Titel: Neuerungen in der Papierfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1903, Band 318 (S. 683–688)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj318/ar318188

Neuerungen in der Papierfabrikation.

Von Professor Alfred Haussner, Brünn.

(Fortsetzung von S. 668 d. Bd.).

h) Glätten.

Die Papier-Kalanderwalzen leiden unter der Hitze der mit ihnen zusammenarbeitenden Hartwalzen, beziehungsweise durch den hohen Druck während der Arbeit sehr bedeutend. Kleine Teile bröckeln ab und können ernstlich schaden. Ernst Lehmann in Heidenau, beziehungsweise die ausführende, bekannte Fabrik Jos. Eck & Söhne in Düsseldorf, wollen dem nach D. R.-P. 119843 dadurch steuern, dass Asbestfasern, dann geeigneter Dreiviertelstoff mit Zusatzstoffen und Leimmilch in einen drehbaren Kocher gebracht werden. Gedreht wird dann solange, bis die Asbestfaser vollständig mit Leimmilch durchtränkt ist, wobei in irgend einer Art Druck, etwa durch die während des Kochens sich entwickelnden Dämpfe, angewendet wird. Dadurch und durch allfälligen Zusatz von schwefelsaurer Tonerde kann der gewünschte Härtegrad erreicht werden. – Um allenfalls eingeschlossene Luft zu entfernen, werden nach dem Hauboldschen D. R.-P. 99401 Entlüftungsrohre in die Papierwalzen eingebaut.

Anders will Robert Emmel nach D. R.-P. 124725 diesem Verschleiss der Papierwalzen entgegentreten. Er legt zwischen den Papierteil und die eisernen Endscheiben Platten aus schlechten Wärmeleitern, von der Ansicht ausgehend, dass an das Papier unmittelbar während der Drehung nur wenig Wärme übergeht, weil alle Elemente nach der Berührung mit den heissen Hartwalzen frei werden und nur durch die gut leitenden Endscheiben fortwährend Wärme übertragen wird.

Für Hartwalzen werden jüngst von Karl Schürmann in Düsseldorf solche empfohlen, bei denen der harte Mantel auf Achsen aus schmiedbarem Material so aufgepresst wird, dass er an zwei Stellen mit der Achse zusammenhängt, statt an einer, wie es bei den gewöhnlichen Antideflektionswalzen der Fall ist. Die Druck Verteilung wird hier zweifellos günstiger, doch mag eine Nachricht der bekannten Fabrik zum Bruderhaus in Reutlingen angeführt werden, wonach dort solche Walzen schon vor etwa sieben Jahren hergestellt worden sind.

Um übermässigen Glanz zu vermeiden, werden mattgeschliffene Walzen benützt. D. R.-P. 114228.

Auch für Glättwerke wird der Vorschlag gemacht, ähnlich wie es für Pressen von Willi Schacht (auf Seite 664 dieses Aufsatzes) geschah, um eine grössere Mittelwalze mehrere, etwa hydraulisch angedrückte Presswalzen zu legen,so dass das Papier nach und nach durch alle Presstellen geführt wird, nach Verlassen einer derselben abgehoben und dann zur nächsten durch geeignete Leitwalzen wieder zugeführt wird. Amerikan. Patent 639974 von H. M. Harley und E. U. Gibbs.

Andere Patente, wie jene von Brookes und von Krause beziehen sich auf geschickte Einführung der Bahn, beziehungsweise der Bogen.

Julius Wezel in Leipzig schlägt im D. R.-P. 126155 vor, dem Welligwerden des Papiers nach dem Kalandern dadurch vorzubeugen, dass man es im gespannten Zustande eine längere Zeit bis zur völligen Trocknung führt, beispielsweise dadurch, dass man das Papier auf und ab über eng aneinanderliegende Walzen leitet.

Für das Glätten von Buntpapier wird von August Köbig im D. R.-P. 108892 statt des Glättsteines, welcher quer über die Papierbahn geführt und angedrückt wird, eine Walze, an der Papierbahn anliegend, gebraucht, wobei in den Umfang der Walze die Glättsteine entsprechend eingesetzt sind. Gmeiner wendet nach D. R.-P. 101857 zwei Glättsteine im gemeinsamen Halter an.

