Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318 (S. 601–605)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/ar318164

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von Professor Alfred Haussner, Brünn.

(Fortsetzung von S. 580 d. Bd.).

4. Die Langsiebpapiermaschine.

a. Das Sieb.

Fortwährend vergrössert sich die Breite des Siebes, um damit auch breitere Bahnen, also auch mehr Papiergewicht bei derselben Geschwindigkeit des Siebes herzustellen, wobei auch diese, wie schon in früheren Berichten erwähnt, auf ein teilweise beängstigend hohes Mass gestiegen ist. Maschinen von 3200 mm Siebbreite sind u.a. von der Maschinenfabrik Füllner bereits zahlreich ausgeführt worden, solche von3600 mm Breite folgten und heute steht die Sache so, dass man ernstlich von der Annäherung an bekannte amerikanische Verhältnisse auch bei uns spricht und Sieben von 4 m Breite das Wort redet, was bei den Metalltuchfabriken, welche solche Abmessungen nicht gewohnt sind, besondere Einrichtungen erfordert.

Was das Weben der Metalltücher anlangt, so hat die Vorkehrung der Metalltuchfabrik von Gottlieb Heerbrandt manches für sich: der Kette auf dem Stuhle elastische Spannung zu geben, um die starre Spannung während des |602| Webens aufzuheben und dadurch schon während der Herstellung das Sieb zu schonen, die Drähte desselben nicht zu sehr anzustrengen.

In anderer Weise will Karl Kufferath in Mariaweiler nach dem D. R.-P. 102225 und dem amerik. Patent 617 581 die längere Dauer des Siebes anstreben. Er stellt eine Art dreibindigen Köper her und erreicht dadurch Vorteile, welche Köpergeweben überhaupt eigentümlich sind: die Büge der Kettenfäden sind weniger häufig, also auch weniger scharf, die Berührung auf den Walzen u. dergl. während des Darüberschleifens der Siebe wird günstiger u.s.w. falls man auf die Unterseite den Kettenüberschuss, auf die Oberseite die grössere Schussmenge vortreten lässt. Das Ganze wird weicher, biegungsfähiger. Auch können hier leichter dickere Kettenfäden angewendet werden.

Um Falten im Siebe, selbst bei grosser Geschwindigkeit desselben zu vermeiden, stellt I. W. Andr. Kufferath in Düren nach D. R.-P. 120568 das Metalltuch bei ganz gewöhnlicher Leinwandbindung so her, dass in regelmässigen Abständen doppelte Kettenfäden angewendet werden, welche aber nicht etwa sich so verhalten, wie ein einziger Faden, sondern regelmässig (leinwandartig) gebunden und nur näher zusammengerückt sind. Es scheint der Gedanke dabei vorzuwalten, die Siebe sozusagen in schmälere, nebeneinander laufende und doch zusammenhängende Streifen zu zerlegen.

Auch der Vorschlag ist aufgetaucht, flache Kettenfäden und nicht runde zu gebrauchen, um dadurch ebenere Siebflächen zu erzielen u.a. im amerik. Patent 600352 von J. C. Bell in Springfield. Doch dürfen wir nicht übersehen, wie leicht sich solch ein Flachdraht verdreht und dadurch seine Schneidenseite nach oben kehrt, wodurch das Sieb unbrauchbar wird.

Auch auf den bereits bekannten Vorschlag, das papierbildende Sieb durch ein anderes zu stützen, um dadurch das erstere feiner machen zu können, ohne fürchten zu müssen, dass es zu rasch zu gründe geht, wird zurückgegriffen. F. J. Marshall gibt diesen Vorschlag im amerik. Patent 635 266, wobei das Stützsieb natürlich das gröbere ist. Er legt besonderen Wert auf die richtige Spannung der beiden Siebe, was ja zweifellos anzustreben ist, Er veranlagst dies dadurch, dass im gemeinsamen Bocke je eine Spannrolle für jedes der beiden Siebe durch Schrauben gestellt wird.

b. Die Bildung des Papierblattes auf dem Sieb.

