Titel: Die Entwicklung der Glasblasemaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318 (S. 154–159)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/ar318040

Die Entwicklung der Glasblasemaschine.

Von Dr. Wendler, Charlottenburg.

(Fortsetzung von S. 109 d. Bd.)

Textabbildung Bd. 318, S. 154

Wie schon S. 107 auseinandergesetzt, müssen die Press- und Blasemaschinen ein um so besseres Erzeugnis liefern, je geringer der Unterschied an Gestalt und Grösse zwischen dem gepressten Zwischenkörper und dem fertigen Gefäss ist. Dieses wünschenswerte Verhältnis wird sich aber nur bei ziemlich weithalsigen Gefässen, wie Einmachegläsern, einhalten lassen, während bei der Erzeugung der eng- und meist auch noch langhalsigen Flasche die Press- und Blasemaschine sich unzulänglich zeigen, wenn nicht versagen muss. Betrachtet man die Fig. 10, so erhellt ohne weiteres die Schwierigkeit, durch den niedergehenden dünnen Stempel L das Glas aufwärts durch den schmalen Hingkanal zwischen L und B in die Kopfform k zu drängen, da es stets die Neigung haben wird, auf dem Wege dahin zu erstarren.und vorzeitig sich festzusetzen, zum mindesten wird selbst ein gut ausgebildeter Flaschenhals infolge ungleicher Abkühlung zum Springen neigen. Auch ist es bekanntlich nicht leicht, stets dieselbe Menge geschmolzenen Glases in eine Form einzuführen.Geringe Schwankungen in der Menge der Glasbeschickung müssen aber den Stempel L wegen seines geringen Querschnittes ganz verschieden tief eindringen machen, also bald ein Külbel mit zu kurzer Höhlung, bald eins mit zu dünnem Boden entstehen lassen. Aus diesen Gründen heraus hat sich eine besondere Flaschenblasemaschine und diese wieder in Abarten, entwickelt.

Vielleicht der erste Versuch in dieser Entwicklungsreihe ist der von A. R. Weber, Pittsburg, im Jahre 1876 (amerik. Pat. 178819) gemachte. Derselbe bedeutet allerdings, verglichen mit dem drei Jahre älteren von Arbogast, zunächst einen Rückschritt. Weber schliesst das obere Ende einer Flaschenform durch die Mündung einer Pressluftleitung ab, welche düsenartig ein Stück in den Halsteil der Form hinabreicht und am Ende durch einen Ventilknopf verschlossen ist, und presst durch einen von unten in der Form aufsteigenden, das Lichte der Form ganz ausfüllenden Stempel auf diesem liegendes geschmolzenes Glas in den Halsteil der Form empor und um die Düse herum. Die eigentliche Formgebung beim Pressvorgang beschränkt sich also auf die Bildung des Flaschenkopfes und der obersten Mündung. Dieses Pressen entspricht also etwa der ersten Stufe der Mundblasearbeit, dem Aufnehmen, ohne aber einen, wie bei den Press- und Blasemaschinen zum Fertigblasen geschickt gemachten Zwischenkörper zu liefern. Abgesehen von diesen und anderen Mängeln bedingt diese Arbeitsweise ein umständliches Handhaben insofern, als ein Einfüllen des Glases durch die enge Halsmündung nicht möglich ist, demnach die obere Hälfte |155| der Form ganz oder teilweise entfernt werden und nach dem Einfüllen des Glases in die untere Hälfte wieder aufgesetzt werden muss, dabei aber fugenlos anschliessen soll.