Bekanntlich ist das Papier, um es in der richtigen Weise zu glätten, oft vorher zu feuchten. Hierfür sind schon eine grosse Anzahl von Apparaten bekannt. Zu diesen treten einige neuere: So jener von Heinrich Schaaf nach D. R.-P. 118312, bei dem eine Drehbürste Wasser aus einem Trog in die Borsten nimmt, an einer geeigneten Anschlagfläche vorüberstreicht, die Borsten abbiegt und dann ausschnellen lässt, wodurch ein Regen auf das Papier gelangt. J. Wezel wendet im D. R.-P. 117228 Zerstäuber an, welche das Wasser gegen eina Feuchttrommel senden, um welche die Papierbahn geführt wird. Leopold Zeyen lässt mittels eines Filzes nach D. R.-P. 113081 Wasser aus einem Gefäss saugen und jenes durch eine das Filzende treffende Schlägerwalze zerteilen. G. T. Pratt wendet Feuchtwalzen an.

i) Schneiden.

Bevor das Papier in diejenige Flächenausdehnung durch Schneiden gelangt, die man braucht, ist es besonders bei der Erzeugung von Feinpapieren, wünschenswert, auf der Papiermaschine, über die Gleichmässigkeit desselben beruhigt sein zu können. Gewöhnlich wird hierfür unmittelbar ein der Bahn entnommener Teil von ganz bestimmter Fläche gewogen. |684| Ununterbrochene Wägung beziehungsweise, was auf dasselbe hinauskommt, Bestimmung der Dicke, hat aber vieles für sich. Neuestens wird ein Apparat empfohlen, bei welchem eine Tasterrolle, welche auf der über eine feste Unterlage geführten Papierbahn gleitet, die Veränderungen der Dicke, abhängig von der Zeit, ununterbrochen aufzeichnet12).

Die für das Schneiden der Bahnen der Länge nach gebräuchlichen Kreisscheeren werden nach wie vor angewendet. In Einzelheiten kommen mehr weniger empfehlenswerte Abänderungen vor. F. Schmidt in Naumburg bringt nach D. R.-P. 110080 die Achse für die obere, nicht unmittelbar angetriebene Schneidscheibe mit einem dazu im Winkel stehenden Teil in Verbindung. Verdreht man den letzteren, so hebt oder senkt man dadurch die Drehungsachse der oberen Schneidscheibe und ist dadurch in der Lage, bequem einzustellen. Um viele schmale Streifen zu erzielen, wendet B. Kollén nach D. R.-P. 104484 federnde Schneidscheibenblätter an, welche geeignet achsial aneinander gedrückt werden, sonach sichern Anschluss und sauberen Schnitt erwarten lassen. F. H. Peukert legt nach D. R.-P. 111218 knapp neben die Schneidscheibe Druckrollen, welche das Papier an den zu erzielenden Rändern festhalten und dadurch saubere Ränder erreichen lassen. E. Oeser benützt nach D. R.-P. 109060 schief gelegte Schneidscheiben, um Kartenblätter mit abgeschrägten Rändern zu versehen.

Damit sind wir allerdings eigentlich bei dem Querschneiden angelangt, das wohl nicht im Zusammenhang mit der Papiermaschine ausgeführt wird, aber hier doch im Anschlusse kurz besprochen werden möge.

Auch Hermann Herbst benützt nach D. R.-P. 122405 Rundmesser zum Querschneiden, angeblich um gefahrloser zu arbeiten, was immerhin fraglich ist. Zuführpresse u. dgl. sind recht verwickelt.

Sehr geschickt ist eine Bogenführung von Friedrich Müller, Potschappel nach D. R.-P. 106469, wobei auf Querschneiden in zwei zueinander senkrechten Richtungen ausgegangen wird. Führungswalzen liefern das an zwei parallelen Seiten beschnittene Papier auf eine Reihe von Federn, welche den Bogen solange etwas hochhalten, bis er die vorerwähnten Walzen ganz verlassen hat und mit dem ganzen Gewicht die Federn belastet. Dadurch werden sie niedergedrückt und kommt der Bogen auf Leitwalzen zu liegen, welche ihn in der zu der vorigen senkrechten Richtung weiter und gegen die zweite Schneid Vorrichtung führen.

