160 giebt die Abbildung einer elektrisch betriebenen Winde für zwei Seilgeschwindigkeiten. Auf jeder Seite der Motorwelle ist ein Ritzel aufgekeilt, das in ein auf der Trommelwelle lose laufendes Zahnrad eingreift. Die Uebersetzung des einen Vorgeleges ist doppelt so gross, wie die des anderen, und die Trommel kann durch Reibkuppelungen beliebig mit einem der beiden Stirnräder verbunden werden. Die Seilgeschwindigkeit beträgt 2,0 bezw. 4,0 m/Sek, sodass, wenn beim Heben die kleinere, beim Katzen fahren die grössere Geschwindigkeit angewendet wird, die Leistung des Motorsangenähert die gleiche bleiben dürfte. Die Bremsscheibe ist mit der Trommel zusammengegossen. Der Motor läuft nur in einer Richtung um. da er lediglich zum Heben und Aufwärtsfahren gebraucht wird. Der rechts sichtbare Handhebel rückt die Trommel ein, der Fusstritthebel wirkt auf die Bremse. Die Winde Fig. 161, die für einen fahrbaren Schiffsentlader bestimmt ist, hat noch eine zweite Trommel erhalten, die durch ein Schneckengetriebe gedreht wird und zum Einziehen des Auslegers dient. Ferner ist eine nach unten gerichtete Kegelradübertragung vorhanden, durch welche das Traggerüst verfahren werden kann. Beide Triebwerke sind mit Wendegetriebe versehen, da der Antriebsmotor nur in einer Richtung arbeitet.

Textabbildung Bd. 318, S. 136

Die Ausführung der Trommelkupplung bei derartigen Winden, wie sie besonders in Amerika sehr beliebt sind und auch z.B. bei dem Huntschen Elevator benutzt werden, giebt die Skizze Fig. 162 wieder, die der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure 1895, S. 338 entnommen ist. Das |137| Stirnrad sitzt fest auf der Welle und wird durch einen Stellring a an der Verschiebung nach links gehindert. Die Trommel läuft lose und kann durch einen Handhebel achsial verschoben werden. Dieser sitzt auf einer Schraubenspindel, deren Mutter eine mit dem Lagerbock fest verschraubte Traverse bildet. Die Spindel stützt sich auf die Pfanne eines Druckstiftes, der in einer Bohrung der Welle liegt und sich mit ihr dreht. Er überträgt den Spindeldruck auf einen Keil, der die Welle durchdringt und einen an der Trommel nahe anliegenden Ring b verschiebt. Die Trommel legt sich mit einer doppelt kegelförmigen Ausdrehung gegen einen Holzring, der mit dem Antriebsrade verschraubt ist, und wird durch die Reibung mitgenommen. Eine Spiralfeder in der linken Trommelnabe sorgt dafür, dass nach Zurücklegung des Hebels die Kupplung sich mit Sicherheit löst. Das holzgefütterte Bremsband ist über die Kupplungsscheibe gelegt. Diese sehr einfache Anordnung hat sich, wie es scheint, gut bewährt. Gegenstand von Verbesserungen seitens verschiedener Firmen ist unter anderem die Spurpfanne der Spindel gewesen, die sich leicht heisslaufen soll.

Die Anwendung eines Temperleykranes wird dann besonders vorteilhaft sein, wenn eine möglichst einfache Anlage geschaffen werden muss, vor allem also in solchen Fällen, wo die ganze Vorrichtung nur für vorübergehenden Gebrauch aufgestellt wird, denn die Montage der Katzenfahrbahn, die aus einem einfachen IEisen besteht, und der Leitrollen für ein einziges Seil ist jedenfalls mit den geringsten Mitteln durchzuführen. Sehr wichtig ist ausserdem, dass zum Betriebe jede beliebige Winde benutzt werden kann. Ist es nicht möglich, die Neigung 1 : 0 zuerreichen, so sind diese Vorteile natürlich nicht mehr in dem Masse vorhanden, da ein Hilfsseil notwendig wird. Gegenüber den einseiligen Kranen, deren auf schräger Bahn laufende Katze an einem Anschlag auf der Bahn verriegelt wird, bietet der Temperleykran den sehr wesentlichen Vorzug, dass der Führer die Last an ganz beliebiger Stelle ablassen kann.