Textabbildung Bd. 318, S. 155
Textabbildung Bd. 318, S. 155
Textabbildung Bd. 318, S. 155

Dieser Uebelstand wurde durch einen glücklichen Gedanken der Engländer Arnall und Ashley (britische Patentschrift, 8677 v. J. 1886) überwunden, indem sie die Webersche Anordnung auf den Kopf stellten, a (Fig. 11) ist eine auf dem Kopf stehende Flaschenform, h die Pressluftdüse, verschlossen durch ein Knopfventil g, d ein Stempel. Das in die Form eingefüllte zähe Glas wird mit dem Stempel ä in den den Kopfteil der Flasche bildenden Raum zwischen h und a eingedrückt und dann durch die bei h eingeführte Pressluft aufgeblasen, wobei der Stempel d wieder emporgetrieben wird und den Boden der Fertigform bildet. Ashley, der sich von 1886 ab, wie zahlreiche Patente beweisen, lebhaft mit der Flaschenblasemaschine beschäftigte, fügte 1889 der neu entstandenen Maschinenart jenes Glied hinzu, welches Arbogast für die Press- und Blasemaschine einführte, nämlich die von der Fertigblaseform getrennte Vor form, in der Weise, dass beide Formen an eine getrennte Kopfform anschliessen, an welcher der Glaskörper während des Austausches der Körperformen hängt. Hierdurch wurden die schon früher auseinandergesetzten Vorteile, auch der Flaschenblasemaschine, wenigstens soweit gesichert, als es die enge Halsöffnung des Glaskörpers erlaubte. Diese Ashleysche Maschine ist in Fig. 12a und b, in einer einfachen Ausführung mit einfacher Wirkung dargestellt, doch machte Ashley gleichzeitig (britische Patentschrift 3673 v. J. 1889, deutsche Patentschrift 52208 von 1890) sehr eingehende Vorschläge für eine Maschine mit motorischem Antrieb, mit mehreren abwechselnd zu benützenden Formsätzen. Um eine hohle wagerechte Achse a ist derFormhalter b drehbar, an welchem in Schlitzführungen die Hälften (c) der geteilten Kopfform und der geteilten Vorform m verschiebbar befestigt sind. In dem die Kopfform abschliessenden Futter e ist ein hohler Dorn f verschiebbar, durch den Pressluft in die Form eingeblasen werden kann. In der Stellung 12 a wird Glas in die Form m eingegeben, darauf von Hand der Dorn f emporgestossen und unter Einlass von ein wenig Luft wieder zurückgezogen, so dass in dem schon ein wenig zäh gewordenen Glase ein innerer Kanal zurückbleibt. Nun werden der Formträger b um 180 gedreht, und die Vorformhälften auseinander geschoben, so dass an der Kopfform ein Glaskörper von der in Fig. 12b mit x bezeichneten Gestalt, das Külbel, frei hängt. Man lässt es unter seinem eignen Gewicht sich etwas in die Länge ziehen, wobei bereits ein wenig Pressluft eingelassen werden kann, und schliesst, wenn das Külbel zum Ausblasen geeignet erscheint, die durch den Tritthebel g angehobene Fertigform mit dem Handhebel h um das Külbel, worauf es durch Einblasen von Pressluft zur Gestalt von aufgeblasen wird. Die eben beschriebene Maschine hat ausser der bereits erwähnten noch eine in der weiteren Entwickelung der Flaschenblasemaschine beibehaltene Eigentümlichkeit, bestehend in dem in die Glasmasse vorschiebbaren Dorn, an Stelle der bei den ersten Versuchen angewendeten, un verschiebbar in die Kopfform hineinragenden Düse.

Die Ashleysche Flaschenblasemaschine ist für alle späteren vorbildlich geworden. Die Pressarbeit ist bei ihnen nebensächlich, sie bezweckt nur das Eindrücken des Glases in die enge Kopfform, wird aber meist ganz weg gelassen, und das Glas, welches natürlich genügend dünnflüssig sein muss, in die Vorform eingegossen. Man könnte also diese Maschinen, bei denen das Glas in eine umgekehrte Vorform eingegossen wird und in einer an die Vorform anschliessenden Kopfform mit darin liegender Düse oder Dorn von geringem Durchmesser die Gestalt eines Flaschenkopfes mit innerer Höhlung annimmt, an welchem die übrige Glasmasse aufgehängt und in einer Fertigform aufgeblasen wird, als Giess- und Blasemaschinen, im Gegensatz zu den Press- und Blasemaschinen, zusammenfassen. In Ansehung ihres Anwendungsgebietes sind sie als Flaschenblasemaschinen, genauer als Maschinen zum Blasen engmundiger Hohlgefässe zu bezeichnen.