Textabbildung Bd. 318, S. 684

Eine hübsche Anordnung bietet Rudolf Kron in Golzern nach D. R.-P. 102064 zum Querschneiden längerer Bahnen. Von den Bahnen b (Fig. 109) wird das Papier über die kreisförmige Leitfläche cd zu dem Drehmesser m geführt, und zwar zieht die Presse c1 das Papier in der richtigen Länge heran, die Presse h klemmt unmittelbar benachbart der Schnittstelle. Beide Pressen werden von der Drehbewegung des Messers m beeinflusst. Auf der Welle a des Messers m befinden sich nämlich in richtiger gegenseitiger Lage die beiden Daumen g und g1, g wirkt auf den Winkelhebel f, welcher mit seinem ungefähr wagerecht liegenden Arm die Stange e stützt, die durch den unteren Pressbalken bis zum oberen c1 geführt ist, sodass c1 durch die Betätigung desDaumens g angehoben, beziehungsweise fallen gelassen wird und dann die Papierbahnen klemmt. Dies geschieht, während die Bahnen durch den einstellbaren Schubstangen-Kurbel-Mechanismus von der Kurbelscheibe b1 aus mittels der Schwingen, welche die Presse c1 stützen und um d1 drehbar sind, herbeigezogen werden. Der Daumen g1 wirkt auf den einen Arm des Winkelhebels f1. Dadurch kann der Bolzen e1, beziehungsweise der obere Pressbalken h gehoben und damit die Zufuhr einer weiteren Länge frei gegeben werden. Die abgeschnittenen Bogen fallen dann auf den angedeuteten Stoss.

Um möglichst viele Rollen unterbringen und sie auch bequem einlegen und auswechseln zu können, baut C. G. Haubold jr. durch D. R. G. M. geschützte Rollenständer, welche keine wagerechten Verbindungsleisten in der Mitte besitzen und daher das Einschieben von Rollenwagen unmittelbar gestatten, solcherart die Arbeit nicht unwesentlich beschleunigend.

Von anderen Querschneidern13) sei des D. R.-P. 111178 von Julius Post in Hamburg gedacht, welcher das Messer um zwei zu einander senkrechte Achsen drehbar macht, um das bewegliche Messer etwas schief gegen das feststehende an diesem vorüber zu führen, um ganz reinen Schnitt zu erzielen. Hübsche Pressen und ziehende Schnittausführung finden wir bei den Scheeren von Chn. Mansfeld in Leipzig-Reudnitz, in der Bauart von G. Homann nach D. R.-P. 103489, in den Konstruktionen von Karl Krause in Leipzig u.a.

Besonders dann, wenn ganze Stösse beschnitten werden sollen so, dass alle Bogen genau dieselbe Grösse erhalten, die Schnittflächen genau lotrecht ausfallen, ist sichere, kräftige Pressung der Stösse unmittelbar bei dem Messer durchaus notwendig. Dies soll aber rasch geschehen, und ebenso wünschenswert ist es, nach dem Schnitt rasch die Presse losen zu können, um die Arbeit zu beschleunigen.

Ganz geschickt ist dies unter anderen bei der Mansfeldschen Scheere durch eine Fusstrittpresse mit Sperrmechanismus gelöst14). Verwickelter ist die Anordnung in der Scheere von Krause nach D. R.-P. 97 985, wobei es allerdings tunlich ist, sowohl einen hohen Stoss, wie auch einen einzelnen Bogen festzuhalten, ohne einen besonderen Handgriff.

Die D. R.-P. 95319 und 95654 von Krause zeigen vierseitige Beschneidmaschinen mit drehbarem Tisch, wo durch einstellbare Anschläge, richtiges rechtwinkeliges, vierseitiges Beschneiden gewährleistet ist. Im D. R. G. M. 95386 zeigt Krause an einer Beschneidemaschine, wie man genau den Vorschub einzustellen vermag, um viele parallele, gleichbreite Streifen zu gewinnen. Auch hier benützt er Stellschrauben und eine geeignete Sperrzahnung. Im D. R.-P. 108919 ist Krause auch ein genauer mechanischer Vorschub patentiert.

Einigermassen im Widerspruch mit den bisherigen Erfahrungen steht das D. R.-P. 100110 von Goss. Es wird hier vorgeschlagen, das Papier nachgiebig durch Bürsten gegen die Messer zu drücken, um glatten Schnitt zu erzielen!

In zahlreichen anderen Patenten und auch Ausführungen ist immer fester Druck gewählt. Rosenthal D. R.-P. 97388, Seybold D. R.-P. 97087, Leland & Faulconer (schiefer Schnitt) D. R.-P. 97231 u.a.