Eine Reihe von Patenten bezieht sich darauf, durch geeignete Mittel, die richtige Bildung des Papierblattes während des Sieblaufes zu regeln. Hierfür soll gesorgt werden, einerseits unmittelbar beim Auflaufen des Stoffes, andererseits durch die Schüttlung und die Siebsteigung.

Textabbildung Bd. 318, S. 602

Die D. R.-P. 97872 und 97873 von B. Tugendhat trachten die Eingangspartie richtig zu gestalten. Die Maschinenfabriken Füllner und Gebr. Bellmer haben die Ausführung übernommen. Tugendhat ersetzt (Fig. 85) in der Nähe des Siebleders k einige Registerwalzen r durch eine (verschiebbare) bearbeitete Siebplatte p, welche das Sieb s trägt und durch engen Anschluss an dasselbe eine Zeit lang das Stoffwasser hindert, durch das Sieb hindurch nach unten abzufliessen. Damit ist aber das Absetzen von Fasern, der Beginn der Papierbildung auf später verlegt, dorthin, wo der Stoff entwässert werden kann. Dem steht gegenüber die gewöhnliche Arbeitsweise, bei welcher unmittelbar beim Ablaufen des Stoffes vom Siebleder und Auflaufen auf das Sieb die Papierbildung beginnt, nachdem das Wasser sofort, wenn auch wegen der eng gestellten Registerwalzen nicht sehr rasch, nach unten durchlaufen kann. Ist darnach die Neuerung von Tugendhat als eine Verbesserung zu betrachten? Ueberlegen wir. Wenn gleich mit dem Auflaufen, dannalso, wenn der Stoff immerhin unruhig auf das Sieb gelangt, zwischen den Linealen (Schützen) l1, l2 auch die Entwässerung, somit die Papierbildung beginnt, so ist anzunehmen, dass die Fasern sich wirrer durcheinander, was ja für die Verfilzung ganz gut wäre, aber auch unregelmässiger in der lotrechten Richtung absetzen, wodurch ein Anlass zur Ungleichmässigkeit des Blattes gegeben wäre. Wenn der Stoff aber, ohne Fasern abzusetzen, zwischen den Schützenlinealen ruhiger stehend, unter der letzten Schütze auf das Sieb fliesst, so ist eine ganz gleichmässige Höhe der Stoffschicht δ und damit ein gleichmässig dickes Blatt eher gewährleistet. Nachdem auch die Schüttlung den noch mit ausserordentlich viel Wasser versehenen Stoff gewiss sehr stark beeinflusst und gute Verfilzung veranlasst, so ist viel Gewähr für die Erzielung eines gleichmässigen guten Papiers durch die Tugendhatsche Siebplatte geboten. Hierfür spricht auch eine Anordnung, welche schon in Hofmanns Papierfabrikation angegeben ist, wonach in der französischen Feinpapierfabrik Kleber dadurch gleichmässiges Papier erzielt wird, dass das Siebleder k sich bis zum letzten Schützen l2 fortsetzt. Damit ist, weil das Sieb von oben zugedeckt ist, auch der Wasserablauf vor l2 gehindert und der Erfolg ein ganz ähnlicher, wie jener durch die Siebplatte p. Was nun die zweite Tugendhatsche Vorrichtung anlangt, wonach die Entfernung der beiden Lineale l und l2 und ihre Lage in der Längenrichtung des Siebes eingestellt werden kann, indem l und l2 durch geeignete Schrauben näher oder weiter gegeneinander und gegen den Siebbeginn festgelegt werden, so vermag Verfasser einen besonderen Vorteil darin in Verbindung mit der Siebplatte p nicht zu finden. Anders läge es, wenn die Siebplatte nicht vorhanden wäre. Da hätten wir in dem Raum zwischen den Schienen eine Stoffmenge, aus der sich Fasern infolge schon stattfindender Entwässerung auf das Sieb zur Papierbildung bereits absetzen. Dabei wäre die grössere oder geringere Entfernung von l1 und l2 nicht mehr gleichgiltig. Wenn l1 und l2 weiter auseinander stehen, ist eine grössere Ablagerungsfläche gegeben. Mit der Siebplatte aber scheint dem Verfasser die Anwesenheit von l, l1 und l2 nur die Bedeutung zu haben, dass eine ruhigere Stoffmenge gewonnen wird, deren Breite nur von untergeordnetem Einfluss sein dürfte, besonders dann, wenn nach dem Tugendhatschen Patente die Siebplatte p auch noch gegen die Registerwalzen verstellt werden kann.6)