Die Versuche mit diesen ersten Maschinen zeigten aber, dass ihnen noch ein erheblicher Mangel innewohnte, der aus dem Umstand entspringt, dass das in der Vorform erhaltene Külbel zu dickwandig ist und daher in dem Augenblick, wo es in der Fertigform aufgeblasen werden soll, noch zu ungleich in der Temperatur und Zähigkeit ist, um eine brauchbare Flasche zu liefern. Das Glas im Innern des Külbels ist mit den abkühlenden Wänden der Vorform nicht in Berührung gekommen und ist noch erheblich weicher, als die äusseren seitlichen Schichten. Beim Blasen dringt deshalb die Pressluft in der Längsachse des Külbels so rasch vor, dass der Boden der fertigen Flasche entweder zu dünn wird oder ganz durchgeblasen wird. Ashley versucht diesem Uebelstande dadurch zu begegnen (britische Patentschrift 11288 v. J. 1889, deutsche Patentschrift 61149), dass er gegen das frei an der Kopfform hängende Külbel von unten her eine wagerechte Platte andrückt unter gleichzeitigem Einblasen von etwas Pressluft. Er sucht hierdurch die Ausdehnung nach unten zu begrenzen und die nach der Seite zu fördern. Aber auch hierbei findet die Pressluft noch einen unerwünschten Weg, indem sie das weiche Glas zwischen den steiferen Seitenwänden des Külbels und der Platte rascher vor sich hertreibt, als nach anderen Richtungen. Auch die Glastechniker Boucher in Cognac und Grote in London, welche einige Jahre später sich um die Flaschenblasemaschine bemühen, kommen in ihren ersten Patenten (14258 v. J. 1897 und 12392 v. J. 1897) über die Ashley sehe Platte nicht hinaus. Erst im Jahre 1898 machen Grote und Boucher anscheinend fast gleichzeitig (das betreffende britische Patent Grote s, 14 539 v. J. 1898, ist am 1. VII., dasjenige Boucher s, 27 062 v. J. 1898 am 22. XII. angemeldet) einen neuen brauchbareren Vorschlag, indem sie den Boden des hängenden Külbels nach oder unter teilweisem Aufblasen mit einer konkaven, kuglig oder ähnlich gekrümmten Fläche, in Berührung bringen. Dadurch entziehen sie dem unteren Teil des Külbels, in welchem, besonders im Augenblick des Aufblasens, das weiche Glas aus dem Innern zu Tage tritt, soviel Wärme, dass es |156| an Zähigkeit den oberen Seitenwandungen gleich wird und sich in der Fertigform gleichmässig ausdehnt. Boucher giebt seinem Werkzeug die Gestalt einer topfartigen Form a (Fig. 13) mit kugligem Boden, welche so an der Maschine angeordnet ist, dass sie von unten gegen das Külbel c angehoben werden kann, aber bei kleineren Ausführungen auch mit der Hand gehalten und bewegt werden kann. Grote wendet einen halbkugeligen Löffel b an (Fig. 14), der mit der

Hand gehalten und um den Boden des Külbels bewegt wird. Beiden ist es sonach möglich, nicht wie Ashley nur den Boden, sondern auch die seitlichen Teile der unteren Külbelwölbung zu bearbeiten, bis dahin, wo die schon durch die Vorform abgekühlte Külbelwand beginnt.