Für das Rollen der zugeschnittenen Bahnen ist keine wesentliche Neuerung zu verzeichnen. Die Holzwarenfabrik Burgthan empfiehlt Holzhülsen mit gepressten Stahlringen von ∪-Querschnitt armiert; Frank nach D. R.-P. 114044 und Smith geben der Länge nach geteilte Hülsen zum bequemen Ausziehen aus der Rolle an; Th. Savery im D. R.-P, 124920 eine veränderliche Belastungsvorrichtung für die Wickelwalze, um den Andruck derselben entsprechend dem wachsenden Durchmesser der Wickelwalze zu regeln; H. Gmeiner in seinem D. R.-P. 109931 zeigt wieder eine Ausstreifvorrichtung mittels schiefer Reibungsflächen für die aufzuwickelnde Bahn.

5. Rundsiebmaschinen.

Das diese Art von Papiermaschinen charakterisierende Rundsieb bedarf der sorfältigsten Ausführung, um den Anstrengungen, insbesonders durch die am oberen Scheitel |685| befindliche Abnehmwalze, gewachsen zu sein. Je breiter (länger) dabei dieses Sieb wird, desto heikler wird es begreiflicherweise. Daher und auch der bequemen Bedienung halber geht man bei Pappenmaschinen nicht gerne sehr weit, so dass hierbei Maschinen mit einer Breite bis zu 130 cm etwa zu den beliebteren gehören, ohne damit sagen zu wollen, dass nicht auch Rundsiebmaschinen von wesentlich grösserer Breite, selbst bis gegen 3 m heute gebaut werden.

Um solche Siebe ausreichend fest zu bekommen, wurden schon in den vorangegangenen Berichten viele Anordnungen aufgezählt. Auch diesmal sind etliche zu verzeichnen. Heinrich Kutschera in Bubna bildet die Mantelfläche nach D. R.-P. 119372 aus einer kräftigen, in Spiralen gewundenen Drahtlage, wobei in den Draht geschlungene Oesen sich um Querstäbe legen, welche in die Zylinderdecke eingelassen sind. Diese Oesen sind auch sehr gut geeignet, um die Schlitzweite, den Zwischenraum zwischen den einzelnen Drahtlagen zu regeln.

Leopold Zeyen in Raguhn wendet bei seinen Rundsieben nach D. R.-P. 103676 einen gelochten Blechmantel als eigentliche Unterlage für das Sieb an. Damit aber die Unterlage, welche wegen der notwendigen Oeffnungen sehr geschwächt ist, sich nicht ungehörig durchbiegt, wird dieselbe noch durch einen innerhalb eingezogenen Wellenblechmantel gestützt, der in den Wellentälern genügend Löcher für den Wasserabfluss erhält.

Im D. R.-P. 104897 verwendet Leopold Zeyen als Siebstütze Ringe r, Fig. 110, von ∪-förmigen Querschnitten, wobei die Flantschen f die Stäbe t stützen, während die Basis s des ∪ mit vielen Löchern versehen ist, um das andringende Wasser rasch durchzulassen. Die ∪-Ringe werden dann durch geeignete Armkreuze, wie aus der Figur unmittelbar zu ersehen, mit der Achse verbunden.

Textabbildung Bd. 318, S. 685

Um den der Maschine zufliessenden Stoff ständig beobachten zu können, empfiehlt E. J. Eichhorn in Glashütte im D. R.-P. 105616 an das Zuflussgerinne ein kommunizierendes Rohr anzuschliessen, das in einen Trichter mit Ueber-lauf übergeht, dessen Höhenlage eingestellt werden kann. Dadurch ist der beabsichtigte Zweck allem Anscheine nach gut zu erreichen, besser als in der heute üblichen Weise, wonach von Zeit zu Zeit Stoffproben aus dem Gerinne genommen werden.

Um zu verhindern, dass sich noch vor dem Sieb in der Bütte, insbesonders in den vom Rundsieb entfernteren Winkeln Stoff u. dergl. ungehörig absetze, sind Rührer verschiedener Art bereits in Gebrauch. Friedrich Kurtz in Wernsdorf schlägt nun im D. R.-P. 103 915 vor, solche Rührer aus glatten, ebenen Scheiben zu bilden, welche untereinander parallel, aber schief auf eine Drehachse aufgebracht werden. Bei der Drehung wirken diese Scheiben auf die umgebende Flüssigkeit hin und her treibend, abweichend von einer Schraube, bei welcher sich ein Strom nach derselben Richtung ergibt. Abgesehen davon, dass damit wirklich das Absetzen von Stoffteilen gut hintangehalten werden kann, werden bei der Kurtz sehen Anordnung die Fasern sehr durcheinander gewirbelt, was auf die Verfilzung immerhin günstigen Einfluss üben kann.