Mit den soeben besprochenen Einrichtungen, wie auch mit jenen, welche die neuestens vielfach empfohlene, veränderliche Siebsteigung betreffen, scheint dem Verfasser die Frage der Entwässerung des flüssigen Stoffes auf dem Siebe, die Bildung des Papierblattes, nach verschiedenen Richtungen innig zusammenzuhängen. Es sei versucht, diesen Verhältnissen auf dem folgenden Wege etwas näher zu treten.

Auf der Handform bewegt sich das Sieb relativ gegen den Stoff, von der Schüttlung abgesehen, nicht. Es setzen sich also alle Fasern aus dem auf die Form gebrachten Stoffe, abgesehen von jenem Anteile, welcher durch die Siebmaschen entschlüpft, auf dem Siebe ab und bilden ein Blatt von bestimmter Stärke. Bei der Langsiebpapiermaschine aber bewegt sich das Sieb ununterbrochen weiter, der Stoff fliesst ununterbrochen zu, und zwar recht unruhig, wenn auch, wie schon bemerkt, durch die verschiedenen Schützen die Unruhe gemildert werden mag. Unleugbar tritt Wasser aus dem Stoffe durch die Siebmaschen, sobald dieselben frei sind, wenn also keine Tugendhatsche Platte oder ein sehr langes Siebleder angebracht ist, schon zwischen den Schützen. Muss dies aber schon endgiltige Ablagerung der Fasern bedeuten, und zwar sofort? Es scheint dem Verfasser, als ob die sichere Beantwortung dieser Frage recht schwierig wäre. Zweifellos steht ja zwischen den Schützen eine ziemlich hohe Stoffmenge, welche durch den Abfluss Wasser verliert, aber durch den Zufluss sofort wieder wasserreicheren Stoff erhält, der gerade unten zuströmt und daher möglicherweise die sich allenfalls absetzenwollenden Fasern nicht hierzu gelangen lässt. Auch die dort am meisten fühlbare Schüttlung scheint bei dem hohen Stoffstande dem Liegenbleiben der Fasern nicht günstig. Andererseits muss man sich vor Augen halten, |603| dass die Zuflussgeschwindigkeit des Stoffes kaum viel sich von jener des Siebes unterscheidet, so dass also die relative Bewegung zwischen Stoff und Sieb recht gering, wenn nicht Null sein kann, wodurch dann nahezu ähnliche Verhältnisse, wie bei der Handform hinsichtlich des Absetzens der Fasern, auftreten, nur verweilt irgend eine Stoffpartie nur ungemein kurze Zeit zwischen den Schützen, weil das Sieb besonders bei den heutigen Schnelläufern so ausserordentlich schnell fortschreitet. Man kann die Zeit für das Verweilen zwischen den Schützen rund mit etwa einer halben Sekunde einschätzen.