Textabbildung Bd. 318, S. 156
Textabbildung Bd. 318, S. 156

Boucher hat Zweck und Wirkung seiner Erfindung besonders klar in der Patentschrift auseinandergesetzt. Er vergleicht den Zweck seines Werkzeuges sehr treffend mit dem der Motze bei der Handbläserei. Hier wie dort ist der Zweck der rohen, in Temperatur und Zähigkeit ihrer Wandung noch ungleichmässigen Glaskugel, eine zum gleichmassigen Ausblasen geeignete Beschaffenheit und Gestalt zu geben. Auch bei der Motze wird die Wärmeentziehung an den zu heissen oder zu dünnen Stellen eine Rolle spielen, wenn auch in geringerem Grade, als bei der Zwischenbearbeitung des Maschinenkülbels. Denn bei diesem muss, wie schon auseinandergesetzt, die Werteilung der Wärme und Zähigkeit eine ganz andere und ungleichmässigere sein, wie bei dem durch Mundblasen hergestellten. Dass der Gedanke, der Glasblasemaschine ein der Motz entsprechendes Glied anzufügen, ein glücklicher war, dafür spricht schon der Umstand, dass sich alle in gleicher Richtung arbeitenden Erfinder beeilt haben, ihn aufzunehmen, so dass sich von den Griess- und Blasemaschinen eine, jüngste Familie abgezweigt hat, welche man die der Motz- und Blasemaschinen nennen könnte. Es konnte nun vielleicht scheinen, als ob für einen Glastechniker, der bei der Arbeit mit der Flaschenblasemaschine aut die oben dargelegten Schwierigkeiten stiess, der Gedanke, zu der ihm so bekannten Motze zu greifen, so nahe lag, dass von einer besonderen technischen Leistung nicht die Rede sein kann. Indessen giebt hierbei die Thatsache zu denken, dass die Schwierigkeit einer guten Külbelbildung zwar bereits 1887 oder sogar 1876 auftauchte, alter das Mittel zur Abhilfe erst 1898 gefunden wurde, und dass es auch von Boucher undGrote, wie gezeigt, erst nach längerem Suchen gefunden wurde, obgleich beide mitten im Glashüttenbetriebe stehen. Es dürfte eben auch hier die klare Erkenntnis von der Natur des zu bekämpfenden Uebels erst aus dem als wirksam befundenen Mittel entsprungen sein. Denjenigen aber, denen diese keineswegs leicht zu gewinnende Erkenntnis noch fehlte, dürfte das wirksame Mittel keineswegs so nahe gelegen haben wie es uns scheinen mag, denen die Erkenntnis zugleich mit dem Mittel gebracht wird.

Textabbildung Bd. 318, S. 156

Fig. 15 giebt eine schematische Darstellung, die Fig. 16 und 17 Abbildungen nach der Natur der neuesten Form der Groteschen Glasblasemaschine. Sie zeigt den Typus der Giess- und Blasemaschine in einer durch Vervollkommnung im einzelnen fortgeschrittenen Form. Fig. 16 zeigt die Anfangsstellung der Maschine, in welcher die Kopfform a, (Fig. 15) Körperform b (deren Hälften an Armen c hängen) und der Dorn d durch Drehen der Scheibe e um 180° in einer Lage stehen, umgekehrt wie in Fig. 15. Das Glas wird in dieser Stellung über d eingegossen, sodass dass es in die Form und zwar auch in die Kopfform hinabfliesst. Darauf wird der Dorn in die Glasmasse emporgestossen, dabei ein wenig Luft eingeblasen (welche durch einen bei g aufzusteckenden Schlauch zugeführt wird) und nun die Scheibe e in die Stellung Fig. 15 gedreht. Dann wird der Vorformverschluss geöffnet, wobei die Vorformhälften b unter Federwirkung so weit hochklappen (Fig. 17 S. 158), dass sie die weitere Arbeit nicht behindern. Zur Vermeidung des Klemmens der Vorformhälften an der geschlossen bleibenden Kopfform sind die Sitzflächen nach aussen geschrägt (bei i, Fig. 15). Die Achsen, um welche die Kopfformhälften schwingen, sind derart schräg gestellt, dass sich diese Hälften beim Oeffnen etwas aufwärts bewegen. Darauf wird der Boden des frei an der Kopfform hängenden Külbels mit dem Löffel (Fig. 14) bearbeitet, die Fertigformhälften h (punktierte Zeichnung) darumgelegt und das Blasen beendet. Wird nun auch die Kopfform geöffnet, so schnellt das Düsenende, welches bis dahin von der Kopfform mittels Wulst und Nut niedergehalten war, unter Federwirkung so weit nach oben, dass die fertige Flasche y in der Fertigform stehend durch Drehen des Tisches n nach der Hinterseite der Maschine befördert werden und dort abgenommen werden kann, während eine zweite Fertigform h1 nach vorn kommt. Die Fertigform hat ein auswechselbares Futter und einen einstellbaren Boden, so dass die Maschine leicht den verschiedensten Flaschengrössen angepasst werden kann.