In anderer Art sucht die Maschinenbau-Anstalt u. Metalltuch-Fabrik in Raguhn nach D. R.-P. 102738 ähnliche Zwecke zu erreichen. Sie bildet eine Art Rechen aus wagerechten Leisten an lotrechten Stangen. Die Leisten enden ziemlich nahe an der Umfläche der Siebtrommel und werden mittels der lotrechten Stangen, beziehungsweise durch ein geeignet angeordnetes Exzenter rasch auf und ab bewegt. Es wird erhofft, dass insbesonders dann, wenn ein solcher Rührer in der Nähe derjenigen Stelle, wo das Rundsieb bei seiner Drehung aus den Stoff heraustritt, angebracht wird, die Flüssigkeit an der Umfläche des Siebzylinders in eine so starke Bewegung, gewissermassen schwingend, versetzt werde, dass dadurch die Stoffasern verhindert werden, sich ungleichmässig zu verteilen, also auch ungleichmassiges Papier hervorzurufen, unbeschadetdes Umstandes, dass die Fasern für bessere Verfilzung gut durcheinander kommen.

Um die Breite der auf der Rundsiebmaschine herzustellenden Papierbahn zu verändern, bleibt heute kaum etwas anderes übrig, als entweder ein anderes, entsprechendes Rundsieb zu nehmen, oder auf das vorhandene, zu breite, seitlich Zeugstreifen aufzunähen und so einen Teil der Sieboberfläche zuzudecken. Deckelriemen, analog jenen bei den Langsiebmaschinen, sind hier mit Rücksicht auf die ganze Anordnung schwer anzubringen. Interessant sind in dieser Richtung zwei neuere Vorschläge. Beveridge und Frye schlagen im amerikan. Patent 659283 einen bleibenden Deckelriemen vor. Die äussersten, an den Stirnwänden liegenden Siebmantelteile werden durch Zeug- bezw. Metallstreifen 13 (Fig. 111, 112) bestimmter Breite beständig gedeckt erhalten. In derselben Breite ist ein endloser Deckelriemen 14 vorhanden, welcher über Leit- und Einstellrollen so geführt wird, dass er bei jedem der Siebe einen guten Teil des Umfanges umgibt. Die Rollen 16 sind mittels 20, 21 nach der Breite stellbar und nehmen dabei durch Randscheiben den Deckelriemem mit, was mit Rücksicht auf die ausreichende Länge der anderen Leitrollen 15, 17 und 18, sowie Spannwalze 19 anstandslos möglich ist. Die papierbildende Oberfläche des Rundsiebes 7, 9 im Trog 3 und mit Welle 8 ist damit wirklich für den durch Zulauf 1, 2, 4 ankommenden und die Höhen 5, beziehungsweise 6 einhaltenden Stoff innerhalb gewisser Grenzen regelbar. Nur muss das Sieb um die Breite der Streifen 13 länger sein, als die grösste, auf der Maschine herzustellende Bahnbreite. Nassfilz 10 und Gautschwalze 11 bieten gegen die gewöhnlichen Ausführungen nichts Besonderes. Die Füsse 12 gestatten den Deckelriemen unterhalb der Tröge zurückzuführen.

Textabbildung Bd. 318, S. 685
Textabbildung Bd. 318, S. 685

Anders versuchen Bidwell und Reynolds im amerikan. Patent 587918 der Aufgabe beizukommen. Sie fassen den Deckelriemen, ähnlich geleitet, wie in den beiden vorigen Figuren in einen Rahmen, an den sich seitlich, gegen die Stirnwände des Rundsiebes teleskopartig in einander schiebbare Mäntel anlegen. Auf den ersten Blick glaubt man so noch mehr als mit der vorerwähnten Anordnung zu erreichen. Doch bieten allem Anscheine nach die ineinander schiebbaren Wände so bedeutende Herstellungs–, Erhaltungs- und Gebrauchsschwierigkeiten, dass man dem Bidwell-Reynoldsschen Gedanken kaum Erfolg verheissen kann.