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Dies alles dürfte für eine mindestens ungefähre Beurteilung in allen Fällen anzunehmen gestatten, der Stoff trete unter der letzten Schütze nahezu noch mit dem vollen Wassergehalt mit der Geschwindigkeit v, Fig. 86, auf das mit der Geschwindigkeit c fortschreitende Sieb s. Soll nun ein Papier von q Gramm für das qm erzeugt werden, so müsste für ein Meter Breite des Siebes in c Meter Länge q . c Gramm Papiermasse enthalten sein, wenn nicht c Meter Länge auf dem Sieb nach dem Austrocknen oft einer geringeren Länge entsprechen würden. Nennen wir diesen Schwindungskoeffizienten a, so wiegt also die Papiermasse, welche in c Meter Länge am Sieb enthalten ist, nur a . c . q Gramm. Dies entspricht bei p v. H. Stoffgehalt in der zuströmenden Masse: Gramm.

Dieses Gewicht an Papierstoff, hervorströmend unter der letzten Schütze, würde aber noch nicht ausreichen, um das gewünschte Papier zu erzeugen, weil ja einiger Stoff durch die Maschen des Siebes läuft und für das laufende Blatt verloren ist. Was solcherart abläuft, kann offenbar proportional gesetzt werden zu der überhaupt auflaufenden Menge, und das ist, wenn der Ausflusskoeffizient φ heisst, nach Fig. 86 in der Sekunde φ . v . δ für ein Meter Siebbreite. Wird der hiervon abfliessende Teil (durch die Siebmaschen) durch den Koeffizienten β charakterisiert, so ergibt sich aus der Ueberlegung, dass die ganze, unter dem Schützen zufliessende Stoffmenge aus der abrinnenden und der als Papierbahn verbleibenden Menge besteht, die Gleichung

woraus folgt in Metern):

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Wir entnehmen daraus, dass die Stoffhöhe für jeden einzelnen Fall mit all den Bestimmungsgrössen zusammenhängt, welche gerade für den betreffenden Fall als massgebend zu betrachten sind, dass es also durchaus nicht angeht, das, was für eine Stoffgattung, für eine Siebgeschwindigkeit u. dergl. an Erfahrung gewonnen wurde, ohne weiteres auf andere Fälle anzuwenden. Es steht dies in Uebereinstimmung mit dem, was Verfasser in seinem „Holländer“ für die dort zu leistende Arbeit nachgewiesen hat.

Gehen wir auf obige Gleichung für δ etwas ein, so liegt die Frage nahe, wie soll das Verhältnis c : v gewählt werden?Wählen wir v grösser, so wird unter sonst gleichen Umständen δ kleiner und umgekehrt, so dass jedenfalls die notwendige Stoffmenge auf das Sieb kommt, indem die Schützenhöhe, also δ, entsprechend gewählt wird. Wählt man aber v grösser oder kleiner als c, so haben wir jedenfalls eine Relativbewegung zwischen dem Siebe und dem Stoff, was zum mindesten bei besseren, gleichförmigeren Papieren nicht gut, eigentlich widersinnig ist, weil welliges Papier folgen muss. Darnach dürfte sich wohl empfehlen, v = c zu machen. Will man dies aus besonderen Gründen nicht, – wird ja doch behauptet, dass insbesonders durch das Vorschiessen des Stoffes unter der Schütze bessere Verfilzung, allerdings auf Kosten der Gleichmässigkeit erreicht wird, – so ist v frei wählbar nach dem Gesagten und aus dem Werte für v, sowie jenen für die Koeffizienten, wobei insbesonders auf den Zusammenhang zwischen p und φ aufmerksam zu machen ist (Versuche des Verfassers über Stoffströmung in seinem „Holländer“, folgt dann eine bestimmte Höhe h, Fig. 86, für die Stoffoberfläche ab vor dem Schützen.