Auch die Maschine von Boucher (vergl. Fig. 13 und Fig. 18) ist eine Giess- und Blasemaschine und im engeren Sinne eine Motz- und Blasemaschine. Im Anfang der Arbeit steht der Träger b, welcher sich um die hohle Achse d dreht, umgekehrt wie in der Figur 13. Die Hälften e der Vorform werden geschlossen und das Glas von oben eingegeben, welches bis in die die Halsform unten abschliessende Kopfform f (Fig. 18) hinabläuft und dort die endgiltige Gestalt des Flaschenmundstücks annimmt. Die Mündung von f, durch welche später die durch die Achse d (Fig. 13) zugeführte Pressluft eintreten soll, ist noch durch den Dorn g verschlossen, welcher aber beim Umkehren der Vor form um 180° durch den Exzenter h (Fig. 13) so weit zurückgezogen wird, dass nach Oeffnen eines Hahnes die Pressluft ein vorläufiges Aufblasen des Külbels c bewirken kann. Dann folgt die Bearbeitung von c mit der motzenähnlichen Halbform a, das Einschliessen des Külbels in der Fertigform l (deren Hälften um Achse h schwingen), das Anheben der Bodenform i und das Fertigblasen. Nötigenfalls kann noch mit dem Sticher k der Flaschenboden eingestülpt werden. Fig. 19 zeigt eine auf der Pariser Weltausstellung aufgestellt gewesene Sammlung |157| von Flaschenmustern, die mit der Maschine von Boutcher hergestellt werden.

Auch von den Flaschenblasemaschinen liegt eine Anzahl verschiedener Konstruktionen vor, die sich meist mit der besonders handlichen Anordnung der Formen, und mit der Einrichtung der die Kopfform abschliessenden Düse beschäftigen. Die Düse ist entweder in die Kopfform vorgezogen, sodass sie den Formkern für die Flaschenmündung bildet, und dann entweder durch ein Knopfventil oder einen zurückziehbaren Dorn (vergl. Fig. 18) verschlossen, oder der Dorn ist vorschiebbar, sodass er ein Loch in die Glasmasse einsticht (vergl. Fig. 12a und 12b). In letzterem Falle ist der Dorn entweder hohl, um die Pressluft durch sein Inneres zuzuführen (vergl. Am. P. 447452) oder wie bei der Groteschen Maschine so in der Düse gelagert, dass die Pressluft zwischen Düse und Dorn durchtritt. Die Fig. 20 und 21 zeigen die sinnreiche Grotesche Einrichtung (D. R. P. 123657). a ist die Vorform, b die Kopfform, welche mit der Nut c die (ev. zurückfedernde) Düsenmündung d festhält. Der Düsenkanal e ist rund, der Dorn f quadratisch, den Abschluss beider gegen das geschmolzene Glas besorgt ein irisblendenartiger Verschluss g, der sich unter Federwirkung zu schliessen bestrebt ist, aber den Dorn in die Glasmasse hindurchtreten lässt. Der Dorn wird während des Eindringens gedreht, seine kantige Gestalt ermöglicht, dass während des Drehens Pressluft sich längs der Dornflächen bewegt und das Glas um die Bohrung am. Zusammenschliessen hindert.