Wird die Rundsieb- als Pappenmaschine benutzt, so ist der Umfang der Formativalze bestimmend für die Grosse des herzustellenden Pappebogens. Es ist üblich, für eine neue Grosse eine ganz neue Formatwalze zu gebrauchen. Alfred Menzel in Ulbrichsberg will dem einigermassen durch Anordnungen steuern, welche sich in den D. R.-P. 120285 und 124558 finden. In der einen Art wird die Mantelfläche der Formatwalze aus geeigneten Stäben gebildet, welche in ausreichender Zahl für einen bestimmten Umfang über die zugehörigen Endscheiben zusammengestellt werden. In der anderen Art bleiben die Endscheiben dieselben und mit den zugehörigen Achsenteilen fest verbunden, während nach Bedarf die Mäntel gewechselt werden. Damit |686| diese auf die bereits vorhandenen Endscheiben passen, haben die Mäntel nach innen geeignete, das Passen veranlassende Ansätze, mit denen auch die Mäntel an die Endscheiben geschraubt werden können.

Gaston Brigalant bezweckt im D. R.-P. 100394 den Druck, unter welchem das Aufwickeln bei der Formatwalze stattfindet, der Dicke des Blattes gemäss zu regeln. Hierfür hebt er entweder die Formatwalze mittels geeignet angetriebenen Schraubenspindeln proportional zur Drehung, also auch zum Anwachsen des Formatwalzenhalbmessers, oder aber er verringert die Belastung für den Andruck dadurch, dass er proportional zur Walzendrehung das Gewicht an seinem Hebelarm gegen dessen Drehpunkt schiebt. Brigalant will durch dieses Mittel vermeiden, dass die Pappe, insbe-sonders solche aus Lederabfällen, zerdrückt werde. Man vergleiche hierzu auch die Anordnung von Savery, welche beim „Rollen“ Seite 684 erwähnt worden ist. Etwas ähnliches versucht Bernerd Eilers nach amerikanischem Patent 608849 zu erreichen. Er drückt gegen die auf der Formatwalze sich aufwickelnden Schichten nacheinander zwei Presswalzen und hofft dabei durch geringeren Druck bessere und vor allern schonen dere Entwässerung zu erzielen als durch eine Presse mit verhältnismässig hohem Druck. Dagegen presst F. H. Fröhlich & Sohn nach D. R.-P. 99452 durch eine Walze mit vertieftem Muster noch auf dem Nassfilz Tapetenpapiere mit hohem Relief.

Um Lösch- und Filterpapier recht saugfähig, porös, zu machen, schlägt F. A. Fletcher im amerikan. Patent 645081 vor, die ganze Nasspartie in einen Vakuumkasten zu schliessen. Dadurch und durch Erhitzen der feuchten Papierbahn wird sie entwässert, ohne gepresst worden zu sein. Dieser Vorteil scheint wohl zu teuer erkauft. Vergl. den Vorschlag von Fairbanks und Fish auf S. 667 dieses Aufsatzes.

Eine mehrfach Rundsiebmaschine von Hans Schalcher nach D. R.-P. 98905 ermöglicht die in zwei Abteilungen erzeugte, mehrfache Stoffbahn während des ganzen Laufes zu beobachten. Wir erkennen in Fig. 113 die beiden Abteilungen zu je drei Zylindern c, c1. Aus der Abteilung A kommt die Bahn in der Pfeilrichtung mit dem Nassfilz f sichtbar gegen einen Egoutteur e, welcher die Bahn auf den zweiten Nassfilz f1 überzuführen ermöglicht, in die zweite Abteilung B, von wo die Bahnen immer sichtbar in die Pressen usw. gelangen. Antriebräder d, d1, beziehungsweise Zugwalzen z, zl vermitteln die Bewegung.

Textabbildung Bd. 318, S. 686

In der mehrfach Rundsiebmaschine von A. W. Case nach amerikan. Patent 642083 wird eine Seite der Papierbahn gemustert, bezw. gefärbt dadurch hergestellt, dass mit gewöhnlichen weissen Bahnen eine andere zusammengegautscht wird, welche aus einer besonderen Bütte durch ein endloses Sieb geschöpft wird. Aehnlich ist die Herstellung des Doppelpapieres von Crump nach D. R.-P. 96558. Bordier gautscht nach franz. Patent 274597 Draht in Papier.