Textabbildung Bd. 318, S. 137
Textabbildung Bd. 318, S. 137
Textabbildung Bd. 318, S. 137

Fig. 163 giebt einen fahrbaren Schiffsentlader wieder, dessen wasserseitiger Ausleger aufgezogen werden kann. Die Ausladung beträgt nach dem Wasser zu 14,3, nach dem Lande 12,5 m. Bei solchen Längen muss der Fahrbahnträger durch wagerecht gespannte Seile seitlich gehalten und durch ein ⊏ oder IEisen versteift werden, das mit seinem horizontal |138| gelegten Steg auf den oberen Flansch des Trägers genietet wird.

Ein fentstehen der Ladeturm, ausgeführt von Arthur Koppel, ist in Fig. 164 abgebildet. Eigenartig ist die Ausbildung des weit vorkragenden Auslegers, der einen Fachwerkbalken darstellt, bei dem die Zugglieder aus Seilen, die Druckstäbe dagegen knick fest aus Profileisen hergestellt sind. Gegen Kippen wird das ganze Gerust durch Verankerung in einer Mauer gesichert.

Textabbildung Bd. 318, S. 138
Textabbildung Bd. 318, S. 138

Ausserordentlich einfach aufzustellen ist die Konstruktion (Fig. 165), wo zwei Auslegerbäume von 18 und 12 m Länge an einem gegen den Boden verankerten Mast befestigt sind.

Ausgedehnte Verwendung hat der Temperleytransporter für die Befrachtung und Entladung von Schiffen gefunden, besonders in der englischen Marine. Fig. 166 zeigt ein russisches Schulschiff, gebaut von den Howaldtswerken, fürdas Arthur Koppel eine derartige Einrichtung geliefert hat. Die Ladebäume werden an einem passenden Platz auf Deck untergebracht und nur hochgezogen, wenn mit ihnen garbeitet werden soll.

Zur Zeit hat Koppel eine grössere Anlage für Lourenço Marquez in Bau, deren Ausführung die Skizze Fig. 167 zeigt. Es werden hier Stückgüter verladen, doch ist die Anordnung ebenso gut für die Lagerung von Kohlen zu gebrauchen und darf deshalb hier wiedergegeben werden, zumal sie ein besonders deutliches Beispiel für die Vorzüge des Temperleytransporters bietet. Drei Lagerschuppen sind mit je 12 festen Ladebäumen a b ausgerüstet, die in 5 m Abstand von einander liegen. Ferner sind vier fahrbahre Ladetürme vorhanden, um die Waren aus dem Schiff zu heben. Jeder Turm kann nun mit einem beliebigen Träger verbunden und so der ganze Schuppen versorgt werden. Da die Ladebäume mit der erforderlichen Neigung verlegt werden durften, so ist kein Gegengewichtsseil nötig, und die Einrichtung ist betriebsfertig, sobald die Trägerenden am Punkte a aneinander geschlossen sind. Der Betrieb ist demnach so einfach, wie nur irgend denkbar.

Von einer ähnlichen Ausführung für das Gaswerk Turin giebt Fig. 168 eine Abbildung, doch ist die Anordnung hier weniger günstig, da die Träger horizontal liegen. Der fahrbare Turm trägt zwei Ladebäume, die an zwei benachbarte feste Träger des Schuppens angeschlossen werden können.

(Fortsetzung folgt.)

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Buhle, Technische Hilfsmittel zur Beförderung und Lagerung von Sammelkörpern, I. Teil, S. 83 ff. Ich möchte nicht unterlassen, an dieser Stelle auf die umfangreichen Buhleschen Arbeiten hinzuweisen, in denen sich viel hierher gehöriges Material vorfindet, und die sehr dazu beigetragen haben, die Bekanntschaft mit den neuen Erfindungen für Massengütertransport in Deutschland zu verbreiten.

|131|

L. Datterer, die Berliner Elektrizitätswerke im Jahre 1902. Z. d. V. d. I., S. 301 ff.

|131|

Vergl. Lemmer, Ueber Beförderung von Massengütern, Z. d. V. d. I., 1901, S. 1218.

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Die Konstruktionen der Temperley-Transporter-Co., London, sind durch eine Reihe von Patenten geschützt.

|134|

Ausführliche Darstellung und Erklärung der Mechanismen findet sich an folgenden Stellen:

Ernst, Bebezeuge, 3. Aufl., S. 751.

Z. d. V. d. I., 19. Okt. 1901 (von Kammerer).

Annalen für Gewerbe und Bauwesen, 1. Sept. 1902 (von Ernst Lipmann)

|135|

Nach Stahl und Eisen, 1. Juni 1901. Bericht über die Pariser Weltausstellung von Frahm.

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