Textabbildung Bd. 318, S. 157

Der Gedanke, bei der Arbeit mit der Giess- und Blasemaschine einen der Motzarbeit entsprechenden Vorgang einzuschalten, ist von späteren Erfindern in der Richtung weiter ausgebildet worden, dass er noch ähnlicher der Handarbeit gestaltet wurde. So ist z.B. bei einer von Severin herrührenden Maschine (D. R. P. 127298) die Einrichtung so getroffen, dass nicht nur der Bodenteil des Külbels a (Fig. 22), sondern fast die ganze Umfläche in der Motze b unter Drehung bearbeitet werden kann. Die Kopfform c ist zu diesem Zweck in der Platte d drehbar gelagert. Die Platte d selbst kann um eine im Gestell e gehaltene Achse f schwingen. Bei jeder Lage der Platte d kann die Kopfform c durch die hohle Achse f Pressluft und von der Scheibe g aus unter Vermittelung der Kegelräder h, i, k Drehung erhalten. Wenn die Kopfform an die Giessform l anschliesst, wird das geschmolzene Glas in beide eingegossen, darauf l geöffnet und die Platte d um etwa 90° geschwungen. Nun folgt das Motzen unter Drehen der Kopfform, sowie unter wechselndem Neigen der Platte d und entsprechendem Heben und Senken der Motze b. Eine weitere Drehung der Platte d um etwa 90° bringt das Külbel in solche Lage, dass es in die Fertigförm m eingeschlossen und unter Drehung (wenneine „gedrehte Flasche“ gewünscht wird) aufgeblasen Werden kann.

Es scheint einleuchtend, dass diese weitere Annäherung an die Handarbeit eine Verbesserung der erzeugten Flaschen mit sich bringen wird. Nur dass sie sich von dem Hauptziel der ganzen Blasemaschinenentwicklung, Beschleunigung der Arbeit zu entfernen scheint. Dass die neueren Giess- und Blasemaschinen brauchbare Flaschen liefern können, ist nicht mehr zu bezweifeln; die weitere Entwicklung muss auf Erhöhung der zu leistenden Stückzahl gerichtet sein.

Grotesche Maschinen und deren Erzeugnis sind z.B. in Bayern im Gebrauch. Ueber ihre Leistung liegen Angaben von Fachmännern vor, welche sich allerdings auf eine andere, als die oben gezeigte Maschine beziehen. Bei dieser älteren Konstruktion sind zwei Maschinen gewissermassen zu einer Doppelmaschine vereinigt. Mit dieser Maschine liefern vier Mann, die keine gelernten Glasbläser zu sein brauchen, an einem Tag etwa 2200 ½ Literflaschen. In derselben Zeit liefern vier Glasbläser 1400 ½ Literflaschen. Dass die Flaschenblasemaschine ein reiches Feld der Betätigung findet, mag aus dem Umstand hervorgehen, dass die Flaschenerzeugung Deutschlands auf eine Milliarde, die der ganzen Welt auf fast 3 Milliarden geschätzt wird. Vielleicht ist ein kühn aussehender Vorschlag Severius (D. R. P. 136895) geeignet, eine Beschleunigung der Flaschenmaschinenarbeit herbeizuführen. Um die früher auseinandergesetzte ungleiche Wärmeverteilung im Külbel von vornherein möglichst zu unterdrücken, öffnet Severin bald nach dem Eingiessen des Glases, jedenfalls aber bevor die die Kopfform b (Fig. 23) tragende Welle c gedreht worden ist, die Giessform a, sodass das Külbel frei nach oben steht und bei der kurzen Berührung mit der heissen Giessform nur wenig von seiner Homogenität verloren hat. Durch seine eigene Schwere und durch Einlassen von Pressluft nimmt es Kugelgestalt an, welche beim Niederschwingen in die hängende Stellung in eine schlauchförmige zum Aufblasen in der Fertigform d sehr geeignete Gestalt übergeht. Vor- und Fertigform bleiben am Ort, dazwischen liegt die kippbare Kopfform.