6. Verschiedene andere Papiermaschinen.

Ganz eigentümlicher Art, beziehungsweise erinnernd an ältere, bereits bekannte Apparate sind die von A. W. Case, welche derselbe in drei amerikan. Patenten geschützt erhielt. Im amerikan. Patent 598241 wird von dem sonst üblichen Auf- beziehungsweise Anfliessen des Stoffs an das Entwässerungssieb abgegangen. Vielmehr wird der offenbar sehr dickflüssig zugebrachte Stoff durch eine Art Krempelwalze von hoher Umfangsgeschwindigkeit erfasst und gegendie eine Fläche eines endlosen Siebtuches geschleudert und durch dieses den Pressen zugeführt. Auch ein Saugkasten kann eingeschaltet sein. Schichtenweise Anordnung wird hierbei wohl nicht vorkommen, ob aber ein besseres Produkt erzielt wird, mag dahingestellt bleiben.

Im amerikan. Patent 665063 lässt Case den Stoff unmittelbar in Rahmen einlaufen, deren Boden ein damit nicht zusammenhängender Filz bildet. Auf den Stoff setzt man eine Pressplatte, darauf wieder einen Filz und auf diesen einen Rahmen u.s.f. bis man eine ausreichende Zahl übereinander hat. Dieser Stoss wird dann hydraulisch gepresst und solcherart eine Pappe von beliebiger Stärke erzeugt.

Textabbildung Bd. 318, S. 686

Im amerikan. Patent 667902 schlägt Case im Vereine mit J. Gray eine andere eigentümlich gebaute Maschine vor (Fig. 114). Zwei Langsiebe b, c werden geeignet über Walzen b1-b5, beziehungsweise c1-c5 geführt. Dadurch, dass b1 und c1 in einem Bogenschlitz a3 stellbar sind, gewinnt man einen keilförmigen, nach oben offen und durch seitliche Wände auch dahin abgeschlossenen Raum, in welchen durch e Papierstoff einfliesst. Dieser wird zwischen den beiden Metalltüchern über Registerwalzen b6 geleitet bis zu den ersten Press walzen g, b3. Von dort geht die Papiermasse nur mildem Obersieb gegen die zweite Presse h, f1, mit Unterfilz f, der die Pappe schliesslich auch aus der Maschine führt. Bei i wird das rückkehrende Obersieb gewaschen, a, a1, a2 ist das Gestelle der Maschine.

7. Antrieb von Papiermaschinen.

Der unmittelbare Zusammenhang der verschiedenen Arbeitsprozesse in den Papiermaschinen bringt es mit sich, dass der Antrieb derselben gewisse Besonderheiten bedingt. Während der Bildung des Papierblattes findet eine fortwährende Längenänderung in den einzelnen Teilen der Bahn statt, sodass, sofern man sicher vermeiden will, dass die Bahn reisse, Geschwindigkeitsänderungen vom Auflauf des Stoffes bis zum Aufrollen der fertigen Papierbahn vorgenommen werden müssen. Bei der grossen Länge der Papiermaschinen machen Wellentransmissionen bereits Schwierigkeiten. Zur Abhilfe wurden Reibungstriebe verschiedener Art vorgeschlagen. Der Seyboldsche Reibräderantrieb ist vieler Orten gerne gesehen. Jüngst hat die Maschinenfabrik |687| Füllner in Warmbrunn zwei Anordnungen, die sehr viel Vertrauen verdienen, patentiert erhalten. Im D. R.-P.108311 ist ein Seiltrieb für Papiermaschinen angegeben. Wir erkennen in Fig. 115, 116 zwei Arten der Ausführung in Grund- und Aufriss, und zwar oberirdisch und unterirdisch in einer Figur vereint. Im Falle des unterirdischen Antriebes wird man wohl am einfachsten den Forderungen nach Sicherung vor Unfällen gerecht, indem solche Triebe in gedeckten Kanälen der unmittelbaren Berührung entrückt sind, während sonst Verkleidungen der bewegten Teile angebracht werden müssen. Von der mehrrilligen Seilscheibe b gehen entweder Einzelseile oder die Teile eines zusammenhängenden Kreisseiltriebes zu den Seilscheiben d-m für jene Wellen, welche in die Papiermaschine die Kraft für einen besonderen Teil derselben übertragen sollen. Dabei sind auch noch Riemenkegelgetriebe d1, d2 – m1, m2 vorgesehen, um innerhalb einer bestimmten Arbeitstätte sich den dort herrschenden Verhältnissen vollkommen anpassen zu können. Gebraucht man ein Kreisseil, so läuft dasselbe abwechselnd über die zum Antriebe der verschiedenen Teile der Papiermaschine dienenden Scheiben und über je eine Seilnut der Trommel b. Von der letzten Nut der Trommel wird das Seil unter Vermittlung einer schräg gelagerten Seilscheibe r nach der ersten Nut der Trommel zurück geleitet. Seilscheibe r wirkt auch als Spannrolle, indem über Rolle t durch Gewicht p auch die Spannung gegeben ist, woraus sich die leichte Regelung ergibt, dabei ruhiger, zuverlässiger Gang aller Einzel wellen. Führt man, wie in der Patentschrift auch angegeben, die Seilrollen d usw. lotrecht zur Achse durch eine Mittelebene geteilt aus, so kann durch Nähern oder Entfernen dieser Hälften auch der Halbmesser für das auflaufende Seil und damit, ohne den Kegel-Riemenscheibenbetrieb, unmittelbar bei jeder Welle, allerdings in bescheidenen Grenzen, die Geschwindigkeit geändert werden.