Diese Grösse h müssen wir unbedingt einhalten, wenn wir v in dem nach oben gewählten Werte bekommen wollen. Ist das Sieb wagerecht geführt, so misst h die allgemeine Tiefe des Stoffes zwischen den Schützen. Steigt aber das Sieb an, so brauchen wir h unmittelbar beim Schützen, wie beim wagerechten Siebe, woraus folgt, dass der Stoffstand desto tiefer ist, je entfernter er von der Schütze l gemessen wird. Man hat also unter sonst gleichen Umständen bei ansteigendem Siebe zwischen den Schützen etwas mehr Stoff, als bei wagerechtem Sieb. Aus mehr Stoff setzen sich aber mehr Fasern ab, so wird häufig geschlossen, und deshalb tritt die Papierbildung schon früher ein. Ob das wirklich so zu nehmen ist, dürfte nach dem Vorangeschickten wohl zweifelhaft sein. Zum mindesten dann, wenn das Stoffwasser an dem Ablaufen zwischen den Schützen gehindert wird, ist ein vorzeitiges Absetzen der Fasern wohl ausgeschlossen und dann jedenfalls hierfür die Siebsteigung nach Ansicht des Verfassers gegenstandslos. Es sei aber nicht verhehlt, dass viele derartige Konstruktionen doch vorkommen, ohne dass hierfür ganz stichhaltige Gründe in den Zeitschriften zu finden wären. Ja, es wird sogar vorgeschlagen, bestimmte Qualitäten bei bestimmter Siebneigung zu arbeiten.

Bei der Anordnung von Füllner in Warmbrunn, nach D. R.-P. 99603, sind sämtliche Teile der Schüttelpartie gemeinsam von dem der Einlaufrinne g, Fig. 87, zunächst liegenden Ende aus zu heben oder zu senken, derart, dass bei der hierdurch erzielten Schrägstellung des Metallsiebes alle Teile der Schüttelpartie sowohl zum Metallsieb, als auch unter einander ihre Lage behalten. Alle stützenden Teile der Schüttelpartie sind auf einem Tragrahmen a montiert, welcher bei a1 drehbar am Hauptgestell h befestigt ist, wie die Sieblineale c bei c1. Auf a sind die Ablaufrinnenständer b vollständig fest, während d, die Stützen der Siebliniale, gelenkig eingebaut sind. Links ruht der Tragrahmen auf zwei oder mehreren unrunden Scheiben k auf einer Welle i, welche durch Wurmrädertrieb ll1 gedreht und dann mit irgend einer Vorrichtung m festgeklemmt werden können. Die Skala o lässt unmittelbar die Höhenstellung erkennen.

Mit der eben geschilderten, wie auch bei anderen ähnlichen Bauarten ändern sich durch die erläuterte Verstellung bei der Brustwalze unvermeidlich die Höhen Verhältnisse beim |604| Stoffauflauf, wenn man die Siebneigung verändert. Um dies zu vermeiden, baut I. M. Voith in Heidenheim seine Schüttelpartie so, dass die Saugkasten in einen Rahmen gefasst und geeignet, mittels Schrauben, Keilen oder dergl. in der Höhenrichtung verstellt werden (D. R.-P. 102811). Dadurch ändert sich mit der Siebneigung auch der sogenannte Vorgautschwinkel bei der Presse, wovon auch ein günstiger Einfluss auf das Papier erhofft wird. A. M. Böttger beschreibt in seinem D. R.-P. 112 584 eine aufgehängte Siebpartie, bei welcher die Neigung dadurch verändert wird, dass die einzelnen Aufhängestellen zu Exzentern ausgebildet sind, welche auf je einer Welle zu beiden Seiten des Gestelles gemeinsam sitzen, jedoch mit entsprechend geänderten Winkeln der Exzentrizitäten gegen den Horizont. Durch Verdrehung der erwähnten Aufhängewellen ändert sich die Siebneigung. Bei dem D. R.-P. 123044 von Hamilton wird der Tragbock für das freie Ende des Rüttelgestelles durch Schrauben nach der Höhe gerichtet.