Natürlich wird eine möglichst handliche Zusammenordnung der Maschinenteile die Arbeit sehr beschleunigen. Eine erhebliche Zahl von Konstruktionen beschäftigen sich denn auch mit dieser Frage. Dieselben sollen aber mit einer; Ausnahme Übergängen werden. Ein französicher Konstrukteur, J. B. Vernay, hat im Jahre 1897 (britische Patentschrift 20388 vom Jahre 1897) die gewiss kühne Idee gehabt, eine völlig automatische Flaschenblasemaschine zu bauen. Der Gedanke war um so kühner, als die glastechnische Seite des Problems um jene Zeit noch recht wenig untersucht war. Er hat jener ersten Maschine neuerdings eine ebenfalls völlig automatische folgen lassen (britische Patentschrift |158| 3122 vom Jahre 1901), die mit mehrfacher Wirkung arbeitet, und durch ein ausserordentlich verwickeltes Getriebe auffällt. Die Fig. 24 giebt in einer Teildarstellung einen von vier verschiedenen, nacheinander die Flasche berührenden Formsätzen und den bewegenden Mechanismus. Die Vernayschen Maschinen sind indessen auch in glastechnischer Hinsicht bemerkenswert. Vernay haben die Schwierigkeiten, welche Boucher und Grote um 1897 beschäftigten und zu der offenen Halbform oder dem Löffel führten, fast gleichzeitig beschäftigt.

Textabbildung Bd. 318, S. 158

Er wählte aber einen andern Ausweg, indem er nämlich das Külbel aus der Giessform zunächst in eine geschlossene sich drehende Zwischenform einführte und dort teilweise aufblies. Bei seiner neuen Maschine wird das Külbel sogar in drei sich drehenden, ringsum das Külbel berührenden Blaseformen stufenweise bis zu seiner endgiltigen Gestalt aufgeblasen. Diese Arbeitsweise wird dir von Boucher und Grote vorgeschlagenen in gewissem Grade in der Wirkung nahe kommen. Sie muss aber dem Bedenken begegnen, dass eine unterschiedliche Wärmeentziehung am oberen und unteren Külbelteil nicht stattfindet, dass also ein Wärmeausgleich zwischen beiden nicht so vollkommen stattfinden dürfte, wie bei Verwendung der offenen Halb formen. Ferner ist nicht zu vergessen, dass die Selbsttätigkeit eine weitere Schwierigkeit den kaum überwundenenhinzufügt. Wenn die Formen der Blasemaschine zu kalt sind, werden die erhaltenen Flaschen zum Springen neigen; erhitzen sich die Formen während der Arbeit über ein gewisses Mass, so fängt das Glas an den Formen zu haften an. Es ergiebt sich also, dass bei einer selbsttätigen Maschine die Temperatur des eingeführten Glases, ja der Umgebung, und die Arbeitsgeschwindigkeit der Maschine genau auf einander abgestimmt sein müssen, wenn anders nicht Flaschentrümmer aus der Maschine hervorgehen, oder die heil austretenden Bläschen, weil zu kalt, springen oder weil noch nicht starr, in sich zusammensinken sollen.

Textabbildung Bd. 318, S. 158
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Wir sind nunmehr am Ende einer geschlossenen und langen Entwicklungsreihe angekommen, aus der sich drei |159| gut unterschiedene Arten ergeben haben: die Fertigblasemaschine, die Press- und Blasemaschine und die Giess- und Blasemaschine, diese mit der Unterart der (Giess-) Motz- und Blasemaschinen. Wir erinnern uns, dass die zweite Art für weithalsige Gefässe (z.B. Einmachegläser) die dritte für enghalsige (Flaschen) besonders leistungsfähig ist.

Textabbildung Bd. 318, S. 159
Textabbildung Bd. 318, S. 159
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Aus Wurzeln, die nicht zu dem eben verfolgten technologischen Stammbaum gehören, ist neuerdings ein weiteres mechanisches Glasblaseverfahren hervorgegangen, nämlich das Sievertsche, auf welches wir bereits früher hingewiesen haben (s. D. p. J., 1901, 316, S. 261) und dessen besonderer Wirkungsbereich die Herstellung solcher Gefässe ist, dieeine im Verhältnis zur Höhe sehr weite Mündung haben (Schalen, Becher, Wannen u.s.w.).

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