Um die bewegten Massen nach Möglichkeit herunterzudrücken und dadurch die rasche Aenderung der Geschwindigkeit (besonders bei den heutigen hohen Werten derselben) an den einzelnen Arbeitstellen zu erleichtern, gibt H. Füllner im D. R.-P. 112169 einen ungewöhnlichen Reibräderantrieb an, der aber nichtsdestoweniger sehr vieles für sich hat, Fig. 117. Auf der parallel zur Längsrichtung der Papiermaschine liegenden Haupttransmissionswelle a sind verschiebbare Reibrollen b angebracht. Diese arbeiten mit Reibscheiben e zusammen, die je auf den einzelnen Wellen c sitzen, welche die Kraft in die Abteilungen der Papiermaschine übertragen. Diese Scheiben e sind im wesentlichen Blechringe, welche in entsprechende Nabenteile geklemmt sind. Der Andruck wird durch einstellbare Rollen g im Gestelle f veranlasst. Um die Winkelgeschwindigkeit der getriebenen Wellen zu ändern, hat man nur die Rollen b näher oder ferner vom Mittelpunkte der bezüglichen Scheibe e einzustellen, was mittels des bei h angedeuteten Winkelhebels und eines geeigneten, bei k zu denkenden Schrauben-Mechanismus tunlich ist. Um vor dem Anlassen der Maschine einzelne Teile bereits derart einstellen zu können, dass für die genauere Regelung der im Gange befindlichen Maschinenur mehr geringe Verschiebungen der Triebräder b auf der Welle a erforderlich sind, werden sämtliche Lager der Welle a sowie auch die zur Lagerung der Druckrollen dienenden Böcke auf Fundamentschienen parallel zur Welle a verschiebbar angeordnet. Man kann auch selbstverständlich jedem Einzelantrieb seine eigene Hauptwelle a geben und dadurch die Abteilungen unabhängiger von einander machen. Um ausreichend Reibung zu gewinnen, sind entweder die Triebräder b oder die Ringe e mit Gummi, Leder oder dgl. bezogen. Die Blechscheiben e sind in ihrer Stärke den jeweiligen Verhältnissen anzupassen.

Textabbildung Bd. 318, S. 687
Textabbildung Bd. 318, S. 687

Was die Mitnahme der Papierbahn unmittelbar anlangt, so hat hierfür Hermann Gmeiner in Benndorf im D. R–.P. |688| 108418 einen interessanten Gedanken niedergelegt. Statt die Papierbahn zwischen zwei Walzen durch den Andruck derselben mitnehmen zu lassen, nimmt Gmeiner nur eine, aber hohle und mit durchlöchertem Mantel ausgestattete Walze, an deren Innenseite gut abgedichtet sich ein Segment legt, aus dem in irgend einer Art achsial die Luft abgesaugt wird.Es presst somit der äussere Luftdruck die Bahn sehr schöner, d an die Walzenumfläche, wodurch die Bahn sehr sicher mitgenommen wird. Das Saugsegment ist im Kreise einstellbar, um die Stelle wählen zu können, an welcher die Bahn an der Walze liegen soll.

Textabbildung Bd. 318, S. 688

(Fortsetzung folgt.)

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Vergl. den Apparat von Schopper; D. p. J. 1896, 301, 148.

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Vergl. die verschiedenen Berichte d. Verfassers in D. p. J. 1892, 286, 1894, 294, 1896, 301, 1898, 310 usw.

|684|

Vergl. D. p. J. 1898, 310, 152.

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