Was die Schüttung anlangt, so finden wir eine einfache und hübsche Neuerung im D. R.-P. 101856. Die Maschinenfabrik Wagner & Co. in Cöthen legt nach diesem Patente den Siebrahmen auf das vollständig feste Gestell unter Zwischenlage von Kugeln. Dadurch ist die Schüttlung nur in wagerechter Ebene, erinnernd an jene des Handsiebes, ohne weiteres auf die einfachste Weise ermöglicht. Aehnliches bezweckt E. Barrett im amerik. Patent 595753; die Wagnersche Einzelausgestaltung ist aber ungleich vollkommener.7)

Als unmittelbares Organ für die Schüttlung gebraucht G. Schultz in Gernsbach D. R.-P. 116919 ein Fünfeck, welches gegen verstellbare Anschlagflächen in einem Rahmen an der Schubstange zum Siebrahmen trifft. Man kann dadurch den Hub während der Arbeit regeln und etwaigen Verschleiss beheben.

Ganz eigentümlich und in seinem Erfolg wohl sehr zweifelhaft ist der Vorschlag von Annandale in seinem amerik. Patent 660808 und D. R.-P. 118334, wonach auf die Wirkung der Schüttlung während des grössten Teiles des Siebweges ganz verzichtet und unmittelbar nach dem Auflauf des Stoffes auf das Sieb durch einen dort angebrachten Sauger der Stoff so weit entwässert wird, dass die Pasern schon beim Einlauf festgelegt sind, nachdem sie durch die dort allerdings am stärksten wirkende Rüttlung stark durcheinander gekommen sind.

Th. H. Savery, der bekannte Leiter der Maschinenfabrik von Pusey & Jones in Wilmington erhielt die amerik. Patente 635511 und 675072 auf neuere Bauarten für das Gestell des Langsiebes. Einerseits ordnet er alle Walzen stellbar an, sei es durch Schrauben, Keile oder dergl., andererseits wählt er als Stützen für den Siebrahmen eingespannte Federn, statt der sonst üblichen Gelenkstützen. Durch die genaue Stellbarkeit aller Walzen soll unmittelbare Uebereinstimmung in den Geschwindigkeiten erreicht und damit besseres, gleichmässigeres Papier erzielt werden. Durch die Feder–, an Stelle der Gelenkstützen, bezweckt Savery ein starres, festes Gestelle, das leicht verstellbare Siebneigung anzuwenden gestattet, zu erreichen und die kraftverzehrenden Drehzapfen und Lager zu vermeiden. Zum Teil wenigstens findet sich eine solche federnde Stützung des Siebrahmens auch bei der Ausführung von J. A. White nach amerik. Patent 620548.

Zur Reinigung der Siebe (oder Filze) wird häufig ein Spritzrohr angewendet, welches quer über den Sieb- (oder Filz-) Lauf geführt wird und dabei einen Wasserstrahl gegen die zu reinigende Fläche schleudert. Auch hierfür sind mechanische Vorrichtungen vorhanden, welche das in einem geeigneten Support gelagerte Mundstück über das Sieb hin und her führen. Man hat dafür Schrauben oder andere Bewegungseinrichtungen. Neuerdings schlägt August Weihmüller in Düren eine endlose Kette für diesen Zweck vor, welche durch einen Stift den Support für das Spritzrohr in der erwähnten Weise bewegt. (D. R.-P. 117874.)

F. L. Marschhausen in Hasserode reinigt das Sieb durch einen Flachdampfstrahl. Gemäss D. R.-P. 106201 wird derDampf durch das Rohr d, Fig. 88, zugeführt und tritt durch einen schmalen, überdies durch Schraube c einstellbaren Spalt gegen das Sieb g, welches tunlichst nahe an dem Spalt vorübergeführt wird, so dass es tatsächlich kräftig getroffen und dadurch gereinigt wird. Damit der austretende Dampf nicht belästigt, kann die Reinigungsanlage weitgehend eingekapselt werden. Hierzu dient beim Eintritt das Kupferblech b, beim Austritt der Kasten h, e, welcher durch auf dem Siebe schleifende, und dabei die Ränder reinigende Bürsten f, i abgedichtet ist.

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Manchmal ist es sogar notwendig, das Sieb mit Säure zu reinigen. Man macht dies auch so, dass man die Säure auf den Filzschlauch der oberen Gautschwalze bringt, worunter dieser aber sehr leidet und bald zerstört wird. J. M. Shepherd schlägt nun im amerik. Patent 658289 vor, durch eine an die unter dem Siebrahmen zurückgehende Siebpartie sich legende Walze, ähnlich wie bei Leim–, Gummiermaschinen u. dergl., Säure aus einem geeigneten Troge an das Sieb zu bringen. Auf diese Art hat man Zeit und Raum genug, die Säure rechtzeitig abzuspritzen, allenfalls auch den Filzschlauch der oberen Gautschwalze selbst mit Spritzwasser ausreichend zu bedienen, damit jener Schlauch keinesfalls leidet.

Die Deckelriemen werden meist so erzeugt, dass man eine Seele von parallel und ebenliegenden Segeltuchstreifen, welche durch Gummi oder dergl. verkittet waren, mit Kautschuk umhüllte. Diese Riemen können auf zwei Seiten gebraucht werden, so dass die Segeltuchstreifen mit der Lauffläche parallel liegen, auf den beiden anderen Seiten nicht. Um die Riemen auch für alle Seiten benutzbar zu machen, gibt Forsyth nach amerik. Patent 669252 eine Seele aus gewickeltem Segeltuch.

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Bekanntlich werden auf dem Siebe die seitlichen Ränder des noch sehr weichen Blattes abgespritzt, um einen gleichmässigen und widerstandsfähigeren Rand der verbleibenden Papierbahn zu erzielen. Bei der heute üblichen Ausführungsweise werden die abgespritzten Stoffteile mit anderen Fasern und mit dem abfliessenden Stoffwasser fortgeschwemmt und nur teilweise, oft stark verunreinigt, wiedergewonnen. Louis Kittner in Crossen-Mulde gibt nun im D. R.-P. 125163 die Anregung, die abgespritzten, noch sehr weichen, leicht auflösbaren Teile unmittelbar wieder in die Fabrikation zurückzuführen. Hierfür wird, Fig. 89, die durch die Spritz Vorrichtung a von der Bahn p abgetrennte Stoffmasse mit der nun abgegrenzten Bahn um die Gautschwalze, dann aber gesondert auf der Unterseite des Siebes unter dem Spritzrohr b vorbeigeführt, welches die auf dem Siebe haften gebliebenen Streifen in die Mulde c spült, in welche auch die allenfalls erst durch den Walzenschaber w gewonnenen Teile gelangen. Durch Rohr d und eine Pumpe etwa kann der so wiedergewonnene, reine Stoff unmittelbar wieder zurückgeschafft werden. Bemerkenswert ist, dass man sich auf diese Art |605| ersparen kann, auf dem Siebe eine besondere Formateinstellung vorzunehmen, weil man einfach die Spritz Vorrichtung a nach Bedarf mehr oder weniger von der ein für alle Mal eingestellten Bahnbreite abtrennen lässt, nachdem ohnehin das Abgetrennte nicht verloren geht. Wir müssen allerdings dabei bedenken, dass in dieser Weise sehr veränderlicheStoffmengen in den Trog c gelangen, was für das Wegschaffen, insbesondere bei der Pumpe vielleicht Misstände verursachen könnte. Doch ist es immerhin denkbar, dass, gegenüber den jedenfalls aus c wegzuschaffenden bedeutenden Spritzwassermengen, Veränderungen in den Stoffmengen nicht so sehr fühlbar werden.

(Fortsetzung folgt.)

|602|

Verfasser hat einschlägige Entwässerungsversuche unternommen, welche aber noch nicht zu deutlichen Ergebnissen geführt haben.

|604|

Der Verfasser bedauert, nähere Erläuterungen nicht geben zu können, nachdem er auf eine bezügliche Bitte von der Fabrik keine Antwort erhielt.

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